Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Trainingslager: Tag 6

6 min read

Am letzten Trainingstag des Trainingslagers gab es für die Löwen noch einmal zwei Einheiten im etwas weniger sonnigen Chiclana. Deutlich wärmer als in Deutschland war es natürlich trotzdem und ein paar Mal zeigte sich die Sonne dann doch. Neben zwei interessanten Einheiten konnten sich die bei der Nachmittagseinheit anwesenden Eintracht-Fans über einen Überraschungsgast freuen. Ein kurzer Bericht über die letzten Trainingseinheiten vor dem Testspiel gegen den VfB Lübeck, welches das Trainingslager abschließt.

Am Freitagvormittag ging es zum vorletzten Mal mit meinem etwas klapprigen Fahrrad zum nahegelegene Trainingsplatz. Mittlerweile spürte der untere Rücken doch, dass ich hier nicht mit einem Nobelfahrrad unterwegs bin, vor allem bei einigen Schlaglöchern und Huckeln auf dem Fahrradweg. Die gesamte Strecke zum Trainingsplatz besteht übrigens aus einem Fußweg, einem etwas tiefer gelegenen Radweg, einem breiten Parkstreifen und halt der normalen Straße. Zudem gibt es regelmäßig Zebrastreifen, damit man trotz recht rasant fahrender Spanier gut die Straße überqueren kann.

Immanuel Pherai trainierte erneut individuell

Wie immer wurden die Spieler bei einer Passübung warm, wie sie auch jeder Amateurkicker kennt: Zwei Spieler in der Mitte, der Rest passt den Ball mit einem Kontakt hin und her. Berührt ein Spieler in der Mitte den Ball, muss der Passgeber als Ersatz dem Ball hinterher jagen. Auch der Trainerstab um Michael Schiele machte eifrig mit. Nach etwas intensiverem Aufwärmen durch Janning Michels ging es für die Löwen zu einer längeren und zweigeteilten Übung. Die eine Seite trainierte ruhende Bälle, die andere Seite Pass- und Laufwege sowie den zugehörigen Abschluss. Erneut zeigte Rami Zouaoui sein Ballgefühl und brachte die meisten seiner Schussversuche im Netz unter. Dafür gab es von Robin Krauße ein lautstarkes Lob: „Starke Quote, Rami!“. Und auch einige der anwesenden Fans registrierten den Einsatz unserer drei U19-Spieler Rami Zouaoui, Leon Suzuki und Benjamin Mbom. Nachdem ich zu Beginn noch öfter nach den Namen der „neuen“ Gesichter gefragt wurde, waren die drei nun deutlich besser bekannt.

Ein kleines Highlight hatten die meisten Fans aber verpasst. Nachdem zuletzt in der Braunschweiger Zeitung zu lesen war, dass in früheren Trainingslagern öfter Mal „Schabernack“ getrieben wurde, nahmen sich Mannschaftsarzt Florian Brandt und der Leiter der Physiotherapie, Christian Degenhardt, versteckten sich und sprangen im richtigen Moment lautstark hervor um Physiotherapeut Florian Horn zu erschrecken. Dies gelang auch wie geplant und der ein oder andere Spieler bekam später vom hochzufriedenen Florian Brandt das Video der Aktion gezeigt. Dies sorgte für gute Laune bei den Spielern und auch Florian Horn hatte den Schreck überwunden und lachte mit. In dem Bericht der Braunschweiger Zeitung wurden Horn und Degenhardt und ihre Arbeit vorgestellt, worüber sich die beiden merklich freuten und dem mitgereisten Lars Rücker ein dickes Lob aussprachen.

Das eigentliche Training war schon vorbei, da veranstalteten einige Spieler noch einen kleinen Wettkampf. Erneut musste von der Mittellinie möglichst nah zur Grundlinie gespielt werden. Disqualifiziert wurde, wer den Ball ins Toraus bugsierte. Der Verlierer musste für alle Teilnehmer eine Runde Espresso ausgeben. Robin Krauße legte vor und hatte beim letzten Wettkampf anscheinend gut zugeschaut, denn sein Versuch blieb etwa 2-3 Meter vor der anvisierten Linie liegen. Als nächster war Ron-Thorben Hoffmann dran, der es nicht ganz so genau wie beim letzten Mal machte und ein gutes Stück weiter weg von der Linie landete als Krauße. Dann war Keita Endo dran und wenig später rissen Krauße und Hoffmann die Arme jubelnd nach oben, denn der Japaner hatte seinen Ball ins Aus befördert. Die nachfolgenden Spieler gingen auf Nummer sicher, sodass der von Union Berlin ausgeliehene Endo als einziger Verlierer feststand.

Jubel bei Hoffmann und Krauße: Durch Endos Fehlschuss waren sie sicher

Nachdem gemeinsam in den Gebüschen nach fehlenden Bällen gesucht wurde, versuchten ein paar Spieler in die noch leere Eistonne zu treffen, es sollte dabei aber kein Spieler erfolgreich sein. Wenig später brachen alle Spieler wieder zurück ins Hotel auf. Fabio Kaufmann war wieder auf Nummer sicher gegangen und hatte seinen Fahrradsattel abmontiert und mit in die Kabine genommen. Zur großen Erheiterung der noch anwesenden Fans rief er breit grinsend: „Niemand beklaut einen Italiener!“. Hintergrund der ganzen Geschichte: Das ein oder andere Mal standen mit dem Fahrrad gekommene Spieler plötzlich vor einem leeren Zaun, da andere Spieler bereits mit ihren Fahrrädern davon gefahren waren.

