Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Die perfekte Podcast-Stimme

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Es gibt Menschen, die einfach perfekt zu einem Verein passen. Das sind nicht immer Spieler oder sonstige Vereinsverantwortliche, sondern auch Fans. Thomas Löwe ist so einer. Nicht nur mit dem perfekten Nachnamen, sondern auch mit der perfekten Podcast-Stimme bleibt er sofort in positiver Erinnerung. Und auch sonst lohnt es sich Thomas zu kennen! Durch einige tolle Projekte dürfte er mittlerweile auch dem ein oder anderem Mit-Fan bekannt sein. Der Mann mit den gleichen Initialen wie ein ehemaliger Blau-Gelber Aufstiegscoach stellte sich meinen Fragen: Viel Spaß!

Erste Frage: Was sagt die Eintracht-App wie weit du vom Eintracht-Stadion entfernt bist?

187km Entfernung zur Eintracht

Seit wann bist du Fan unserer Braunschweiger Eintracht?

Seit Mitte der 1970er Jahre.

Wie und durch wen hast du zur Eintracht gefunden?

Wir sind 1975 nach Braunschweig gezogen (da war ich sechs), und zwar direkt ans Stadion – einen Steinwurf vom Eingang Guntherstraße. Da ich Fußball gespielt habe, seit ich laufen kann, gab es kein Entrinnen! Ich sah schon als kleiner Junge die Massen ins Stadion strömen, stand dann am Gartenzaun und habe den aufregenden Geräuschen aus dem Stadion gelauscht.

Was bedeutet Eintracht Braunschweig für dich?

Fan sein mit Leib und Seele. Wie oben beschrieben: es gibt einfach kein Entrinnen.

Wie viele Auf- und Abstiege hast du somit bisher miterlebt?

Bis auf den Abstieg 1973/Wiederaufstieg 1974: alle seit der Bundesligagründung!

Was war dein erstes Spiel im Stadion, welches dein letztes?

An mein erstes Spiel kann ich mich nur noch sehr schemenhaft erinnern: das war an der Hand meines Papas, vermutlich so um 1977 herum. Kann also gut sein, dass ich sogar noch Paul Breitner spielen gesehen habe. 😅

Mein letztes Spiel war das Heimspiel gegen Freiburg II.

Wer ist dein absoluter Lieblingsspieler?

Das wird immer Bernd Franke sein!

Was war dein schönster blau-gelber Moment?

EINEN Moment rauszupicken ist sehr schwer. Am Ende ist es wohl der 6.4.2014. Ich war live dabei, als wir in der Bundesliga die Roten mit 3:0 aus dem Stadion schossen. Ein sonniger Tag, eine riesige Choreo, und als Hochscheidt das 3:0 machte, musste man mir anschließend das Grinsen aus dem Gesicht operieren. Ein perfekter Tag!


Was war dein traurigster/schlimmster blau-gelber Moment?

Der Moment des Abstiegs 2018. Eine Ära zerbrach auf die schlimmstmögliche Art und Weise.

Wie verfolgst du im Normalfall die Spiele unserer Eintracht?

Die Heimspiele dank Dauerkarte im Stadion, die Auswärtsspiele meistens am Fernseher.

Aufstiegsjubel, coronabedingt im Homeoffice

Was gefällt dir am Fußball?

Die Mischung aus Kampf, Athletik und Ballfertigkeit, und dass man nur als Team wirklich Großes erreichen kann.

Was stört dich am Fußball?

Was wohl viele stört: die zunehmende Kommerzialisierung und damit Entfremdung von den Fans.

Was gefällt dir an der Stadt Braunschweig besonders, hast du einen Lieblingsort? Eintracht-Stadion zählt nicht!

Ich mag besonders die Atmosphäre und die Erinnerungen, die mich überall begleiten. Wenn ich mit dem Zug nach Braunschweig komme, freue ich mich immer besonders auf den Moment, an Wolters vorbeizufahren und das große Wolters-Logo an der Rückwand der Brauerei zu sehen. Das ist für mich so eine Art Symbol des Ankommens in meiner Heimatstadt.

Was ist dein Lieblingsgericht im Stadion?

Es gibt für Menschen wie mich, die kein Fleisch essen jetzt keine gewaltige kulinarische Auswahl. Meist esse ich Pizza, aber „Lieblingsgericht“ würde ich das jetzt nicht nennen.

Was war bisher deine beste/liebste Auswärtsfahrt?

