Acht Tore im Trainingslager
10 min readDie 1. Frauen absolvierten am Wochenende ein Kurztrainingslager an der Ostsee. Zum Abschluss gab es ein Testspiel in Heide. Dort bezwangen die Löwinnen die Zweitvertretung von Holstein Kiel mit 8:0. Dabei schnürte Lyn Meyer einen Doppelpack, zudem trafen Jill Lange, Maya Andresen, Leandra Hampe-Michels, Marie Gollmer, Miriam Otte und Cindy Kaufmann. Wie meine Reise an die Nordsee verlief und was im Spiel passiert ist, erfahrt ihr hier. Viel Spaß beim Lesen!
Für mich ging es nach dem Testspiel der Eintracht-Profis und einem kurzen Besuch beim Südkurven-Sommerfest nach Büsum. Aufgrund des sehr hohen Verkehrsaufkommens dauerte das „etwas“ länger als üblich. Immerhin unter fünf Stunden und noch rechtzeitig zum Schließen der Rezeption kam ich am Hotel an. Das Zimmer war für den kurzen Aufenthalt in Ordnung. Danach ging es in ein Steakhouse, das zum Glück gegen halb neun noch einen Platz und warme Küche anbot. Dafür war der Grillteller auch wirklich klasse. Das würde eine volle Punktzahl geben.

Anschließend ging es noch an den Strand zu einem kleinen Spaziergang nach der langen Fahrt. In Büsum fand eine 80er-Jahre-Feier mit Bühne statt und am Strand und im Watt war trotz der späten Stunde auch noch einiges los. Nach einer einigermaßen erholsamen Nacht verbrachte ich die Morgenstunden erneut am Strand und lief tatsächlich einem Eintracht-Fan über den Weg, der aber nur „normal“ Urlaub machte. Gegen halb elf startete die Abfahrt Richtung Heide. Auf dem Weg wurde mir erneut bewusst, dass heute der Abreisetag vom bekannten Festival in Wacken ist. Direkt neben dem Spielort der Löwinnen. Da konnte man sich schon auf eine längere Rückfahrt einstellen. Aber zuerst ging es ja um das Testspiel, bei dem ich eine gute Stunde vor Anpfiff eintraf und noch mit dem Fotografen Torsten sprechen konnte, der für die NLZ- und Frauen-Teams immer wieder unterwegs ist.

Beim Spiel der Löwinnen gab es nichts zu essen, auf dem Nebenplatz fand ein Junioren-Turnier statt. Dort gab es vom Elektrogrill eine Bratwurst für 2,00 Euro. Vermutlich die günstigste Bratwurst, die ich hier je getestet habe. Dafür schmeckte sie leider nicht so gut, war aber noch in Ordnung. 6/10 von mir.
Eintracht-Coach Simon Wintgen entschied sich für folgende Aufstellung in der ersten Halbzeit: Melanie Würmel (TW) – Yara Gad, Antonia Farr, Gina Berger, Freyja Landrö – Celina Klebe, Leandra Hampe-Michels – Jill Lange, Maya Andresen, Charlotte Brühler – Lyn Meyer (C)
Vor dem Anpfiff wurde ich von drei Zuschauern angesprochen. Alle drei Mitte 70 und aus Heide. Sie hätten sich vor dem Spiel informiert und würden sich vor allem auf Lyn Meyer freuen, deren Torausbeute und Karriereweg ja durchaus erstaunlich seien. Und auch während des Spiels feuerten die drei unsere Torfabrik eifrig an, unterstützten aber auch beide Teams lautstark. Kurz vor dem Anpfiff gab es dann die kalte Dusche. Der Rasensprenger sprang direkt nach dem Einlaufen an und traf die Schiedsrichter und einige Löwinnen. Bei strahlendem Sonnenschein vielleicht auch ganz willkommen.
Die erste Torchance hatten die Blau-Gelben: Lyn Meyer steckte auf Jill Lange durch, die aus spitzem Winkel geblockt wurde. Nur etwa eine Minute war da gespielt. Wenige Augenblicke später brach Jill Lange über rechts zur Grundlinie und spielte die Kugel in den Rückraum. Aus 15 Metern kam Maya Andresen recht frei zum Abschluss, jagte das Spielgerät mit einem wuchtigen Abschluss aber knapp über das Gebälk. Auf der anderen Seite unterlief Melanie Würmel im Aufbauspiel ein gefährlicher Fehlpass, doch beim folgenden Fernschuss packte die Eintracht-Torfrau sicher zu. Das Spiel blieb einseitig, die Löwinnen waren komplett und in allen Belangen überlegen. Die Kielerinnen verfielen regelrecht in Panik, sobald Lyn Meyer, Maya Andresen und Jill Lange das Pressing anschmissen.
Jill Lange war es dann auch, die mit einem Flankenlauf die nächste Torchance vorbereitete. Ihre Hereingabe legte sich Lyn Meyer zurecht und zog dann aus der Drehung ab. Eine Abwehrspielerin brachte noch ein Bein dazwischen und konnte die Kugel somit entschärfen, die Torhüterin packte sicher zu. Es waren immer noch erst etwa fünf Minuten gespielt, als Freyja Landrö das Leder an Maya Andresen weitergab, die sofort Jill Lange in Szene setzte. Diese kam gerade noch vor der Torfrau mit einer Grätsche an den Ball, kam damit aber nicht an der Torfrau vorbei. Passend zur unüblichen Rückennummer unserer Torfabrik, die 7 statt der 6, lief die siebte Spielminute, als Maya Andresen mit einem Steckpass die Abwehrkette überwand. Diese war zwar eigentlich wieder auf dem Posten, als Lyn Meyer im Strafraum an die Kugel kam, doch die Torjägerin ließ gleich drei Gegenspielerinnen und die Torfrau leichtfüßig aussteigen und schob die Kugel ins leere Tor. Die Rentner aus Heide waren begeistert, ich auch und es stand 1:0!

