Nah dran
8 min readDie Löwen sind gegen die beste Heimmannschaft der 2. Bundesliga nah am ersten Auswärtspunkt und hätten dem Hamburger SV beinahe den ersten Punktverlust im Volksparkstadion zugefügt. Doch nachdem der vermeintliche und möglicherweise verdiente Ausgleich durch den VAR zurückgenommen wurde, mussten sich die Blau-Gelben im ersten Auswärtsspiel von Trainer Daniel Scherning mit 2:1 geschlagen geben. Fabio Kaufmann erzielte vor über 55.000 Zuschauern den Anschlusstreffer gegen die Rothosen.
Kalt war es im zugigen Gästeblock im Volksparkstadion. Wenig erwärmend war die Currywurst, denn heiß ist etwas anderes. Die Currysoße war ok, die Currybratwurst wirklich in Ordnung. Die etwas kleine Portion war insgesamt sehr durchschnittlich. Von mir gibt es somit eine 6,5/10.

Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Robert Ivanov, Saulo Decarli (43. Hasan Kuruçay), Ermin Bičakčić – Marvin Rittmüller, Jannis Nikolaou (C, 46. Robin Krauße), Anton Donkor – Fabio Kaufmann, Þórir Helgason (63. Sidi Sané)- Johan Gómez (85. Kaan Caliskaner), Florian Krüger (63. Maurice Multhaup)
Die Gastgeber, die seit dem ersten Heimspiel gegen den FC Schalke 04 im Volksparkstadion ohne Gegentor blieben, übernahmen sofort die Spielkontrolle, zeigten aber noch nicht den zwingenden Zug zum Tor. Und so waren es die auswärts noch punktlosen Löwen, die den ersten Torabschluss hatten. Anton Donkor setzte sich auf der linken Seite gegen Mikelbrencis durch und flankte von der Grundlinie auf den zweiten Pfosten. Dort kam Marvin Rittmüller heran gerauscht, ging volles Risiko und nahm den Ball direkt. Sein Dropkick aus etwa elf Metern ging aber klar am Tor vorbei. Auf der anderen Seite kamen die Blau-Gelben bei durchaus gefährlichen Angriffen der Rothosen immer wieder dazwischen, bevor es richtig gefährlich werden konnte.

Die Hamburger waren nun aber fast durchgehend am Strafraum der Eintracht. Doch durch einen eigenen Fehler im Spielaufbau kamen die Gastgeber zur ersten richtig guten Gelegenheit. Saulo Decarli spielte den Ball Bakery Jatta in die Füße, der blitzschnell auf Robert Glatzel durchsteckte. Der Stürmer mit mehr Torbeteiligungen, als wir Tore erzielt haben, tauchte alleine vor Thorben Hoffmann auf und versuchte den Löwen-Keeper zu umkurven. Doch der hatte das geahnt und schmiss sich im richtigen Moment auf den Ball. Klasse Tat von Hoffmann, der somit den Rückstand verhinderte!
Wenige Augenblicke später kam der HSV erneut, doch der Fernschuss von Meffert flog knapp über den Kasten. Vier Minuten später sah Kaufmann, dass sich Johan Gómez von seinem Gegenspieler davon gestohlen hatte und suchte den US-Amerikaner mit einem Steilpass, packte aber etwas zu viel Kraft in seinen Pass, sodass HSV-Keeper Heuer Fernandes zuerst am Ball war. Nur eine Minute später zog Donkor von seiner linken Seite nach innen, ließ Ramos einfach stehen und zog ab. Der Schuss mit dem schwächeren Rechten geriet aus 15 Metern aber eher zur Rückgabe, kein Problem für Heuer Fernandes. Im direkten Gegenzug bediente Jatta den Ex-Löwen Immanuel Pherai, der im Strafraum abzog, aber geblockt wurde. Der Ball prallte zu Muheim, der es aus der zweiten Reihe mit einem Flachschuss probierte. Thorben Hoffmann tauchte ab und parierte zur Ecke. Benes führte die anschließende Ecke kurz aus, niemand hinderte Dompé am Flanken und in der Mitte konnten mehrere Blau-Gelbe nicht verhindern, dass Ramos aus sieben Metern wuchtig ins Tor köpfte. Nichts zu machen für Thorben Hoffmann, das 1:0. für den Hamburger SV.

