Eintracht statt einfach
7 min readEs lief eigentlich richtig gut für die Eintracht. Nach der wohl besten Halbzeit der Saison und einem Doppelpack vom überragenden Christian Conteh führten die Blau-Gelben mit 2:0 bei Dynamo Dresden. Einziger Wermutstropfen: das Halbzeitergebnis hätte höher ausfallen müssen. Und so kamen die zuvor völlig unterlegenen Gastgeber per Doppelschlag aus dem Nichts zum Ausgleich. Doch die Eintracht gab nicht auf und schlug noch einmal zu: Patrick Nkoa traf zum 3:2-Sieg und ließ die 2.300 mitgereisten Eintracht-Fans jubeln.

Vor dem Spiel ging es nicht nur per Polizei-Eskorte zum Stadion, sondern es gab für 4,50 Euro auch eine Bratwurst. Diese war wirklich gut. Nur beim Brötchen waren deutliche Abstriche zu machen. Insgesamt eine 8/10 von mir.
Eintracht-Coach Heiner Backhaus entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Kevin Ehlers, Patrick Nkoa, Sven Köhler (C) – Johan Gómez (86. Fabio Kaufmann), Max Marie, Mehmet Can Aydin, Leon Bell Bell – Robin Heußer, Erencan Yardimci (90. Sebastian Polter), Christian Conteh (73. Sidi Sané)
Nach einem Einwurf auf der rechten Seite hatte Max Marie den ersten Abschluss, zielte per Volley-Direktabnahme rechts vor dem Strafraum aber zu hoch. Sieben Minuten waren gespielt, als Erencan Yardimci bei einem Abpraller hellwach war und das Leder sofort zu Mehmet Can Aydin stieß. Der spielte vor dem Strafraum Leon Bell Bell an, der mit einem feinen Pass durch die Abwehr steckte. Im Strafraum setzte sich Christian Conteh etwas glücklich gegen Gegenspieler Müller durch und machte es dann überragend. Mit einem feinen Lupfer überwand der Flügelspieler den chancenlosen Dynamo-Keeper! Ein herrlicher Treffer und die erste Auswärtsführung seit dem Auswärtssieg in Düsseldorf. Ein gutes Omen? Unklar, aber klar war: das 1:0!

Kurz darauf war es wieder Christian Conteh, der das Spiel mit einem schnellen Antritt vorantrieb und dann links vor dem Strafraum Leon Bell Bell in Szene setzte. Der linke Schienenspieler zog aus 16 Metern ab. Sein Schuss wurde leicht abgefälscht und flog nur knapp über den Querbalken. Und auch die folgende Ecke von Robin Heißer hatte es in sich. Die Dresdener bekamen den Ball einfach nicht weg und so fiel das Spielgerät vor die Füße von Max Marie, der aus acht Metern völlig frei zum Abschluss kam. Sein Volley-Schuss zischte aber knapp über den rechten Winkel. Zwei Minuten später kam Conteh am Strafraumrand zum Abschluss, schoss aber klar rechts vorbei. Etwas mehr als 20 Minuten waren gespielt, als Kevin Ehlers einen langen Ball der Gastgeber antizipierte und genau in den Lauf von Christian Conteh köpfte. Dieser überrannte Pauli einfach und zog halblinks aus 14 Metern mit links ab. Sein Flachschuss schlug in der unteren rechten Ecke ein, der Doppelpack und das 2:0!
Da hatte wohl jemand auf die Kritik der vergangenen Woche gehört. Denn auch im letzten Spiel zeigte Conteh eine tolle Leistung, verpasste es aber, diese auch in Torbeteiligungen umzuwandeln. Ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Verein Dynamo Dresden klappte es also früh doppelt. Zehn Minuten später war es wieder Christian Conteh, der über seine linke Seite Tempo machte und den Kopf hochnahm. Seine flache Hereingabe ließ Robin Heußer clever durch, sodass Johan Gómez aus zwölf Metern zum Abschluss kam. Leicht abgefälscht flog die Kugel knapp links am Tor vorbei. Die folgende Ecke rutschte bis zum zweiten Pfosten durch, wo Mehmet Can Aydin völlig frei zum Abschluss kam, aber etwas zu überrascht war und das Leder aus spitzem Winkel weit neben das Ziel bugsierte. Dann kam tatsächlich der erste Abschluss der völlig unterlegenen Gastgeber, doch Thorben Hoffmann packte bei dem zentralen Flachschuss aus 18 Metern sicher zu.

