Achterbahn der Emotionen
6 min readLangweilig wird es mit unserer Eintracht nicht, aber das stand schon vor dem vorletzten Auswärtsspiel der Saison fest. Doch bei der Spielvereinigung Fürth bewiesen die Löwen nochmal mit Nachdruck ihren Hang zu dramatischen Spielverläufen. Nach einem frühen Doppelschlag durch Þórir Helgason und Rayan Philippe kamen die Gastgeber immer besser ins Spiel und demzufolge auch zum verdienten aber vermeidbaren Anschlusstreffer. Gerade schien es, als würden sich die Blau-Gelben mit der knappen Führung in die Halbzeitpause retten, da sah Robin Krauße aufgrund eines rustikalen Einsteigens die glatt Rote Karte. Und so waren die Kleeblätter im zweiten Durchgang nicht nur klar überlegen, die Hausherren drehten das Spiel auch noch zum 3:2. Doch Rayan Philippe schlug fast postwendend zurück und glich auf 3:3 aus. Der VAR machte es nochmal spannend, kurz vor Schluss gab es einen Foulelfmeter, den Thorben Hoffmann aber parieren konnte und somit den Punkt festhielt. Ein verspielter Sieg, der leichtfertig hergegeben wurde, aufgrund des Spielverlaufs aber auch irgendwie ein gewonnener Punkt.
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann – Robert Ivanov, Ermin Bičakčić, Hasan Kuruçay (77. Florian Krüger), – Marvin Rittmüller, Þórir Helgason, Robin Krauße, Fabio Kaufmann (46. Niklas Tauer), Anderson Lucoqui (77. Anton Donkor) – Johan Gómez (64. Sebastian Griesbeck), Rayan Philippe (82. Jannis Nikolaou)
Im Sportpark Rohnhof angekommen, wurde sich mit Essen und Trinken eingedeckt. Wären es das Wasser in Flaschen gab, natürlich ohne Deckel, lief es bei der Wurstbestellung auf zwei Würste im Brötchen raus. Für 4,50 Euro waren diese leider nur noch lauwarm, schmeckten aber ziemlich gut. Da das Brötchen fast schon katastrophal schlecht war und es Soßen nur in Tütchen gab, kann ich hier insgesamt nur eine 6,5/10 vergeben

Nicht einmal eine Minute war gespielt, da kam Rayan Philippe bereits zum ersten Torabschluss. Über Gómez und Kaufmann kam der Ball zum Franzosen, der aus halbrechter Position knapp rechts am Tor vorbeischoss. Im Gegenzug verhinderte Bičakčić artistisch eine Torchance, die anschließende Ecke klärten die Löwen im Verbund. Zwölf Minuten waren gespielt, als Þórir Helgason das Spiel mit einem herrlichen Seitenwechsel auf die rechte Seite verlagerte. Marvin Rittmüller, der zum rechten Strafraumrand lief und die Kugel auf den Elfmeterpunkt servierte. Dort lief Helgason ein und platzierte das Leder per Direktabnahme in der unteren rechten Ecke. Das frühe 0:1 für die Braunschweiger Eintracht!
Auf der anderen Seite versuchte es Srbeny von der Strafraumkante, wurde aber geblockt. Sofort ging es in die andere Richtung: Gómez behauptete im Mittelfeld den Ball und steckte dann herausragend auf den startenden Rayan Philippe durch. Der Franzose lief mit Ball seinem Verfolger davon, behielt alleine vor Urbig die Nerven und vollstreckte ins linke untere Eck. Der gut gefüllte Gäste-Stehblock explodierte erneut und bejubelte den Doppelschlag. Das 0:2 für die Blau-Gelben! Sollte es doch ein entspanntes Saison-Finish werden?

Danach passierte in der Eintracht-Offensive erstmal wenig. Die Gastgeber übernahmen die Spielkontrolle und drückten auf den Anschlusstreffer. Doch es dauerte bis zur 33. Spielminute, als der erste Schuss aufs Tor von Thorben Hoffmann erfolgte und der war dann auch gleich drin. Kapitän Krauße verlor am eigenen Strafraum den Ball, anschließend bekam die Blau-Gelbe Hintermannschaft keinen Zugriff auf Lemperle, der aus 20 Metern in die untere linke Ecke schoss. Hoffmann streckte sich vergebens, nur noch 1:2.
Die letzten Minuten vor dem Pausentee hatten es dann richtig in sich. Erst boxte Hoffmann eine gefährliche Ecke aus der Gefahrenzone, dann köpfte Srbeny am Tor vorbei. Eine Minute später brach Ex-Löwe Consbruch über rechts in den Strafraum, seinen Schuss aus spitzem Winkel parierte Hoffmann stark. Kurz darauf rettete Kuruçay in höchster Not gegen Srbeny. Die anschließende Ecke köpfte Sieb knapp am Tor vorbei. Gerade schien es, als würde sich die Eintracht mit der Führung und einer guten Ausgangslage in die Pause retten, da kam Robin Krauße an der Mittellinie deutlich zu spät und traf Hrgota mit offener Sohle auf Knöchelhöhe. Klare Sache, rote Karte für den Kapitän. Die Löwen somit 45 Minuten in Unterzahl.
Dann war Halbzeit. Der ein oder andere mitgereiste Eintracht-Fan hatte Sorgenfalten im Gesicht, das Ding hier war noch gar nicht durch und der so wichtige Sieg wackelte bedenklich. Nach dem 0:2 waren die Blau-Gelben zu keiner einzigen nennenswerten Offensivaktion gekommen und hatten sich immer mehr am eigenen Strafraum einschnüren lassen. Doch statt des Ausgleichs kam die rote Karte, die die Scherning-Elf vor eine echte Mammut-Aufgabe gegen immer besser werdende Gastgeber stellte. Daniel Scherning war zum Reagieren gezwungen und brachte mit Niklas Tauer für Fabio Kaufmann wieder einen defensiven Mittelfeldpart in die Partie.