Für mich ging es dann nach einem kurzen Strandspaziergang in ein Restaurant zum Mittagessen. Es gab Cachopo, eine typische asturische Spezialität. Die laut dem Restaurant klassische Variante aus asturischem Kalbsfleisch, gefüllt mit iberischem Schinken und Gouda schmeckte hervorragend. Der Spaziergang zum Restaurant hatte sich wirklich gelohnt! Nach einem kurzen Stopp auf dem Hotelzimmer machte ich mich schon wieder auf den Weg zum Nachmittagstraining.

Nach dem Aufwärmen begaben sich die Löwen in ein von dem Trainerteam abgestecktes Feld. Jeder Spieler bekam ein kleines Viereck, dass er nicht verlassen durfte. Die Spieler wurden auf zwei Mannschaften aufgeteilt und gleichmäßig verteilt. Nun musste der Ball mit zwei Kontakten zum Mitspieler gebracht werden, dabei durfte der Ball nicht liegen bleiben, sondern musste mindestens rollen. Der Ball wechselte rasend schnell den Besitzer, häufig wurde das Spielgerät mit einem netten Trickpass zum Mitspieler weitergeleitet. Bei Unklarheiten (Verlassen des Feldes, Liegen bleiben des Balles oder unklarem Ballbesitz) griff Co-Trainer Matthias Lust als eine Art Schiedsrichter ein. Als später dann noch ein zweiter Ball hinzukam, ging es endgültig richtig zur Sache. Kommandos und das die Passgeräusche schallten über den Trainingsplatz. Großartig anzusehen das ganze!

Die nächste Übung fand auf einem Kleinfeld statt. Eine reduzierte Anzahl an Spielern spielte gegeneinander. Dabei blieben die jeweiligen Spieler nur kurz im Feld und wurden laufend durch die draußen wartenden Mitspieler ausgetauscht. Auch hier ging es ordentlich rund und es gab ebenso schnelle wie schöne Kombinationen zu sehen. Anton Donkor knallte einen Ball sogar mit einem Seitfallzieher in die Maschen.

Wenig später richtete sich die Aufmerksamkeit der Fans und der langjährigen Eintracht-Mitarbeiter in die entgegengesetzte Richtung. Denn der frühere Publikumsliebling und Vereinslegende Mirko Boland marschierte durch den Eingang auf den Trainingsplatz. Wie man ihn kennt mit einem breiten Grinsen. Der VfB Lübeck veranstaltet sein Trainingslager ebenfalls in Chiclana und trainiert nur einige hundert Meter entfernt. Da die Lübecker einen freien Nachmittag hatten, radelte „Bole“ mit ein paar Teamkollegen zum Braunschweiger Trainingsplatz, um ein paar seiner alten Weggefährten wiederzusehen. Nach dem Training freuten sich auch seine ehemaligen Mitspieler Niko Kijewski, Saulo Decarli und Jasmin Fejzic über den Besuch des über 300 Mal von Torsten Lieberknecht eingesetzten Mittelfeldspielers. Auch die Selfie-Wünsche der Löwen-Fans wurden erfüllt und nachdem das Training schon einige Zeit beendet war, radelte Bole wieder zurück zum Hotel, immer noch breit grinsend.

Der Löwen-Tross hatte schon den Großteil an Trainingsgeräten im Sprinter verpackt, denn die nächste Trainingseinheit findet erst wieder in Deutschland statt. Darauf freuen sich auch einige Spieler bereits, auch wenn das angenehme Wetter erstmal fehlen wird. Aber eine Woche ohne Familie und Hotelessen reicht den meisten dann vermutlich auch. Aus Fansicht hätte das Trainingslager natürlich gerne noch länger gehen dürfen. Ich bin aber vor allem dankbar, dass wir alle Trainingseinheiten besuchen durften, denn das war nicht bei allen Vereinen so. Zudem bekamen wir rechtzeitig die Trainingszeiten mitgeteilt, die Kommunikation zu den mitgereisten Fans lief im Trainingslager also wirklich gut!

Ein Highlight gab es am letzten Trainingstag aber noch: Anton Donkor hatte auf der Hinfahrt zum Trainingslager das Lieblingsfahrrad von Fabio Kaufmann gemopst. Am Trainingsplatz angekommen, entdeckte Kaufmann sein Fahrrad und sicherte es sich für die Rückfahrt durch das erneute Abmontieren des Sattels. Da staunte der Linksverteidiger nicht schlecht, als er mit dem gleichen Fahrrad, mit dem er hingefahren ist, wieder zurückfahren wollte und entdeckte, dass der Sattel fehlte. Schnell viel sein Verdacht auf Kaufmann und durch das Grinsen er umstehenden Fans und Mitarbeiter fühlte sich Donkor bestätigt. Kurzerhand versteckte er das Lieblingsfahrrad von Kaufmann und fuhr mit dem Rad zurück zum Hotel, mit dem Kaufmann zum Training gefahren war. Da ein anderer Mitspieler den abmontierten Sattel von Kaufmann versteckt hatte, war dieser vorgewarnt und fand das Fahrrad bereits nach kurzer Suche. Aus irgendeinem Grund fuhr der Offensiv-Akteur kurz darauf mit Torwart-Handschuhen in Richtung Hotel. Immerhin sollte Kaufmann damit den Lenker sicher in den Händen haben!

Fahrradhandschuhe der anderen Art: Fabio Kaufmann streift die Torwart-Handschuhe über

Das war er dann auch: Der letzte Trainingstag im Trainingslager! Morgen steht das Testspiel gegen den VfB Lübeck an, ich werde berichten. Und dann geht es auch für mich zurück nach Deutschland, das „normale“ Leben ruft.

Bis dahin

Euer Kivi

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: