Ärgerliche Niederlage

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Zum Saisonauftakt kommen die Löwen oft zum Abschluss, lassen nicht viel zu, aber dann doch zu viel gegen einen kaltschnäuzigen HSV. Ein Spielbericht aus Fansicht.

Kurz vor Anpfiff kam die erste schlechte Nachricht der Saison: Jasmin Fejzic war aufgrund eines positiven Covid-19 Schnelltests nicht einsatzbereit. Allen Fans war aber klar, dass Hoffmann eine super Vertretung für unseren bosnischen Kapitän sein wird. Fast 22.000 Zuschauern warten gespannt auf das Spiel gegen den absoluten Aufstiegsaspiranten aus Hamburg. Trotz des Verbots von auswärtiger Fankleidung ließ das Ordnungspersonal sämtliche (deutlich zu erkennende) HSV-Fans in den Heimbereich. Hoffen wir für unsere Auswärtsfahrten mal auf ähnlich nachsichtiges Ordnungspersonal.
Im Block 6 angekommen, wurden erstmal wieder die Leute begrüßt, die man immer sieht. Wie immer dauerte es bei der Verpflegung auch direkt nach der Öffnung der Stadion-Tore ewig, hier hat die Preiserhöhung also nichts verändert.

Und dann ging es auch schon los. Löwen-Dompteur Michael Schiele schickte seine Mannschaft in folgender Aufstellung auf den Rasen: Ron-Thorben Hoffmann – Jan-Hendrik Marx (77. Maurice Multhaup), Saulo Decarli, Brian Behrendt, Philipp Strompf (77. Luc Ihorst), Niko Kiewski – Robin Krauße (C., 77. Bryan Henning), Jannis Nikolaou – Immanuel Pherai (89. Anton Donkor) – Fabio Kaufmann, Lion Lauberbach (88. Michael Schultz)

Mannschaftskreis vor dem Spiel

Die mitgereisten HSV-Fans hatten ordentlich Pyro mitgebracht, dadurch verzögerte sich der Anpfiff etwas. Unsere Löwen ließen sich davon aber überhaupt nicht aus dem Takt bringen und hatten bereits nach drei Minuten die erste Torchance! Nach einem Ballgewinn von Pherai ging es ganz schnell und plötzlich konnte Fabio Kaufmann völlig frei über halbrechts in den Strafraum eindringen, traf aus etwa 12m aber nur das Außennetz. Nur zwei Minuten später klärte Königsdörfer in höchster Not eine flache Hereingabe von Kaufmann vor dem Einschussbereiten Kijewski. Der HSV hatte zwar mehr Ballbesitz, wurde aber immer wieder durch unsere schnellen Gegenstöße überrumpelt. Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als die Eintracht erneut gefährlich wurde: Pherai schickte mit einem wunderschönen Pass Marx auf die Reise, der ganz viel Platz hat und mit den mitgelaufenen Lauberbach und Kaufmann eine 3gg2 Situation hatte. Doch statt querzulegen, entschied sich unsere Nummer 26 für einen Flachschuss aus spitzem Winkel: Hauchzart am linken Pfosten vorbei.

Die Löwen blieben dran, nur zwei Zeigerumdrehungen setzte sich Lauberbach stark gegen Vuskovic durch, zog danach aus aber aus zu großer Distanz flach ab und bereitete Heuer Fernandes im Tor der Hamburger damit keine Probleme. Kurz darauf die nächste richtig dicke Chance für die Eintracht. Nach einem Ballgewinn schickte Pherai den startenden Lauberbach, der den Ball mit einem Kontakt mitnahm und aus 14m aus halblinker Position abzog. Der Ball rauschte knapp am rechten Pfosten vorbei. Und wieder Pherai war es, der kurz darauf im Mittelfeld gleich mehrere Hamburger stehen lies und begeisterten Applaus von den Rängen bekam. Immer noch war es früh in der Partie, erst 18 Minuten waren gespielt als zwei gefährliche Flanken durch den Hamburger Strafraum rauschten. Beim zweiten Versuch von Marx stieg Lauberbach im richtigen Moment hoch, nickte das Spielgerät aber aufs Tordach. In der 20. Spielminute konnten sich die Elbstädter dann bei ihrem Torwart Heuer Fernandes bedanken, dass sie immer noch nicht zurücklagen: Wieder konterten die Löwen über Marx, der Lauberbach bediente. Der großgewachsene Stürmer kam aus wenigen Metern zum Abschluss, scheiterte aber am Hamburger Keeper.

