Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Gegnergespräch 1. FC Magdeburg

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Fünf Spiele in Folge blieb unser BTSV zuletzt ungeschlagen und konnte dabei drei Heimsiege einfahren. Am Samstag soll es gegen den 1. FC Magdeburg mit dem ersten Auswärtssieg klappen. Einige Gästefans werden den kurzen Weg nach Magdeburg bestreiten, „DB Regio“ stellte sogar extra Fanbusse bereit. Bevor es Richtung Sachsen-Anhalt geht, habe ich mich mit Lennart unterhalten, der uns dieses Mal Einblicke aus der Sicht eines FCM-Fans gibt. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Lennart! Schön, dass du dir die Zeit für unser Gegnergespräch nehmen konntest! Stell dich doch mal kurz vor! (Dauerkarte, Mitglied, sonstige Tätigkeiten/Projekte mit Vereinsbezug)

Hallo, mein Name ist Lennart Birth, ich bin 23 Jahre alt und komme gebürtig aus der Nähe von Magdeburg, genauer gesagt aus der Börde. Ich bin seit 2015 Mitglied beim Club, wie wir den 1. FC Magdeburg gerne nennen, und ich bin in dieser Saison auch wieder Besitzer eine Dauerkarte. Vor einigen Jahren war ich Mitglied der 120minuten-Redaktion, die vielleicht dem einen oder anderen noch etwas sagt. Heute verfolge ich die Entwicklungen rund um meinen Club und den Fußball im Allgemeinen vor allem bei Twitter als @LennartBirth.

Ich werde das siebte Mal im Heinz-Krügel-Stadion sein. Wirst du ebenfalls im Stadion sein und weißt du dein wievielter Besuch das sein wird?

Am Wochenende bin ich leider nicht im Stadion. Da ich studienbedingt 2019 Sachsen-Anhalt verlassen habe, schaffe ich es leider nicht mehr zu jedem Heimspiel. Immerhin konnte ich kürzlich unseren ersten Heimsieg gegen Greuther Fürth live vor Ort erleben.
Wie oft ich schon im HKS war, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich habe nicht mitgezählt. Grob überschlagen bin ich seit dem Studium pro Saison aber um die 15 Mal im Stadion – meist heim, ab und an auch auswärts.

Seit wann bist du Fan deines Vereins und wie bist du Fan geworden?

Als ich Kind war, hatte der 1. FCM in der Region nicht den besten Ruf und meine Generation wandte sich vor allem den großen Namen in der Bundesliga zu. Die großen Erfolge der DDR waren schlicht zu weit weg. Für mich änderte sich das nach und nach. Den Club verfolgte ich seit 2012/2013 immer intensiver; nach und nach stieg die Identifikation und ich war mit Familie und Freunden immer öfter im Stadion. Richtig gepackt hat es mich in der Saison 2013/2014, in der wir den Aufstieg aus der Regionalliga Nordost als Zweitplatzierter hinter der TSG Neustrelitz knapp verpassten. Heute kannst du viele Kilometer in alle Himmelsrichtungen fahren und wirst allerorts Clubfans treffen. Magdeburg ist wieder wer, die ganze Region trägt wie in alten Tagen das Emblem mit Stolz.

Nach dem Abpfiff beim 2:4-Sieg 2019

Wo findet man dich bei Spielen deines Vereins meistens?

Mich findet man fast immer auf der Nordtribüne, meist in Block 5. Ansonsten kann man auch am Bulettenstand der legendären „Käseglocke“ Ausschau nach mir halten. 😉

Wohin ging deine letzte Auswärtsfahrt?

Meine Auswärtssiege kann ich leider an einer Hand abzählen; oft genug musste ich die Heimfahrt bisher frustriert antreten. Umso schöner, dass mein letztes Auswärtsspiel der 3:2-Erfolg gegen den Karlsruher SC am 2. Spieltag war.

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?

Aktiv miterlebt habe ich den Aufstieg in die 3. Liga 2015, den Aufstieg in die 2. Liga 2018 verbunden mit dem postwendenden Abstieg ein Jahr später. Und dann wäre da natürlich noch unsere souveräne Unterhaus-Wiederkehr in der vergangenen Saison. Die Quote steht also mit 3 zu 1 gar nicht mal so schlecht!

