Bekannte Muster
7 min readWieder ein Platzverweis, wieder Gegentore nach Hereingaben, wieder kein Sieg in Nürnberg. Die Erlebnisse bei der 2:1-Niederlage vor 33.000 Zuschauern dürften den mitgereisten Eintracht-Fans durchaus bekannt vorgekommen sein. Gegen einen sehr schwachen 1. FC Nürnberg gelang den ebenfalls mal wieder schwachen Löwen nur wenige nennenswerte Offensivaktionen. So kam man durch Kevin Ehlers zwar auf 2:1 ran, den Torschrei hatten die Blau-Gelben anschließend aber eigentlich nie auf den Lippen. Dafür sah Torschütze Ehlers in der Nachspielzeit Gelb-Rot, der sechste Platzverweis der Saison.
Für mich war es aus doppelter Sicht ein besonderes Spiel. Der siebte Besuch im Nürnberger Max-Morlock-Stadion war mein 600. Spiel mit meiner Braunschweiger Eintracht. Ein Jubiläum, bei dem viel in die Kategorie „typisch Eintracht“ passen sollte. Zudem stand beim „Glubb“ Mohamed Ali Zoma in der Startaufstellung, den wir im Sommer als Transfervorschlag vorgestellt hatten. Der Wechsel in die 2. Bundesliga erfolgte anschließend also wirklich, allerdings zum heutigen Gegner.

Vor dem Spiel gab es drei Nürnberger Bratwürstchen im Brötchen. 4 Euro kostete das ganze und schmeckte ziemlich gut. Viel gab es da nicht zu meckern, auch wenn das Verhältnis Wurst-Brötchen gerne etwas mehr in Richtung Würstchen hätte ausfallen können. 8/10
Eintracht-Coach Heiner Backhaus entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Mehmet Can Aydin (6. Fabio Kaufmann), Sven Köhler (C), Kevin Ehlers (90.+2 gelb-rot), Fabio di Michele Sánchez, Leon Bell Bell (61. Sidi Sané) – Florian Flick, Max Marie (81. Robert Ramsak), Lino Tempelmann (81. Sebastian Polter) – Christian Conteh (61. Johan Gómez), Levente Szabó
Die erste Aktion war gleich der erste Rückschlag für die Eintracht. Mehmet Can Aydin saß nach etwas mehr als drei Minuten am Boden und wurde nach kurzer Behandlung ausgewechselt. Für ihn kam Fabio Kaufmann in die Partie. Kurz darauf ging Zoma im Zweikampf mit Ehlers im Braunschweiger Strafraum zu Boden, einen Elfmeter gab es aber nicht. Erstmals Gefahr versprühten dann die Löwen: Leon Bell Bell marschierte über seine linke Seite bis zur Grundlinie, seine flache Hereingabe war dann aber etwas zu ungenau und wurde geklärt, bevor Christian Conteh eingreifen konnte. Die Kugel prallte zu Max Marie, der aus der zweiten Reihe abzog. Sein Flachschuss berührte Levente Szabó unabsichtlich und fälschte leicht ab, gefährlicher wurde der Kullerball dadurch aber nicht.