Im Gegenzug kamen dann auch die Gäste mal gefährlich vor den Kasten von Ron-Thorben Hoffmann. Der Abschluss von der Strafraumkante konnte aber zur Ecke geblockt werden, die nicht gefährlich wurde. Allerdings blockte Strompf den Ball mit dem Oberarm. Wo genau der Ball landete, konnte ich auch in den TV -Bildern nicht erkennen. Das Schiedsrichterteam und der VAR bewerteten es jedenfalls nicht als strafbar, Glück gehabt! Etwas später wurde es im Nachgang eines HSV-Freistoßes gefährlich als Vuskovic einen Nachschuss aus der zweiten Reihe merkwürdig traf und das Tor mit krummer Flugbahn nur knapp verfehlte. Hoffmann wäre aber wohl da gewesen. Nach einer kurzen Trinkpause testete Benes Löwen-Keeper Hoffmann mit einem ungefährlichen Flachschuss. Dann waren wieder die Löwen dran: Nach einer Halben Stunde kam Marx nach einer Kijewski-Flanke zum Abschluss. HSV-Verteidiger Vuskovic klärte noch vor der Linie und verhinderte den Rückstand.

Die Hamburger brachten als Gastgeschenke viele Chancen und Pyrotechnik mit

Zwei Minuten später flog den Hamburgern eine eigene Ecke um die Ohren. Erneut konnten die Löwen kontern. Am Ende zog Kaufmann vom rechten Sechzehner-Eck wuchtig ab. Heuer Fernandes riss die Fäuste hoch und verhinderte den Einschlag. Fünf Minuten vor der Pause dann mal wieder der HSV. Heyer dribbelte über die rechte Hamburger Seite gefährlich in den 16er und suchte mit einem Querpass Mitspieler Robert Glatzel, fand aber nur Saulo Decarli, der die Situation bereinigte. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit köpfte Königsdörfer eine Freistoßflanke deutlich über den Kasten. Sehr viel knapper war es auf der anderen Seite: Pherai zirkelte einen Freistoß aus dem Halbfeld gefühlvoll in die Gefahrenzone, wo sich Strompf im Luftduell durchsetzen konnte. Sein Kopfball flog links am Tor vorbei.
Dann war Halbzeit. Mit so einem Chancenplus für die Eintracht hatte wohl niemand gerechnet, doch ohne Tore blieb das nur eine interessante Statistik mit Hoffnung auf Tore auf die Südkurve im zweiten Durchgang.

Direkt nach Wiederanpfiff wurden die Löwen sofort gefährlich. Die Löwen erspielten sich bereits nach wenigen Sekunden die erste Ecke im zweiten Durchgang. Und die wurde richtig gefährlich. Zunächst geklärt, kam die Kugel zum starken Pherai, der das Spielgerät aus 17m in Richtung Winkel knallte. Doch erneut war Heuer Fernandes da und fischte das Leder aus dem Eck. Auf der Gegenseite flog ein Schuss aus der Drehung von Glatzel klar über den Kasten. Fünf Minuten waren gespielt, als Eintracht erneut nach vorne kam: Über die rechte Seite konnte Marx nach einer sehenswerten Kombination in den 16er eindringen, seine scharfe Flanke rutschte etwas vom Fuß und flog eher ungefährlich aber sehr scharf aufs Tor. Heuer Fernandes ließ sich erneut nicht überraschen und wehrte zur Ecke ab. Wieder kam Pherai im Anschluss an die Ecke zum Nachschuss, wurde dieses Mal aber geblockt. Kurz darauf trat Pherai einen selbst herausgeholten Freistoß in den 16er, den die Hamburger im Nachsetzen aber klären konnten.

