Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Eine abstiegsreife Leistung

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Was die 19.500 Fans am Samstagmittag im kalten Eintracht-Stadion sahen, wirkte wie ein müder Kick zweier bereits abgestiegener Teams am 34. Spieltag. In einem unfassbar schlechten Fußballspiel gelang der Eintracht gegen die schlechteste Offensive und Defensive der Liga wenig bis gar nichts. Das Schlusslicht wirkte lange Zeit sogar näher am Führungstreffer als die Elf von Daniel Scherning, der nur drei seiner fünf möglichen Wechsel nutzte. Am Ende stand man mal wieder gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten ohne Sieg da und musste sich den enttäuschten Fans stellen, die sich aber größtenteils tapfer zeigten und die Mannschaft trotz der abstiegsreifen Leistung aufbauten. Das war trotz einiger Ausfälle viel zu wenig.

Eintracht-Coach Daniel Scherning nahm zum schwachen Auftritt in Kaiserslautern nur eine Änderung in der Startelf vor: Marko Johansson (TW) – Paul Jaeckel, Ermin Bičakčić (C), Kevin Ehlers – Sanoussy Ba (54. Fabio di Michele Sánchez), Sven Köhler, Robin Krauße, Leon Bell Bell – Johan Gómez (89. Max Marie) – Rayan Philippe, Sebastian Polter (74. Walid Ould-Chikh)

Keine zwei Minuten waren gespielt, als die Gäste bereits zum ersten Mal im Strafraum zum Abschluss kamen, Jaeckel blockte aber noch entscheidend, Johansson schnappte sich den Abpraller. Anschließend begann ein echtes Fehlerfestival auf beiden Seiten. Der Ball sprang hin und her, wurde immer wieder ins absolute Nichts geprügelt und eine Ungenauigkeit folgte der nächsten. Symbolisch dafür die 6. Spielminute. Nach einem misslungenen Freistoß konterten die Braunschweiger, dabei konnte Philippe den Ball in aussichtsreicher Position erst nicht kontrollieren und spielte dann ungenau auf Bell Bell ab, der sonst an der Mittellinie freie Bahn gehabt hätte. So richtig gelang dem linken Schienenspieler die Ballverarbeitung nicht, Jahn-Kapitän Geipl trat Bell Bell aber um und sah folgerichtig früh gelb.

Ein paar Minuten später zog Ba nach innen und suchte den Abschluss. Dieser wurde geblockt, doch der rechte Schienenspieler bekam die Kugel zurück und setzte Sven Köhler in Szene, der sich kurz vor dem Strafraum gegen einen Abschluss entschied und das Spiel an den linken Strafraumrand verlagerte. Doch dort dribbelte Bell Bell mit dem Ball ins Toraus. Kurz darauf konterten die Gäste: Kother leitete mit einem Hackenpass ein, über Ernst kam der Ball zu Pröger, der über die rechte Seite in den Strafraum eindringen konnte, doch seinen Schuss blockte Bičakčić mit einer gut getimten Grätsche. Zwei Zeigerumdrehungen später fälschten die Löwen einen Fernschuss von Geipl ab, der Ball flog knapp links am Tor vorbei. Eine Minute danach erwischte Hein eine Flanke aus ganz spitzem Winkel, knallte die Kugel aber weit am Tor vorbei.

Es war etwas mehr als eine halbe Stunde gespielt und dann kam die Eintracht tatsächlich zum ersten Abschluss gegen die schlechteste Abwehr der Liga. Rayan Philippe kam 20 Meter vor dem Kasten an den Ball, fand eine Lücke und zog ab. Das Spielgerät zischte etwa einen Meter über den Querbalken. Fünf Minuten später legte sich Pröger den Ball zu leicht an Ehlers vorbei, sein Schuss aus zehn Meter missriet aber völlig und hüpfte weit rechts am Tor vorbei. Passend zur erschreckend schwachen Partie: Ba unterlief ein falscher Einwurf. Drei Minuten vor der Pause fälschte Robin Krauße einen Kother-Fernschuss unangenehm ab, Johansson musste mit der Sonne im Gesicht zu einer unkonventionellen Parade greifen, verhinderte aber den Rückstand. Kurz darauf rannten die Regensburger nach einem langen Ball zu zweit auf Kapitän Ermin Bičakčić zu, doch der bosnische Nationalspieler machte es stark und schnappte sich das Spielgerät.

Dann war Halbzeit. Eine so schwache Partie von beiden Teams habe ich in meinen 562 besuchten Spielen der Eintracht-Profis höchstens dreimal gesehen. Keinerlei Gefahr hatten die Löwen ausgestrahlt gegen einen Gegner, der in den letzten vier Auswärtsspielen 18 Gegentore kassiert hatte. Das Schlusslicht der Liga war seinem sechsten Saisontreffer näher als die Eintracht der Führung. In der Halbzeitpause sah man in der Südkurve haufenweise fassungsloses Kopfschütteln, das war sogar für erfahrene Eintracht-Fans schwer zu verdauen. Daniel Scherning verzichtete auf Wechsel.

