Gegnergespräch 1. FC Nürnberg

7 min read

Am gestrigen Deadline Day noch kurz vor knapp verstärkt, wollen unsere Löwen heute gegen den 1. FC Nürnberg endlich dreifach punkten. Anstoß ist um 18.30 Uhr im Eintracht-Stadion. Am späten Abend kommt natürlich auch mein Spielbericht. Vor dem Freitagabendspiel habe ich mich mit Steffen unterhalten. Steffen informiert seine Mitfans über einen Twitter-Account @2_Steffen und hält seine Follower, mit allem was den FCN betrifft, auf dem Laufenden.

Hallo Steffen! Schön, dass du dir Zeit genommen hast für uns! Stell dich doch mal kurz vor!

Hey Kivi, vielen Dank für deine Einladung! Mein Name ist Steffen, ich bin 22 Jahre alt und geborener Fürther (Schande über mein Haupt :D). Eine witzige Anekdote zu mir: Meine Clubmitgliedschaft habe ich durch ein Crowdfunding über Twitter erreicht, wofür ich Harry bis heute sehr dankbar sind!

Werden wir dich am Sonntag im Eintracht-Stadion begrüßen können? (wenn du nicht im Stadion bist): Wie wirst du das Spiel verfolgen?

Ich hatte tatsächlich eine Auswärtsfahrt geplant, aber leider steht meine Uni dem entgegen. Daher werde ich das Spiel nur im Fernsehen sehen, was ich sehr schade finde, da ich vor dem Fernseher nicht ansatzweise so mitgehe wie im Stadion.

Seit wann bist du Fan deines Vereins und wie bist du Fan geworden?

Clubfan bin ich tatsächlich geworden, wie der klassische Mythos besagt: Mein Opa ist Ex-Fußballer, hatte seit Jahrzehnten eine Dauerkarte und nahm mich eines Tages mit. Obwohl es das Jahr meines ersten Abstiegs war, war ich von der Atmosphäre so mitgenommen, dass ich bis heute nur sehr wenige Auswärtsspiele verpasst habe. Mit zunehmendem Alter geht’s auch auf immer mehr auswärtsfahren – aber immer „undercover“ auf der Gegengerade. Wie gerade schon erläutert, fühle ich mich im Stadion deutlich wohler als vor dem Fernseher.

Wo findet man dich bei Spielen deines Vereins meistens?

Ich bin immer im Stadion, außer wenn der Urlaub dazwischen funkt. Dabei bin ich auf höhe der Mittellinie im Oberrang auf der Gegengerade zu finden – also beste Sicht aufs Spielfeld. Das klingt sehr nach Sesselfurzer – aber ich bin glaube ich ein bisschen zu aktiv für den Block.

Was war deine letzte Auswärtsfahrt?

Meine nächste Auswärtsfahrt hätte Braunschweig werden sollen, davor sollte es Sandhausen sein. Da meinte aber ein Virus in meinem Körper sein Unwesen zu treiben. Somit ist mein letztes Auswärtsspiel die Partie in Hamburg gewesen, als wir Sankt Pauli den Aufstieg mit einem Last-Minute-Ausgleich verdorben haben.

Die Eintracht und der FCN vor dem Bundesliga-Spiel 2013/14 im Eintracht-Stadion (bs1895)

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?

Ich habe seit 8 Jahren schon meine Dauerkarte und habe damit schon zwei Abstiege und einen Aufstieg miterlebt. Der erste Abstieg war tatsächlich eher unglücklich, beim zweiten Abstieg waren wir einfach chancenlos und ich hatte Angst, wir würden Tasmania Berlin ablösen. Zum Glück haben wir uns dann noch auf unterstem Niveau stabilisiert. Die Aufstiegssaison war tatsächlich eine der langweiligsten Zweitligajahre – weil ich zu jeder Schlussphase wusste, dass wir das Ding noch drehen würden. Somit sind wir auch sehr lange ungeschlagen geblieben.

