Das Blau-Gelbe Lexikon

7 min read

Weiter geht es mit einer Vorstellung eines Fans, der ein enormes Blau-Gelbes Wissen hat. Martin betreibt mit Tobi, Jussi und mir den Podcast „Eintracht Lebenslang“.

Erste Frage: Was sagt die Eintracht-App wie weit du vom Eintracht-Stadion entfernt bist?

381 Kilometer – passend zum Postleitzahlengebiet unserer schönen Löwenstadt!

Seit wann bist du Fan unserer Braunschweiger Eintracht?

Sommer 2005

Wie und durch wen hast du zur Eintracht gefunden?

Durch zwei Jugendfreunde aus meinem Dorf und ihren Vater, die mich damals mitgenommen haben. Ich fand es im Stadion einfach unschlagbar genial und wollte dann so oft es geht wieder hin.

Was bedeutet Eintracht Braunschweig für dich?

Einen wichtigen Teil meines Lebens und meiner Identität. Aber irgendwie ist man ja dem Verein auch ein wenig ausgeliefert, immerhin bestimmt Eintrachts Abschneiden einen nicht unerheblichen Teil meiner Laune. Seit mehr als 6000 Tagen Gefangener des Braunschweiger Turn- und Sportvereins!

Wie viele Auf- und Abstiege hast du somit bisher miterlebt?

Sieben. Den Aufstieg 2005 noch nicht mitgezählt und die Qualifikation für die dritte Liga 2008 ebenfalls nicht, auch wenn die sich wie ein halber Aufstieg angefühlt hat… naja okay, vielleicht wie ein Drittelaufstieg.

Was war dein erstes Spiel im Stadion, welches dein letztes?

Mein erstes Eintrachtspiel war am 30. August 2005 ein Benefizspiel für die Hinterbliebenen eines plötzlich und zu jung verstorbenen Familienvaters und Eintrachtfans bei einem mit Roy Präger (bäh!) und Jörg Sievers (bääääääääääh!) verstärkten VfL Woltorf, das ist bei Peine. Eintracht gewann natürlich trotzdem 12-1 und ich erinnere mich noch wie Kosta Rodrigues eine Halbzeit auf der Seite hoch und runter gelaufen ist, auf der meine Kumpels und ich standen. Erstes Spiel im Eintracht-Stadion war dann wenige Tage später am 11. September (das Datum kann ich mir gut merken) ein 3:0-Erfolg über die SpVgg Fürth, Lars Fuchs traf doppelt und Ahmet Kuru (TORFABRIK!) einfach. Nach dem Spiel war Eintracht Spitzenreiter der zweiten Liga und die Erwachsenen mussten uns Lütten erstmal klar machen, dass es mit dem Aufstieg in die Bundesliga trotzdem wohl eher nichts wird.

Mein letztes Eintrachtspiel war der furiose 6:0-Kantersieg im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark bei Viktoria Berlin, das letzte an der Hamburger Straße war das Remis gegen KSO im September.

Wer ist dein absoluter Lieblingsspieler?

Mirko Boland setzt sich da haarscharf gegen Marc Pfitzner durch.

Was war dein schönster blau-gelber Moment?

Der 06. April 2014

Was war dein traurigster/schlimmster blau-gelber Moment?

Der der 15. April und der 14. Mai 2017.

Wie verfolgst du im Normalfall die Spiele unserer Eintracht?

Im Stadion oder im Stream – in den letzten zwei Jahren pandemiebedingt leider zu häufig letzteres.

Was ist dein liebster Fangesang?

„Zwischen Harz und Heideland“ – bevorzugt auswärts, weil es da selten im Kanon gesungen wird. „Wir sind Braunschweig, Stadt am Harz“ kommt dahinter.

Was gefällt dir am Fußball?

