Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Drei Maßnahmen gegen den Abgrund

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Eintracht hat viele und langfristige Probleme. Zuerst gilt es aber, den Klassenerhalt irgendwie zu schaffen und vor allem wieder Hoffnung in die Mannschaft zu bringen. Dabei müssen aber drei Kernprobleme angegangen werden: Taktik, Kader und Scouting. Nur so können wir auch im Herbst 2025 auch weiterhin 2. Liga spielen.

Moin Löwen!

Eintracht am Boden. Mal wieder.

Den Frust vieler Fans kann man verstehen. Ein erneuter Abstieg in die 3. Liga droht und damit steht die Zukunft des Vereins mal wieder auf dem Spiel. Unter der Oberfläche brodelt es eigentlich schon lange, aber man hat sich immer von Nebengeräuschen und kurzfristigem Erfolg blenden lassen.

Ich bin dennoch aktuell noch davon überzeugt, dass man wenigstens den Klassenerhalt schaffen kann, wenn man jetzt im Winter die richtigen Entscheidungen trifft. Dabei habe drei Kernprobleme identifiziert, die man jetzt sofort im Winter mit einem kleinen Budget angehen kann, ohne dabei jemanden entlassen zu müssen.

Problem 1: Die taktischen Defizite

Ich habe in dieser Saison schon mehrmals darauf hingewiesen, dass Daniel Scherning und sein Team in bestimmten Situationen keine taktischen Lösungen finden und die Mannschaft nach einem misslungenen Plan A oft zusammenbricht. Schlechte Entscheidungen und gegenseitige Schuldzuweisungen sind die Folge. Eine temporäre Lösung wurde im arbeiten gegen den Ball und einer stärkeren Fokussierung auf den Gegner gefunden. Damit wurde z.B. der HSV mit 3:1 weggeputzt. Zuletzt war aber immer wieder zu beobachten, dass die Mannschaft ratlos wirkte. Nach einer desaströsen Halbzeit gegen Düsseldorf wich man auch vom System 3-4-3 (oder 3-4-1-2) ab.

Die Lösung: Das Co-Trainerteam und das Analyseteam erweitern. Fehlen dem Trainer und dem Team taktische Lösungsansätze, so könnte man gezielt 1-2 Trainer holen, die diese Fähigkeiten mitbringen. Zudem könnte man den Analysebereich ausbauen, um Problemstellen besser erkennen zu können. Marcel Goslar macht, so hört man, eine tolle Arbeit, aber hat viel zu viel zu tun. Ihm könnte man Unterstützung zur Seite stellen, um sich noch besser auf den Gegner vorzubereiten und das eigene Spiel zu verbessern.

Der Vorteil: Keine Entlassungen wären nötig. Man holt sich Kompetenz ins Team, die eventuell fehlt, und das mit relativ geringen Personalkosten. Ein neuer Trainer würde vermutlich um ein Vielfaches teurer werden.

Problem 2: Der Kader

Global Soccer Network sagt es schon lange: Der Kader ist nicht zweitligatauglich. Immer wieder spielten in den vergangenen Saisons die Profis an ihrer Leistungsgrenze. Jetzt haben einige Profis ein Formtief, hadern mit sich selbst und allgemein ist der Kader durch die vielen Verletzungen viel zu dünn geworden. Im Scouting wurde darauf geachtet, dass die Spieler polyvalent einsetzbar sind und menschlich zur Eintracht passen.

Eintracht hat in den letzten Jahren fast ausschließlich kurzfristig in den Kader investiert. Somit konnte man 2019 den Abstieg in die Regionalliga verhindern und zwei Aufstiege feiern. Zuletzt hat man mit dieser Methode zweimal den Klassenerhalt geschafft. Die jetzige sportliche Führung unter Benjamin Kessel hat die Aufgabe übernommen, Eintracht langfristig in der 2. Bundesliga zu etablieren. Dabei sollte die Kaderstruktur nachhaltiger gestaltet und neue Strukturen geschaffen werden. Zuletzt hat man neue Scouts eingestellt und damit endlich eine Scoutingabteilung neu aufgebaut, nachdem sie 2019 unter Peter Vollmann abgeschafft wurde.

Die sportliche Krise droht dieses Projekt aber vorzeitig zu beenden.

