Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Gegnergespräch SV Sandhausen

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Am Sonntag sollen aus sieben ungeschlagenen Spielen in Folge acht werden: Zudem soll beim SV Sandhausen wieder die volle Punktzahl ins Blau-Gelbe Punktekonto kommen. Mit dem Spiel in der Kurpfalz beginnen die Wochen der „Sechs-Punkte-Spiele“. Die restlichen Spiele der Hinrunde sind allesamt gegen mehr oder weniger direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Ein Sieg in Sandhausen wäre also ein guter Start. Zuvor habe ich mich mit Maurus unterhalten, der am Sonntag der Heimmannschaft die Daumen drücken wird.

Hallo Maurus! Schön, dass du dir die Zeit für unser Gegnergespräch nehmen konntest! Stell dich doch mal kurz vor!

Hallo Kevin. Vielen Dank für die Anfrage. Ich bin allerdings nicht der klassische Fan, der sich mit allen Interna und Details seines Vereins perfekt auskennt. Ich bin in meinem ersten Leben Mönch bei den Missionsbenediktinern in Meschede im Sauerland und hier zuständig für die internationalen Beziehungen zu unseren Partnerklöstern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Das Fandasein ist eher ein Hobby, andere sagen: eine Macke von mir.  

Ich werde das vierte Mal im Hardtwaldstadion sein. Wirst du ebenfalls im Stadion sein und weißt du dein wievielter Besuch das sein wird?

Ich war seit Corona nicht mehr im Stadion – zum einen aus Vorsicht, zum anderen fehlt mir einfach die Zeit, und die Anreise ist für mich sehr lang. Bisher war ich viermal im Stadion. Ich merke aber, dass es langsam mal wieder Zeit für einen Besuch im Hardtwald wird.

Seit wann bist du Fan deines Vereins und wie bist du Fan geworden?

Ich bin seit Februar 2017 Fan – nach dem 1. FC Köln ist Sandhausen mein „Zweitverein“. Alles ging zurück auf ein unvergessliches Erlebnis beim Pokalspiel gegen Schalke, bei dem ich mit Thomas (@dagobert95) vor Ort war und wo ich auch Stefan (@cdsandhausen) kennengelernt habe. Dort habe ich mich in diesen „Dorfverein“, wie er sich selbst bezeichnet, verliebt: nichts deutete bei Ankunft am Bahnhof auf ein wichtiges Fußballspiel hin. Das Spiel haben wir zwar krachend verloren, aber der Abend im Clubhaus mit Fans der unterschiedlichsten Vereine war einfach genial. Später hatte ich auch dienstlich mit dem SV Sandhausen zu tun, denn er hat für unsere Arbeit drei Trikotsätze an eine unserer Berufsschulen in Tansania gespendet. Da haben sich sehr schön Berufliches und Privates miteinander verbunden.

Das Hardtwaldstadion von Außen (Privataufnahme)

Wo findet man dich bei Spielen deines Vereins meistens?

Wenn ich im Stadion bin, bin ich meistens bei @cdsandhausen und seinen Leuten in A 2. Und hinterher meistens im Klubhaus.

Wohin ging deine letzte Auswärtsfahrt?

Meine erste und einzige „Auswärtsfahrt“ ging nach Köln, wo meine beiden Vereine gegeneinander gespielt haben – ein unvergessliches Erlebnis inkl. Bierdusche und Polizeischutz aus dem Stadion.

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?

Bisher habe ich nur Fast-Abstiege miterlebt und eine Relegation – das hat mir gereicht. Dass sich der SV Sandhausen solange in der 2. Liga halten konnte, grenzt schon an ein kleines Fußballwunder. Am Aufstieg in die 1. Liga arbeiten wir noch.

Was war bisher dein emotionalster Moment?

Das war sicher der Saisonabschluss 2016/17 gegen Hannover 96 incl. Platzsturm, geklautem Stadionschild und dem Bier mit der halben Sandhäuser Mannschaft nach dem Spiel im Fanblock.

Was muss man in Sandhausen und Umgebung gesehen haben?

Viel gibt es nicht zu sehen. Der Dorfplatz mit der alten Schule lohnt sich. Kulinarisch ist die Pizzeria am Bahnhof klasse. Ansonsten ist Heidelberg ja sehr nahe…

Hast du einen Lieblingsort?

Das Klubhaus am Stadion war zumindest in meiner Zeit immer einen Besuch nach dem Spiel wert. Ich weiß aber nicht, ob es das noch in der Form gibt…

Blick aus dem Gästeblock (Privataufnahme)

Du bist Mönch in einem Kloster in NRW. Wie beeinflusst das dein Fandasein?

Ich habe durch einen gut strukturierten Tagesablauf eher wenig Zeit für mein Fandasein. Da sind Stadionbesuche an freien Wochenenden eher die Ausnahme. Meistens höre ich die Spiele in der Radiokonferenz, wenn es die Zeit erlaubt. Leider werden Spiele des SV Sandhausen nicht so oft im Free TV übertragen.

Was sollten unsere Leser über das Leben im Kloster wissen? Gibt es oft falsche Vorstellungen?

In einem Kloster leben im Grunde ganz normale Menschen, die miteinander ein Glaubensleben zu führen versuchen. Jeder hat seine Arbeit und trägt damit zum Lebensunterhalt der Gemeinschaft bei. Ein Kloster ist daher wie ein kleines Dorf mit Kirche, Werkstätten, Gästehäusern, einer Abteigaststätte und auch einer Schule in unserer Trägerschaft. Ich sage immer gerne, dass hier der einzig funktionierende Kommunismus gelebt wird – Gütergemeinschaft ja, aber nicht in einer strikten Gleichmacherei, sondern jeder bekommt das, was er zum Leben benötigt. Was uns in der ganzen Vielfalt verbindet, ist der gemeinsame Glaube.
Ein Kloster bekommt übrigens keine Kirchensteuermittel, sondern ist wirtschaftlich autark, d.h., die Mönche sorgen durch ihre Arbeit für den eigenen Lebensunterhalt. Wir haben aber auch einen Freundeskreis, der uns unterstützt.