Zwei Zeigerumdrehungen später klärten die Gastgeber eine Ecke vor die Füße von Fabio di Michele Sánchez, dessen Schuss aus 20 Metern geblockt wurde. Wieder zwei Minuten später schlug Max Marie eine Ecke mal nicht genau auf den ersten Verteidiger. In der Mitte ging FCN-Torwart Reichert zu Boden und bevor Levente Szabó ins leere Tor köpfen konnte, ertönte ein Pfiff. Der Schiedsrichter hatte ein Foul erkannt. Knifflige Szene, aber da der Schiedsrichter so früh abgepfiffen hatte, konnte der VAR ohnehin nicht eingreifen. Eine Minute danach fiel der Ball auf den Schlappen von Sven Köhler, doch der Kapitän verzog aus der zweiten Reihe deutlich.
Bis dato also noch gar keine Offensivaktion der Gastgeber, das sollte sich in der 20. Minute allerdings ändern. Die Eintracht bekam trotz deutlicher Überzahl keinen Zugriff und die Glubberer kombinierten sich mühelos durch die Braunschweiger Hälfte. Stepanov wurde kaum gestört und flankte vom rechten Strafraumrand auf den sehr freien Lubch, der mit der Brust auf den ebenfalls völlig freien Justvan weiterleitete. Kein Blau-Gelber konnte entscheidend stören, sodass Justvan links im Strafraum auf den zweiten Pfosten flankte. Dort standen fünf Löwen. Und Mohamed Ali Zoma. Unser Transfervorschlag war dann auch der einzige, der fünf Meter vor dem Tor zum Ball ging und Thorben Hoffmann mit einer Volley-Direktabnahme keine Chance ließ. Ganz schwach verteidigt und schon wieder ein Gegentor nach einer Hereingabe. Der Rückstand mit dem ersten Schuss aufs Tor, das 1:0. Ausgerechnet Zoma.

Wie reagierte die Eintracht? Erstmal mit einem Fernschuss von Fabio di Michele Sánchez, der Schätzungsweise hundert Nürnberger Bratwürstchen am Tor vorbeiflog. Etwas mehr als eine halbe Stunde war gespielt, als Christian Conteh im Duell mit Yilmaz viel zu einfach den Ball herschenkte. Eigentlich waren die Löwen gut sortiert, dennoch überrumpelten die Nürnberger die Blau-Gelben mit einfachen Mitteln. Yilmaz setzte auf der linken Seite Zoma in Szene, der 20 Meter ungestört mit dem Ball marschieren durfte, am linken Strafraumrand nach innen zog und von drei Einträchtlern dabei beobachtet wurde, wie er die Kugel flach in die Gefahrenzone spielte. In der Mitte ließ Justvan clever durch, womit er gleich drei Blau-Gelbe aus dem Spiel nahm. Rechts im Strafraum stand Bell Bell meterweit von Gegenspieler Becker entfernt, der so ungestört keine Probleme hatte, die Kugel in der linken unteren Ecke zu versenken. Wieder war Hoffmann machtlos, wieder ganz schwach verteidigt. Auch der zweite Schuss aufs Löwen-Tor war drin, 2:0.
Die Löwen waren zwar weiterhin optisch überlegen, eine wirklich gefährliche Torchance hatten sich die Löwen aber auch nicht erspielt. Auch die Standards waren bis dahin, mal wieder, unterirdisch. Das änderte sich fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit. Sven Köhler chippte einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld auf den Elfmeterpunkt. Ein Nürnberger war viel zu früh gestartet und hob so das Abseits auf. Kevin Ehlers grätschte in die Hereingabe und beförderte das Leder aus zehn Metern in die rechte Ecke. Ein Standard-Tor, nur noch 2:1!

Aufwind zu einem Schlussspurt gab es dann aber leider nicht zu sehen und so ging es mal wieder mit einem Rückstand in die Pause. Sieben Mal gerieten die Löwen in dieser Saison in Rückstand, sechsmal ging das Spiel anschließend verloren. Sollte es erneut so kommen? Offensiv war es wieder einmal weniger als äußerst harmlos. Trainer Heiner Backhaus verzichtete dennoch auf Wechsel.
Kurz nach Wiederanpfiff ging Levente Szabó nach einer Hereingabe zu Boden. Der VAR prüfte, ob ein Foulspiel im Spiel gewesen war, einen Elfmeter gab es anschließend aber nicht. Fünf Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als es Lino Tempelmann einfach mal aus der Ferne versuchte, deutlich links vorbei. Zwei Zeigerumdrehungen später flankte Lino Tempelmann von der linken Seite. Wenige Meter vor dem Tor kam Levente Szabó zum Kopfball, köpfte die Kugel aber weit über den Kasten. Wieder zwei Minuten danach schnappte das Pressing zu, die Eintracht gewann nahe dem gegnerischen Strafraum den Ball: Levente Szabó zog elf Meter vor dem Tor aus der Drehung ab, produzierte aber nur einen ungefährlichen Kullerball.