Kurz nach Wiederanpfiff bot sich den Löwen nach einem Freistoß der Gäste eine Konterchance, doch Rayan Philippe sprang unter dem Ball hindurch. Eine Minute später setzte Philippe Gómez im Strafraum in Szene, doch der US-Amerikaner konnte den Ball nicht kontrollieren. Fünf Minuten waren nach dem Seitenwechsel gespielt, als die Eintracht nah am eigenen Strafraum den Ball verlor und so kam Pröger aus 20 Metern zum Abschluss, doch Johansson hatte den zentralen Schuss im Nachfassen sicher. Immer wieder boten die Regensburger durch eklatante Fehler Chancen zum Kontern an, doch die Löwen spielten es immer wieder unglaublich ungenau und ließen das Eintracht-Stadion mehrfach vor Verzweiflung seufzen.

Zehn Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als Kother aus halblinker Position im Strafraum abziehen konnte, doch erneut parierte Johansson. Einige Minuten danach versuchte es Rayan Philippe mit einem Verzweiflungsschuss aus der zweiten Reihe, sein flacher Versuch ging aber meterweit am Tor vorbei. Es lief bereits die 70. Spielminute, als die Braunschweiger Eintracht zum zweiten einigermaßen gefährlichen Abschluss gegen das Schlusslicht kam. Eine Freistoßflanke von Philippe drückte Ermin Bičakčić ans Außennetz. Zehn Minuten später klärte Ehlers eine Hereingabe in höchster Not zu Ecke. Diese wurde brandgefährlich, da Viet Ould-Chikh anköpfte. Von dessen Rücken sprang der Ball aufs Tor, doch Johansson packte sicher zu.

Sieben Minuten vor Ende der regulären Spielzeit kam eine Ecke im zweiten Anlauf gefährlich in den Strafraum der Gäste, Paul Jaeckel nahm die Kugel direkt aus der Luft, doch sein Volleyschuss aus wenigen Metern geriet etwas zu ungenau, sodass der Gäste-Keeper parieren konnte. Es war der erste Schuss aufs Tor der Gäste, die auf fremden Platz in dieser Zweitliga-Saison noch nie ohne Gegentor geblieben waren. Eine Zeigerumdrehung später wurde der Versuch von Gómez noch geblockt, der Nachschuss von Krauße aus der zweiten Reihe flog weit am Tor vorbei. Auf der anderen Seite sorgte ein unnötiger Ballverlust von Bell Bell für eine gefährliche Freistoßposition, doch Kother jagte die Kugel deutlich über die Latte.

In der 89. Minute wechselte Daniel Scherning ein drittes und letztes Mal und verzichtete trotz der schwachen Leistung somit auf gleich zwei weitere Wechselmöglichkeiten. Für Gómez kam Max Marie. Mit Ablauf der regulären Spielzeit setzte sich Ould-Chikh auf der linken Seite durch und brachte sich in eine gute Flankenposition. Doch der Schiedsrichter hatte bei einem eigentlich handelsüblichen Zweikampf ein Offensiv-Foul gesehen. Daniel Schering und Fabio di Michele Sánchez sahen anschließend gelb wegen Meckerns. Die Nachspielzeit war bereits fast vorüber, als Ould-Chikh mit einem tollen Dribbling Meter machte und im Strafraum Max Marie bediente. Dieser ging zu Boden, einen Elfmeter gab es aber nicht. Anscheinend zurecht.

Und so blieb es beim 0:0. Leistungsgerecht könnte man sagen, doch mit dem Wort „Leistung“ waren die Bemühungen beider Teams heute nicht so richtig treffend zu beschreiben. Der Eintracht war gegen eine Mannschaft, die in den sechs Auswärtsspielen zuvor etwa 3,6 Tore im Schnitt kassiert hatte, nur ein Schuss aufs Tor gelungen. Gegen die drei Aufsteiger bleibt die Mannschaft von Trainer Daniel Scherning somit weiterhin sieglos und verpasst es erneut, sich von den Abstiegsplätzen zu distanzieren. Das war heute nicht genug, um auch im nächsten Jahr in der 2. Bundesliga zu spielen. Für die zweitschlechteste Auswärtsmannschaft der Liga geht es am kommenden Sonntag zu einer der schlechtesten Heimmannschaften der Liga, Fortuna Düsseldorf. Anstoß ist um 13.30 Uhr.

Bis dahin

Euer Kivi

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