Die Elfmeterkönige vom BTSV

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10:9 gewannen unsere Löwen nach Elfmeterschießen

„EUROPAPOKAL!“ schallte es nach Abpfiff durch das Stadion. Etwas mehr als 14.000 Zuschauer waren gekommen, die Südkurve allerdings ordentlich gefüllte Südkurve verwandelte Das Eintracht-Stadion in ein Tollhaus. Ein auf mehreren Ebenen unfassbarer Pokalabend, der viele Kehlen heiser werden ließ.
Und wieder hieß der Gegner Hertha BSC, bereits zum fünften Mal kegelten die Braunschweiger Löwen die Hauptstädter aus dem Pokal. Andersrum gelang das der Alten Dame 2018 das erste und einzige Mal.

Vor dem Spiel konnte ich vorsichtigen Optimismus vernehmen, ich selber vermutete ein gutes aber nicht erfolgreiches Mithalten. Die Sitzblöcke wirkten ziemlich leer, die Südkurve und der Gästeblock waren hingegen gut gefüllt. Man traf wie immer bekannte Gesichter und und stimmte sich mit Blau-Gelben Gesprächen auf das Pokalspiel ein. Besonders gefreut hatten sich über die Auslosung wohl weder die Fans aus der Hauptstadt noch die Fans aus der schönsten Stadt der Welt.

Löwen-Trainer Michael Schiele nahm erstmals Änderungen vor und schickte folgende Elf in die 1. Pokalrunde: Jasmin Fejzic (C) – Danilo Wiebe (46. Jan-Hendrik Marx), Brian Behrendt, Saulo Decarli, Niko Kijewski (46. Anton Donkor) – Bryan Henning, Jannis Nikoloau – Fabio Kaufmann, Immanuel Pherai, Keita Endo (100. Robin Krauße) – Luc Ihorst (61. Lion Lauberbach)

Die Gäste machten sofort Druck und hatten früh in der Partie eine Riesenchance: Lukebakio ließ die halbe Eintracht-Hintermannschaft stehen und bediente den völlig freien Maolida, der aber überhastet abzog und das Tor deutlich verfehlte. Im Gegenzug dann die Mega-Chance für die Eintracht. Einen langen Ball von Behrendt nahm Edeltechniker Pehrai wunderbar aus der Luft mit und ließ auch noch den Hertha-Torwart aussteigen. Schein Schuss aufs scheinbar leere Tor wurde im letzten Moment von Boyata zur Ecke gegrätscht. Wenig später holte Kaufmann eine Ecke raus, die von Kijewski getreten und von einem Hertha-Verteidiger zu Pherai geklärt wurde. Unsere Nummer 10 nahm den Ball volley: Vorbei. Eine Minute später konnte Plattenhard auf seiner linken Seite unbedrängt flanken und in der Mitte Davie Selke unbedrängt köpfen. Der Hertha-Stürmer überwand Jasmin Fejzic mit seinem Kopfball: 0:1 nach zehn Minuten. Wieder ein frühes Gegentor. Kurzer Schockmoment in der Südkurve, dann wurden die Löwen wieder angefeuert. Kurz danach ging Selke nach einem Zweikampf sehr leicht zu Boden, Schiri Stieler entschied auf Freistoß aus 18m. Standard-Spezialist Marvin Plattenhardt lief an und zwirbelte das Leder knapp übers Toreck.

Tanzende Löwen vor der Südkurve

Zwanzig Minuten waren gespielt, als Ihorst nach Endo-Zuspiel ein paar Meter ging und aus spitzem Winkel das Außennetz traf. Nach nicht ganz einer halben Stunde wurde es richtig gefährlich: Lukebakio verschaffte sich mit einem Haken Platz und legte zu Maolida, der erneut komplett frei stand. Fejzic machte sich groß und verhinderte im 1gg1 den Rückstand, doch der Ball war noch heiß: Selke kam aus wenigen Metern zum Abschluss, schoss den Ball aber über das von Fejzic verlassene Tor. Zehn Minuten vor der Pause zog Geburtstagskind Nikolaou aus der zweiten Reihe: Knapp links vorbei! Dann wieder Hertha: Plattenhard brachte den Ball flach zu Maolida, der aus kurzer Entfernung flach abzog. Fejzic erwischte die Kugel, diese rollte aber dennoch Richtung Grundline. Mit einem starken Hechtsprung hatte der Bosnier den Ball dann doch sicher und wurde dafür von den Fans gefeiert. Kurz vor der Pause klingelte es erneut: Lukebakio schaltete den Turbo ein und zog an allen Blau-Gelben vorbei. Aus spitzem Winkel scheiterte er noch an Fejzic, doch der Ball sprang zu Maolida, der aufs leere Tor einschieben konnte. Dann köpfte Selke eine Ecke vorbei und der Schiri pfiff zur Halbzeit.

