Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Flanke, Kopfball, Tor

7 min read

Fußball kann so einfach sein. Die Eintracht betreibt großen Aufwand, zeigt eine ordentliche Leistung, kriegt den Ball aber nicht ins Tor und verfiel dann in bekannte Muster. Einmal schwach verteidigt bei einer Hereingabe und schon war der nächste Rückstand da. Ein Aufbäumen war zwar zu erkennen, wer in Rückstand aber derart ungefährlich bleibt, wird in der 2. Bundesliga Probleme haben, regelmäßig zu punkten. Die 1:0-Niederlage in Berlin vor 42.895 bedeutet somit auch den Absturz auf den 17. Tabellenplatz. Die achte Niederlage in den letzten neun Spielen.

Eintracht-Coach Heiner Backhaus entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Kevin Ehlers, Lukas Frenkert (62. Max Marie), Patrick Nkoa (81. Sebastian Polter) – Mehmet Can Aydin (70. Robert Ramsak), Florian Flick, Sven Köhler (C), Fabio di Michele Sánchez (81. Robin Heußer) – Christian Conteh (81. Fabio Kaufmann), Sidi Sané, Leon Bell Bell

Den ersten Abschluss hatten die Gastgeber, die mit einer Siegesserie von vier Siegen ordentlich Selbstvertrauen getankt hatten. Die Ecke von Cuisance köpfte Leistner aber klar am Tor vorbei. Fünf Minuten später kam Leon Bell Bell im gegnerischen Strafraum an den Ball, sein Schuss wurde aber geblockt. Mehmet Can Aydin setzte nach und wurde kurz vorm rechten Strafraumeck gefoult. Es gab Freistoß für die Löwen. Diesen schlug Kapitän Sven Köhler in die Gefahrenzone. Zentral vor dem Tor verlängerte Kevin Ehlers auf den langen Pfosten. Dort tauchte Patrick Nkoa völlig alleine keine zwei Meter vor dem Tor auf, köpfte die Kugel aber tatsächlich links neben den Kasten. Die Mega-Chance zur frühen Führung!

Zwei Zeigerumdrehungen später drang Fabio di Michele Sánchez über die linke Seite in den Strafraum ein und zog aus spitzem Winkel ab. Ernst im Tor der Berliner hatte den zentralen Flachschuss aber sicher. Dann wurde es endlich laut im Olympiastadion. Beide Fanszenen hatten mit einem zwölfminütigen Stimmungsboykott für eine freie Fankultur demonstriert. Nun sangen sich die über 4.000 mitgereisten Eintracht-Fans bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt warm und auch die Löwen auf dem nigelnagelneuen Rasen zeigten weiterhin eine ansprechende Leistung. Auf der anderen Seite landete eine Reese-Flanke bei Seguin, der aus 22 Metern viele Meter über den Kasten schoss. Kurz darauf rettete Innenverteidiger Lukas Frenkert bei seinem Comeback überragend. Fabian Reese war über links durchgebrochen und hatte mit einem Querpass Schuler gesucht. Doch eine Grätsche von Frenkert verhinderte den sicheren Gegentreffer.

Die Berliner waren immer mal wieder mit schnellen Gegenstößen gefährlich, gerade wenn es über die Außenbahnen ging, standen die Blau-Gelben nicht immer gut sortiert. Ein seit Monaten bekanntes Problem, das auch mit der Rückkehr von Frenkert weiterhin zu bestehen schien. Und so war es erneut Fabian Reese, der über links zum Strafraum marschierte und mit seiner Flanke am zweiten Pfosten den völlig freien Winkler fand. Dessen Kopfball landete aber genau in den Armen von Thorben Hoffmann. Zwei Minuten später war es wieder Reese, wieder über links. Dieses Mal ließ er zwei Löwen stehen und zog vom linken Strafraumeck ab, schoss den Ball aber ein gutes Stück links neben das Tor. Auf der anderen Seite kamen die Einträchtler tatsächlich mal nach einer Ecke zum Abschluss. Frenkerts Kopfball nach der Hereingabe von Sven Köhler flog aber deutlich am Ziel vorbei.