Immer noch in der Anfangsviertelstunde der 2. Halbzeit folgte die nächste richtig dicke Chance für die Löwen. Erneut machten es die Löwen nach einem Ballgewinn ganz schnell und plötzlich hatte Pherai 40m vor dem Tor nur noch Heuer Fernandes vor sich und marschierte auf den Hamburger Schlussmann zu. Im letzten Kontakt legte sich der stark aufspielende Niederländer mit der Nummer 10 den Ball einen Tick zu weit vor und konnte nicht mehr komplett kontrolliert abschließen. Vielleicht auch dadurch blieb Heuer Fernandes erneut Sieger und vereitelt somit den nächsten Braunschweiger Hochkaräter. Eine Stunde war gespielt, als Vuskovic einen Freistoß einen Meter am Tor vorbei zieht. Schlussmann Hoffmann wäre aber vermutlich ebenfalls da gewesen. Drei Minuten später köpfte Heyer eine Flanke weit übers Tor.

Der Fahnenschwenker in der Südkurve kurz vor Anpfiff

Dann kam wieder die Eintracht. Pherai chippte den Ball technisch hochwertig in den Strafraum, wo Lauberbach einlief und per Volley abzog. Sein Schuss mit dem schwächeren rechten Fuß zappelte nur im Außennetz. Wenige Augenblicke später spritze Pherai fast bei einem Kopfball-Rückpass dazwischen, kam aber doch den entscheidenden Schritt zu spät. Und wer die Dinger vorne nicht macht bekommt sie hinten rein… Und so passierte es dann auch in der 67. Minute. Den Abschluss von Reis konnte Hoffmann noch abwehren, doch die Szene blieb heiß. Vuskovic köpfte den Ball zu Glatzel, der aus kurzer Distanz zum 0:1 einstocherte. Das hatte gesessen und einige Minuten kamen die Löwen gar nicht mehr an den Ball. Der HSV legte sich den Ball zurecht und bekam wenige Minuten nach dem 0:1 die zweite große Gelegenheit im zweiten Durchgang. Ameachi setzte sich auf dem rechten Flügel durch und schaufelte den Ball gerade noch bevor er ins Toraus ging in die Mitte. Die Flanke landete punktgenau bei Glatzel, der höher stieg als Decarli und zum 0:2 einnickte. Das war natürlich nicht gerade verdient, aber eiskalt von den Hamburgern.

Fünf Minuten nach dem 0:2 und einem Dreifachwechsel zeigte Schiedsrichter Timo Gerach auf den Punkt, Elfmeter für die Eintracht! Doch der VAR griff ein und wies den Schiedsrichter darauf hin, dass der Rempler von Vuskovic ursächlich für den Zusammenstoß zwischen Lauberbach und Muheim waren. Somit war das eigentliche Foul außerhalb des Strafraums. Willkommen in der 2. Bundesliga!
Trotzdem hatten die Löwen anschließen einen Freistoß aus 17m. Pherai und Kijewski standen bereit und der langjährige Linksverteidiger der Löwen führte aus. Er zirkelte den Ball auf den linken Pfosten, doch erneut war Heuer Fernandes zur Stelle, tauchte ab und parierte. Unsere Löwen gaben nicht auf, fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit erspielten sie sich die nächste gefährliche Szene: Ein langer Einwurf wurde zu Pherai verlängert, der plötzlich frei vor Heuer Fernandes auftauchte und den Hamburger Keeper mit dem ersten Kontakt mit einer Direktabnahme aus der Luft überlupfte. Der Ball klatschte auf die Latte und wurde dann von einem HSV-Abwehrspieler geklärt. In der Nachspielzeit kam Ihorst noch zu zwei Abschlüssen, zielte aber beide Male zu ungenau.