Was war bisher dein emotionalster Moment mit deinem Verein?

Puh, mit den Jahren habe ich natürlich so ein paar verrückte Spiele gesehen. Jeder andere Clubfan würde jetzt wahrscheinlich den Pokal-Sieg heranziehen oder die folgenden internationalen Spiele – aber da war ich dummerweise zu jung und habe ungelogen gar nichts davon mitbekommen. Ich glaub, am meisten abgegangen bin ich mal bei einem Spiel gegen den FC Bayern. Das war die extremste Ausprägung von David gegen Goliath und der Club hat sich so wacker geschlagen. Da ist wirklich das ganze Stadion abgegangen, wie ich es noch nie erlebt habe – und dann kam Tim Leibold, und haut den Elfmeter kurz vor Schluss gegen den Pfosten… und beim schreiben fällt mir gerade ein, dass wir vor kurzem wenige Sekunden vor der 3. Liga standen. Wie gesagt, viele verrückte Spiele.

Wer ist dein Lieblingsspieler aus dem aktuellen Kader?

Über diese Thematiken bin ich leider hinweg. Nachdem der Aufstieg ja das große Highlight meines Fandaseins war und danach so viele Spieler, zu denen ich eine gewisse Bindung aufgebaut hatte, trotz Bekenntnissen alle spätestens ein Jahr später weg waren, konnte ich nie wieder eine so enge Beziehung zu Spielern aufbauen.

Jasmin Fejzic jubelt 2017/18 (bs1895)

Auf Twitter informierst du Glubberer über deinen Verein. Wie kam es dazu, dass du damit angefangen hast, und wie hat sich dein Fan-sein dadurch verändert?

Als ich auf Twitter kam, habe ich gemerkt, dass dort ganz viele Leute diskutierten, die einen ganz unterschiedlichen Wissensstand hatten, womit viele Diskussionen obsolet waren. Deswegen habe ich vor vielen Jahren angefangen, Vereins-Interviews von ClubTV auf meinem Twitteraccount zusammenzufassen – was mir bis heute unglaublich Spaß macht. Des Weiteren hat mir mein Opa jeden Montag und jeden Donnerstag immer den kicker gebracht, weil da jedes Mal interessante Informationen über den Club drinnen standen (mittlerweile leistet sich der kicker ein Fauxpas nach dem anderen, was unglaublich schade ist). Von meinem Papa habe ich immer die Nürnberger Zeitung und Nachrichten bekommen, die BILD habe ich mir immer beim Lotto um die Ecke geholt. Mittlerweile habe ich da überall selbst Abos und alles nur noch digital – wie sich die Zeit eben verändert.

Zu dem zweiten Teil deiner Frage: Mein Fandasein hat sich sehr stark geändert – leider, um ehrlich zu sein. Früher habe ich deutlich wildere Sachen gepostet und viel mehr Emotionen auch gezeigt. Heute ist es mehr eine Arbeit für mich, der ich nachgehe und nach jedem Tor hole ich erstmal mein Handy raus. Auch habe ich die Tweets deutlich professionalisiert und schreibe sie mittlerweile vor – früher habe ich mir dafür immer einen Wecker gestellt, damit die Tweets nicht alle gleichzeitig und gut über den Tag verteilt kommen. Leider unterschätzen auch viele, wie viel Arbeitszeit da tatsächlich dahinter steckt und kaum hat man sich mal vertippt oder tweetet zu emotional, gibt es ganz grimmige Antworten.

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt, wenn ja, was sind deine Erinnerungen?

Natürlich habe ich schon Spiele gegen die Eintracht miterlebt – wobei es seit meines Fandaseins jetzt auch nicht so unglaublich viele waren. Was natürlich im Hinterkopf geblieben ist, war ein Auswärtsspiel gegen euch, welches – gelinge gesagt – , eher in die Hose ging. Stichwort: Halbes Dutzend.

Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?