Kurz darauf brach Leon Bell Bell über seine linke Seite zur Grundlinie durch und suchte mit einer flachen Hereingabe Sidi Sané. Der Stürmer musste eigentlich nur noch einschieben, doch im allerletzten Moment brachte Dardai den Fuß dazwischen und schaffte es, den Ball so zu klären, dass dieser weder ins eigene Tor noch zu einem anderen Löwen flog. Eine Minute danach prallte die Kugel zu di Michele Sánchez, der aber zu lange zögerte und sich dann den Ball zu weit vorlegte. Das war eigentlich eine gute Abschlussposition. Im Gegenzug kam Schuler nach einer Flanke zum Kopfball, verfehlte das Tor aber deutlich.

Zwei Minuten waren noch zu spielen, als Fabio di Michele Sánchez von der linken Seite flanken konnte. Sidi Sané setzte sich gegen seinen Gegenspieler durch, brachte aus wenigen Metern aber kaum Druck hinter den Ball, leichte Beute für Ernst. Wenige Augenblicke später zog Sané aus der zweiten Reihe ab, aber das war erneut nicht wirklich gefährlich, Ernst packte souverän zu. Im direkten Gegenzug kam Reese im Strafraum zum Abschluss, Kevin Ehlers blockte zur Ecke. Nach dieser kam Ex-Löwe Gechter zum Kopfball, aber auch sein Versuch wurde geblockt. In der Nachspielzeit bekamen die Löwen dann noch die Riesenchance zur Führung. Florian Flick eroberte im Mittelfeld stark den Ball und steckte sofort auf Christian Conteh durch, der mit Ball schneller als Gegenspieler Dardai war und alleine vor dem Berliner Tor auftauchte. Aus spitzem Winkel versuchte es Conteh etwas zu fein und setzte die Kugel knapp rechts am Tor vorbei.

Dann war Halbzeit. Die Eintracht hätte hier führen müssen. Defensiv standen die Löwen gut, bis auf die bekannten Probleme bei Hereingaben. Offensiv verpasste man in einigen aussichtsreichen Situationen die Chance, tatsächlich zum Abschluss zu kommen. Dennoch waren mehr als genug Chancen zur Führung da. Es galt nun, endlich mal die gute Leistung über die Halbzeitpause zu konservieren.

Und das gelang leider erneut nicht. Keine volle Minute war gespielt, als Patrick Nkoa einen langen Ball unterschätzte und dann im Laufduell mit Schuler nicht gut aussah. Der Hertha-Stürmer wäre beinahe völlig frei vor Thorben Hoffmann zum Abschluss gekommen, legte sich die Kugel im entscheidenden Moment zu weit vor. Die Eintracht kam nach Wiederanpfiff über einen Freistoß zum ersten Abschluss. Mehmet Can Aydin versuchte es aus 19 Metern direkt, setzte den Ball aber ein gutes Stück über den Querbalken. Auf der anderen Seite hatte Reese plötzlich viel Platz und kam aus 22 Metern frei zum Abschluss, knapp drüber.

Zehn Minuten waren gespielt, als Reese auf dem linken Flügel von Kevin Ehlers eigentlich gar nicht gestört wurde. Der Eintracht-Schreck legte sich das Leder seelenruhig auf den starken Fuß, nahm den Kopf hoch und flankte unbedrängt auf den Elfmeterpunkt. Dort ging Winkler ins Kopfballduell mit Frenkert und di Michele Sánchez und setzte sich auch gegen beide Löwen durch. Sein Kopfball schlug unter der Latte ein. Ganz schwach verteidigt, wieder mal ein Gegentor nach einer Hereingabe. Löwe oder Murmeltier? Eins stand fest, die Führung für die Berliner, 1:0.

Nun waren die Blau-Gelben merklich verunsichert, die Herthaner umso selbstbewusster. Eine schnelle Kombination brachte Gechter 14 Meter vor dem Tor frei zum Schuss, Hoffmann rettete mit der Brust. Zehn Minuten später sah Aydin wegen Meckerns gelb, etwas mehr als eine Minute später setzte er nahe der gegnerischen Eckfahne übermotiviert nach und grätschte seinen Gegenspieler um. Riesenglück für den rechten Schienenspieler, dass er da nicht Gelb-Rot sah. Backhaus reagierte sofort und brachte Robert Ramsak für den ehemaligen Schalker in die Partie. Conteh rückte auf die rechte Schiene. Abschlüsse für die Löwen gab es weiterhin nicht. Wieder einmal schienen die Löwen durch die Halbzeitpause stark ausgebremst geworden zu sein.

Und so plätscherte die Partie vor sich hin. Immer wieder mussten die Löwen gegen die schnellen Gegenstöße jetzt zu Fouls greifen. Max Marie und Sven Köhler sahen demzufolge Gelb. Für Köhler war es die fünfte Gelbe Karte in dieser Saison, der Kapitän fehlt beim Heimspiel gegen Kaiserslautern also. 15 Minuten passierte nichts vor den Toren, ehe Leon Bell Bell am linken Strafraumrand flankte. Ex-Löwe Gechter blockte mit angelegtem Arm zur Ecke. Schiedsrichter Bacher zeigte auf den Punkt, Strafstoß! Doch der VAR griff ein und nach langer Überprüfung stand fest: kein Strafstoß. Ohne Pfiff hätte es Ecke gegeben, so gab es nun Schiedsrichterball für die Herthaner. Statt den Ball sportlich fair zurückzugeben, nutzten die Gastgeber die Konfusion der Löwen aus und starteten einen Konter. Das muss wohl auf den Merkzettel fürs Rückspiel. Ein Abschluss entstand aus dem Angriff immerhin nicht und eine Braunschweiger Ecke wäre wohl auch nicht gefährlich geworden.

Auftrieb gab diese Szene den Löwen anscheinend nicht. Weiterhin warteten die über 4.000 mitgereisten Eintracht-Anhänger auf den ersten Schuss aufs Tor im zweiten Durchgang. Stattdessen kamen die Gastgeber erneut zum Abschluss, Hoffmann hatte den Versuch von Krattenmacher aus der zweiten Reihe aber sicher. Tief in der Nachspielzeit bekamen die Blau-Gelben mehrere Ecken und Einwürfe, gefährlich wurde es aber nicht.

Und so sanken bei Abpfiff einige Löwen zu Boden, andere rannten zum Schiedsrichter. Half natürlich nichts, die neunte Saisonniederlage stand fest, acht davon in den letzten neun Spielen. Wieder ein Gegentor nach einer Hereingabe, wieder schwach aus der Halbzeit gekommen, wieder kein Tor geschossen, wieder eine lange Phase ohne Schuss aufs gegnerische Tor. Eigentlich gar kein gefährlicher Abschluss im zweiten Durchgang, bekannte Probleme, die die Eintracht nicht in den Griff bekommt. Und so reicht es dann auch einfach nicht für Punkte in der 2. Bundesliga. So reicht dem dritten Gegner in Folge ein mäßiger Auftritt, um die drei Punkte einzusacken. Sicher fehlt auch das Glück, aber das kann nicht der einzige Grund sein. Die immer wieder auftretenden Fehler und Probleme müssen endlich abgestellt werden.

Die Eintracht steht nun auf einem Abstiegsplatz, und steht dort auch weiterhin in fast allen offensiven Statistiken. Es hilft zudem nicht, wenn an die meiste Zeit gut verteidigt, aber immer wieder zwei, drei Rieseneinladungen verteilt. Die Gegner nutzen solche Einladungen, die Eintracht nicht. Dementsprechend ist diese Niederlage zwar natürlich auch unglücklich, aber keineswegs unverschuldet, dafür aber definitiv aus eigener Kraft vermeidbar gewesen. Sollte es gegen Kaiserslautern keinen Sieg geben, droht ein dunkler Dezember an der Hamburger Straße.

Bis dahin

Euer Kivi

1 thought on “Flanke, Kopfball, Tor

  1. Es ist einfach alles so furchtbar deprimierend Fan dieser Mannschaft zu sein. Jedes Jahr hofft man drauf das sich endlich was zum guten verändert und ständig kämpft man nur drum nicht abzusteigen.

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