Vieles, etwa das Spiel selbst oder die soziokulturelle Komponente. Auch die große Vereinsvielfalt, wie Fußballvereine Repräsentanten und Verkörperungen von Vierteln, Städten und Regionen, aber auch von sozialen Milieus oder ethnokulturellen Gruppen sein können.  Auch, wie der Fußball Menschen auf der ganzen Welt und aus unterschiedlichsten Schichten in seinen Bann zieht und so zusammenführen kann.

Was stört dich am Fußball?

Vieles, etwa der Videobeweis oder die kommerzielle Komponente. Auch die so eingeschränkte Vereinsvielfalt, wie Fußball“vereine“ Repräsentanten und Verkörperung von Kapitalstrategien, Diktatoreninteressen und Provinzfürstlaunen, aber auch Vehikel zum Zurückdrängen bestimmter sozialer Milieus oder ethnokultureller Gruppen sein können. Auch, wie für den Fußball Menschen in Teilen der Welt (Katar) und meist aus den ärmsten Schichten leiden und sterben müssen.

Was gefällt dir an der Stadt Braunschweig besonders, hast du einen Lieblingsort? Eintracht-Stadion zählt nicht!

Eintracht! Die Allgegenwärtigkeit des BTSV in der Stadt, aber auch die Größe der Stadt und ihre klare, aus einer langen und lebendigen Geschichte hervorgegangene Identität. Ich mag ganz klassisch den Burgplatz mit dem Braunschweiger Löwen. Und wenn ich das Eintracht-Stadion nicht nennen darf, sag ich halt Leonhardstraße 11!

Was ist dein Lieblingsgericht im Stadion?

Bratwurst, aber noch wie bis 2019 vom Holzkohlegrill. Kohleausstieg rückgängig machen!

Was war bisher deine beste/liebste Auswärtsfahrt?

Der Abstieg 2014 in Sinsheim war sehr emotional, zuvor war das erste Auswärtsspiel nach dem Aufstieg in Dortmund trotz Niederlage sehr cool. In den letzten Jahren fand ich die wichtigen und hart erkämpften 1:0-Siege in klirrender Kälte 2018/19 in Cottbus und Zwickau geil.

Bei welchem Gegner freust du dich am Meisten auf die Spiele?

Hannoi. Ansonsten Traditionsvereine mit lauten Fans, gegen die wir nicht dauernd spielen wie Magdeburg, Köln oder Frankfurt – jetzt, wo Alex Meier uns keinen mehr einschenken kann.

Zusammen mit Jussi und Tobi betreiben wir den Podcast Eintracht Lebenslang. Mir tut es immer gut, ausgiebig über die Spiele und Ereignisse unserer Eintracht zu reden, wie siehst du das?

Ähnlich. Ich habe eh zu jedem Spiel meine Gedanken, da ist es gut zu wissen, dass man die auch irgendwo loswerden kann.

Du hast ein beeindruckendes Blau-Gelbes Wissen, vor Beginn der Corona-Pandemie hast du das Quiz-Team aus uns beiden und meinem Vater zum Quiz-Sieg in der Wahren Liebe geführt. Hast du Tipps für Interessierte, die eine Chance gegen dich im nächsten Quiz haben wollen?

Am besten die Vereinschroniken lesen – etwa „Ein roter Löwe auf der Brust – die Geschichte von Eintracht Braunschweig“ von Horst Bläsig und Alex Leppert, die offizielle Chronik zu 125 Jahren Eintracht von Gerhard Gizler, Horst Bläsig und Hardy Grüne und auch „Unerschütterlich – 125 Jahre Eintracht Braunschweig“ von der Ultrà-Szene – BTSV Eintracht 1895.

Die Sieger-Preise nach dem Quiz-Sieg

Gibt es einen Eintracht-Bereich in dem du dich gerne noch besser auskennen würdest?

Hmmmm, vielleicht in der jeweils aktuellen Mannschaft, da kenne ich mich seit einigen Jahren nicht mehr so gut aus wie früher. Man wird älter, hat mehr um die Ohren und spielt kaum noch Football Manager und FIFA.

