Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Ein Pünktchen

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Die Löwen punkten erstmals in dieser Saison. Nach einem Gegentor, das so aus mehreren Gründen nicht hätte zustande kommen dürfen und einer schwachen ersten Halbzeit kämpften sich die Blau-Gelben zurück in die Partie. Nach dem Seitenwechsel hatte die Scherning-Elf zweimal Alu-Pech, aber auch etwas Glück, dass das vermeintliche 2:0 vom VAR einkassiert wurde. Gerade als es schien, dass die Bemühungen der Löwen wieder einmal umsonst gewesen waren, leitete Rayan Philippe mit einer tollen Einzelaktion den verdienten Ausgleich ein. Levente Szabós Abschluss konnten die Gastgeber erst hinter der Linie klären. Beim 1:1 blieb es dann auch vor etwas mehr als 17.000 Zuschauern. Ob das gegen schwache Gastgeber genug war? Das wird sich zeigen.

In der Region gibt es für mich beim Auswärtsspiel immer nur eine Wahl: die Feuerwurst. Und auch in Darmstadt war das würzige Grillgut für 4 Euro wieder einmal top. Nur das staubtrockene Brötchen zieht die Gesamtleistung etwas nach unten. Andernfalls wäre die perfekte Bewertung möglich gewesen. So gibt es eine 9/10 von mir.

Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Lennart Grill (TW) – Marvin Rittmüller (58. Max Marie), Paul Jaeckel (79. Christian Conteh), Ermin Bičakčić, Robert Ivanov, Fabio di Michele Sánchez (79. Leon Bell Bell) – Fabio Kaufmann, Sven Köhler, Robin Krauße (72. Johan Gómez) – Sebastian Polter (58. Levente Szabó), Rayan Philippe

Mit Beginn des Spiels begann es im oberen Teil des Gästeblocks stark nach Frittenfett zu riechen. Anscheinend war irgendwo in der Nähe der Dunstabzugshaube. Dann ging es auch auf dem Platz los. Das erste Zeichen setzte Sven Köhler, der sich nach vier Minuten bereits den gelben Karton des 25-jährigen Schiedsrichters abholte. Zwei Minuten später bugsierte Polter eine Kaufmann-Flanke mit der Hacke in die Arme von Darmstadt-Keeper Schuhen. Keine zehn Minuten waren gespielt, als die Löwen bereits zum zweiten Mal verwarnt wurden. Paul Jaeckel vertändelte an der eigenen Eckfahne leichtfertig die Kugel und schmiss sich dann vor die Beine seines Gegenspielers und brachte diesen zu Fall, klare Sache: taktisches Foul, gelb.

Nach dem anschließenden Freistoß kam Corredor zum Abschluss, doch Köhler konnte blocken. Die Anfangsviertelstunde war gerade vorbei, als Lidberg in den Strafraum eindringen konnte und den Abschluss suchte. Den abgefälschten Schuss konnte Grill nur klatschen lassen, Hornby konnte den schwierig zu nehmenden Abpraller zum Glück nur übers leere Tor drücken. Ein paar Minuten danach köpfte Hornby eine Marseiler-Flanke über den Kasten. Nur eine Minute später war es Lopez, der von der rechten Seite ungestört flanken konnte. Wieder konnten die Löwen nicht verhindern, dass Hornby aus wenigen Metern zum Abschluss kam, doch der Offensiv-Akteur der Hausherren drückte auch diesen Ball am Tor vorbei.

Mitte der ersten Halbzeit passierte dann die diskussionswürdigste Szene des Spiels. Sven Köhler wurde in einem Zweikampf am Hals getroffen und ging röchelnd zu Boden. Der Mittelfeldspieler erzählte später, dass er mehrere Minuten lang nicht reden konnte und Probleme hatte, Luft zu bekommen. Marvin Rittmüller eilte sofort zu seinem Mitspieler, um zu helfen und fehlte somit auf der rechten Defensivbahn, über die die Gastgeber den Angriff eiskalt weiterspielten, obwohl Torwart Schuhen und Innenverteidiger Vukotic forderten, dass ihre Mitspieler den Ball ins Aus spielten und zusammen mit Rittmüller hektisch die Physios zur Behandlung herbeiwinkten. Doch sowohl der Offensive der Hausherren als auch dem Schiedsrichter war das alles völlig egal und so lief das Spiel weiter und Darmstadt nutzte die Überzahl und die Unordnung eiskalt aus. Kurioserweise waren unsere Physios bereits zur Behandlung von Köhler aufs Feld gelaufen und halfen dem Mittelfeldspieler, während Corredor von der linken Seite (ohne Rittmüller) flanken konnte. Lidbergs Kopfball landete etwas glücklich bei Lopez, dessen erster Abschluss noch geblockt wurde, doch der flache Nachschuss schlug im Netz ein. Das 1:0.