Die Abwehr konnte vor allem dem schnellen Lukebakio und den Flankenläufen von Plattenhardt nicht viel entgegensetzen. Die Herthaner waren nicht ganz konsequent und erzielten somit nur zwei Tore, während unsere Löwen nur eine richtig gute Chance hatten. Zur Pause ersetzte Michael Schiele fast die gesamte Hintermannschaft: Donkor, Marx und Schultz kamen für Kijewski, Wiebe und Decarli.

Die erste Szene der zweiten Halbzeit hatten die Haupstädter, doch Boateng schoss nach Serdar-Vorlage aus guter Position am Tor vorbei. Im Gegenzug verfehlte Jannis Nikolaou mit einem Fernschuss sein Ziel deutlich. Wenig später drang Pherai über die linke Seite in den Strafraum ein, fand mit seinem flachen und scharfen Versuch aber weder Freund noch Feind und auch nicht das Tor. Nach einer Stunde fand Plattenhardt mit einer Flanke Boyata, der aus kurzer Distanz an Fejzic scheiterte. Im Gegenzug tanzte Pherai Boyata aus und wurde dann von diesem klar gelegt. Da dies im Strafraum geschah, war klar. Elfmeter! Eine seltene Sache für uns Braunschweiger, entsprechend spannend war, wer diese wichtige Aufgabe übernahm. Abwehrchef Brian Behrendt legte sich die Kugel zurecht, lief an und donnerte das Leder in die Maschen! Jetzt war Feuer in der Bude und alle Blau-Gelben glaubten wieder an die Pokal-Überraschung! Und nur wenig später explodierte das Feuer: Nikolaou gewann den Ball und dann ging es über Endo und Marx blitzschnell. Der Rechtsverteidiger flankte flach nach innen und fand dort den gerade eingewechselten Lion Lauberbach der den Ball über die Linie drückte: Ausgleich, 2:2! Fette Bierdusche für mich, scheißegal, einfach nur schreien!

Geschafft! Eine Runde weiter!

Danach nahm sich das Spiel eine kurze Verschnaufpause. Erst in der 77. Minute tanzte Ejuke gleich drei Löwen aus und zog flach auf die lange Ecke ab. Fejzic tauchte ab und lenkte das Leder um den Pfosten. Wenig später verlängerte Kaufmann eine Pherai-Ecke sehenswert, doch der folgende Behrendt-Kopfball war zu ungefährlich. Im Gegenzug zog Sunjic aus dem Rückraum ab: Genau in die Arme von Fejzic. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit traf Jovetic für die Hertha, stand aber im Abseits, was das Schiedsrichtergespann entsprechend ahndete. In der letzten Minute der Nachspielzeit leitete Fejzic mit einem langen Abwurf einen Konter ein. Marx zündete den Turbo und lief über gefühlt das ganze Feld. Aus etwa 20m zog er dann wuchtig ab, aber leider zu zentral. Schlussmann Christensen hatte dennoch Probleme den Schuss abzuwehren. Danach pfiff Schiri Stieler ab: Verlängerung!

Und diese startete perfekt: Lauberbach setzte sich gegen Kempf durch und war plötzlich auf und davon, nahm den Kopf hoch und schob uneigennützig zum mitgelaufenen Pherai, der ins leere Tor zum 3:2 traf. Keine Bierdusche, die Bierholer waren noch nicht zurück auf ihren Plätzen, waren doch erst wenige Sekunden gespielt! Der Re-Start nach Maß ließ die Stimmung erneut explodieren. Die Fans waren nach 90 Minuten noch nicht müde und trieben ihre Löwen weiter voran. In der 100. Spielminute dann die Riesenchance für die Alte Dame: Jovetic wollte aus spitzem Winkel abschließen, verzog aber völlig und spielte somit einen wohl unabsichtlichen Querpass zu Darida, der aber das leere Tor nicht traf. Kurz danach machte es Tousart besser. Aus 22m hatte der Franzose zu viel Platz und versuchte es mit einem Fernschuss. Ein Abwehrbein fälschte den Versuch unhaltbar ab: 3:3 kurz vor dem Seitenwechsel.

Im Gegensatz zum tollen Start in die erste Hälfte der Verlängerung erwischten die Löwen nun den schlechteren Start. Nach wenigen Sekunden war Lukebakio nach einem Steckpass von Jovetic frei durch und überlupfte den herausstürmenden Fejzic. Der Klärungsversuch der Löwenabwehr kam zu spät, Hertha hatte das Spiel gedreht. Die Löwen rannten an, aber einige Flankenversuche von Pherai und mehrere Ecken wurden dann doch nicht wirklich gefährlich und so lief der Eintracht immer mehr die Zeit davon während die Herthaner versuchten selbige von der Uhr zu nehmen. Unsere Einträchtler wirkten erschöpft, doch das Spiel war noch nicht vorbei: Donkor passte zu Pherai, der den Ball elegant an Dauerläufer Henning weiterleitete. Trotz fast 120 Minuten „Laufen, Kämpfen, Beißen“ packte der Publikumsliebling nochmal einen schnellen Antritt aus und verschaffte sich Platz für einen Abschluss. Aus 17m halbhoch auf die linke Ecke: TOR, TOR, TOOOOOOR! Selten wurde im Eintracht-Stadion so über einen Ausgleich gejubelt. Mittlerweile waren eigentlich alle 14.000 auf en Tribünen und auf dem Platz völlig fertig. Kurz danach war erneut erstmal Schluss: Elfmeterschießen! Eine neue Sache für viele Eintrachtfans, denn zuletzt gab es das nur im Landespokal.

