Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Gegnergespräch 1. FC Kaiserslautern

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Nach drei ungeschlagenen Spielen in Folge soll am Sonntag der erste Auswärtssieg geholt werden. Zu verhindern versucht das der 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg. Meine persönliche Bilanz im Fritz-Walter-Stadion ist ziemlich stark: Vier Spiele, acht Punkte und kein einziges Gegentor! Unser heutiger Gesprächspartner hofft natürlich, dass das nicht so bleibt: Florian Reis begleitet seine Roten Teufel als Journalist für „dpa“ und „Der Betze brennt“ nachdem er früher viele Jahre lang die Spiele seines Herzensclub als Fan verfolgte. Viel Spaß beim Gegnergespräch!

Hallo Florian! Schön, dass du dir die Zeit für unser Gegnergespräch nehmen konntest! Stell dich doch mal kurz vor!

Hi Kivi, erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich begleite den 1. FC Kaiserslautern seit 2017 als Journalist. Bevor es für mich auf die Pressetribüne ging, habe ich aber seit Anfang der 90er-Jahre die FCK-Spiele auch schon  von der Zuschauertribüne verfolgt. 

Ich werde euch das fünfte Mal besuchen. Wirst du im Stadion sein und weißt du dein wievielter Besuch das sein wird?

Ja, wie ich bereits angedeutet habe, werde ich am Sonntag hoch oben unter dem Dach auf der Pressetribüne sitzen. Wie gesagt, ich habe ja schon einige Spiele gesehen und auf dem Betze dürfte das grob geschätzt mein 450. Spiel sein. Viele Fans werden die Geschichte fühlen können: Mein Vater hat mich 1991 oder 1992, genau weiß ich das nicht mehr, auf den Betze mitgenommen und seitdem war ich von der Atmosphäre fasziniert. Damals war das Stadion noch nicht umgebaut, alles war viel enger und durch den ehemaligen Stadionsprecher Udo Scholz, ein mittlerweile leider verstorbener Freund von mir und meiner Familie, dauerte ein Spiel gut und gerne mal 98 Minuten. Nachfragen kann man das beispielsweise bei Winfried Schäfer, einem der Ex-Trainer des Karlsruher SC.

Kurioser Besuch in der vergangenen Saison: Nur Sitzplätze und stark begrenzte Zuschauer

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?

Drei Abstiege aus der Bundesliga und den einen aus der 2. Liga. Den ersten Abstieg aus der Bundesliga 1996 habe ich vor dem Fernseher erlebt, 2006 in Wolfsburg und 2018 in Bielefeld war ich im Stadion. Einen Aufstieg in die Bundesliga durfte ich 2010 miterleben. Und ja, die Bilder von den Relegationsspielen in Dresden und dem Aufstieg im Mai sind allen noch präsent. Auch da war ich im Stadion. 

Was war bisher dein emotionalster Moment?

Da gab es sicher viele, das macht den FCK als Traditionsverein einfach aus und man kann sich davon auch als Reporter nicht ganz freimachen. Total präsent ist aber noch die Momente des Aufstiegs dieses Jahr in Dresden. Als Philipp Hercher das 2:0 gemacht hat, habe ich sehr viele weinende Menschen gesehen. Am nächsten Tag bei der Aufstiegsfeier haben die Menschen in Kaiserslautern so viel gelächelt wie sicher lange nicht. Das zeigt auch ganz gut, was der Klub für die Fans hier bedeutet.

Was muss man in Kaiserslautern gesehen haben?

Das Fritz-Walter-Stadion natürlich. Spaß beiseite: Wenn so viele Zuschauer da sind, wie vermutlich auch am Sonntag, lohnt sich am Spieltag auf jeden Fall ein Besuch in der Innenstadt.

Hast du einen Lieblingsort in Kaiserslautern?

Einen richtigen Lieblingsort habe ich nicht, aber ich bin im Sommer tatsächlich gerne im Brauhaus zum Mittagessen. Dort kann man gut draußen sitzen und man sieht in kurzer Zeit Menschen mit – ich nenne es mal – unterschiedlichen Verhaltensweisen.

Wie bewertest du die bisherige Saison, was läuft momentan gut bei euch, was bereitet Sorgen?

Bislang kann man zufrieden sein. 14 Punkte aus neun Spielen ist sicher mehr als man erwarten konnte. Bei den anderen beiden Fragen kann ich es kurz machen: Gut sind vor allem der Angriff und die Mentalität der Mannschaft, Sorgenkind ist in den letzten Spielen so ein bisschen die Defensive. Da gab es definitv zu viele Gegentore.

Die Mannschaft lässt sich nach einem Auswärtssieg auf dem Betzenberg feiern (bs1895)

Was sind die Ziele und Erwartungen für den Rest der Saison?