Fünf Minuten vor der Pause war es, na klar, Christian Conteh, der über links nicht zu stoppen war und an den Strafraumrand marschierte. Seine punktgenaue Hereingabe erwischte Erencan Yardimci per Flugkopfball. Die Kugel schien unter der Latte einzuschlagen, so dachten es wohl die Fans, Spieler und das Trainerteam beider Teams, doch einer sah das anders. Dynamo-Keeper Schreiber kam mit einem Hechtsprung und einem überragenden Reflex noch an den Ball und verhinderte die Vorentscheidung. Eine Monsterparade. Die folgende Ecke köpfte Patrick Nkoa klar am Tor vorbei. Eine Zeigerumdrehung später setzten sich die Löwen am gegnerischen Strafraum fest. Robin Heußer steckte wunderbar auf Erencan Yardimci durch, der nur noch den Dresdener Schlussmann vor sich hatte, mit einem Haken aber am erneut glänzend reagierenden Schreiber hängen blieb.
Es lief bereits die Nachspielzeit, als die Eintracht erneut mit fast allen Spielern den gegnerischen Strafraum belagerte. Johan Gómez fand 17 Meter vor dem Tor Leon Bell Bell, der etwas Platz hatte, sofort abzog und ein echtes Geschoss abließ. Leider geriet sein Versuch etwas zu zentral, sodass Schreiber die Kugel mit den Fingerspitzen über die Latte lenken konnte. Die folgende Ecke landete über Umwege bei Christian Conteh, der aus 18 Metern geblockt wurde. Die Nachspielzeit war eigentlich schon abgelaufen, doch die Gastgeber durften noch einmal angreifen. Bei einer Hereingabe von der rechten Seite stand der eingewechselte Herrmann ziemlich frei, schoss aus neun Metern aber auch ziemlich klar vorbei.

Dann war Halbzeit! Ein erster Durchgang, dem man beinahe die Note „sehr gut“ geben konnte. Einziger Kritikpunkt: Die Löwen hätten den Sack zumachen müssen. Chancen für die Vorentscheidung waren mehr als genug da und einigen weiteren Szenen fehlte nicht viel zu noch mehr gefährlichen Abschlüssen. Defensiv lief es ebenfalls gut, Thorben Hoffmann hatte sich noch nicht wirklich verausgaben müssen. Dementsprechend verzichtete Trainer Heiner Backhaus auf Wechsel.
Scheinbar hatte der Eintracht-Coach auch auf eine hilfreiche Halbzeitansprache verzichtet, oder die Blau-Gelben hatten nicht zugehört. Denn der Auftritt nach Wiederanpfiff war sofort erkennbar schlechter. Die Dresdener machten es auch deutlich besser, aber die Eintracht wirkte trotz zuvor klarer Überlegenheit verunsichert. Und obwohl die Hausherren nur drei Ecken und keine wirkliche Gefahr erzeugen konnten, war das Rudolf-Harbig-Stadion nun angezündet und brachial laut. Genau das hatte Heiner Backhaus verhindern wollen. Zwar kam der erste Abschluss im zweiten Durchgang von den Löwen, doch der Kopfball von Nkoa nach einer Ecke flog klar vorbei.
Zehn Minuten waren gespielt, als sich Patrick Nkoa und Sven Köhler nicht gegen Kutschke im Luftduell durchsetzen konnten. Der verlängerte in den Lauf von Lemmer, der aus 16 Metern die untere rechte Ecke anvisierte. Thorben Hoffmann war zwar dran, konnte den Ball aber nicht festhalten. Kein Eintracht-Verteidiger hatte darauf spekuliert, nur Lemmer war durchgelaufen und nagelte das Leder aus spitzem Winkel unter die Latte. Beim zweiten Versuch war Hoffmann dann chancenlos. Der Anschlusstreffer, nur noch 2:1.