Auf der anderen Seite kam Drexler auf der Strafraumkante zum Abschluss, schoss aber deutlich vorbei. Die Stundenmarke war gerade erreicht, als Leon Bell Bell von der linken Seite in den Strafraum zog und aus 14 Metern zum Abschluss kam, doch sein Schuss flog eher Richtung Eckfahne als Richtung Tor. Eine Minute danach bekamen die Gastgeber ihre erste Ecke zugesprochen und die wurde gleich viel gefährlicher als die sechs Ecken der Blau-Gelben gewesen waren. Justvan servierte, sechs Meter vor dem Tor ging nur Drexler wirklich zum Ball, köpfte die Kugel aber knapp über den Querbalken. Zehn Minuten später schlug Sidi Sané am linken Strafraumeck einen schnellen Haken und zog aus 15 Metern ab. Seinen zentralen Schuss lenkte Reichert ohne größere Probleme über die Latte. Die folgende Ecke war erneut ungefährlich und wurde von Reichert aus der Luft gepflückt.
Ein paar Minuten danach wurde dann doch mal eine Ecke gefährlich, weil ein FCN-Verteidiger die Kugel beim Klärungsversuch nicht richtig traf. Gleiches passierte dann aber auch Kevin Ehlers, der so aus wenigen Metern Richtung Eckfahne schoss. Kurz darauf gab es erneut Ecke, die neunte. Diese rutschte bis zum zweiten Pfosten durch, wo Sidi Sané zehn Meter vor dem Tor völlig frei stand, es aber tatsächlich schaffte, die Kugel aus spitzem Winkel ins Seitenaus zu prügeln und erntete damit hämischen Jubel der FCN-Fans. Mit Anbruch der Nachspielzeit trat Lochoshvili im Zweikampf Robert Ramsak ins Gesicht und hatte etwas Glück, nur Gelb zu sehen. Den fälligen Freistoß löffelte Sven Köhler vors Tor, wo Kevin Ehlers zu spät kam und in FCN-Keeper Reichert rutschte. Klare Sache: Gelb. Da der Innenverteidiger kurz zuvor bereits Gelb gesehen hatte, gab es nun Gelb-Rot. Der sechste Platzverweis im elften Spiel, Wahnsinn!

Dann war Schluss und die siebte Niederlage stand fest. Das konnte man durchaus als unverdient bezeichnen, so richtig beschweren konnten sich die Blau-Gelben darüber aber nicht. Wieder hatten sich die gleichen Schwächen offenbart: Defensive Probleme nach Hereingaben, offensive Probleme in eigentlich allen Belangen. Auch wenn die Eintracht von den Spielanteilen her überlegen war und öfter den Abschluss suchte, so hatte FCN-Keeper Reichert und seine Defensive wenig Mühe, die Führung zu verteidigen. Nachdem die Eintracht zu Saisonbeginn wenig gute Chancen erarbeitete und effizient war, ist die Harmlosigkeit geblieben und die Effizienz abhandengekommen. Defensiv steht man trotz vieler Spieler im eigenen Strafraum oft unsortiert.
Ob die wenigen zugelassenen Chancen nun an der eigenen Stärker oder der Schwäche des wirklich schwachen Gegners lagen, ist am Ende nicht relevant, denn wer zwei Szenen so verteidigt, darf sich nicht wundern, wenn es in beiden Szenen klingelt. Und wenn man so harmlos und zahnlos in der Offensive auftritt, kann man solche Fehler auch nicht mehr korrigieren. Und auch wenn man die Statistiken bemüht, zeigt die Eintracht bisher offensiv dauerhaft keine gute Leistung. Die immer wieder auftretenden Schwächen und Fehler werden einfach nicht abgestellt. Dies sollte schnellstmöglich geschehen, bevor die nächste große Krise endgültig an der Hamburger Straße 210 einzieht und auch nach Halloween für Gruseln sorgt.
Bis dahin
Euer Kivi