Das Spiel in Dortmund – zweiter Spieltag in der Bundesliga 2013. Foto mit Kumba auf der Tribüne, und 10.000 Fans, die unfassbar laut waren und der berühmten BVB-Südtribüne Paroli boten. Trotz der Niederlage war es DAS Gefühl von „Eintracht ist zurück!“
Bole hat das Spiel auch in meinem Podcast explizit hervorgehoben – „10.000, das war so krank – und wie laut ihr wart!“. Recht hat er!

Wenn du zwei/drei vergangene Eintracht-Spiele miterleben könntest, welche beiden würdest du wählen?

Natürlich das Spiel gegen Nürnberg am 3.6.1967! Dann das UEFA-Cup Spiel 1977 zuhause gegen Dynamo Kiew. Und das Spiel in Ingolstadt am 26.4.2013. Ich weiß bis heute nicht, warum ich nicht da war. 🙈

Bei welchem Gegner freust du dich am Meisten auf die Spiele?

Natürlich das Derby! Dieses besondere Kribbeln gibt es nur dann.

Du betreibst seit einiger Zeit den Podcast „Gegengerade“ mit vielen hörenswerten und mittlerweile auch sehenswerten Projekten. Warum hast du damals angefangen und wieso hast du neben „normalen“ Folgen auch hochwertige Projekte in dein Repertoire aufgenommen?

Schuld wart ihr – also der Podcast Eintracht Lebenslang, bei dem du ja auch mitwirkst! Ich fand euch immer klasse, aber manchmal einfach zu lang. Ich dachte mir „Vielleicht geht es ja anderen auch so wie mir“ und habe mir überlegt, einen kompakten Podcast zu machen mit um die 20 Minuten Länge. Da mich zudem die Technik sehr interessiert hat (ich habe vor vielen Jahren mal in einem Tonstudio gearbeitet), habe ich damit angefangen und bin dabeigeblieben. Auch, wenn sich das mit dem „kompakt“ mittlerweile wieder erledigt hat, seit ich Gäste dabeihabe! 😅

Die Projekte kamen aus unterschiedlichen Motivationen zustande. Als ich merkte, dass ich mit dem Podcast am Ball blieb, kam sehr schnell der Gedanke, mit Torsten Lieberknecht über seine Zeit in Braunschweig zu sprechen. Es gab zwei Hauptmotivationen hierfür – zum einen, weil diese 10 Jahre doch etwas Besonderes waren, aber so unwürdig zu Ende gingen. Dabei meine ich gar nicht mal den Abstieg, sondern die Art, wie Torsten Eintracht verlassen musste. Für mich fehlte da etwas, und ich wollte auch für mich eine Art Abschluss finden. Und zweitens wurde anschließend viel über Torsten gesprochen, er selbst hat aber geschwiegen. Ich wollte ihm den Raum geben, nochmal seine Version der Geschichte zu erzählen. Auch, um ganz einfach seine Erinnerungen festzuhalten. Das SUBWAY hat das Ganze mal ein „akustisches Denkmal“ für Torsten genannt, und ich finde, das hat er sich verdient. Wahrscheinlich wird erst jetzt so richtig deutlich, was er für Eintracht geleistet hat. Wenn ich heute höre, dass nach der Bundesliga ein schleichender Abstieg der Eintracht begonnen haben soll, kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln. Wer würde heute denn nicht mit Kusshand einen 6. oder auch 8. Platz in der 2. Liga nehmen? Und wie knapp sind wir an einem erneuten Aufstieg in die Bundesliga gescheitert? Heute ist das meilenweit weg, damals waren wir ganz selbstverständlich jede Saison ein top gehandeltes Team. So selbstverständlich war das aber gar nicht, wie wir gerade feststellen.
Ich schweife ab… Die Struktur ergab sich dann in meinem Kopf quasi von alleine. Einleitende Reportagen samt O-Tönen mit Musik unterlegt, dann das Gespräch mit Torsten. Da daraus eine thematisch in sich geschlossene Einheit aus 13 Folgen wurde, war „Gegengerade spezial“ geboren.

Ich wollte dann einen vergleichbaren Zeitraum nochmal aus Spielerperspektive beleuchten und war dann sehr schnell bei Bole. Für ihn traf etwas Vergleichbares wie für Torsten zu: die Art des unwürdigen Abschieds. Fast noch schlimmer als bei Torsten, wenn man es recht überlegt. Die Struktur ist vergleichbar mit der Spezialserie über Torsten. Ich finde es sehr reizvoll, neben eigenen Erinnerungen diesen Abschnitt der Eintracht-Geschichte nochmal aus Trainer- und Spielerperspektive ausführlich erzählt zu bekommen.

