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Testspielniederlage mit Verspätung

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Das Testspiel der Eintracht gegen Holstein Kiel begann mit einer Verspätung von 90 Minuten, denn der Platz war nicht im notwendigen Zustand. In den 120 Minuten danach offenbarten sich die weiterhin bestehenden Probleme der Löwen. Während die Abwehr gegen den Bundesliga-Absteiger lange ordentlich verteidigte, gelang den Blau-Gelben äußerst wenig Gefährliches in der Offensive. Nachdem einige Wechsel die Struktur durcheinander gebracht hatten, hagelte es doch noch weitere Gegentore. Für den BTSV traf Sebastian Polter, sodass es am Ende 1:4 stand.

Wenige Minuten vor dem Anpfiff machte sich Verwunderung breit im Stadion am Salzgittersee, denn die Torhüter waren bereits in den Kabinen verschwunden, obwohl die Feldspieler noch gar nicht zu sehen waren. Kurz darauf dann die Aufklärung: Beide Mannschaften hatten sich geeinigt, dass der Platz so nicht ausreichend bespielbar war, der Rasen war zu lang. Ein Raunen ging durchs Stadion, als der Stadionsprecher eine Verzögerung von 90-Minuten ankündigte. Einige Sorgenfalten machten sich breit, als ein kleiner Aufsitzrasenmäher über den Rasen hoppelte. Das dürfte ewig zu dauern!

Doch kurz darauf traf ein zweite, deutlich größerer und schnellerer Rasenmäher ein, der das ganze Feld in wenigen Minuten gestutzt hatte, zumindest nachdem die Klingen richtig eingestellt waren. Dann mussten nur noch die Linien nachgezogen werden und die Spieler konnten das Aufwärmen beginnen. Zwischendurch stellte der Bürgermeister von Salzgitter die Helden vor, die das Stattfinden des Spiels doch noch ermöglicht hatten und sogar aus ihrem Urlaub heraus zum Rasenmähen gekommen waren. Zudem gab es für jeden Zuschauer ein Freigetränk.

Ich selbst überbrückte die Wartezeit mit zwei Kugeln Eis. Schokolade und Stracciatella für je 1,50 Euro. Das konnte nicht ganz mit dem Eis aus dem Trainingslager mithalten, war aber absolut ok. 6,5/10 von mir

Eintracht-Coach Heiner Backhaus setzte in den 90 Minuten (2x 45) auf folgende Spieler: Thorben Hoffmann (TW) – Mehmet Can Aydin, Kevin Ehlers, Sven Köhler (85. Lennard Becker), Sanoussy Ba, Fabio di Michele Sánchez (67. Leon Bell Bell) – Max Marie, Lino Tempelmann – Johan Gómez (67. Fabio Kaufmann) – Christian Conteh (67. Marvin Rittmüller), Sidi Sané (46. Erencan Yardımcı)

Kurz nach dem Anpfiff unterlief Sven Köhler ein herber Schnitzer, als ein Rückpass auf Thorben Hoffmann viel zu kurz geriet und zum Steilpass für den Stürmer wurde. Doch der Kapitän eilte hinterher und bereinigte die Situation als letzter Mann mit einer überragenden Grätsche. Dabei holte Köhler sogar noch einen Abstoß raus. Auf der anderen Seite bekam Lino Tempelmann die Kugel nach einem Ballgewinn von Johan Gómez und schlug die Kugel weit über die Abwehrkette. Sidi Sané drang in den Strafraum ein und ließ mit zwei schnellen Bewegungen gleich zwei Verteidiger aussteigen. Sein Schuss aus leicht spitzem Winkel wurde aber zur Ecke geblockt.

Eine Viertelstunde später spielte Sven Köhler einen herrlichen langen Ball in den Lauf von Christian Conteh, der den Weg zur Grundlinie machte und im Strafraum Johan Gómez fand. Dieser legte mit dem ersten Kontakt für Fabio di Michele Sánchez ab, der aus 14 Metern etwas Platz hatte, das Ziel mit seinem schwächeren rechten Fuß aber recht deutlich verfehlte. Immerhin flog der Ball durch die „Goalposts“, also das, was beim American Football als Tor benutzt wird und hinter beiden Fußball-Toren aufgebaut war. Fünf Minuten danach drehte sich eine Flanke der Störche gefährlich aufs Löwen-Tor, doch Thorben Hoffmann lenkte den Ball über den Querbalken.

