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Löwen im Winterschlaf

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Löwen schlafen bekanntlich viel, einen Winterschlaf hält das Braunschweiger Wappentier aber eigentlich nicht. Eigentlich, denn die zweibeinigen Löwen, die am Freitagabend im Eintracht-Stadion aufliefen, verpennten gleich die vollen 90 Minuten. Es war ein Auftritt, der in allen Bereichen Sorgen verursacht. Dem wiedererstarkten Gast aus Magdeburg gelang ein müheloser Auswärtssieg, der mit 0:3 auch in der Höhe verdient ausfiel. Den im weiß-schwarzen Jubiläumsdress auflaufenden Löwen gelang offensiv so ziemlich gar nichts. Wirklich eingreifen musste der Gäste-Keeper kein einziges Mal. Ein enttäuschender Auftritt zum Jahresbeginn und eine hochverdiente Niederlage für die chancenlose Eintracht.

Eintracht-Coach Heiner Backhaus entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Kevin Ehlers, Patrick Nkoa, Sven Köhler (C) – Johan Gómez, Max Marie (65. Anas Bakhat), Florian Flick (46. Lukas Frenkert), Leon Bell Bell (82. Fabio di Michele Sánchez) – Robin Heußer (90.+3 Sidney Raebiger), Erencan Yardimci, Faride Alidou (46. Sidi Sané)

Eine Gruppe von Fußballspielern und Trainern steht zusammen und umarmt sich auf dem Spielfeld nach einem Spiel. Im Hintergrund sind leere Zuschauerplätze sichtbar.

Die erste Eintracht-Minute im neuen Jahr war noch nicht abgelaufen, als der erste Magdeburger bereits frei vor Löwen-Schlussmann Thorben Hoffmann auftauchte. Plötzlich war die gesamte Zentrale offen, Atik steckte auf Zukowski durch, der völlig freie Bahn hatte, aus zwölf Metern aber am überragend reagierenden Hoffmann scheiterte. Hätte Zukowski quergelegt, hätte Pesch nur noch ins leere Tor einschieben müssen. Zwei Zeigerumdrehungen später war Hoffmann erneut gefragt und musste bei einem langen Ball in höchster Not mit dem Kopf vor Nollenberger klären. Zehn Minuten waren gespielt, als Pesch gefährlich im Strafraum auftauchte, seinen Schuss fälschte Florian Flick haarscharf über den Kasten ab. Bei der anschließenden Ecke konnte Hoffmann die Hereingabe nicht festhalten, da er aber klar gefoult worden war, entstand dadurch keine Gefahr.

Die Anfangsviertelstunde war noch nicht abgelaufen, als Nollenberger sich links im Strafraum gegen zwei Löwen durchsetzen konnte, den Ball aus spitzem Winkel aber direkt in die Arme von Thorben Hoffmann bugsierte. Nach 20 Minuten feuerte Kapitän Köhler den ersten Eintracht-Schuss Richtung Tor. Der Flachschuss aus gut 30 Metern rollte aber ein gutes Stück am linken Pfosten vorbei ins Aus. Zehn Minuten später zog auch Max Marie aus der zweiten Reihe ab, sein Fernschuss wurde zur Ecke abgefälscht. Diese servierte Köhler auf den ersten Pfosten, Yardimci verlängerte die Kugel aus spitzem Winkel ans Außennetz. Kurz darauf erwischte der Stürmer einen Einwurf von Johan Gómez mit dem Kopf. Der Ball hüpfte auch Richtung Tor, ob man das als Torschuss werten konnte, sei mal dahingestellt. Reimann nahm die Kugel locker auf.

Fußballspiel im Eintracht-Stadion, Spieler der Magdeburger Mannschaft helfen einem verletzten Kollegen, während die Fans im Hintergrund ihre Team supporten.