Was war bisher dein emotionalster Moment?

Da muss ich nicht lange überlegen: Unser Heimsieg gegen die Kickers Offenbach im Aufstiegshinspiel der Saison 2014/2015. 23.139 Fans sahen ein knappes, aber unglaublich wichtiges 1:0. Wenig später kehrten wir der Viertklassigkeit – hoffentlich für immer – den Rücken.

Was muss man in Magdeburg gesehen haben?

Die Unkenrufe, Magdeburg sei keine schöne Stadt, quittieren wir immer mit einem müden Lächeln. Jeder, der sich wirklich mit der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts beschäftigt, wird definitiv wunderschöne Ecken entdecken. (Fußball-)Touristen empfehle ich, vom Hundertwasserhaus aus am Landtag vorbei zum Magdeburger Dom zu laufen, diesem einen Besuch abzustatten und anschließend am Palais am Fürstenwall (unserer Staatskanzlei) vorbei durch das weitestgehend erhaltende Gründerzeitviertel zum Hasselbachplatz zu flanieren.

Blick auf das HKS vom Gästeparkplatz

Hast du einen Lieblingsort in Magdeburg?

Die Hubbrücke in Magdeburg, die beide Elbseiten als Fußgängerbrücke verbindet und von der man einen wunderschönen Blick auf das Fluss-Dom-Ensemble hat, ist sicherlich einer meiner liebsten Orte in der Festungsstadt Magdeburg.

Wie bewertest du eure bisherige Saison, was läuft momentan gut bei euch, was bereitet Sorgen?

In Magdeburg erleben wir dieser Tage ein Wechselbad der Gefühle. Eigentlich war nach unserem souveränen Aufstieg als Drittligameister mit 78 Punkten und einer Tordifferenz von +44 jedem klar, dass die von Sportchef Otmar Schork postulierte „sorgenfreie Saison“ im Bereich des Möglichen liegt. Von unserem knappen Sieg in Karlsruhe abgesehen, ging dann aber zunächst viel zu viel schief. Die offensive Magdeburger Spielweise bescherte uns viele Niederlagen und teilweise richtige Klatschen – 0:4 im Pokal gegen Frankfurt, 0:4 gegen eure Rivalen und 1:4 gegen den FC St. Pauli.

Inzwischen haben wir uns etwas gefangen und stehen knapp über dem Strich. Dennoch lässt der Club bei ärgerlichen und vermeidbaren Niederlagen wie jüngst in Sandhausen (0:1) die Konstanz vermissen. Ich bin deshalb sehr gespannt – und ja, auch angespannt – angesichts der Partei gegen den BTSV.

Größte Baustelle bleibt die Defensive, Mut machen mir indes unser mitspielender Torhüter Dominik Reimann und Flügelstürmer Moritz Broni Kwarteng, auf den ihr lieber ein Auge haben solltet. Ganz im Gegensetz zu unserem Mittelstürmer Luca Schuler, der das Treffen etwas verlernt zu haben scheint. Es wird auf jeden Fall noch ein langer und anstregender Weg bis zum Klassenerhalt.

In der letzten Saison wart ihr die heimstärkste Mannschaft der Liga, jetzt seid ihr früh in der Saison eine Liga höher auf dem letzten Platz der Heimtabelle. Zufall, Pech mit dem Spielplan oder steckt doch etwas anderes dahinter?

Das HKS kann, wie du sicherlich weißt, eine enorme Lautstärke und positiven Druck von den Rängen entfalten, wie wenige andere Stadien in Deutschland. Unser schwaches Abschneiden auf eigenem Rase würde ich – ohne Ausreden suchen zu wollen – daher tatsächlich etwas dem Spielplan zuschreiben wollen. Gegen Düsseldorf (1:2) und Hannover sowie Frankfurt im Pokal (je 0:4) musst du als Aufsteiger sicherlich nicht unbedingt gewinnen. Viel mehr ärgert mich bis heute die knappe Niederlage gegen Holstein Kiel (1:2). Mit jetzt zwei Heimsiegen in Folge gegen Fürth (2:1) und Regensburg (1:0) hat sich der Club hoffentlich gefangen.