Wenig später hielt der Eintracht-Schlussmann einen Fernschuss souverän fest. Zwei Zeigerumdrehungen danach eroberte Fabio di Michele Sánchez den Ball und bediente Lino Tempelmann. Dieser zog Richtung Strafraum und visierte aus 18 Metern die linke untere Ecke an. Sein Flachschuss klatsche aber nur an den linken Pfosten und sprang zurück ins Feld. Kurz darauf konnte ein Kieler viel zu ungestört von der linken Seite nach innen ziehen, jagte das Leder aus 14 Metern aber knapp über das Tor. Im Gegenzug rutschte eine Gómez-Flanke von der linken Seite bis zu Mehmet Can Aydin durch, der die Kugel rechts vor dem Strafraum direkt nahm: klar links am Tor vorbei.

Nach einem langen Ball der Kieler stürmte Thorben Hoffmann wenig später aus dem Kasten, konnte verhindern, dass sich der Stürmer den Ball an ihm vorbei legte und klärte den zweiten Versuch dann endgültig. Eine Zeigerumdrehung später geriet eine Kopfballabwehr von Aydin zu kurz und so kam Kiel aus 14 Metern per Volley zum Abschluss, der Ball sauste aber über den Querbalken. Auf der anderen Reihe ballerte Lino Tempelmann aus der zweiten Reihe ebenfalls über das Tor.

Dann war Halbzeit. Defensiv standen die Löwen recht sicher, hatten offensiv aber auch nur wenig Gefährliches zustande gebracht und kaum offensiven Ertrag aus dem Pressing sammeln können. Dennoch war es gegen den Bundesliga-Absteiger ein ausgeglichenes Spiel. Trainer Backhaus brachte zum Seitenwechsel nur Neuzugang Erencan Yardımcı für Sidi Sané.

Drei Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als Lino Tempelmann mit einer schnellen Spieleröffnung am Gegner hängen blieb. Der Ball prallte zu Steven Skrzybski, der viel zu leicht an Sven Köhler und Max Marie vorbeizog. Kevin Ehlers konnte den Schuss aus 21 Metern nicht verhindern und musste mitansehen, wie das Spielgerät im linken Winkel einschlug. Das 0:1 für die Störche.

Zehn Minuten später rief Sanoussy Ba mit einem langen Ball tief in die gegnerische Hälfte Christian Conteh, der über die linke Grundlinie in den Strafraum zog, den Torwart aus extrem spitzem Winkel aber nicht überwinden konnte. Dann kam die nächste schlechte Meldung: Die Freigetränke waren aufgebraucht. Ein Grummeln waberte durch die Menge. Kurz darauf drangen die Kieler über links bis zur Grundlinie durch und legten den Ball in den Rückraum, wo ein Kieler aus 14 Metern völlig frei zum Schuss kam, Thorben Hoffmann riss die Fäuste hoch und konnte parieren. Eine Viertelstunde war noch zu spielen, als Marvin Rittmüller am rechten Strafraumeck Max Marie bediente, der sofort in die Gefahrenzone flankte. Dort behinderten sich Kevin Ehlers und Erencan Yardımcı gegenseitig, Ehlers war in der etwas schlechteren Postion, erwischte aber die Kugel und köpfte klar über den Kasten.

Zwei Minuten danach eroberte Fabio Kaufmann den Ball einige Meter vor dem Strafraum, marschierte in eben diesen Strafraum und hatte aus 13 Metern eigentlich freie Schussbahn, jagte das Leder aber knapp über den Kasten. Kurz darauf probierte es Max Marie bei einem Freistoß aus 18 Metern direkt, brachte den Ball aber zu ungenau und mit zu wenig Druck aufs Tor, leichte Beute für den Keeper.

Wenige Augenblicke später leistete sich Sanoussy Ba einen völlig unnötigen Ballverlust und plötzlich waren die Kieler mit zwei Spielern gegen Max Marie vor dem Tor, doch es war auch noch Thorben Hoffmann da, der bei dem Querpass aus dem Kasten stürmte und das Leder unter sich begrub. Kapitän Köhler hatte sich nach einem Foul der Gäste verletzt und wurde durch Lennard Becker ersetzt. Mit Ablauf der regulären Spielzeit war die linke Abwehrseite der Löwen völlig offen, Kiel bespielte genau diese Seite und brach bis zum Strafraumrand durch. Dort folgte der Querpass auf den völlig freien Harres, der aus zehn Metern überlegt einschob, das 0:2.