Wenn du drei vergangene Eintracht-Spiele miterleben könntest, welche beiden würdest du wählen?

25. Mai 1913: Victoria Hamburg – Eintracht 2:3, Stadion Hoheluft – Eintracht gewinnt zum zweiten Mal die norddeutsche Meisterschaft, im Gegensatz zum ersten Mal allerdings auswärts und schon damals machten sich Anhänger der Löwen mit dem Zug auf den Weg zum Spiel. Den Awayday hätte ich gerne mitgenommen.

03. Juni 1967: Eintracht – 1.FC Nürnberg 4:1, Eintracht-Stadion – Ist denke ich klar, wieso.

14. September 1977: ФК Динамо Київ/FK Dynamo Kiew – Eintracht 1:1, Олімпійський/Olympiastadion Kiew – jedes von Eintrachts internationalen Spielen hätte ich gerne erlebt, doch dieses am meisten. Eintracht spielt vor 95.000 Zuschauern in der Sowjetunion – wohl ewiger Rekord für den BTSV. Die UdSSR der 70er zu erleben, muss besonders interessant gewesen sein, dazu diese gigantische Zuschauerzahl und elf Löwen (leider damals mit dem Hirsch auf der Brust), die bei dem großen Favoriten ein 1:1 erkämpfen (Wolfgang Frank traf) und somit den Grundstein für das Weiterkommen im Rückspiel legten – der Auswärtstorregel und den „Durchhalten!“-Rufen der Fans sei Dank! Mit Hilfe eines Braunschweiger Reisebüros haben einige Anhänger unserer Blau-Gelben die Reise in die heutige Ukraine übrigens gemacht. Ihnen noch herzlichen Glückwunsch zum Länderpunkt Sowjetunion!

Was sind deine Blau-Gelben Wünsche für die Zukunft?

Dass Eintracht immer ein Verein für alle bleibt und dort, wo sie es noch nicht ist, wird. Dass der Kommerz bei Eintracht nie zu viel wird, etwa dass das Eintracht-Stadion weiter Eintracht-Stadion heißt. Dass dieser mythische Verein weiter das Braunschweiger Land fest im Griff hat und für immer ein integraler und nicht wegzudenkender Bestandteil der Löwenstadt und der Region sein wird. Dass Eintrachts Profiabteilung immer zu 100% dem Stammverein gehört und dessen Mitglieder diejenigen sind, die über Wohl und Wehe des BTSV entscheiden (und dass die Mitgliederzahl steigt, damit sie irgendwann mal die tatsächliche Strahlkraft des BTSV repräsentiert).

Und natürlich, dass die magische Eintracht irgendwann mal so sehr die Sterne vom Fußballhimmel spielt, dass wir sie in Pflichtspielen außerhalb der deutschen Grenzen erleben und ihr quer über den Kontinent hinterer reisen dürfen.

Möchtest du sonst noch etwas loswerden?

Für wenn die Stadien wieder richtig geöffnet sind: Egal, in welchem Stadionbereich ihr steht oder sitzt, feuert das Team an, stimmt in die Gesänge und Schlachtrufe mit ein, auch und gerade bei Rückstand und schlechter Leistung! So leistet ihr nicht nur euren Beitrag zum Erfolg unserer Equipe, sondern verschönert auch noch das Stadionerlebnis für euch und andere. Glaubt mir, es ist einfach geiler, wenn es laut ist und das Stadion geschlossen hinter der Mannschaft steht. Wenn die Gästefans nach dem Spiel wieder nach Hause fahren, sollen sie der Meinung sein, dass die Stimmung in Braunschweig bombig ist. Das würde ich mir häufiger wünschen, manchmal war es in der Vergangenheit ja schon so. Als Fan ist man immer auch ein Teil des Ganzen, ein Akteur und nicht nur ein Statist!

Vielen Dank für deine Zeit, Martin!

Bis dahin

Euer Kivi

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: