Ein willkommener Gast
7 min readDie Eintracht wird in den Zweitligastadien der Republik derzeit mit offenen Armen empfangen, lässt man als höflicher Gast stets zumindest einen Punkt beim Gastgeber. Am 13. Spieltag kam es mal wieder zu einer großen Geschenktüte für die Hausherren. Die Mannschaft von Trainer Daniel Scherning ließ zum fünften Mal in dieser Saison die vollen drei Punkte liegen und bescherte dem Betzenberg somit viel Freude. In einem über weite Teile erneut erschreckend schwachen Auftritt war der 1. FC Kaiserslautern fast durchgehend klar überlegen und ging zum Glück schludrig mit seinen Chancen um und führte kurz vor der Pause „nur“ mit 2:0. Nach einem eher glücklichen Elfmeter, den Toptorjäger Rayan Philippe verwandelte, konnten die Löwen das Momentum vor knapp 46.000 Zuschauern aber so gar nicht nutzen und kassierte im direkten Gegenzug das 3:1. Im zweiten Durchgang passierte wenig, bis Rayan Philippe es nach einem Torwartfehler nochmal spannend machte: 3:2. Doch die Spannung hielt nur eine Minute, dann war Schluss und auch das siebte Auswärtsspiel brachte keinen Sieg.
Wie immer in der Region gab es eine Feuerwurst. Und die war wieder einmal klasse! Dieses Mal war das Brötchen auch top, nur der fremdportionierte Ketchup war dann doch ein gefühlter Liter zu viel. 8,5/10 von mir.

Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Marko Johansson (TW) – Paul Jaeckel (46. Robert Ivanov), Ermin Bičakčić (C, 46. Jannis Nikolaou), Kevin Ehlers – Fabio Kaufmann (86. Walid Ould-Chikh), Robin Krauße, Sven Köhler, Leon Bell Bell (61. Fabio di Michele Sánchez) – Johan Gómez, Sebastian Polter (72. Sanoussy Ba), Rayan Philippe
Ohne die verletzten Tino Casali, Sidi Sané, Sidney Raebiger, Niklas Tauer, Levente Szabó, Marvin Rittmüller und Christian Conteh war der Kader wieder einmal sehr ausgedünnt. Dennoch startete die Eintracht sofort mit Zug zum Tor, die erste Minute war noch nicht abgelaufen, als es nach einem Fernschuss von Leon Bell Bell die erste Ecke im Spiel gab. Zwei Minuten später brach Rayan Philippe über links in den Strafraum, seine Hereingabe landete aber genau zwischen zwei Mitspielern in den Armen von FCK-Torwart Grahl. Fünf Minuten waren gespielt, als es Polter nach einem Ballgewinn im Mittelfeld einfach mal aus 40 Metern direkt versuchte. Grahl war weit aufgerückt und musste sich ordentlich strecken, hatte den Ball dann aber doch sicher. Wenige Augenblicke später tauchte Polter nach einem Steckpass von Philippe frei vor Grahl auf, kam aber nicht am Torwart der Gastgeber vorbei, zudem ging die Fahne hoch: Abseits. Das war es dann auch erstmal von den Offensivbemühungen der Eintracht.

Kurz darauf dribbelte Yokota gefühlt acht Eintracht-Verteidiger aus und tauchte scheinbar frei vor Johansson auf, doch im allerletzten Moment spitzelte Ehlers dem Japaner noch die Kugel vom Fuß. Ein paar Minuten danach beförderte Köhler einen Eckball mit der Schulter knapp über den eigenen Querbalken. Immer wieder konnten die Löwen nun aussichtsreiche Angriffe der Roten Teufel gerade noch stoppen, bevor es richtig gefährlich wurde. Ragnar Ache bekam von Kleinhansl den Ball, ließ Jaeckel stehen und bediente dann Kaloc, der frei vor Johansson auftauchte und das Leder in das kurze Eck drosch. Keine Abwehrchance für den Löwen-Schlussmann bei diesem Geschoss, das 1:0 für die Gastgeber.
Wenige Minuten später stand die Abwehr der Eintracht nach einem Querschläger von Ehlers völlig neben sich. Gleich zwei Verteidiger konnten nicht verhindern, dass Ache den Ball aus der Luft pflückte und mit einem simplen Pass Yokota bediente, der sich 13 Meter vor dem Tor eigentlich eine Ecke aussuchen konnte, aber zum Glück völlig überhastet abzog und das Leder meterweit über die Latte jagte. Zehn Minuten später kam der Japaner erneut zum Abschluss, bugsierte die Kugel aus 16 Metern aber genau in die Arme von Johansson. Zehn Minuten vor der Pause schenkten die Blau-Gelben den Gastgebern die nächste dicke Chance. Kapitän Ermin Bičakčić schaltete nach einem langen Ball viel zu spät und sah anschließend im Laufduell mit Ragnar Ache alt aus. Alleine vor Johansson traf der FCK-Stürmer aber nur den rechten Pfosten. Den Abpraller sicherte sich Johansson.

Kurz darauf knallten Ronstadt und Yokota aus der zweiten Reihe jeweils deutlich über das Löwen-Tor. Fünf Minuten waren noch zu spielen, als Yokota und Hanslik auf der linken Seite Bell Bell und Ehlers ziemlich einfach ausspielten. Ermin Bičakčić kam zu spät und konnte die flache Hereingabe von Hanslik nicht verhindern. In der Mitte stolperte Paul Jaeckel im entscheidenden Moment und so konnte Ache aus kurzer Distanz unbedrängt einschieben, das 2:0 für den 1. FC Kaiserslautern.
Im direkten Gegenzug spritzte Johan Gómez dazwischen und eroberte im gegnerischen Strafraum den Ball. Nach einem leichten Kontakt ließ sich der US-Amerikaner fallen, Schiedsrichter Burda gab Elfmeter. Muss man wohl nicht geben, eine Fehlentscheidung war das aber auch nicht. Sebastian Polter hielt den Ball während der VAR-Überprüfung fest, Schütze wurde dann aber doch Rayan Philippe. Und der Toptorjäger in Diensten der Eintracht brachte neue Hoffnung und verwandelte den Strafstoß in die untere rechte Ecke, Krahl hatte sich für die linke Ecke entschieden. Der Anschlusstreffer, nur noch 2:1!

Doch die Hoffnung wurde sofort wieder eingerissen. Ermin Bičakčić verschätzte sich bei einem eigentlich harmlosen Einwurf völlig und so hatte Hanslik plötzlich ganz viel Wiese vor sich, Robin Krauße und Kevin Ehlers kamen nicht wirklich hinterher, wurden dann auch noch mit einem Haken ausgetanzt und der flache Abschluss von halbrechts schlug im langen Eck ein. Der alte Abstand war wiederhergestellt, 3:1 für die Roten Teufel.
Damit ging es auch in die Halbzeit. Hatte man eine lange Schwächephase scheinbar noch glücklich mit einem Anschlusstreffer kaschieren können, riss man sich auch diese Chance sofort wieder ein und lag zur Pause auch in der Höhe verdient zurück. Zu oft hatte man es den Gastgebern zu einfach gemacht und irgendwann wurde das bestraft. Offensiv zeigten sich die Löwen auswärtstypisch harmlos. Daniel Scherning wechselte doppelt. Für die sehr schwachen Ermin Bičakčić und Paul Jaeckel kamen Jannis Nikolaou und Robert Ivanov in die Partie.

Der zweite Durchgang startete mit einer gelben Karte für Fabio Kaufmann. Seine fünfte, auch er wird nächste Woche also fehlen. Hoffen wir mal, dass sich bis dahin das Verletzungslager gelichtet hat. Der folgende Freistoß schien zu lang, landete dann aber doch bei Toure, der aus spitzem Winkel an Johansson scheiterte. Zehn Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, als Ache plötzlich frei am Strafraumrand zum Abschluss kam, Marko Johansson verhinderte mit einer starken Fußparade den vierten Gegentreffer. Vier Minuten später setzte Gómez auf der linken Seite Polter in Szene, der die Kugel an den Strafraumrand flankte. Dort nahm Fabio Kaufmann die Kugel mit viel Risiko volley, brachte aber nicht genügend Druck hinter seinen Schuss, Krahl packte sicher zu.
Kurz vor der Meisterminute verschätze sich FCK-Keeper Krahl bei einer Ecke von Sven Köhler, die Kugel war aber minimal zu hoch für Robert Ivanov, der so klar über das leere Tor köpfte. Es dauerte zehn Minuten bis zur nächsten Chance für die Eintracht: Sven Köhler steckte auf Rayan Philippe durch, der aus leicht spitzem Winkel bedrängt, aber mit freier Schussbahn zwölf Meter vor dem Tor zum Abschluss kam, FCK-Torwart Krahl aber in den Bauch schoss. Dieser musste erstmal durchatmen, hatte den erneuten Anschlusstreffer aber verhindert.

Auf der anderen Seite checkte Ivanov nach einer Flanke Hanslik um. Ziemlich risikoreich, so im Strafraum zu agieren, dafür gab es auch schonmal Strafstoß. Heute aber nicht. Hanslik lag benommen außerhalb des Spielfelds, stand auf, ging aufs Spielfeld und legte sich wieder hin. Eine Unsportlichkeit aus dem Lehrbuch, die gelbe Karte gab es aber trotzdem nicht. Auch nicht für einen Schubser gegen den sich beschwerenden Ould-Chikhs. Dafür bekam Robert Ivanov wegen Meckerns gelb.
Zwei Minuten später kam die Kugel irgendwie zu Sanoussy Ba, der aus 16 Metern volley abzog. Der Ball segelte in Richtung rechter Winkel, doch Krahl verhinderte mit einer echten Wahnsinnstat das Traumtor. Aus der Ecke entstand ein Fernschuss von di Michele Sánchez, der die das Leder weit über den Kasten jagte. Auf der anderen Seite scheiterte Mause frei vor Johansson, doch die Fahne ging hoch: Abseits. Die Nachspielzeit war bereits abgelaufen, als ein Torwartfehler von Krahl doch noch Spannung verursachte. Der FCK-Torwart tauchte unter einer eigentlich harmlosen Hereingabe von Krauße durch, Robert Ivanov reagierte blitzschnell und machte das Leder wieder scharf, in der Mitte schob Rayan Philippe die Kugel ins leere Tor. Sein neunter Ligatreffer von 16 Eintracht-Toren. Das nennt man wohl Lebensversicherung: das 3:2.

Doch obwohl, die Löwen nochmal alles nach vorne warfen und die Roten Teufel nochmal ins Zittern brachten, reichte es nicht mehr für einen weiteren Torabschluss und die verdiente Niederlage stand fest. So bleibt die Mannschaft von Daniel Scherning auch im siebten Auswärtsspiel ohne Sieg und verpasst es, Abstand auf die Abstiegsplätze zu gewinnen. Somit ist der Druck vor dem absoluten must-win Spiel gegen Schlusslicht Regensburg nochmal größer geworden. Anstoß gegen den Jahn ist am Samstag um 13 Uhr.
Bis dahin
Euer Kivi

Einfach nur zum Kotzen diese lausigen Auswärtsauftritte.