Sportlich fair war das nicht und bei Verletzungen im Kopfbereich sollten die Schiedsrichter eigentlich auch sofort unterbrechen, aber regulär war das Tor dennoch. Ungenügend verteidigt hatten die Löwen zudem trotz Unterzahl, denn der 16. Zweitliga-Gegentreffer der laufenden Saison wäre dennoch zu vermeiden gewesen. Zu allem Überfluss wagte sich Daniel Scherning beim Reklamieren zu weit aufs Feld und bekam vom Schiedsrichter die Rote Karte. Nach langer Behandlung konnte Sven Köhler zum Glück weitermachen. Ob in der Szene ein Foulspiel vorgelegen hatte, überließ Schiedsrichter Prigan übrigens nicht selbst an und vertraute auf den VAR.

Nach langer Unterbrechung ging es dann weiter und die Löwen reagierten mit wütenden Gegenangriffen: Fabio Kaufmann zog aus der zweiten Reihe ab, wurde aber geblockt. Im direkten Gegenzug kam Lennart Grill nach einem Steckpass zu zögerlich raus, sodass Marseiler vor dem Löwen-Keeper an den Ball kam und lupfen konnte, doch der Heber segelte über den Kasten der Eintracht. Sofort ging es wieder in die andere Richtung. Rayan Philippe kam in aussichtsreicher Position zum Abschluss, doch statt Richtung Tor flog der Ball in den Bauch von Sebastian Polter. Zwei Zeigerumdrehungen später verschaffte sich Köhler mit einer tollen Bewegung Platz, sein Abschluss aus der zweiten Reihe wurde aber geblockt. Die beste Eintracht-Chance im ersten Durchgang sahen die über 1.000 mitgereisten Anhänger in der Nachspielzeit. Etwas glücklich fiel der Ball vor die Füße von di Michele Sánchez, doch der Linksverteidiger verzog aus spitzem Winkel knapp.

Dann war Halbzeit. Die Eintracht war lange die klar unterlegene Mannschaft und hatte sich den Rückstand durchaus verdient, auch wenn dieser auf eine fragliche Weise zustande gekommen war. Anschließend wurden die Blau-Gelben ohne Daniel Scherning an der Seitenlinie besser, hatten es aber nicht geschafft, auch mal einen Schuss aufs Tor zu bringen. Der Stellvertreter an der Seitenlinie, Marc Pfitzner, verzichtete zur Pause auf Wechsel.

Die Löwen kamen wütend aus der Kabine: Polter machte im gegnerischen Strafraum den Ball fest und legte auf Fabio Kaufmann ab, der aus zwölf Metern sofort abzog. Klefisch fälschte den Schuss gerade noch zur Ecke ab. Den folgenden Eckstoß servierte Sven Köhler auf den Kopf von Robin Krauße, der aus spitzem Winkel an Torwart Schuhen vorbei köpfte, aber nur den linken Innenpfosten traf. Anschließend konnte Vukotic klären. Ein paar Minuten danach machte Ivanov seinen eigenen Ballverlust wieder gut und blockte eine gefährliche Flanke zur Ecke. Auf der anderen Seite kam Krauße nach einer Ecke aus der zweiten Reihe zum Abschluss, verzog aber deutlich.

Eine halbe Stunde vor dem Ende verlor Jaeckel an der Mittellinie den Ball, die Gastgeber machten es schnell und Balleroberer Corredor steckte auf Hornby durch, der in den Strafraum einziehen konnte und aus halblinker Position zum Abschluss kam. Lennart Grill konnte den Einschlag nicht verhindern, das 2:0 für den SV Darmstadt. Oder doch nicht? Der VAR schaltete sich ein und dieses Mal schaute sich Schiedsrichter Prigan die Szene selbst an. Und tatsächlich erkannte der Schiedsrichter ein Foulspiel bei der Balleroberung von Corredor an Jaeckel und nahm das Tor zurück.