Die Lösung: Transfer-Prioritäten in der Winterpause setzen. Um die Schwächen des Teams zu kompensieren und die Spielweise zu optimieren, sollten identifizierte Spielertypen mit klaren Prioritäten verpflichtet werden. Dabei sollte man gezielt auf die aktuelle Qualität der Spieler achten, welche taktischen Defizite es gibt und welche Spieler Lösungen mit sich bringen können.

Im Kader gibt es klare Lücken auf gewissen Positionen und es fehlen bestimmte Spielertypen. Schwachstellen gibt es fast auf jeder Position. Ich werde Ende der Woche gemeinsam mit meinem 2Hundert10-Scouting-Teammate unsere Ideen fürs zentrale Mittelfeld präsentieren, das wir als Prio-1-Schwachstelle identifiziert haben. Die Neuzugänge müssen aber zu 100 % passen und sofort einschlagen, um den Kurs des Schiffes noch korrigieren zu können.

Der Vorteil: Findet man im Winter einige neue „Key-Player“, die auch kurzfristig helfen können, so schafft man eventuell den Klassenerhalt. Das Budget ist das große Fragezeichen weswegen man wohl auch Leihspieler holen muss.

Problem 3: Das Scouting

Um Problem 2, den Kader, zufriedenstellend zu lösen, braucht Eintracht aber externe Hilfe beim Scouting. Die Scoutingabteilung ist erst im Aufbau und wird jetzt schon auf eine harte Probe gestellt. Die Transfers im Sommer haben den Kader bisher nicht kurzfristig so verstärken können, dass die größten Probleme – fehlende individuelle Klasse und nicht passende Spielertypen – zufriedenstellend gelöst werden konnten.

Die Lösung: Einen externen Anbieter beauftragen. Es geht hier nicht nur um Datenscouting, was Eintracht schon betreibt, sondern einfach um eine grundlegende Shortlist von Spielern, die man scouten und analysieren kann. Die Spieler auf der Liste sollten die nötige Qualität mitbringen, bezahlbar sein oder an einer Leihe interessiert sein und vor allem auch in die Spielidee der Eintracht passen. Auf diese Spieler sollte man sein Scouting kurzfristig fokussieren, um „Key-Player“ zu finden und zur Eintracht holen zu können.

Der Vorteil: Eintrachts Scoutingabteilung kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, um z. B. die menschliche und marktstrategische Situation zu bewältigen. Man spart Zeit und kann sichergehen, dass die Spieler auch die nötige Qualität haben.

Fazit

Eintracht hat viele und langfristige Probleme. Zuerst gilt es aber, den Klassenerhalt irgendwie zu schaffen und vor allem wieder Hoffnung in die Mannschaft zu bringen. Dabei müssen aber drei Kernprobleme angegangen werden: Taktik, Kader und Scouting. Nur so können wir auch im Herbst 2025 auch weiterhin 2. Liga spielen.

Eure Meinung?

Doch wie seht ihr die aktuelle Situation? Habt ihr eine andere Sichtweise auf die Dinge oder gar selbst gute Vorschläge?

Schreibt mir eure Meinung bitte in die Kommentare!

5 thoughts on “Drei Maßnahmen gegen den Abgrund

  1. Moin Jussi, deiner Analyse kann ich mich gut anschließen. Die Entlassung des Cheftrainers ist nicht zielführend und für uns auch schlicht zu teuer. Den Staff kompetenter aufzustellen hatte ich so noch nicht auf dem Schirm. Da ich absolut kein Fan der 3er Kette bin, wäre meine einzige Sofortmaßnahme die 4er Kette, dazu
    je nach Gegner angepasste Varianten im Mittelfeld.

  2. Meiner Ansicht nach ist externe Expertise in der sportlichen Leitung nötig, denn ich halte den Klüngel mit Kessel & Co. nicht für fähig genug. Externe haben nicht den rosarot und eintrachtgefärbten Blick, sondern wahrscheinlich einen deutlich objektiveren Blick. Und ein Externer kann so einfacher die Schwächen aufdecken und ansprechen.
    Von der Entlassung Schernings halte ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Er hat in der letzten Saison bewiesen, dass er es schaffen kann, jedoch nicht mit dem diesjährigen schwächeren Kader im Vergleich zum Vorjahr. Wie wäre es, Michael Schiele einzubinden? Er wird doch eh noch bezahlt, dann kann er auch etwas dafür tun. 😉