Fünf Minuten später schickte Charlotte Brühler auf der linken Seite Lyn Meyer zur Grundlinie, die das Leder behauptete und den Kopf hochnahm. Meyer servierte das Spielgerät maßgeschneidert auf den Elfmeterpunkt, Brühler war durchgelaufen und zog sofort ab. Nur der rechte Innenpfosten verhinderte den nächsten Treffer. Doch wenige Augenblicke später war es dann so weit. Wieder spielte Maya Andresen den Ball in den freien Raum und eroberte so als nächste Eintracht-Offensivkraft das Herz der Heide-Rentnerbande. Lyn Meyer zündete den Turbo und war deutlich zu schnell für ihre Gegenspielerin. Alleine vor dem Tor legte die heutige Kapitänin noch einmal quer, Maya Andresen bekam ihre Vorarbeit somit zurück und vollstreckte eiskalt. Das 2:0!
Kurz darauf marschierte Charlotte Brühler über die linke Grundlinie in den Strafraum und bediente im Rückraum Jill Lange, die aus 13 Metern ein echtes Geschoss abließ. Doch die Kieler Torfrau reagierte nicht zum letzten Mal überragend und verhinderte das dritte Gegentor. Mit einem sehenswerten Hechtsprung kratzte sie das Leder noch aus der rechten Ecke. Der Ball blieb aber im Spiel und die nächste Welle rollte Richtung Holstein-Tor. Dieses Mal kam Charlotte Brühler über rechts und spielte die Kugel an den Strafraumrand, Celina Klebe zog aus etwa 20 Metern ab: drüber. Zwei Zeigerumdrehungen später prallte der Ball nach einer Klebe-Ecke zu Leandra Hampe-Michels, die aus 18 Metern den Abschluss suchte: links vorbei.

Der Abstoß landete bei Freyja Landrö, die sofort Maya Andresen in Szene setzte, doch deren Fernschuss flog über die Latte. Beinahe hätte es nach einem sorglosen Ballverlust im Tor der Löwinnen geklingelt, doch alleine vor Melanie Würmel versagten der Kieler Stürmerin die Nerven und der Schuss aus zwölf Metern trudelte links am Tor vorbei. Eine Viertelstunde vor der Pause bekam Freyja Landrö in der eigenen Hälfte den Ball von Maya Andresen und dribbelte bis an den Strafraumrand, wo die Linksverteidigerin auf Lyn Meyer durchsteckte. Diese zog die halbe Kieler Mannschaft auf sich und legte dann einfach quer. Charlotte Brühler hätte aus neun Metern schon einschieben können, legte aber ebenfalls quer und so donnerte Jill Lange das Leder mit ordentlich Wumms ins Netz. Das 3:0!
Ein paar Minuten danach wurde eine Ecke von Celina Klebe zu Leandra Hampe-Michels geklärt, die aus der zweiten Reihe den Abschluss suchte, aber geblockt wurde. Kurz darauf brach Lyn Meyer nach einem Konter frei durch und wurde kurz vor der Strafraumkante gefoult, Notbremse. Testspieltypisch gab es aber keinen Platzverweis. Den fälligen Freistoß zirkelte Gina Berger nur knapp über den linken Winkel. Eine Minute später marschierte Freyja Landrö zur linken Grundlinie und spielte das Leder in den Rückraum. Aus 15 Metern zog Charlotte Brühler ab, aber eine Verteidigerin warf sich noch dazwischen. Die Kugel prallte zu Celina Klebe, die aus der zweiten Reihe weit über den Kasten ballerte. Wenige Augenblicke danach klärten die Kielerinnen eine Andresen-Flanke zu Yara Gad, die vom rechten Strafraumeck abzog. Der Ball senkte sich gefährlich, flog aber haarscharf über den linken Winkel hinweg und landete nur auf dem Tordach.
Dann war Halbzeit. Einseitiger kann eine Partie eigentlich nicht sein. Die Kieler Zweitvertretung, immerhin auch Oberligist, wurde deklassiert und war mit dem Ergebnis noch mehr als gut bedient. Nach einem anstrengenden Trainingslager konnten die Löwinnen mit viel Spaß auf dem Platz einen nach dem anderen Angriff starten.