Mit Beginn des zweiten Durchgangs drückten die Fürther auf den Ausgleich. Den ersten Abschluss nach dem Seitenwechsel hatten aber die Löwen: Anderson Lucoqui marschierte über die linke Seite und fand halbrechts vor dem Strafraum Johan Gómez, der mit seinem Abschluss etwas zu lange zögerte und somit noch geblockt wurde. Auf der anderen Seite prüfte Srbeny aus wenigen Metern Hoffmann, doch dieser fischte den Schuss aufs lange Eck mit einer tollen Parade aus der Luft. Gerade hatten die Eintracht-Fans im Gästeblock ihre Schals für das Meisterlied rausgeholt, da kombinierten sich die Gastgeber über Srbeny und Sieb an den Strafraumrand. Schlussendlich war es Wagner, der zu wenig gestört wurde und aus 19 Metern abziehen konnte. Der Ball schlug unhaltbar neben dem rechten Pfosten ein. Stimmungskiller, der Ausgleich zum 2:2.
Das war natürlich alles andere als gut, den ohne einen Sieg droht der Absturz auf den Relegationsplatz. Doch durch den Platzverweis von Krauße wurden die Karten buchstäblich neu gemischt. Kurz nach dem Ausgleich setzte Consbruch einen Fernschuss etwas zu hoch an. Im Gegenzug zirkelte Philippe einen Freistoß aus dem linken Halbfeld in die Gefahrenzone, Niklas Tauer kam mit der Fußspitze an den Ball, bugsierte die Kugel aber knapp rechts am Tor vorbei. Auf der anderen Seite parierte Hoffmann einen Freistoß von Hrgota mit einer sehenswerten Flugparade. Den anschließenden Eckball bekamen die Löwen einfach nicht geklärt. Michalski beförderte das Leder irgendwie zu Sieb, der aus kurzer Distanz abzog. Leicht abgefälscht schlug der Ball im Tor ein. Spiel gedreht, 3:2.

Das hatte gesessen und die Abstiegsangst hatte sich wieder in die Hinterköpfe geschlichen. Doch diese wurde kurz darauf in Jubelschreie umgewandelt. Hoffmann schlug den Ball lang auf Helgason, der mit einem klasse Pass Rayan Philippe bediente. Dieser war mal wieder zu schnell für seine Gegenspieler und brach über die linke Seite in den Strafraum. Sein Abschluss aus vollem Lauf und aus leicht spitzem Winkel war perfekt: Der Toptorjäger der Eintracht donnerte das Leder ins linke Eck. Ausgleich in Unterzahl, 3:3! Was für ein verrücktes Spiel!
Beinahe hätten die Löwen noch einen nachgelegt. Donkor marschierte über die linke Seite in den Strafraum, verpasste aber den richtigen Zeitpunkt für das Abspiel auf Helgason, der die Schusschance dann aber ebenfalls leichtfertig liegen ließ, aber immerhin einen Eckball rausholte. Dieser brachte allerdings nichts ein. Und es wurde noch verrückter. Nach einem Zweikampf Srbeny und Bičakčić meldete sich der VAR und Schiedsrichter Hempel schaute sich die Szene lange, sehr lange selbst an und entschied anschließend auf Strafstoß für die Gastgeber, kurz vor Ende der regulären Spielzeit. Sollte den Löwen noch nicht einmal der eine Punkt vergönnt sein? Doch Thorben Hoffmann erwies sich wieder mal als ein Teufelskerl. Der Löwenschlussmann parierte den Elfmeter von Lemperle und verhinderte den erneuten Rückstand, weiterhin 3:3!

In der sechsminütigen Nachspielzeit hielt die Löwen-Defensive stand und dann war Schluss! Die Eintracht verspielt in Unterzahl die Führung, kam dann aber mit großem Kampf zurück und darf sich bei Thorben Hoffmann für den gehaltenen Strafstoß bedanken. Weiter geht es für die Blau-Gelben am Sonntag gegen den SV Wehen Wiesbaden und dann wird es nochmal wichtiger. Die Hessen sind direkter Abstiegskonkurrent. Das Eintracht-Stadion ist bereits ausverkauft, Tickets gibt es höchstens noch über den Zweitmarkt.