  3. Gute Analyse,
    Ich kann nur hinzufügen das ich persönlich der Meinung bin, dass wir im Mittelfeld unsere größte Schwäche haben. Es fehlt ein Ideengeber der den tödlichen Pass spielen kann und auf der rechten Schiene einer der technisch die Bälle verwerten kann und und auch servieren kann. Mit krauße und Köhler haben wir keine Leute die Ideen kreieren können zu langsam und auch nicht torgefährlich sind. Was unsere Torbilanz zeigt. Die Abwehr sehe ich nicht als Problem, die wird sich stabilisieren, sobald das Mittelfeld funktioniert und Sicherheit gegen den Ball gibt. Beim Torwart sehe ich Verbesserungspotenzial,ist aber nicht die Achillessverse.Der Sturm mit Philippe und Sabo sind wir gut besetzt, könnte noch ein Backup dazu geben. Wobei ich den in Polter nicht sehe. Marie braucht noch Zeit, hat gute Ansätze, bisschen Ballverliebt, kommt aber, genau wie Gomez, wenn er richtige Nebenleute hat. Das ist meine Meinung. Und der Trainer macht was er kann aus dieser Truppe,Auch er kann nicht immer ein glückliches Händchen haben. Ich hoffe wir kriegen noch die Kurve. In der Winterpause muss was passieren !

  4. Ich bin auch der Meinung, dass man mit Scherning weiterarbeiten sollte, aus Kostengründen, aber auch weil ich und der Mannschaft grundsätzlich schon den Klassenerhalt zutraue (wenn auch nicht viel mehr). Aber spätestens zum Ende der Saison (und dem erhofften Verbleib in Liga 2) muss der Kader dringend weiterentwickelt werden:
    Man sollte sich im Tor alle Kandidaten den Rest der Saison gut anschauen bzw. ausprobieren; sollte niemand überzeugen muss hier ein solider, erfahrener Zweitilga-Keeper verpflichtet werden
    Wichtiger ist die Defensive: Ivanov kann gerne gehen (es sei denn, er gibt sich mit einer Backups-Rolle und dementsprechenden Gehalt zufrieden), Jäckel und Ermin werden den Verein verlassen. Da ich ihn aktuell für den besten IV im Kader halte und noch weiteres Entwicklungspotential in ihm sehe und er zudem auch einer der wenigen war, der „Mentalität“ gezeigt hat, sollte man eine neue IV um Ehlers herum aufbauen.
    Im Mittelfeld muss das in jeder Hinsicht gescheiterte Experiment mit Köhler schnellstmöglich beendet werden. Er bringt Eintracht fußballerisch in keinster Weise nach vorne. Als vermeintlicher Führungsspieler hat er bislang ebenso auf ganzer Linie versagt. Auch Krauße ist bestenfalls nur als Backup zu sehen. Stattdessen in der aktuellen Saison mit Nikolaou auf der 6 probieren, und falls das gut klappt, könnte das eine Lösung sein oder man findet noch einen guten 6er am Markt. Idealerweise findet sich ein erfahrender, führungsstarker Spieler, der auch das Kapitänsamt übernehmen kann. Im offensiven, zentralen Mittelfeld haben wir mit Marie, Räbiger und Ould-Chikh talentierte Jungs. Diese sollten nun regelmäßig die Chance bekommen. Je nach Leistung und Entwicklung sollte man einen oder zwei versuchen, längerfristig zu binden. Kaufman hat leider nicht die Qualität für die 2. Liga und sollte die Möglichkeit zum Wechsel bekommen. Auf den Außenbahnen sehe ich die Not gar nicht so groß, wobei auch hier mehr Qualität sicher nicht schaden würde; aber Michele Sanchez auf links und Bell Bell rechts fände ich gar nicht so verkehrt.
    Im Sturm wird man sicher nochmal tätig werden müssen, vor allem falls Philippe geht (was man ihm bei aktueller Betrachtung des Vereins nicht übelnehmen könnte): Aber auch wenn er wider Erwarten bleibt, braucht es hier mindestens noch einen Zielspieler, der sich in der Box behaupten kann.

    Und, es braucht dann auch zur nächsten Saison einen Trainer, der der Mannschaft vor allem wieder spielerische Lösungen vermittelt bzw. ermöglicht, die über das Umschaltspiel oder weiter Flanken ins Nichts hinausgehen.

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