Gerade schien es, als würden sich die Löwen etwas finden, da setzte der defensive Kollektivschlaf ein. Mehrfach fehlte der Eintracht der Zugriff. Völlig überraschend für die Eintracht tauchte Baris Atik am Strafraum auf, und dass dieser einen guten Abschluss hat, war anscheinend auch neu für die BTSV-Abwehr. Mit zwei billigen Haken ließ Atik zwei Löwen stehen und hatte aus 19 Metern freie Schussbahn. Thorben Hoffmann kratzte den Ball noch aus dem linken Winkel, parierte das Spielgerät aber nach vorne genau in die Gefahrenzone. Dort reagierte Zukowski schneller als seine Blau-Gelben/Weiss-Schwarzen Gegenspieler und traf ins leere Tor. Insgesamt nicht unverdient, doch zu einem überraschenden Zeitpunkt, das 0:1.

Nun brachen die Löwen ein und hatten Glück, dass es nur bei einem Gegentreffer blieb. Nach einer Ecke kam Pesch aus kurzer Distanz ziemlich frei zum Abschluss, traf den Ball aber nicht richtig und setzte seinen Versuch doch recht klar am Tor vorbei. In der Nachspielzeit hatten die Einträchtler im Luftduell gegen Michel das Nachsehen. Der Magdeburger köpfte aus kurzer Distanz aber über den Kasten von Thorben Hoffmann.

Dann war Halbzeit. Leichte Pfiffe und viel Stille hallten durchs Eintracht-Stadion. Die Eintracht-Fans unter den 22.436 Zuschauern hatten eine über weite Teile schlimme erste Halbzeit des Jahres ertragen müssen. Anscheinend hatten es die Löwen so gar nicht verkraftet, kein Testspiel absolvieren zu können. Die Mannschaft wirkte uneingespielt, ideenlos, harmlos. Kurz gesagt: ganz schwach. Trainer Heiner Backhaus brachte Sidi Sané und Lukas Frenkert für Winter-Neuzugang Faride Alidou und Florian Flick.

Eintracht-Spieler betreten das Stadionfeld mit Zuschauerplätzen im Hintergrund.

Doch der Mannschaftsauftritt änderte sich nicht. Eine gute Minute war gespielt, als die Magdeburger die Löwen schwindelig spielten. Pesch hatte acht Meter vor dem Tor scheinbar freie Schussbahn, aber eine tolle Grätsche von Kevin Ehlers verhinderte den wohl sicheren Einschlag. Die anschließende Ecke köpfte Zukowski weit über den Querbalken. Zehn Minuten später rutschte Leon Bell Bell im Aufbauspiel unbedrängt weg und so hatten die Gäste plötzlich Überzahl. Ulrich suchte mit einem Querpass Pesch, der nur noch hätte einschieben müssen, doch im letzten Moment kam Kevin Ehlers dazwischen und schlug den Ball zum rechten Strafraumrand. Dort foulte Köhler unnötig gegen Ulrich, immerhin gerade noch außerhalb des Strafraums. Den fälligen Freistoß spielten die Gäste flach in den Rückraum, wo Hercher ziemlich unbedrängt zum Abschluss kam. Patrick Nkoa stand in der Schussbahn und konnte blocken.

Fünf Minuten später köpfte Zukowski nach einer Ecke klar am Tor vorbei. Auf der anderen Seite tauchte plötzlich Kevin Ehlers an der rechten Grundlinie auf. Seine Flanke wurde gerade noch vor Erencan Yardimci geklärt. Immer wieder bekamen die Löwen nun aussichtsreiche Standards. Die Ausführung dieser Standards war aber kurz gesagt: schlecht. Anders der FCM: Nach einer kurz ausgeführten Ecke folgte die Flanke, Mathisen kam aus kurzer Distanz zum Kopfball, verfehlte das Ziel aber klar. Mit Beginn der Schlussviertelstunde war es mal wieder sehr einfach für die Gäste: Ein Steilpass auf Zukowski ließ die Abwehr alt aussehen. Zukowski hatte eigentlich recht viel Zeit und Platz, zog aus spitzem Winkel aber überhastet ab, Hoffmann konnte parieren. Ein paar Minuten danach kam Ghrieb an der Strafraumkante zum Abschluss, seine Volley-Direktabnahme flog aber über den Kasten.