Christian Flüthmann lief mir ein wenig aus Zufall über den Weg. Ich habe dann so lange nachgehakt, bis das Gespräch zustande kam. Er hat sich dann auch sehr viel mehr Zeit genommen als ursprünglich veranschlagt. Ich fand diesen Zeitraum einfach sehr spannend. Wie haben er und André Schubert noch das Wunder Klassenerhalt hinbekommen? Und wie kam es zu seiner Beurlaubung, die ja damals aus dem Nichts kam? Auch hier war die Motivation, eine Art Abschluss zu finden, weil es noch offene Fragen gab. Natürlich hören wir nur Christians Perspektive, aber die fehlte bislang. Ich wollte ihm vor allem die Gelegenheit geben, zu den damals von der Braunschweiger Zeitung verbreiteten Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Dann gab es noch kleinere Spezialprojekte. Die Motivation für ein Gespräch mit Michael Schiele ist wohl selbsterklärend. Der Jahresrückblick mit Ulli Potofski war schon relativ früh auf meiner Wunschliste, seit ich mit Ulli im Rahmen der regulären Gegengerade gesprochen hatte. Er ist für mich einfach eine Fußballreporter-Legende.

Der Podcast-Doppelpack „Podcasting in Eintracht“

Was war bisher dein Lieblingsprojekt?

Schwer zu sagen; das ist ein Fotofinish zwischen Torsten und Bole. Beides lebende Legenden und unglaublich tolle Menschen, die genauso bodenständig und locker sind, wie man sie sich vorstellt. Und beide sind grandiose Geschichtenerzähler.

Schlussendlich ist es das Projekt mit Torsten. Allein die Umstände! Torsten kam vom Mannschaftstraining (damals vom MSV), pfiff sich zwei Stücke Kuchen rein, die uns seine Frau bereitgestellt hatte, und dann haben wir mit Pausen über acht Stunden zusammengesessen. „Solange es Fragen gibt, bleibe ich hier“ meinte er nur. Dazu mein alter Freund Gerald als „Sidekick“ – ich war trotz der vielen Stunden hinterher so dermaßen auf Adrenalin, dass ich problemlos nachts noch mit dem Auto durch die Gegend fahren konnte, ohne auch nur ansatzweise müde zu werden.

Bole war ganz ähnlich gestrickt. Ich hatte ihm vorgeschlagen, einen Co-Working Space in Lübeck zu mieten, um das Gespräch zu führen. Er meinte nur „Quatsch, das machen wir bei mir zuhause!“ Natalie (seine Frau) hatte sich dann noch extra auswärts verabredet, damit wir in Ruhe reden konnten. Und das alles nicht für die Sportschau, sondern für meinen kleinen Fan-Podcast!

Ein Foto-Finish ist es vor allem deswegen, weil bei Bole der Teil mit den Fanstimmen enthalten ist. Auch wenn das Projekt mit Torsten in Bezug auf deine Frage insgesamt gewinnt: das ist mein Lieblingsmoment von allem, was ich als Podcaster je zustandebekommen habe. Auch, weil es ein Gemeinschaftswerk ist mit sensationell tollen Beiträgen der Fans. Ich fürchte, das werde ich nicht mehr toppen können.

Hast du bestimmte Projekte im Kopf, die du unbedingt noch umsetzen möchtest?

Ich hatte gleich zwei, die ich unbedingt machen wollte, aber habe bei beiden leider Absagen bekommen. Das muss ich respektieren. Aber es gibt durchaus weitere Ideen. Was, wird aber nicht verraten!

Was sind deine Blau-Gelben Wünsche für die Zukunft?

Zurück in die 2. Liga! Wenn wir uns dort wieder etablieren können, wäre das großartig.

Möchtest du sonst noch etwas loswerden?

Bei den Fanstimmen für Bole sprach jemand davon: „Wenn ich an Bole denke, denke ich an Zusammenhalt“. Das ist etwas, was einige Jahre diesen Verein wirklich getragen hat: Zusammenhalt. Einerseits ist dieses Gefühl weg. Andererseits wird dieser Gedanke bei unseren beiden Podcasts gelebt – „Podcasting in Eintracht“. Auch meine Zusammenarbeit mit Jussis „Blau-gelbe Datenwelt“ und jetzt mein Blogbeitrag für dich zeigt: wir kommen alle aus ganz unterschiedlichen Richtungen, füllen aber den Gedanken „Wir sind Eintracht“ mit Leben.

Ich hoffe, wir kommen da alle gemeinsam wieder hin – Fans, Verein, Sponsoren.

Vielen Dank für deine Zeit Thomas!

Bis dahin

Euer Kivi

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