Das hatte sich trotz weniger gefährlicher Abschlüsse der Gastgeber doch etwas angedeutet, hatten die Löwen zuvor oftmals in großer Not noch klären können. Der fast ständige Dauerdruck resultierte dann mal wieder in einem Gegentor nach einer Hereingabe. Doch damit nicht genug. Nur wenige Sekunden nach dem Anstoß verlor Nikolaou den Ball viel zu einfach, über Jatta und Glatzel kam der Ball zu Pherai, der den Ball aus 18 Metern in die untere linke Ecke knallte. Erneut nichts zu machen für Hoffmann, nur eine gute Minute nach dem 1:0 stand es bereits 2:0. Und natürlich war es der Ex-Löwe Pherai, der ausgerechnet gegen uns seinen ersten Saisontreffer erzielte, aber immerhin nicht ausgelassen jubelte. Der Doppelschlag war natürlich ein Nackenschlag der besonderen Art.
Fünf Minuten später war es erneut Immanuel Pherai, der mit Schwung auf den Löwen-Strafraum zulief und aus 20 Metern wuchtig abzog. Ivanov fälschte den Ball noch ab, die Kugel flog knapp am Tor vorbei ins Aus. Nach der Ecke tanzten Benes und Jatta Decarli und Co. gleich mehrfach aus, doch der Schweizer kam dann doch noch dazwischen und bereinigte die Situation. Kurz darauf hatte Donkor nach einem langen Ball im Laufduell mit Jatta das Nachsehen und brachte den Flügelspieler im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Burda ließ weiterspielen, doch der VAR schaltete sich ein. Es war vermutlich ein Foulspiel, da Jatta aber ohnehin im Abseits stand, gab es keinen Strafstoß. Fünf Minuten vor der Halbzeit faustete Hoffmann eine gefährliche Flanke aus dem Strafraum und traf dabei Innenverteidiger Saulo Decarli heftig am Kopf. Schiedsrichter Burda erkannte dies zu spät und ließ weiterspielen, sodass Meffert aus der zweiten Reihe abziehen konnte: drüber.

Nun ging auch Hoffmann zu Boden, der sich an der Schulter weh getan hatte. Decarli hingegen schien es noch schlimmer erwischt zu haben, denn der Innenverteidiger lag benommen oder sogar bewusstlos am Boden, während Spieler beider Teams hektisch medizinische Versorgung herbeiwinkten. Als dann sogar die Sanitäter mit Trage auf das Feld kamen, wurde es leise im Volksparkstadion. Zum Glück konnte Decarli mit etwas Hilfe aufstehen und halbwegs eigenständig den Platz unter Applaus beider Fanlager verlassen. Das Braunschweiger Trainerteam traf die einzig vernünftige Entscheidung und ersetzte Decarli durch Hasan Kuruçay. Decarli stand nach dem Spiel schon wieder mit seiner Mannschaft vor dem Gästeblock, es kann also leichte Entwarnung gegeben werden. Dennoch gute Besserung von uns, Saulo! Für Hoffmann ging es zum Glück weiter. Logischerweise gab es eine lange Nachspielzeit, in der Nikolaou und Gómez gefährlich vor dem Strafraum auftauchten, mit ihrem Pass, bzw. ihrer Hereingabe aber hängen blieben. Der Minuten-Aufschlag war bereits fast abgelaufen, als Nikolaou auf der rechte Seite Fabio Kaufmann fand, dessen Flanke Helgason aus zehn Meter knapp rechts am Tor vorbei köpfte.
Dann war Halbzeit. Die Löwen hatten viele Gelegenheiten kurz vor dem Abschluss zunichtegemacht, dann aber doch zweimal zu oft nicht aufgepasst. Das bestraften die Hanseaten durch Ramos und Pherai. Die Blau-Gelben hatten sich in der Offensive hin und wieder versucht, kamen auch zu aussichtsreichen Szenen, wirklich ins Schwitzen kam HSV-Keeper Heuer Fernandes aber nicht. Es blieb bei gerade einmal vier Eintracht-Treffern im ersten Durchgang über die gesamte Saison. Trainer Daniel Scherning wechselte bereits zum zweiten Mal. Für Kapitän Jannis Nikolaou kam Robin Krauße in die Partie und übernahm auf gleich die Kapitänsbinde.