Für die zweite Halbzeit tauschte Trainer Simon Wintgen fast komplett durch: Neele Schäfer (TW) – Lea Eggers, Lina Herterich, Laura Wolf, Cindy Kaufmann – Leandra Hampe-Michels (67. Celina Klebe), Antonia Farr – Miriam Otte, Marie Gollmer, Jill Lange (67. Freyja Landrö) – Lyn Meyer (C, 67. Maya Andresen)
Die zweite Hälfte hatte gerade erst begonnen, als Lyn Meyer von der linken Seite nach innen zog, an sechs Gegenspielerinnen vorbeitanzte und den Rest der Kieler mit einem Steckpass durch die Gasse aushebelte. Miriam Otte war perfekt durchgelaufen und legte uneigennützig quer. Marie Gollmer kam zwar ins Stolpern, bugsierte die Kugel aber dennoch über die Linie, das 4:0.
Auf der anderen Seite rutschte plötzlich ein Steckpass durch die lange beschäftigungslose Eintracht-Abwehrkette. Doch Nele Schäfer musste nicht eingreifen, denn der folgende Lupfer flog meterweit am Tor vorbei. Die Stürmerin hatte auch völlig überhastet und viel zu früh abgeschlossen. Die jungen Kielerinnen wirkten beeindruckt von der Spielweise der Löwinnen. Eine der langjährigsten Löwinnen, die im Winter von der zweiten Mannschaft fest in den Oberliga-Kader rückte, war für die nächste Szene verantwortlich. Leandra Hampe-Michels behauptete die Kugel vor dem Strafraum, ging noch ein paar Meter und zog aus etwa 22 Metern ab. Das Spielgerät flog über die Torhüterin hinweg und senkte sich unter die Latte. Fast genau im rechten Knick schlug der Ball ein. Ein sehenswerter Treffer und das 5:0!

Doch damit hatte die Mittelfeldspielerin noch nicht genug. Kiel führte den Anstoß aus, die Löwinnen pressten sofort. Keine drei Pässe brachten die Kielerinnen zusammen, dann forcierte Leandra Hampe-Michels einen Pressschlag. Die Kugel prallte im hohen Bogen genau in den Lauf von Lyn Meyer, die freie Bahn hatte, der Torhüterin beim Abschluss in die Augen sah und das Leder in der unteren linken Ecke versenkte. Das halbe Dutzend war voll: 6:0!
Zwei Zeigerumdrehungen später spritzte Lyn Meyer bei einem Querpass dazwischen und eroberte das Spielgerät im gegnerischen Strafraum. Mit einem Querpass fand sie Jill Lange, die aus elf Metern aufs leere Tor abzog, doch eine Verteidigerin konnte den Schuss noch blocken. Die Torhüterin war wieder im Kasten, als Marie Gollmer aus zehn Metern zum Nachschuss kam, doch der Ball flog über den Querbalken. Den folgenden Abstoß fingen die Löwinnen sofort ab und die Kugel kam zu Marie Gollmer, die aus der zweiten Reihe abziehen konnte: links vorbei. Zwei Minuten danach setzte Lea Eggers über rechts Lyn Meyer in Szene, die den Ball festmachte und auf Marie Gollmer durchsteckte. Diese tauchte alleine vor dem Tor auf und zog aus elf Metern ab. Mit einer echten Wahnsinnstat lenkte die Torfrau den Ball noch um den Pfosten. Kurz darauf startete Laura Wolf den nächsten Angriff mit einem tollen Pass auf Cindy Kaufmann, die sofort Lyn Meyer zur linken Grundlinie schickte. Die Torjägerin spielte den Ball wie aus dem Lehrbuch vor den Kasten. Miriam Otte konnte sich sieben Meter vor dem Tor die Ecke aussuchen und hämmerte das Leder unter die Latte: Herrlich gespielt, das 7:0!
Eine Minute später spielte Jill Lange einen schnellen Doppelpass mit Lyn Meyer und brach frei durch. Dabei legte sich die pfeilschnelle Flügelspielerin die Kugel einen Tick zu weit vor, sodass die Torfrau mit einem weiten Schlag klären konnte. Der Frustschrei von Jill Lange hallte von der Tribüne des Stadions zurück. Fünf Minuten danach pfiff der Schiedsrichter einen Freistoß an, den Cindy Kaufmann im selben Moment ausführte. Fast alle Spielerinnen dachten, der Freistoß wäre zurückgepiffen worden und so kam Laura Wolf aus sechs Metern unbedrängt zum Abschluss. Da die Innenverteidigerin aber den gleichen Gedanken hatte, nahm die ebenfalls verdutzte Torfrau den wenig druckvollen Schuss auf. In der Meisterminute kam der Ball über Cindy Kaufmann und Marie Gollmer zu Jill Lange, die im Strafraum zu Fall gebracht wurde: Strafstoß. Diesen nahm sich Cindy Kaufmann an und verwandelte eiskalt in die untere linke Ecke. Das 8:0!

