Gegnergespräch FC Schalke 04 (schon wieder)
8 min readSchon wieder Schalke! Nachdem man im DFB-Pokal bereits gegen die Königsblauen ausschied, steht das gleiche Duell eine Woche später nun in der Liga an. Die Löwen wollen endlich die Niederlagenserie beenden, der S04 braucht Punkte für den Aufstiegskampf. Ein vermutlich erneut ausverkauftes Stadion verspricht gute Stimmung, für den Rest sind die Spieler auf dem Platz verantwortlich. Bevor es zum zweiten Mal gegen die Gelsenkirchener geht, habe ich mich mit René unterhalten, der seinen Verein bereits in der vergangenen Woche nach Braunschweig begleitete. Danke für deine Zeit, René! Und euch ganz viel Spaß beim Lesen!
Hallo René! Schön, dass du dir die Zeit für unser Gegnergespräch nehmen konntest! Stell dich doch mal kurz vor!
Glück Auf! Ich heiße René, komme aus der Nähe von Mannheim und bin seit 2011 Mitglied beim S04. Seit 2013 bin ich auf Twitter (oder jetzt „X“🙃) aktiv und gebe dort meinen Senf zu allen Dingen rund um den FC Schalke 04 dazu. Seit 2016 bin ich dazu regelmäßig im Stadion anzutreffen, seit Ende der Pandemie versuche ich eigentlich zu jedem Spiel zu fahren.
Werden wir dich am Sonntag im Eintracht-Stadion begrüßen können?
Wie schon vergangenen Freitag werde ich auch am Sonntag nach Braunschweig hochfahren und im Gästeblock alles dafür tun, dass wir möglichst alle 3 Punkte mitnehmen werden.
Seit wann bist du Fan deines Vereins und wie bist du Fan geworden?
Schalker bin ich seit ungefähr 2006. Durch die WM in Deutschland bin ich damals mit 7 zum Fußball gekommen und habe anschließend angefangen die Bundesliga zu verfolgen und habe mich dann vorm Fernseher in den Verein verliebt. Wirklich intensiviert hat sich meine Bindung dann aber, als ich aufs Gymnasium gekommen bin und Freunde gefunden habe, die ebenfalls Schalker waren. Mein erstes Spiel im Stadion war in der Saison 2010/11 ein 0:0 in Frankfurt, mein erstes Mal auf Schalke war im Dezember 2011 ein 3:1-Sieg gegen Augsburg. Damals trafen unter anderem Huntelaar und Raúl. Das waren noch Zeiten…
Wo findet man dich bei Spielen deines Vereins meistens?
Bei Heimspielen findet man mich immer in der Nordkurve im Block N2. Auswärts meist im Stehplatzbereich, allerdings ist das bei uns auswärts oft nicht so leicht mit Stehplatztickets, deswegen wirds manchmal doch ein Sitzer.
Wohin ging deine letzte Auswärtsfahrt?
Vor ein paar Tagen zu euch nach Braunschweig…😅

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?
Die meiste Zeit meines Lebens hatte Schalke mit Auf- und Abstiegen eigentlich nichts zu tun, in den letzten 3 Jahren ging es ja aber bekanntlich zweimal runter und einmal rauf. Und hoffentlich kommt am Ende dieser Saison ein zweiter Aufstieg – und anschließend kein weiterer Abstieg – dazu.
Was war bisher dein emotionalster Moment?
Sehr schwierig da einen auszuwählen. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich den Aufstieg 2022 nach dem Heimsieg gegen St. Pauli wählen. Nach dem freien Fall in den Jahren zuvor, in dem wir es unter anderem geschafft haben ein ganzes Jahr lang kein einziges Ligaspiel zu gewinnen und mit 16 Punkten chancenlos abzusteigen und der Pandemie, die es uns unmöglich gemacht hat ins Stadion zu gehen, endlich wieder gemeinsam einen Erfolg zu feiern war einfach unfassbar, emotional und befreiend. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens.
Was erwartest du von der restlichen Saison, was macht Mut und was bereitet Sorgen?
Wie bereits erwähnt erwarte ich, dass wir in dieser Saison wieder oben mitspielen werden. Das Ziel ist ganz klar der erneute, direkte Wiederaufstieg. Um das zu erreichen, müssen wir allerdings in den meisten Spielen unserer Favoritenrolle gerecht werden, womit wir uns zuletzt – trotz zweier Siege – doch relativ schwergetan haben. Fußballerisch tun wir uns zu oft noch schwer Lösungen aus dem Spiel heraus zu finden, daran muss gearbeitet werden. Ansonsten wirst du immer wieder Spiele gegen vermeintliche Außenseiter haben, in denen du wertvolle Punkte liegen lassen wirst, wie bereits vor 2 Jahren, wo wir uns deswegen im März eigentlich schon aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet hatten. Den Aufstieg am Ende dann doch noch zu schaffen, in dem man 8 der letzten 9 Spiele gewinnen konnte, war eine pure Willensleistung, nicht nur der Mannschaft, sondern des ganzen Vereins.