Die Leute in Kaiserslautern sind echt extrem bescheiden geworden. Ziel ist klar der Klassenerhalt. Deshalb sind die 14 Punkte 14 von 40. Es ist also noch ein langer Weg. Allerdings hat man am Sonntag eine gute Chance, um noch mehr Abstand zwischen sich und die Abstiegsplätze zu legen. Es wäre schon schön, wenn der FCK nicht bis zum letzten Spieltag zittern müsste.

Hast du einen Lieblingsspieler?

Da muss ich immer ein bisschen vorsichtig sein. Aber Terrence Boyd ist schon ein cooler und angenehmer Typ. Du kannst mit ihm über Gott und die Welt reden, auch abseits des Fußballs zeigt er klare Kante. Das mag ich sehr, weil es das im Profifußball nicht so oft gibt.

Du schreibst als freier Sportjournalist unter anderem für „Der Betze brennt“. Dort bietet ihr eigentlich alles an, was das Fanherz begehrt (News, Podcast, ein eigenes Forum). Was sollten unsere Leser über DBB wissen?

DBB hat sich in den vergangenen 20 Jahren wirklich zu dem Anlaufpunkt für FCK-Fans entwickelt. Dort holen sich die Anhänger ihre Informationen noch bevor sie die offizielle Vereinsseite aufrufen. Wir sind wirklich nah dran am Verein, das gibt es sicher sehr selten bei einem Online-Magazin. Deshalb an dieser Stelle nochmal ein Lob an meine Kollegen Thomas, Gerrit, Ingo und an alle anderen Mitarbeiter. Ohne deren Engagement wäre das sicher nicht möglich. Das wird oft nicht gesehen.

Hast du ein DBB-Erlebnis oder ein Projekt, auf das du besonders gerne zurückblickst?

Da fällt mir spontan dieses Geschichte ein: Als es in der Saison 2019/20 regelmäßig Theater und Rücktritte in den Gremien gab, habe ich eine Chronologie der Ereignisse geschrieben. So einen langen Artikel habe ich noch nie verfasst und wie oft ich da beim Schreiben den Kopf geschüttelt habe, kann ich gar nicht mehr sagen. Das war einfach nur krass, aber mittlerweile blicke ich darauf gerne zurück, weil es eine gute Arbeit für das FCK-Archiv war. Zumal man jetzt sieht, wie es laufen kann, wenn in den Gremien und dem Verein Ruhe herrscht.

Du konntest während der Zeit der Geisterspiele trotzdem im Stadion sein: Gib uns doch mal einen kurzen Einblick in deine damalige Gefühlswelt!

Muss das sein? Es war einfach kein richtiger Fußball. Beim ersten Spiel gegen 1860 München im Juni 2020 wurde uns beim Stadionzutritt sogar noch Fieber gemessen. Dann kamst du in ein völlig leeres Stadion und wusstest: Es kommt auch keiner mehr. Während dem Spiel fing es dann noch an zu regnen. Es war anfangs eine Art Notspielbetrieb. Ich hatte zwischenzeitlich mal kurz überlegt, nicht mehr ins Stadion zu gehen, weil das keinen wirklichen Mehrwert für mich hatte. Im Gegenteil: Es war frustrierend, denn es waren nach den Spielen ja auch keine Gespräche mit Spielern und Trainern möglich. Die Idee habe ich aber verworfen, sonst wäre ich damals gar nicht mehr aus dem Haus gekommen. Ich glaube, an diese Zeit erinnert sich keiner gerne zurück. Hoffentlich passiert so etwas nie wieder. Jetzt weiß man volle Stadien wieder zu schätzen.

Die Fans des 1. FC Kaiserslautern (bs1895)

Die letzte Saison endete für unsere beiden Vereine mit dem Aufstieg. Während wir die letzten beiden Spiele verloren und direkt aufstiegen, hat Kaiserslautern sogar die letzten drei Spiele verloren und musste den Umweg über die Relegation gehen. Aus dieser ist der FCK als verdienter Sieger hervorgegangen und aufgestiegen. Wie bewertest du mit etwas zeitlichem Abstand die finale Phase der vergangenen Saison?

Die letzte Phase der Saison war sehr anstrengend. Der FCK wähnte sich schon als sicherer Aufsteiger, dann kam diese Negativserie, die keiner auf der Rechnung hatte. Die Eintracht ist dann vorbeizogen und ich hatte den Eindruck, dass man selbst in Braunschweig nicht wusste, wie man das gemacht hatte. Die Stimmung in Lautern war dann extrem schlecht, obwohl man ja für die Relegation qualifiziert war und gegen einen Gegner spielte, der seit 17 Spielen nicht mehr gewonnen hatte. Die Tage nach der Niederlage in Köln waren extrem. Es kam zum Trainerwechsel von Marco Antwerpen zu Dirk Schuster, zehn Tage vor der Relegation. Ich glaube, sowas wird es nicht mehr so oft geben und Sportchef Thomas Hengen ist da ein großes Risiko gegangen, vor allem für sich selbst. Über die beiden Partien gegen Dresden habe ich ja auch schon gesprochen. Nur noch so viel: Was bei beiden Spielen in den Stadion los war, war stimmungstechnisch zwar sensationell, ich persönlich könnte auf so zwei entscheidende Spiele aber echt getrost verzichten.