Kurz darauf bekamen die Löwen gleich mehrere Ecken hintereinander zugesprochen. Gleich zwei davon schlug Philippe direkt aufs Tor, Schuhen klärte jeweils auf Kosten einer weiteren Ecke. Nach dieser bekamen die Löwen einen Einwurf, den Kaufmann fast bis an den Fünf-Meter-Raum schleuderte. Der Ball wurde zweimal verlängert, doch die Gastgeber konnten klären. Kurz darauf klärte Vukotic eine Hereingabe von Philippe in höchster Not. Auf der anderen Seite spielten die Gastgeber erneut weiter, obwohl Gómez angeschlagen am Boden lag. Wieder unterbrach der Schiedsrichter die Partie nicht. Nürnberger zog aus der zweiten Reihe ab, Grill konnte den Schuss nicht festhalten, aber die Löwen konnten die Situation bereinigen.

Im Gegenzug drückte Levente Szabó eine Flanke knapp am Tor vorbei. Eine Zeigerumdrehung später kam Rayan Philippe aus etwa 23 Metern zum Abschluss und ließ ein echtes Geschoss ab. Torwart Schuhen war völlig chancenlos, doch der Ball knallte nur an die Latte. Wieder Alu-Pech! Zwei Minuten danach versuchte es auch Max Marie aus der zweiten Reihe, schoss aber links am Tor vorbei. Kurz darauf zog Conteh nach einem Doppelpass mit Bell Bell Richtung Strafraum, seine Hereingabe konnte Vukotic allerdings klären. In der 86. Minute war es dann aber endlich so weit: Rayan Philippe tanzte auf der rechten Grundlinie mit einem herrlichen Dribbling Maglica aus und zog in den Strafraum. Der Franzose fand mit einem feinen Pass Levente Szabó, der das Leder mit dem ersten Kontakt über Schuhen hinweg schaufelte. Klefisch versuchte zu klären, tat dies aber erst hinter der Linie und so kam die seit dieser Saison in der 2. Liga eingeführte Torlinientechnik zum Einsatz: Der Schiri zeigte zur Mittellinie, Tor für den BTSV! Der Ausgleich zum 1:1!

Darmstadt taumelte kurz und die Löwen wollten mehr: Gómez behauptete im Strafraum den Ball, verpasste die Chance auf den Abschluss und steckte dann etwas zu spät auf Conteh durch, der aus leicht spitzem Winkel aber frei vor dem Tor auftauchte, aber sowohl an Schuhen scheiterte als auch im Abseits gestanden hatte. In der langen Nachspielzeit wurde es erstmal nicht gefährlich vor den Toren, dafür gab es nach einem Zweikampf zwischen Bell Bell und Kleefisch aber zu einer Rudelbildung. Am Ende sahen Conteh und Bell Bell die sechste und siebte gelbe Karte für den BTSV, Klefisch war der erste Akteur der Gastgeber, der verwarnt wurde. Die Nachspielzeit war bereits abgelaufen, als es Max Marie noch einmal mit einem Schlenzer vom linken Strafraumeck versuchte, den Ball aber rechts am Tor vorbeisetzte.

Dann war Schluss. Ein Remis, das in Ordnung geht, beiden Teams aber nur bedingt weiterhilft. Der SV Darmstadt wird in der Form ein direkter Konkurrent bleiben, gegen diese sollte man eigentlich dreifach Punkten. Zudem war es die schwächste Leistung eines Gegners in dieser Saison, dennoch reichte es auch im fünften Anlauf nicht zum ersten Sieg, aber immerhin zum ersten Punktgewinn. Das ist ein Anfang, mehr nicht. Denn erneut gab es nicht zweitligareife Phasen im Spiel der Eintracht, die mindestens in der kommenden Partie ohne Chef-Trainer Daniel Scherning an der Seitenlinie auskommen wird. Weiter geht es am kommenden Samstag, dann ist Fürth zu Gast im Eintracht-Stadion.

Bis dahin

Euer Kivi

1 thought on “Ein Pünktchen

  1. Wenigstens konnte man überhaupt endlich mal einen Punkt ergattern, auch wenn 3 natürlich deutlich schöner gewesen wären. Muss ja echt geil sein, wenn es da anfangs nach Frittenfett roch xd!

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