Was sind die Ziele und Erwartungen für den Rest der Saison?

Nur der Klassenerhalt zählt! Die Top 14 wären super, um im DFB-Pokal mal auswärts ran zu dürfen, aber letztlich geht es einzig und allein darum, dass wir besser als drei andere Teams abschneiden und nicht wieder den Gang in die Drittklassigkeit antreten müssen.

Die mitgereisten Eintracht-Fans 2019/20 (bs1895)

Wie oder vielmehr wo informierst du dich, was bei deinem Verein gerade so passiert?

Im Prinzip informiere ich mich täglich über die Clubmedien, Twitter, den MDR und unsere Lokalzeitung sowie einmal die Woche über den Fan-Podcast „Nur der FCM“ von den Kollegen Alex und Thomas. Und natürlich wird auch bei WhatsApp in diversen Gruppen rege über den 1. FC Magdeburg diskutiert.

Hast du einen Lieblingsspieler?

Die enorme Kader-Fluktuation der letzten Jahre macht mir das unmöglich. Und überhaupt stehen wir Magdeburger nicht auf Personenkult. Die Mannschaft als Ganzes steht im Mittelpunkt.

Die letzte Saison endete für unsere beiden Vereine mit dem Aufstieg. Tatsächlich gelang uns gegen euch sogar der entscheidende letzte Sieg, auch wenn man das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste. Was ist dein Fazit zur letzten Saison?

Die letzte Saison war genial. Nach unserem Abstieg aus der 2. Liga 2019 standen dem FCM schwere Zeiten bevor. Nach etlichen sportlichen Fehlbesetzungen bei den Größten der Welt hat Christian Titz es ab Februar 2021 geschafft, aus einem Abstiegskandidaten in nur 1,5 Jahren das beste Team der Liga zu formen. Trotzdem – und so ehrlich muss ich sein – reicht der Wiederaufstieg ins Unterhaus emotional nicht an den ersten Zweitligaaufstieg 2018 geschweige denn den Drittligaaufstieg 2015 heran.

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt? Wenn ja, was sind deine Erinnerungen?

Unsere letzten Partien gegen die Braunschweiger Eintracht sind mir nicht sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Mein letztes Heimspiel gegen euch verloren wir 2:4, nach meinem letzten Auswärtsspiel in Braunschweig (2:2) flog unser Trainer Stefan Krämer zu meinem Unmut raus. Und auch die knappe Niederlage am Ende der letzten Saison empfand ich als ärgerlich.

Nach dem letzten Spiel in Magdeburg wurde die Mannschaft trotz Niederlage gefeiert. Am Ende stiegen beide Teams auf.

Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?

Durch die Städtepartnerschaft zwischen Löwen und Ottonen habe ich grundsätzlich ein gutes Verhältnis nach Braunschweig und darüber hinaus auch privat Kontakte dorthin. Den Mythos der Fanfreundschaft teilen in Magdeburg (inzwischen) allerdings nicht mehr viele. Ich selbst würde mich aber durchaus als BTSV-Sympathisant bezeichnen, solange es nicht gegen uns geht. Die Braunschweiger Fans schätze ich sehr für ihre Gastfreundlichkeit und Offenheit gegenüber uns FCM-Fans.

Was erwartest du vom Spiel?

Drei Punkte, natürlich! Die wären sehr wichtig, ansonsten verschärft sich die Krise beim Club wieder.

Was sollte man im Stadion essen und trinken?

Am besten nichts, bei den Preisen. Nein, im Ernst: Kulinarisch ist das HKS sicherlich keine Topadresse. Aber mit Bier und Wurst macht man nichts verkehrt. 😉

Was ist dein Tipp?

Wir gewinnen die Partie knapp mit 2:1.

Möchtest du noch etwas loswerden?

Können wir bitte darüber reden, dass bei euch im Stadion Pizza verkauft wird? Das kommt auf der Liste der Fußballkultur-No-Gos direkt hinter dem Popcorn auf St. Pauli. 😉

2019 gewann der BTSV in einem tollen Spiel mit 2:4! Mit dabei neben mir: Jussi und Thomas (nicht Löwe)

Vielen Dank für deine Zeit, Lennart!

Bis dahin

Euer Kivi

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