Wie bist du eigentlich zum Sportjournalismus gekommen?

Naja, ich wollte das schon mein ganzes Leben machen. Ich habe dann vor sieben Jahren alles auf eine Karte gesetzt und ein Studium begonnen. Nach einem Praktikum beim Kicker habe ich meine Bachelorarbeit geschrieben und nebenbei bei DBB angefangen. Dadurch lernt man ein paar Leute kennen und über einen Kontakt eines Kollegen kam ich dann zur Deutschen Presse-Agentur und berichte jetzt auch für sie über den FCK.

Hat sich dein Fan-sein verändert, seitdem du den FCK auch journalistisch begleitest?

Ja, total. Man bekommt Einblicke, die der normale Fan nicht hat und schätzt Dinge ganz anders ein. Man sieht den Profifußball einfach mit anderen Augen. Ich habe eine gewisse Distanz zu dem ganzen Geschehen aufgebaut. Das muss man auch, weil man sich nicht von Emotionen leiten lassen darf. Viele glauben mir das zwar nicht, aber es ist auch eine gewisse persönliche Entwicklung, die ich so gar nicht für möglich gehalten habe. Das zu machen, ist für mich ein großes Privileg und ich mag es eigentlich gar nicht so, darüber zu sprechen, weil ich mir daraus gar nichts mache und ich einfach ich selbst bleiben will.

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt? Wenn ja, was sind deine Erinnerungen?

Ja, klar, schon viele. Beide Vereine sind in den vergangenen Jahren ja regelmäßig aufeinandergetroffen. Ich kann mich beispielsweise daran erinnern, dass bei einem 4:1-Sieg des FCK in Braunschweig mal der Stern von Christian Kühlwetter aufging.

Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?

Torsten Lieberknecht. Er ist ja hier in der Region geboren und was er aus der Eintracht in zehn Jahren herausgeholt hat, davor muss man Respekt haben. Wie man in der Folge sah, waren seine Fußstapfen für seine Nachfolger sehr groß. Für manche sogar viel zu groß. In Darmstadt beweist er ja jetzt wieder, dass er was drauf hat. Außerdem äußert er sich regelmäßig respektvoll über den FCK, was ich ebenfalls recht angenehm finde.

Was erwartest du vom Spiel?

Wenn man auf den Tabellenstand schaut, geht Lautern sogar als leichter Favorit in die Partie. Aber auch die Eintracht hat in den vergangenen Wochen in die Spur gefunden. Ich bin gespannt, ob die Aufholjagden, die der FCK in den letzten Heimspielen geliefert hat, beim Gegner eine Rolle spielen werden. Denn ich denke, den Sturm, der Anfang September in 15 Minuten über Darmstadt gefegt ist, wird man in Braunschweig auch vernommen haben. Michael Schiele ist aber sicher gut vorbereitet, schließlich habe ich ihn letzten Spieltag bei der FCK-Partie in Heidenheim gesehen.

Auswärts 2018/19 (bs1895)

Hendrick Zuck wechselte 2018 vom BTSV zurück nach Kaiserslautern. Bei uns war er oft der Sündenbock, wie ist sein Ansehen bei euch in der Fangemeinde?

Total gut. Anfangs wurde die Rückkehr skeptisch gesehen, auch weil er sich 2013 ja ein bisschen Hals über Kopf nach Freiburg verabschiedet hatte. Zuck war zwischenzeitlich auch schon ein bisschen aussortiert, doch Marco Antwerpen hat ihm zu alter Stärke verholfen. Mittlerweile ist er sogar Vize-Kapitän und eine feste Größe in der Mannschaft.

Was sollte man im Stadion essen und trinken?

Früher war die Pferdefrikadelle von Härting legendär, aber ich glaube, die gibt es gar nicht mehr. Deshalb würde ich die Pfälzer Bratwurst empfehlen. Trinken müsst ihr auf jeden Fall eine Weinschorle, auch wenn sie leider aus dem Plastikbecher kommt und deshalb sicher nicht so gut schmeckt wie aus dem „Dubbeglas“.

Was ist dein Tipp?

Ich glaube, dass der FCK das Spiel 2:1 gewinnt. Die Mannschaft hat in den letzten Spielen Mentalität bewiesen und glaubt an ihre eigene Stärke.

Vielen Dank für deine Zeit, Florian!

Bis dahin

Euer Kivi

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