Jetzt brannte es überall. Die Blau-Gelben waren völlig verunsichert und eigentlich war trotz des frühesten Sonnenuntergang des Jahres sonnenklar, was nun anstand. Etwas mehr als eine Minute später liefen die Löwen nur noch hinterher und kamen in jedem Zweikampf zu spät. So durfte Faber von der rechten Seite flach in die Gefahrenzone spielen. Sechs Meter vor dem Tor stand Fröling völlig frei, scheiterte im ersten Versuch an Thorben Hoffmann, schob den Abpraller dann aber ins leere Tor. Das 2:2.
Statt der nicht unverdienten und möglichen 3:0- oder 4:0-Pausenführung stand es jetzt also 2:2-Unentschieden. Warum sollte man es auch einfach haben, wenn man auch den Eintracht-Weg gehen kann? Natürlich war das Momentum damit vollends auf Seiten der Gastgeber. Die Löwen versuchten das Spiel nun zu beruhigen, fanden aber einfach nicht mehr in den offensiven Fluss der ersten 45 Minuten. Und so kam auch der nächste Abschluss von den Gastgebern. Lemmer zog aus der zweiten Reihe wuchtig ab, wieder konnte Hoffmann den Ball nicht festhalten, wieder lief nur ein Dynamo-Akteur durch, während die Blau-Gelben zuschauten. Herrmann war vor Hoffmann am Ball, traf aus extrem spitzem Winkel aber nur den linken Außenpfosten.

Zwei Zeigeumdrehungen später verteidigten es die Blau-Gelben erneut schwach und so kam Herrmann von der Strafraumkante zum Abschluss, dieses Mal packte Hoffmann aber sicher zu. Kurz darauf reagierte Trainer Heiner Backhaus erstmals und brachte Sidi Sané für den ausgepumpten Christian Conteh. Und das machte sich schnell bezahlt! Sven Köhler spielte einen Freistoß auf dem linken Flügel flach in den Lauf von Sané, der seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung stehen ließ, zur Grundlinie vordringen konnte und das Leder in die Mitte spielte. Dort verlängerte Johan Gómez mustergültig zu Robin Heußer, der sich gegen mehrere Gegenspieler behaupten konnte und einen Geistesblitz hatte: Mit der Hacke stieß Heußer das Spielgerät Richtung rechte untere Ecke. Bevor ein Verteidiger dazwischen kommen konnte, hielt Patrick Nkoa den Fuß rein. Und das war entscheidend, denn dadurch kam die Grätsche eines Dynamo-Verteidigers zu spät, das Ding war drin und der Gästeblock explodierte! Die erneute Führung mit dem ersten Schuss aufs Tor nach Wiederanpfiff, das 3:2!
Drei Minuten danach zog Sidi Sané am Strafraum an zwei Gegenspielern vorbei, wurde aus 17 Metern aber geblockt. Kurz darauf tauchte Yardimci gleich zweimal gefährlich im Strafraum auf. Erst war er bei einem langen Ball vor Torwart Schreiber am Ball, konnte die Kugel aber nicht kontrollieren, dann wurde der Stürmer von Robin Heußer in Szene gesetzt, schlug einen Haken nach dem anderen, fand aber einfach keine Lücke zum Abschluss und verstolperte das Spielgerät anschließend. Tief in der Nachspielzeit pennte Patrick Nkoa bei einem eigentlich völlig ungefährlichen langen Ball und ließ das Leder passieren. Doch in seinem Rücken war Oehmichen durchgelaufen, tauchte alleine vor Thorben Hoffmann auf und zog aus elf Metern ab. Doch der Löwen-Schlussmann machte es überragend und verhinderte den ganz späten Ausgleich.

Dann war Schluss! Der Gästeblock jubelte und wenig später rannten die Löwen auf dem Platz freudestrahlend zu den Löwen im Gästeblock. Auswärtssieg! Sehr viel aufwändiger und knapper als notwendig, Eintracht und einfach geht halt einfach selten Hand in Hand. Dennoch ein absolut verdienter Sieg im letzten Auswärtsspiel des Jahres. Um die Serie von drei ungeschlagenen Spielen in Folge weiter auszubauen, muss am kommenden Sonntag eine gute Leistung über die vollen 90 Minuten her. Denn dann kommt mit dem FC Schalke 04 der Spitzenreiter ins Eintracht-Stadion.
Bis dahin
Euer Kivi