Die Löwen kamen mit veränderter Körpersprache aus der Kabine und wirkten von Beginn an deutlich mutiger als über weite Teile der ersten Halbzeit. Nicht lange war gespielt, als Rittmüller über rechts Tempo machte, mit seiner Hereingabe aber an Dompé hängen blieb. Auf der anderen Seite fand Jatta mit seiner Flanke Glatzel, der gefährlich im Strafraum an die Kugel kam, Bičakčić hatte aber aufgepasst und klärte im letzten Moment. Etwas mehr als eine Stunde war gespielt, als der Ball zu Ivanov prallte, der aus 18 Metern wuchtig abzog, doch ein Hamburger konnte blocken. Eine Minute später spielte Helgason den Ball an den Strafraumrand zu Fabio Kaufmann, der nicht angegriffen wurde und aus 20 Metern einfach mal abzog. Dabei produzierte Kaufmann ein echtes Geschoss, der neben dem rechten Pfosten einschlug. Der Anschlusstreffer zum 2:1! Ein Auswärtstor! Über acht Stunden waren die Blau-Gelben auf fremden Plätzen ohne eigenen Torerfolg geblieben und auch die Gastgeber hatten seit Monaten kein Heimgegentor mehr hinnehmen müssen. Jetzt war richtig Stimmung im Gästeblock!
Jetzt gaben die Löwen alles für den Ausgleich: Der kurz zuvor eingewechselte Sané kam nach einer Donkor-Flanke im Strafraum an den Ball, konnte diesen aber nicht aufs Tor drücken. Die Kugel prallte zu Rittmüller, der das Spielgerät aus spitzem Winkel über den Kasten knallte. Fast im direkten Gegenzug kam Mikelbrencis vom Strafraumrand zum Abschluss, schoss den Ball aber genau in die Arme von Thorben Hoffmann. Eine Viertelstunde vor Ende der regulären Spielzeit köpfte Sané eine Flanke aufs Tor, Heuer Fernandes konnte parieren, doch Fabio Kaufmann drückte den Abpraller per Nachschuss aus kurzer Distanz über die Linie. Doch während sich die Fans im Gästeblock noch in den Armen lagen, prüfte der VAR den Treffer. Kaufmann hatte beim Kopfball von Sané wenige Zentimeter in der verbotenen Zone gestanden, das hatte der Schiedsrichterassistent nicht gesehen und so wurde der umjubelte Ausgleich zum vermeintlichen Ausgleich, weiter 2:1 für die Gastgeber.

Die Löwen drückten anschließend weiter auf den Ausgleich, taten sich aber schwer, zu Abschlüssen zu kommen. Zugleich hielten sie den HSV aber vom eigenen Tor fern. Die beste Offensive der Liga war lange Zeit kaltgestellt. Zwei Minuten waren regulär noch zu spielen, als Sané und Kaufmann eine scharfe Hereingabe von Donkor knapp verpassten. Zu Beginn der erneut üppigen Nachspielzeit trat Jatta Rittmüller wenige Meter vor der Strafraumkante um. Es gab Freistoß in einer sehr aussichtsreichen Position, im Gegensatz zu Mumme leider weiterhin keine Braunschweiger Spezialität. Anton Donkor und Maurice Multhaup standen bereit. Letzterer versuchte es dann auch direkt, bugsierte den Freistoß aus 19 Metern aber auch mehrere Meter über den Kasten.
In der Nachspielzeit kamen aber auch die Hamburger zu Kontern und so tauchte Königsdörffer frei vor Hoffmann auf, scheiterte aber im ersten und auch im zweiten Versuch jeweils am stark reagierenden Löwen-Schlussmann. Wenige Augenblicke später versuchte es Glatzel nach dem nächsten Konter vom linken Strafraumeck: klar vorbei.

Den Löwen sollte der Ausgleich nicht mehr gelingen und so hieß es nach dem Abpfiff mal wieder keine Punkte beim HSV. Kein absolut unverdienter Sieg für die Rothosen, ein Ausgleich wäre aber auch alles andere als glücklich gewesen. So müssen sich die Blau-Gelben den Vorwurf gefallen lassen, in der ersten Hälfte zu selten zielstrebig den Weg in die Offensive gesucht zu haben. Bitter zudem das kurze Konzentrationsloch nach dem 1:0, welches zum sofortigen Doppelschlag führte. Das 2:0 war am Ende eine zu große Hypothek. Die nächste Chance auf Punkte gibt es für das Team von Daniel Scherning am kommenden Samstag. Dann ist Fürth zu Gast. Anstoß im Eintracht-Stadion ist um 13 Uhr.
Bis dahin
Euer Kivi