Auch nach dem Spiel war es voll in der Südkurve

Der nächste Jubel brandete durchs Eintracht-Stadion. Jasmin Fejzic gewann die Seitenwahl und entschied sich natürlich für das Tor vor der Südkurve. Hertha musste vorlegen.

Elfmeterschießen

Darida war erster Schütze und verwandelte sicher in die rechte Ecke. 4:5

Erster Löwenschütze war Immanuel Pherai, der ein starkes Spiel gemacht hatte. Der Niederländer zielte halbhoch in die rechte Ecke und ließ Torwart Christensen keine Chance, der sogar in die richtige Ecke unterwegs gewesen war. 5:5

Nächster Hertha-Schütze war Jonjoe Kenny: Der Ex-Schalker zielte flach auf die linke Ecke. Elfmeterkiller Fejzic kam zwar an den Ball, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. 5:6

BTSV-Schütze Nummer zwei war der schnelle Marx, der Christensen in die falsche Ecke schickte und ins rechte Eck traf, Jubel und Anspannung im Eintracht-Stadion. 6:6

Marvin Plattenhardt legte sich als nächster die Kugel zurecht. Der Standardspezialist visierte die linke Ecke an, doch Fejzic bestätigte seinen Ruf als Elfmetertötet, ahnte die Ecke und wehrte den halbhohen Versuch ab. Jubel und laute, sehr laute Sprechchöre für den Bosnier, der längst zu den Legenden im Eintracht-Trikot gehört. Weiter 6:6!

Geburtstagskind Jannis Nikolaou war Schütze Nummer drei für den BTSV, lief an und traf! Links oben schlägt die Pille ein. EINTRACHT, EINTRACHT, EINTRACHT! Schallte es immer wieder durchs Stadion. 7:6!

Nächster Hertha-Schütze war Stevan Jovetic. Dieser verwandelte den Elfer hoch in die linke Ecke. 7:7

Anton Donkor hatte sich als nächster Schütze bereit erklärt. Der Linksverteidiger scheiterte aber mit einem zu lasch geschossenen flachen Versuch in die linke Ecke. Christensen war da und parierte. Alles wieder offen. Weiter 7:7

Ejuke verwandelte den nächsten Elfmeter für die Hertha in die rechte Ecke. 7:8

Jetzt musste die Eintracht treffen, sonst wäre das Spiel verloren. Passend dazu war der nächste Schütze Brian Behrendt, der wie auch in der regulären Spielzeit den Ball kompromisslos ins Tor donnerte. 8:8

Nächster Schütze für die Hauptstädter war Sunjic. Dieser trat das Leder Richtung untere linke Ecke. Fejzic kam noch an den Ball, doch dieser rutschte trotzdem durch. Das war richtig knapp! 8:9

Kampfsau Robin Krauße war der nächste Schütze für den BTSV und traf halbhoch in die Mitte. 9:9

Kempf legte sich den Ball als nächster Hertha-Schütze zurecht, versuchte es mit einem kurzen Anlauf und schießt das Ding drüber! Weiter 9:9!

Bryan Henning hatte die Eintracht mit seinem Treffer in der 118. Minute überhaupt ins Elfmeterschießen gebracht und hatte jetzt das Weiterkommen auf dem Fuß. Henning schoss nach links, Christensen spring nach rechts, drin. Das Eintracht-Stadion explodierte, der Jubel wollte gar kein Ende finden!

Wenig später machte die Mannschaft ihre Ehrenrunde und ließ sich vor der immer noch gut gefüllten Südkurve ausgiebig feiern. Was für ein Wahnsinnsspiel! Eine echte Achterban der Gefühle: Erst die eher schwache erste Halbzeit, die wenig Hoffnung aufs Weiterkommen machte, dann der schnelle Doppelschlag zum Ausgleich. In der Verlängerung dann sofort die Führung, ein Doppelschlag der Berliner vor und nach dem Seitenwechsel und der späte erneute Ausgleich durch Bryan Henning, der ein packendes Elfmeterschießen mit dem entscheidenden Elfmeter für die Eintracht beendete.
Danke für diesen geilen Abend Jungs! Ich habe völlig fertig aber absolut glücklich das Stadion verlassen.

Bis Dahin

Euer Kivi

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