Eine Gruppe von Fußballspielern in sportlicher Teamkleidung, stehend am Spielfeldrand, während sie auf das Spielgeschehen blicken. Ihre Gesichtsausdrücke zeigen Konzentration und Besorgnis.

Wenige Augenblicke später war die Eintracht erneut überrascht, dass Baris Atik versuchte, ein Tor zu erzielen. Wieder machten es die Gäste simpel wie effektiv gegen aufgerückte Löwen. Ghrieb verlagerte das Spiel nach links, von dort zog Atik viel zu einfach an Kevin Ehlers vorbei nach innen und vollstreckte aus 14 Metern in die untere rechte Ecke. Das war die Entscheidung, das 0:2.

Die Gäste hatten Lust auf mehr und brachten kurz darauf Ghrieb in eine Schussposition, der aus 14 Metern wuchtig, aber unplatziert abschloss. Thorben Hoffmann war erneut da und verhinderte das 0:3. Doch der Ball blieb heiß und landete bei Hercher, der aus spitzem Winkel das leere Tor anvisierte. Doch ein Eintracht-Bein war noch entscheidend dran und lenkte die Kugel neben den Kasten. Eine Zeigerumdrehung danach bediente Atik im Strafraum Ghrieb, der aus kurzer Distanz geblockt wurde. Wenige Augenblicke später rettete Hoffmann nach einem langen Ball gerade noch per Kopf vor Atik. Dann kam mal wieder die Eintracht: Yardimci legte eine Flanke für Robin Heußer ab, der den Ball aus 16 Metern per Direktabnahme über den Querbalken knallte.

Zwei Fußballspieler, einer in blauer Uniform mit der Nummer 5 und der andere in grüner Torwartausrüstung mit der Nummer 1, stehen auf dem Spielfeld und sehen besorgt aus. Im Hintergrund sitzen Fans im Stadion, einige schwenken Trikots und Fahnen, während ein weiterer Spieler in weißer Ausrüstung sitzend auf dem Rasen wirkt niedergeschlagen.

Im direkten Gegenzug zeigte die Eintracht kaum noch Gegenwehr. Gnaka bediente mühelos Ghrieb, der in den Strafraum eindringen und aus 14 Metern abschließen konnte. Entscheidend abgefälscht flog das Leder im hohen Bogen über Thorben Hoffmann und klatschte auf die Oberkante der Latte. Von dort prallte der Ball ins Aus. Mit Ablauf der regulären Spielzeit setzten sich die Magdeburger im Löwen-Strafraum fest. Die Eintracht bekam keinen Zugriff und hatte dann auch noch das Pech, dass Ghrieb den Ball eher unabsichtlich genau zu Maximilian Breunig spielte, dem Bruder von Louis Breunig. Dieser hatte aus zehn Metern keine Mühe, den Ball ins linke untere Eck zu vollstrecken. Der dritte Gegentreffer und das ging in Ordnung, 0:3.

Als wäre die grausige Leistung nicht genug gewesen, gab es auch noch fünf Minuten Nachschlag. Und als süße Nachspeise gab es immerhin den ersten richtigen Schuss aufs Tor der Gäste zu sehen. Sidi Sané tankte sich an mehreren Gegenspielern vorbei, sein Schuss aus 18 Metern segelte aber genau in die Arme von FCM-Keeper Reimann, der ein erstes Mal wirklich eingreifen musste. Und das in der Nachspielzeit!

Anzeigetafel im Eintracht-Stadion zeigt das Endergebnis 0:3 für den 1. FC Magdeburg gegen Eintracht Braunschweig am 16. Januar 2026.

Kurz darauf war Schluss. Das Rück in Rückrunde steht wohl für Rückschlag, denn so muss man das erste Spiel im neuen Jahr definitiv bezeichnen. Eine Leistung, die nach allen Parametern wirklich extrem schwach war. Da haben sowohl das Trainerteam um Heiner Backhaus als auch die Transfer-Trüffelschweine von Benjamin Kessel noch Arbeit vor sich. Ein sehr ernüchternder Start ins erste Zweitliga-Wochenende 2026.

Bis dahin

Euer Kivi

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