Von diesem Zusammenhalt, der sich damals neu entwickelt hat, leben wir bis heute noch, was auch in der vergangenen Rückrunde deutlich wurde. Und das stimmt mich auch für diese Saison positiv. Der Aufstiegskampf in der 2. Liga ist brutal hart, es wird immer wieder Rückschläge geben, mit denen man umgehen muss. Und genau das zu können, zeichnet unsere Mannschaft und auch den ganzen Verein momentan aus. Und außerdem haben wir Simon Terodde.😁
Auf welche Spiele freust du dich in dieser Saison besonders?
Ich freue mich natürlich auf die Spiele gegen unsere Freunde aus Nürnberg, das sind immer Feste. Davon abgesehen ist die 2. Liga in dieser Saison wieder extrem hochkarätig besetzt, da gibt es einige Auswärtsfahrten, auf die ich mich sehr freue. Auf die Spiele gegen Magdeburg freue ich mich zum Beispiel sehr, gegen Magdeburg haben wir noch nie ein Ligaspiel bestritten. Aber auch Spiele wie in Kaiserslautern, wo wir 2012 letztmalig zu Gast waren oder Osnabrück an der Bremer Brücke werden etwas Besonderes. Dazu haben wir ja inzwischen einen gewissen Ruf, dass wir gerne mal Stadien einnehmen, die die Heimvereine nicht gut gefüllt bekommen, weswegen auch die Spiele in Düsseldorf, in eurer Nachbarstadt oder bei Aufsteiger Elversberg sehr lustig werden dürften.😁

Wie bewertest du euer Transferverhalten, also eure Neuzugänge und Abgänge?
Als Absteiger hatten wir in diesem Sommer natürlich einige schmerzhafte Abgänge, wie z.B. Marius Bülter, Rodrigo Zalazar und Tom Krauß. Allerdings haben die Verantwortlichen es trotzdem hinbekommen, einen für die 2. Liga mehr als ordentlichen Kader zusammenzustellen. Mit Timo Baumgartl, Ron Schallenberg und Paul Seguin hat man sich absolute Top-Spieler für die 2. Liga holen können, dazu sind uns viele Leistungsträger der letzten Jahre, wie Marcin Kamiński, Thomas Ouwejan, Dominick Drexler und Simon Terodde erhalten geblieben. Abgeschlossen sind die Personalplanungen aber noch nicht, in der Defensive ist man in der Breite zu dünn besetzt und in der Offensive fehlt noch ein dribbelstarker Rechtsaußen. Wirkliche Gerüchte gibt es da momentan keine, nur die Namen Tim Skarke und Darko Churlinov, die in der Vergangenheit schon leihweise bei uns unter Vertrag standen, geistern regelmäßig noch umher. Man darf also gespannt sein, was Schalke bis zum 31. August noch auf dem Transfermarkt tun wird.
Trotz der sportlich eher mauen Jahre ist die Treue der Schalker Fans ungebrochen und euer Stadion war auch in eurem bisher einzigen Heimspiel gut gefüllt. Woher kommt deiner Meinung nach diese enge Bindung?
Schwer zu erklären, das ist einfach dieser „Mythos Schalke“. Wenn man Schalker ist, dann bestimmt dieser Verein einfach dein Leben. Wenn Schalke am Samstag verloren hat, ist die ganze Woche am Arsch, bei einem Sieg ist alles andere, was im Leben so schiefgehen kann, auf einmal egal. Schalker sein ist einfach eine Lebenseinstellung für die meisten, Misserfolg ändert daran nichts. Im Gegenteil, in den vergangenen Jahren sind die Mitgliederzahlen so stetig gestiegen wie noch nie. Dieser Verein zieht dich einfach in seinen Bann und lässt dich nicht mehr gehen. Der Absturz der letzten Jahre hat uns nur noch mehr zusammenrücken lassen. Es gibt ein sehr bekanntes und prägendes Zitat von unserem langjährigen Mannschaftsbetreuer Charly Neumann, der mal sagte „In schlechten Zeiten müsst ihr Schalker sein, in guten haben wir genug davon“. Und das scheinen sicher Schalker überall in Deutschland momentan besonders zu Herzen zu nehmen.
Wie oder vielmehr wo informierst du dich, was bei deinem Verein gerade so passiert?