Nach dem Spiel holten sich die Spieler den verdienten Applaus ab

Dann war Schluss. Die Eintracht kann ein deutliches Chancenplus gegen effiziente Hamburger nicht nutzen und verliert mit 0:2. Unglücklich und ärgerlich, aber eine Leistung die Mut macht, denn viel mehr als besseres Ausspielen und Nutzen der Chancen kann man den Löwen heute nicht vorwerfen. Die offiziellen Bundesliga Matchfacts sprechen von einem xG-Wert von 3,12 zu 1,64. Auf die erspielten Abschlüsse bezogen wäre ein Sieg also absolut verdient gewesen. Aber davon können wir uns erstmal nichts kaufen. Klar wurde heute, dass wir noch Abschlussqualität benötigen und eine breitere Auswahl in der Offensive. Aufgrund mangelnder Alternativen spielte Innenverteidiger Schultz die letzten Minuten im Sturm und Außenverteidiger Donkor auf der offensiven Flügelposition.

Am kommenden Samstag steht das erste Auswärtsspiel beim FC Heidenheim an. Ich werde wieder dabei sein und berichten.

Bis Dahin

Euer Kivi

2 thoughts on “Ärgerliche Niederlage

  1. Ein Sieg wäre möglich gewesen, aber die Dinos hatten dass Glück irgendwie gepachtet und auf Ihrer Seite! Dass Pech, welches wir bei den erspielten Chancen hatten ist unfassbar! Wenn ich es nicht gesehen hätte, ich würde es nicht glauben! Ein Unentschieden, wäre mehr als verdient gewesen! Aber es sollte einfach nicht sein! Dennoch bin ich Stolz auf die Leistung unserer Mannschaft! Darauf lässt sich definitiv aufbauen! Ganz großes Kompliment an unsere Löwen! Wir werden unsere Punkte noch holen, davon bin ich nach der Leistung überzeugt!

    Einmal Löwe, immer Löwe!
    💙💛,,,,,👍

  2. Nach der Leistung geh ich leider davon aus, das es in den nächsten Spielen deutlich schwieriger wird, sich überhaupt solch Großkaliber an Torchancen zu erspielen, vorne hat man ja leider gesehen war eh jeder zu dumm den Ball im Tor zu versenken, bei diesem Kijewski Freistoß warum schlenzt er den nicht auf die andere Seite des Tores sondern ausgerechnet da wo der Torwart vom HSV sowieso schon in der Ecke des Tores steht? Ich find man sollte da immer in die Ecke zielen wo der Torwart in dem Moment nicht steht, da hat man doch wesentlich größere Chancen ein Tor zu erzielen als so. Natürlich war ich trotz der Niederlage sehr überrascht das Eintracht überhaupt so gut und solange mit dem HSV mithalten konnte, das hät vor Spielgebinn wahrscheinlich kaum jemand erwartet. Dennoch werden die nächsten beiden Spiele sehr schwierig zu bestreiten sein, Heidenheim ist zu Hause eine Macht und auch wenn deren Leistung gegen Rostock auch nicht gerade schön anzusehen war, wissen die zumindest wie man effizient auftritt. Bei Darmstadt hingegen ist es so, die stehen jetzt schon nach ihrer blöden Pleite bei Konkurrent Regensburg dermaßen unter Druck, das die spätestens gegen uns sehr zwingend auftreten müssen. Ich seh leider einen kompletten Fehlstart mit 3 Niederlagen nach 3 Spielen aus uns zukommen aber bei dem unfairen Spielplan den man auch bekam wär das kein Wunder.

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