Der SV Sandhausen wird oft als das unerfreuliche Spiel bezeichnet, das große Absteiger bestreiten müssen. Wie geht man als Fan damit um?

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und nehme es gelassen. Allerdings gibt es da vor einigen Jahren das letzte Spiel der Saison gegen den HSV, in dem wir den Hamburgern den Aufstieg vermasselt haben. Na gut, das war für den HSV ja auch unerfreulich…

Nicht selten fehlt Fans von größeren Vereinen der Respekt vor Fans von kleineren Vereinen. Ist das grundsätzlich auch für dich ein Problem und welche Veränderungen würdest du dir wünschen?

Ich mag den schönen Ausdruck der „Fußballökumene“, der auf Twitter geprägt wurde. Das ist auch das, was ich bei meinem ersten Stadionerlebnis in Sandhausen erlebt habe. Fans von ganz unterschiedlichen Vereinen (kleinen, großen, Vereinen mit mehr oder weniger „Tradition“) kamen nach dem Spiel in friedlicher Runde zusammen, um bei einem Bier oder Dopsi (s.u.) ins Gespräch zu kommen. Eine gesunde Rivalität zwischen Vereinen darf es gerne geben, solange sie nicht in Respektlosigkeit und Gewalt ausartet.

Seit vielen Jahren schafft ihr mal mehr, mal weniger knapp den Klassenerhalt. Besondere Höhenflüge gab es aber auch eher nicht. Was denkst du: Wie kommt diese eher ungewöhnliche Konstanz in einer 2. Liga zustande?

Das frage ich mich auch Vielleicht trägt eine gewisse Unaufgeregtheit dazu bei. In Sandhausen gibt es nicht den ganz großen Medienzirkus, und so gibt es ein relativ ruhiges Umfeld, in dem sich der SV bisher gut in der 2. Liga halten konnte. Allerdings musste ich schon mehrere Male zittern und bangen…

Wie bewertest du eure bisherige Saison, was läuft momentan gut bei euch, was bereitet Sorgen?

Es läuft noch nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich denke, das Zittern und Bangen wird auch in dieser Saison bleiben – ich hoffe, mit positivem Ausgang. Wenn nicht, geht die Welt aber auch nicht unter. Es gibt auch schöne Orte in der 3. Liga.

Was sind die Ziele und Erwartungen für den Rest der Saison?

Platz 15 und der direkte Klassenerhalt würde mir völlig reichen.

Wie oder vielmehr wo informierst du dich, was bei deinem Verein gerade so passiert?

In den klassischen Medien, beim Verein selbst über Twitter und natürlich bei den „Sandhausen-Ultras“ um @cdsandhausen.

Ein Heim-Stehblock befindet sich direkt neben dem Auswärtsblock (Privataufnahme)

Hast du einen Lieblingsspieler?

Aktuell habe ich keinen Lieblingsspieler. Ich hadere immer noch etwas damit, dass der Ur-Sandhäuser Denis Linsmayer den Verein verlassen hat, aber that’s life…

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt? Wenn ja, was sind deine Erinnerungen?

Leider habe ich noch keine Spiele gegen Eintracht Braunschweig miterlebt, aber das kann ja noch kommen.

Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?

Über meine Twitter-Timeline bekomme ich immer mal wieder ein emotionales Auf und Ab mit. Die Rivalität mit Hannover ist mir ein Begriff, leider manches Mal auch mit Ausschreitungen und Gewalt. Die Eintracht hat sich ja gerade gut im Mittelfeld der Liga etabliert, es wäre schön, wenn sie drinbleiben und nach der Niederlage gegen Sandhausen durchstarten.

Löwen-Trainer Michael Schiele stand 2020/21 in wenig erfolgsgekrönten 14 Spieler in Sandhausen an der Seitenlinie. Wie wurde sein Wirken und sein Abgang damals aus Fansicht gesehen?

Ich habe die Zeit von Michael Schiele gar nicht so bewusst wahrgenommen. Der Anfang stand ja schon unter keinem guten Stern durch die Trennung von Koschinat, die nicht ganz so toll verlief aus meiner Sicht. Es war ein kurzes Intermezzo.

Was erwartest du vom Spiel?

Ich erwarte lieber nicht zu viel, um dann nicht enttäuscht zu werden. Ein knapper Heimsieg würde uns schon gut tun, aber warten wir es mal ab.

Mitgereiste Eintracht-Fans in der Saison 2014/15 (bs1895)

Was sollte man im Stadion essen und trinken?

Die Feuerwurst ist Legende. Und nach dem Spiel natürlich das Sandhäuser Nationalgetränk „Dopsi“ (Asbach-Cola-Mix). Natürlich in Maßen.

Was ist dein Tipp?

Wie gesagt, ein dreckiges 1:0 wäre klasse, aber vermutlich wird es auf ein Unentschieden hinauslaufen, was keinem so richtig hilft.

Möchtest du noch etwas loswerden?

Vielen Dank für die Fragen, die ich hoffentlich zufriedenstellend beantworten konnte – und man liest sich auf Twitter.

Vielen Dank für deine Zeit, Maurus!

Bis dahin

Euer Kivi

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