Anschließend passierte etwas, das man selten sieht: Lyn Meyer wurde ausgewechselt! Neben ihr verließen mit Leandra Hampe-Michels und Jill Lange zwei weitere Spielerinnen aus der Starfelf die Partie. Maya Andresen, Freyja Landrö und Celina Klebe kamen zurück in die Partie. Kurz darauf fing Miriam Otte einen Pass am Strafraumrand ab und legte für Maya Andresen ab, die aus 20 Metern einen echten Strahl Richtung Kieler Tor schickte. Die nächste sehenswerte Parade der Torhüterin verhinderte ein echtes Traumtor. Nicht ganz eine Minute später spielte Marie Gollmer einen Doppelpass mit Maya Andresen und zog aus 15 Metern ab: drüber. Ein paar Minuten danach steckte Cindy Kaufmann auf Celina Klebe durch, die aus spitzem Winkel an der nächsten Parade der Torfrau scheiterte.
Eine Zeigerumdrehung später versuchte es Celina Klebe nach Vorarbeit von Marie Gollmer aus 20 Metern, jagte die Kugel aber deutlich über den Kasten. Kurz darauf marschierte Freyja Landrö über links zur Grundlinie und spielte das Leder in den Rückraum. Marie Gollmer zog aus 13 Metern ab. Die Torhüterin konnte parieren, aber Maya Andresen drückte den Abpraller über die Linie. Doch die Fahne ging hoch: Abseits. Eine Minute später wurde nach einer Kaufmann-Ecke erst Maya Andresen geblockt, dann auch Marie Gollmer, ehe Laura Wolf aus der zweiten Reihe abziehen konnte: links vorbei. Den letzten Abschluss der Partie hatte Celina Klebe, die einen Freistoß aus 18 Metern zu zentral platzierte.

Dann war Schluss! Die Löwinnen gewannen verdient und irgendwie sogar etwas zu niedrig mit 8:0, auch wenn das bei der Höhe komisch klingt. Für die Blau-Gelben und mich stand ein anstrengender Rückweg an, denn die Wacken- und Sommerferien-Rückreiser verstopften die norddeutschen Autobahnen ziemlich. Ich entschied mich für einen großen Umweg über Land und ohne Autobahnen. Ob das wirklich schneller war, glaube ich nicht ganz, aber immerhin ohne Stau und frische Eier die kommende Woche gab es auch noch in einem Uelzener Bauernmarkt. Nach etwas über viereinhalb Stunden Rückreise stand das Auto dann auch wieder vor der heimischen Haustür. Unweit dieser hatte mein Heimatverein, der FC Schwülper, heute übrigens den MTV Gifhorn im Elfmeterschießen aus dem Pokal geworfen. Ein Tag für besondere Spiele.
Für die 1. Frauen geht es am kommenden Samstag gegen die nächste Zweitvertretung weiter. Die Löwinnen fahren nach Berlin! Und treten dort gegen die Zweitvertretung der Hertha an. Anstoß ist um 14 Uhr. Bilder zum heutigen Spiel findet ihr hier.
Bis dahin
Euer Kivi
