Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Taktikpad: Zurück zum 4-2-3-1, bitte.

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Moin Löwen!

War das nun eine Chance oder war es keine? Was Eintrachts „Chancen“ aktuell nach 2. Spieltagen und Null Toren angeht, kann man sich am Stammtisch streiten. Mal kommt ein Schuss aus dem spitzen Winkel, mal verliert man den Ball in einer aussichtsreichen Position. Eintracht lässt einen Offensiv verzweifeln. Auch in der Defensive muss die Eintracht noch zulegen. Zwei Standardtore zugelassen, ein Eigentor. Insgesamt fünf Gegentore. Dabei will die Eintracht laut Braunschweiger Zeitung auch keinen Innenverteidiger mehr holen, stattdessen wird nach einen Stürmer gesucht. Doch ist es wirklich so einfach?

Wie die ersten Ligaspiele zeigen, hat Eintracht auch taktische Probleme zu lösen. Der Michael Schiele-Fussball ist noch nicht auf die Liga eingerichtet. Es scheint so, als hätte man die Tugenden aus der letzten Saison schon fast vergessen, weil man in einer höheren Liga spielt.

Zusammenhalten.

Im Vergleich zur letzten Saison, hat sich, außer der Ligazugehörigkeit, vor allem taktisch etwas getan. Die Systemumwandlung von einer Viererkette in eine Dreierkette hat nicht nur seine defensiven, sondern auch seine offensiven Auswirkungen.

Lassen wir mal außen vor, dass wir damit in der Innenverteidigung 2. Ligaqualität-Lücken entstehen lassen und dass nach Global Soccer Network Eintracht im 4-2-3-1 Qualitativ und Team-DNA-mäßig am besten aufgestellt ist. Eines der Probleme, welche wir mit der Dreierkette haben, ist die Zuordnung in der Kette: Wer positioniert sich wie, wer doppelt bei Flanken, wer rückt heraus und wer nicht. Zum Beispiel, bei dem strukturierten 4-2-3-1 waren die Außenbahnen doppelt besetzt und somit klar, wer bei den gegnerischen Flanken doppelt.

Aktuell stimmt die Kommunikation und die Zuordnung in der Abwehrkette nicht. Immer wieder entstehen Situationen, wo die Spieler sich falsch positionieren. Das 0:2 gegen HSV oder das 0:2 der Heidenheimer sind hier Musterbeispiele. In beiden Situationen wurde nicht gedoppelt und der Gegner konnte die Flanke befreit spielen.

Eine Viererkette und doppelt besetzte Außenbahnen würden die klaren Strukturen der letzten Saison wiederherstellen und die Rollenverteilung wäre den Spielern klarer. Das 4-2-3-1 von Schiele war ein sehr strukturiertes System. In dem 3-4-1-2 -System ist immer wieder unklar, wer welchen Raum besetzen soll. Das wäre bei dem „alten“ System anders. Auf das Aufbauspiel hätte dieses keinen Einfluss, denn die Eintracht baute auch in der letzten Saison das Spiel mit einer dynamischen Dreierkette auf.

Das 3-4-1-2 von Schiele hat leider auch ein wenig die gleichen Probleme, wie das System von Daniel Meyer 2020/21. Sogar der Gedanke dahinter ist (fast) der selbe: das Zentrum dicht machen und damit besser in der offensivstarken Liga verteidigen. Was ich aktuell für einen Fehler halte, denn damit nehmen wir unsere größte Stärke in der Offensive weg. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass die ein-Mann-Flügel zu spät nach vorne rücken und die Defensive sich wieder neu organisieren kann.

Erinnern wir uns, was uns in der 3. Liga offensiv stark gemacht hat: Es war einmal das Angriffs- und Gegenpressing und zweitens das schnelle Umschalten und eine gute Strafraumbesetzung der Offensivleute. Mit dem 4-2-3-1 hatten wir ein bessere Positionierung der Vorderleute und mit dem 3+1 -System im Strafraum waren wir optimal besetzt. Das kommt bei dem 3-4-1-2 -System aktuell überhaupt nicht zum tragen, weil Eintracht sehr, sehr direkt beim Abschluss ist und die zweite Welle der Eintracht nicht schnell genug nachrücken kann. Somit greift auch das Gegenpressing nicht: die Abstände zum Ball/ Gegenspieler sind zu groß, die Entfernung zum gegnerischen Tor auch.

50. Spielminute gg. Heidenheim. Hier sollte Kiwi (#4)den ballnahen Flügel besetzen und in die mögliche Schnittstelle laufen, ist aber zu weit weg. Pherai verliert dazu den Ball. Durch eine Gegenpressingaktion von Nikolaou kann man den Ball noch erobern, doch die gegnerische Abwehr ist schon gut organisiert. Der Schuss von Pherai kommt aus einer schlechten Position.

Hinzu kommt, dass Schieles Eintracht fast komplett aufgehört hat, im Angriffspressing zu agieren. Zwar ist das gegen stärkere Gegner auch teilweise klug, man gibt damit aber eine gute Waffe aus seinen Händen. Dass man auch in der 2. Liga hoch pressen sollte und hohe Ballverluste erzeugen sollte, zeigte die Szene von Immanuel Pherai und Lion Lauberbach gegen Heidenheim in der 50. Spielminute. Doch auch hier kam die zweite Welle etwas zu schlecht positioniert und die gegnerische Abwehr kann sich wieder schnell neu organisieren. Die unorganisierte Abwehr konnte man nicht ausnutzen.

Heidenheim (rot) trifft von der gefährlichen Torschussraum, Eintracht (gelb) kam nicht in den Raum rein. (Quelle: Wyscout)

Fazit

Die Dreierkette jetzt schon aufzugeben ist eventuell frühzeitig. Doch dann sollte Eintracht auch den Spielstil etwas adaptieren. Jetzt verschwendet man gute Spielsituationen, kommt nicht in den gefährlichen Torschussraum rein (schaut mal bei der Damen-EM vorbei wie man in die gefährliche Räume spielt) und hat keine effektive zweite Welle. Dazu fehlt teilweise in der 5er-Kette die Zuordnung und man bekommt leichte Gegentore.

Man sollte den Mut haben so zu spielen, wo die eigenen Stärken liegen.

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