Torsten Lieberknecht. Seit ich Clubfan geworden bin, war er bei euch Trainer, daher hat das für mich immer wie die Faust aufs Auge gepasst. Und natürlich eure ständigen Ligenwechsel – solche dusseligen Vereine sind mir leider einfach sympathisch. Und lustigerweise auch du. Ich folge sonst glaube ich keinem einzigen Braunschweig-Fan und somit bleibe ich durch deine Tweets immer up to date. Unvergessen bleibt dein Feier-Video in deinem Wohnzimmer.

Warst du schonmal in Braunschweig? Wenn ja, wie hat dir die Stadt gefallen?

Leider war ich noch nicht in Braunschweig, was ich aber nächstes Jahr nachholen werde – wenn ihr euch noch ein bisschen mehr anstrengt!

Mitgereiste Nürnberger 2015/16 (bs1895)

Was erwartest du von der Saison, was macht Mut und was bereitet Sorgen?

Wenn ich ehrlich sein darf, habe ich vor der Saison viel vom Club erwartet. Die letzte Saison war solide, auf dem Transfermarkt konnte man alle Angänge oft innerhalb weniger Tage oder direkt zeitgleich ersetzen (Fischer, Sörensen) und die gewünschten Verstärkungen (Duah, Daferner) vor dem ersten Trainingslager verpflichten. Da entsteht dann natürlich schon eine gewisse Erwartungshaltung, die bei mir aber leider wieder verflogen ist.

Wie bewertest du euren Saisonstart?

Gemessen an der Tabelle: Durchwachsen. Gemessen an den eigenen Ansprüchen, Platz 1-6 zu erreichen: Schlecht. Bisher war nur ein Spiel wirklich überzeugend und das war überraschenderweise auch noch das Derby gegen die Vorstadt. Und das eigentliche Problem liegt gar nicht an der Punkteausbeute, sondern eher an der Art und Weise. Die Mannschaft braucht ganz oft erstmal die Halbzeitpauke (um es nicht Arschtritt zu nenne), um überhaupt zu kämpfen. Dabei haben wir noch gar nicht über das Spielerische gesprochen, das in zu vielen Begegnungen einfach ganz schwach war. Mit dem Ball tut sich die Mannschaft so schwer, gefährlich zu werden – dabei ist der Trainer jetzt schon in seinem dritten Jahr bei uns, das Mittelfeld ist das das fast identische Personal zur letzten Saison und die beiden Stürmer haben wir für fast 2 Millionen Euro verpflichtet. Zusätzlich richtet sich der Trainer immer extremst am Gegner aus, womit eine eigene Identität beziehungsweise eine eigene Spielweise erst gar nicht richtig aufkommen kann.

Was erwartest du vom Spiel?

Wie in den Ausführungen vorher schon erläutert, werden wir uns wieder stark anpassen. Da laut unserem Trainer eure Stärken im Konterspiel lauern, werden wir wahrscheinlich wieder defensivorientiert reinstarten. Dabei sollte man gegen einen vor allem Defensiv so verunsicherten Gegner von der ersten Sekunde an maximalen Druck ausüben, da nach dem ersten Gegentor der Kopf wieder losgeht und dann ist das Spiel schon halb gewonnen.

Was ist dein Tipp?

Ich war noch nie ein Freund von Tipps, nach 2 Minuten gibt es einen Platzverweis und jegliche Prognosen sind ad absurdum. Und hat hier schon mal jemand gegen seinen Verein getippt? Naja, mein Nicht-Tipp sagt ein klares 1:2 vorher.

Beim letzten Aufeinandertreffen im Eintracht-Stadion verwandelte Nick Proschwitz kurz vor Schluss einen (unberechtigten) Elfmeter auf die leere Südkurve (bs1895)

Möchtest du noch etwas loswerden?

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ sowie „Stop blaming the manager!“

Danke für deine Zeit, Steffen!

Bis Dahin

Euer Kivi

1 thought on “Gegnergespräch 1. FC Nürnberg

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: