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Das erste Schernig-Remis

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Lange hat es gedauert, bis sich die Löwen unter Trainer Daniel Scherning die Punkte mit dem Gegner teilten. Gegen Bundesliga-Absteiger Hertha BSC musste man am Ende trotz starker erster Halbzeit durchschnaufen und froh sein, die Pausenführung von Fabio Kaufmann nicht noch gänzlich verspielt zu haben. Da die Blau-Gelben es verpassten auf 2:0 zu erhöhen, reichte den Gästen ein starker Start in den zweiten Durchgang zum Ausgleich. Danach kam vor nicht ganz 23.000 Zuschauern zu wenig von der Eintracht in der Offensive, um den nächsten Heimsieg einzufahren. Da die Abwehr anschließend und trotz 15-minütiger Unterzahl standhielt, bleibt die Eintracht im Jahr 2024 ungeschlagen im Eintracht-Stadion und vergrößert den Abstand auf Abstiegskonkurrenten Kaiserslautern zumindest um einen Punkt.

Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Marvin Rittmüller, Robert Ivanov, Ermin Bičakčić, Hasan Kuruçay (77. Rote Karte), Anton Donkor (86. Anderson Lucoqui) – Fabio Kaufmann (86. Sebastian Griesbeck), Robin Krauße (C, 80. Saulo Decarli), Þórir Helgason (64. Niklas Tauer) – Johan Gómez (64. Anthony Ujah), Rayan Philippe

Den ersten zaghaften Versuch in der Partie hatten die Gäste aus Berlin, aber der harmlose Kopfball von Kapitän Leistner war eine sehr leichte Übung für Löwen-Keeper Hoffmann. Die ersten zehn Minuten waren gerade abgelaufen, als der Ball irgendwie zu Robert Ivanov kam, der es aus spitzem Winkel mit einem Fallrückzieher versuchte. Aber so richtig aufs Tor oder in die Nähe eines Mitspielers kam der Ball dann auch nicht. Etwas knapper wurde es kurz darauf, als Rayan Philippe eine Rittmüller-Flanke am Tor vorbei köpfte. Den folgenden Abstoß spielten die Berliner kurz aus und die Löwen pressten hoch. Damit erzwangen sie einen Fehlpass, den Fabio Kaufmann abfing. Halbrechts im Strafraum zog der Deutsch-Italiener sofort ab. Nicht der beste Winkel, eigentlich stand ein Herthaner im Weg und der Schuss kam recht zentral aufs Tor. Doch Fabio Kaufmann wäre nicht Fabio Kaufmann, wenn er nicht immer wieder die unmöglichen Dinge möglich machen würde: Sein Flachschuss kam so wuchtig aufs Tor, dass Hertha-Keeper Ernst den Einschlag nicht verhindern konnte. Das 1:0 für die Braunschweiger Eintracht durch den Toptorjäger, der sich vor der Südkurve ausgiebig feiern ließ.

Es war erneut Leistner, der wenig später für die zweite Mini-Chance der Gäste zuständig war. Sein Kopfball nach einer Freistoßflanke flog aber meterweit am Kasten vorbei. Etwas knapper, aber dafür ohne Abschluss war es im direkten Gegenzug: Fabio Kaufmann steckte durch auf den startenden Rayan Philippe, der im Laufduell mit Schlussmann Ernst zwei Schuhgrößen zu klein trug oder ersatzhalber einen halben Schritt zu spät kam. Eine Zeigerumdrehung später machte es der Franzose an der Mittellinie brasilianisch und legte sich den Ball über den Gegenspieler hinweg und schlug die Kugel volley in den Lauf von Gómez. Dieser zog über rechts Richtung Strafraum und suchte mit einem flachen Pass an den Fünf-Meter-Raum den mitgelaufenen Þórir Helgason. In höchster Not konnte Kenny vor dem einschussbereiten Isländer zur Ecke klären. Diese brachte, wie so oft, keinerlei Gefahr.

Leicht gefährlich wurde kurz darauf der nächste Eckball. Ermin Bičakčić köpfte die Kugel vom zweiten Pfosten zurück in die Gefahrenzone, wo Ernst gerade so den Ball aus der Luft pflücken konnte. Ein paar Minuten danach machte es Philippe zu eigensinnig, ging aber immerhin an vier Gegenspielern vorbei, Gegenspieler Nummer fünf war dann aber Endstation. Fünf Minuten vor der Pause sorgte erneut ein hoher Ballgewinn für Gefahr: Rittmüller flankte aus dem rechten Halbfeld, Gómez kam neun Meter vor dem Tor völlig frei zum Kopfball, setzte den schwierig zu nehmenden Ball aber klar drüber. Zwei Zeigerumdrehungen danach schickte Rittmüller Fabio Kaufmann zur Grundlinie, der die Kugel scharf vors Tor spielte. Ernst kam mit den Fingerspitzen noch an den Ball und verhinderte, dass Philippe die Kugel ins Tor einschieben konnte. Donkor reagierte am zweiten Pfosten etwas zu spät und kam nicht mehr an den Ball. Den Schlusspunkt der ersten Halbzeit setzten die Herthaner. Der Freistoß aus großer Ferne sorgte allerdings für Erheiterung in der Südkurve, denn der Versuch aus über 30 Metern flog weit am Tor vorbei.

Dann war Halbzeit. Wie auch in den letzten Partien hatte man das Gefühl, dass es etwas unnötig knapp geblieben war. In einige Szenen kamen die Löwen nicht über aussichtsreiche Ansätze hinaus. Die letzte Genauigkeit, Zielstrebigkeit und Effektivität fehlte zu oft, wenn man in die Nähe des Strafraums kam. Die Führung zur Pause war absolut verdient, Thorben Hoffmann war von den Berlinern nicht ein einziges Mal ernsthaft gefordert worden und die Eintracht machte ein wirklich tolles Spiel. Dennoch stand es nur 1:0.

Und so kamen die Herthaner deutlich verbessert aus der Kabine. Der zum Seitenwechsel in die Partie gekommene Tabakovic zog aus der zweiten Reihe volley ab, Hoffmann konnte den unangenehmen Ball aber zur Seite abwehren. Wenige Augenblicke später sah der sonst so souveräne Eintracht-Keeper nicht so gut aus. Hoffmann tauchte unter einer Hereingabe hinweg und hatte Glück, dass Tabakovic über das leere Tor köpfte. Kurz darauf war es dann so weit. Anton Donkor ging bei einem Konter nicht energisch genug dazwischen und so konnten die Berliner Eintracht-Schreck Fabian Reese in Szene setzen. Der bediente Maza. Der erst 18-jährige Offensivspieler zog von halblinks im Strafraum ab. Krauße schmiss sich in die Schussbahn, verfehlte den Ball aber um Haaresbreite und so schlug die Kugel unhaltbar neben dem rechten Pfosten ein. Das hatte sich angedeutet, der Ausgleich zum 1:1.

Die Eintracht war kaum wiederzuerkennen, während die Halbzeitansprache und der Dreifachwechsel bei den Gästen offenbar gefruchtet hatte. Es dauerte noch einige Minuten bis zum ersten Abschluss der Löwen im zweiten Durchgang. Þórir Helgason verschaffte sich mit einem starken Dribbling etwas Platz, sein Schuss aus etwa 22 Metern wurde aber noch entscheidend entschärft durch das Bein eines Abwehrspielers, sodass Ernst keine Probleme hatte, den Aufsetzer abzufangen. Nur zwei Minuten später steckte Helgason auf Philippe durch, dessen scharfe Hereingabe knapp vor dem heranrauschenden Gómez zur Ecke geklärt wurde. Die anschließende Ecke köpfte Ermin Bičakčić nur knapp links am Tor vorbei. Auf der anderen Seite knallte Ex-Löwe Gechter das Leder per Volley aus 14 Metern klar am Tor vorbei. Ebenfalls direkt aus der Luft versuchte es wenig später Kapitän Krauße, sein Schuss flog aber noch weiter am Kasten vorbei.

Die Löwen schienen sich gefangen zu haben und an der Seitenlinie stand Hampus Finndell bereit, um nochmal ein spielerisches Element in die Partie zu bringen. Doch es kam alles ganz anders. Ein ungenauer Pass von Donkor brachte Hasan Kuruçay in die Bredouille, der es dann wirklich mehr als ungeschickt machte, viel zu spät in den Zweikampf kam und seinem Gegenspieler mit der Sohle ins Knie trat. Ziemlich klare Sache, Rote Karte. Bereits der fünfte Platzverweis in dieser Saison für unsere Eintracht, die Löwen waren das Spiel in Unterzahl also gewohnt. Tatsächlich hatten die Löwen die erste nennenswerte Offensivaktion nach der Roten Karte: Rayan Philippe startete am eigenen Strafraum den Konter und rannte mit Ball bis zum gegnerischen Strafraum. Dort kam die Flanke auf den lauernden Ujah aber nicht an.

Und so dauerte es zehn Minuten bis zum ersten Abschluss der Gäste in Überzahl. Anton Donkor konnte eine Flanke nicht klären und so blockte der zurück geeilte Rayan Philippe in höchster Not den wuchtigen Schuss von Kenny. Im Gegenzug lief erneut der Konter über Philippe, der aber erneut keine Anspielstation fand. Der Franzose hatte anscheinend genug vom Laufen, denn bei der nächsten Kontergelegenheit versuchte Philippe es aus der eigenen Hälfte. Den hätte Ernst möglicherweise tatsächlich nicht gehabt, wäre er aufs Tor gekommen und nicht zehn Meter am Tor vorbei. Die reguläre Spielzeit war bereits abgelaufen, als Ermin Bičakčić nach einem Zweikampf liegen blieb. Hertha spielte weiter und Schiedsrichter Alt unterbrach auch nicht. Gefühlt ein Dutzend Mal durfte Hertha Flanken und Schießen, doch immer wieder warf sich ein Braunschweiger dazwischen, bis eine Flanke zu nah an Hoffmann kam und kein Berliner mehr eine Chance auf den Ball hatte. Tabakovic war das in seinem Frust vermutlich egal und rammte den Löwen-Schlussmann rustikal um. Und so mussten gleich zwei Eintracht-Spieler behandelt werden. Eine Gelbe Karte gab es für das unsportliche Einsteigen von Tabakovic tatsächlich nicht.

Die Löwen kämpften sich die letzten Augenblicke durch und dann war Schluss. Das erste Remis seit September, 2024 weiterhin ungeschlagen im Eintracht-Stadion. Dennoch wurde es verpasst, die Distanz auf Kaiserslautern noch deutlicher zu erhöhen, es droht sogar wieder der Absturz auf den Relegationsplatz, sollte Rostock in Düsseldorf gewinnen. Und so wäre es gut, würde am nächsten Wochende mal wieder ein Auswärtssieg eingefahren werden. Denn dann geht es nach Nürnberg, die je nach Ausgang des Frankenderbys in Schlagdistanz kommen könnten.

Bis dahin

Euer Kivi

1 thought on “Das erste Schernig-Remis

  1. Tobsüchtiger Tobsuchtsanfall, das hät man auch bei Ausnutzung seiner Chancen gewinnen können.

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