Quasi direkt danach waren die 90 Minuten beendet. Zwei zu lasche Defensivaktionen hatte der Liga-Konkurrent bestraft, im zweiten Durchgang war die Blau-Gelbe Abwehrkette nicht mehr ganz so stabil, wie es bisher in den Vorbereitungsspielen zu sehen war. Offensiv war es dafür wie gewohnt schwach geblieben, auch wenn Fabio Kaufmann die erste richtig gute Abschlussposition nach einer erfolgreichen Pressingaktion erarbeitet, wenn auch nicht genutzt, hatte.

Für den 30-minütigen Nachschlag entschied sich Heiner Backhaus für folgende Aufstellung: Marko Rajkovacic (TW) – Marvin Rittmüller, Andrej Schlothauer, Lennard Becker, Louis Breunig (105. Maxim Root), Leon Bell Bell – Luka Bozickovic (Probespieler), Walid Ould-Chikh, Abdel Awali – Fabio Kaufmann, Sebastian Polter

Kurz nach Wiederanpfiff geriet eine Kopfballabwehr nach einem langen Ball zu kurz, den folgenden Abschluss lenkte Marko Rajkovacic stark über den Querbalken. Vier Minuten waren im dritten Durchgang gespielt, als Kiel über die linke Grundlinie in den Strafraum eindringen konnte, Rajkovacic parierte den Schuss aus spitzem Winkel aber zur Ecke. Bei dieser kam Johansson vor dem Löwen-Keeper an den Ball und setzte sich zugleich im Luftduell gegen Louis Breunig durch. Der Kopfball aufs leere Tor zappelte im Netz, das 0:3.

Fünf Minuten später spielte Fabio Kaufmann einen Einwurf von Marvin Rittmüller zu dem rechten Schienenspieler zurück, der vom rechten Strafraumeck auf den Elfmeterpunkt flankte. Dort schraubte sich Sebastian Polter in die Luft und schädelte das Leder lehrbuchmäßig in die linke Ecke. Der erste selbst erzielte Treffer gegen eine Profimannschaft in Vorbereitung, nur noch 1:3!

Der Torschütze feuerte seine Mitspieler laustark an und sprintete mit der Ausführung des Anstoßes ins Offensivpressing. Doch die nächste Chance hatten die Kieler. Nach einem haarsträubenden Ballverlust von Walid Ould-Chikh reichte ein Schnittstellenpass und ein Spieler tauchte alleine vor Mark Rajkovacic auf, der lange stehenblieb und im direkten Duell Sieger blieb. Auf der anderen Seite donnerte Sebastian Polter einen Freistoß aus 20 Metern in die Mauer. Ein Tor hätte aber ohnehin nicht gezählt, da Walid Ould-Chikh zu nah an der Mauer gestanden hatte. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit trat Leon Bell Bell seinen Gegenspieler auf dem rechten Strafraumeck ziemlich plump um. Dieser war in einer wenig gefährlichen Situation und bewegte sich gerade vom Tor weg. Der fällige Strafstoß war also mehr als unnötig. Harres visierte aus elf Metern die linke untere Ecke an, Marko Rajkovacic hatte dies gerochen und brachte eine Hand an den Ball, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Das 1:4.

Das war auch der Endstand, denn kurz darauf war Schluss. Endlich, wird der ein oder andere Anwesende gedacht haben, denn der Einlass ins Stadion war immerhin fünfeinhalb Stunden her. Da mit Lukas Frenkert, Frederik Jäkel und Louis Breunig gleich drei potenzielle Stammspieler in der 3er-Kette kaum oder gar keine Spielzeit bekommen haben, ist die Defensivleistung in ebendiesen Kontext zu setzen. Für die Offensive gilt es weiterhin eine Idee zu finden, das wirkte weiterhin nicht zweitligareif. Am kommenden Samstag soll noch die Genaralprobe anstehen, bisher ist der Gegner aber noch unklar. Mehr Bilder zum Spiel findet ihr hier.

Bis dahin

Euer Kivi

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