Hauptsächlich im Internet, z. B. über Twitter. Schalke ist ja nach wie vor sehr präsent in der deutschen Medienlandschaft, bei uns ist ja traditionell immer was los. Da ist es eigentlich immer relativ einfach, sich gut zu informieren.
Hast du einen Lieblingsspieler?
Im momentanen Kader wären das Simon Terodde und Ralle Fährmann. Mein absoluter Lieblingsspieler allerzeiten ist aber Klaas-Jan Huntelaar.

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt? Wenn ja, was sind deine Erinnerungen?
Zwischen Schalke und Braunschweig gab in den vergangenen 20 Jahren leider nicht so viele Begegnungen. Ich kann mich aber noch sehr gut an die Spiele in der Bundesliga gegen euch in der Saison 2013/14 erinnern. Vor allem das Hinspiel bei euch in Braunschweig war ziemlich wild, da konnten wir erst in letzter Sekunde mit 3:2 gegen euch gewinnen. Und auch im Rückspiel haben wir uns gegen euch lange sehr schwergetan. Am Ende der Saison wurden wir 3. und haben uns direkt für die Champions League qualifizieren können. Das waren noch andere Zeiten für uns. Für euch ging es leider wieder runter in die 2. Liga und wenig später begann eure ziemlich beispiellose Achterbahnfahrt durch die 2. und 3. Liga. Aber an eure Mannschaft damals kann ich mich noch gut erinnern, vor allem an Domi Kumbela und natürlich Trainer Torsten Lieberknecht, der ja aus Bad Dürkheim kommt, was nicht weit weg von meiner Heimatstadt Mannheim ist.
Warst du schon mal in Braunschweig? Wie hat es dir bei uns gefallen?
Wie bereits erwähnt, waren wir vor wenigen Tagen erst bei euch zu Gast. Die Stadt konnten wir uns dabei nicht wirklich ansehen, das wollen wir kommendes Wochenende dann nachholen. Aber euer Stadion finde ich ziemlich cool. An Stadien mit Laufbahn scheiden sich ja so ein wenig die Geister und ich persönlich bin eigentlich auch immer lieber näher dran am Spielfeld, aber bei euch hat es mich nicht wirklich gestört. Es hat definitiv seinen eigenen Charme. Die Atmosphäre war auf beiden Seiten wirklich super. Freue mich schon darauf, in ein paar Tagen nochmal da zu sein.
Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?
Da gibt es einige Dinge, wie gesagt, euer Bundesliga Jahr mit all den Gesichtern von damals, wie Kumbela, Lieberknecht, Pfitzner, Kessel usw., das ständige Auf und Ab der letzten Jahre bei euch, eure dennoch treue Anhängerschaft und natürlich eure Derbys gegen Hannover. Definitiv eine der brisantesten Rivalitäten im deutschen Fußball, die Spiele verfolge ich immer gern.
Was erwartest du vom Spiel, auch in Bezug auf das Pokalspiel am Freitag?
Es ist durchaus kurios, innerhalb einer Woche zweimal an gleicher Stelle aufeinander zu treffen, ich bin gespannt, welchen Einfluss das haben wird. Es ist aber auf jeden Fall naheliegend, ein ähnliches Spiel zu erwarten, wie am Freitag. Ich denke, wir werden wieder mehr Spielanteile haben und gefordert sein, spielerische Lösungen zu finden. Ihr werdet vermutlich erneut eher über eine kompakte Defensive kommen und versuchen über Umschaltsituationen und Standards Torgefahr auszustrahlen. Für uns wird wichtig sein, dass wir mehr Überraschungsmomente kreieren können, durch z.B. Eins-gegen-Eins-Situationen. Das hat am Freitag gefehlt, deswegen war unser Spiel oft zu statisch und langsam. Dazu hat Thomas Ouwejan auf der linken Seite gefehlt, dessen Flanken auch oft schwer zu verteidigen sind. Für euch wird es wichtig sein immer wieder Entlastung zu schaffen, so wie zu Beginn der 2. Hälfte des vergangenen Spiels, in der wir ziemliche Probleme mit euch hatten. Ansonsten hat euch grundsätzlich die Klarheit und Effizienz in eurem Spiel gefehlt. Fakt ist aber, dass die 3 Punkte für beide Mannschaften extrem wichtig sind. Wir brauchen sie, um uns oben festzusetzen, ihr braucht sie, um einen totalen Fehlstart zu verhindern. Man darf also wieder eine lebhafte Partie erwarten.
Was ist dein Tipp?
0:2 für uns.
Möchtest du noch etwas loswerden?
Vielen Dank für die Einladung, liebe Grüße an alle Leser und bis Sonntag. Nachdem wir uns Freitag ja nicht treffen konnten, klappt es jetzt ja vielleicht.
Vielen Dank für deine Zeit, René!
Bis dahin
Euer Kivi
