Anstehender Generationswechsel. Ist bald ein Nachfolger für Jasi da?

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Moin Löwen!

Nun haben wir es wieder mal geschafft aufzusteigen! Wahnsinn!

Auf diesem Wege möchte ich erstmal der Mannschaft gratulieren. Sie ist wirklich über sich hinausgewachsen. Ich schrieb vor der Saison, dass wir durchaus um den Aufstieg mitspielen können, sofern alles gut geht. Nun haben wir es, mit etwas Zufall, schon am vorletzten Spieltag geschafft!

Torhüter des Erfolgesund des Misserfolges

Einen nicht geringen Anteil daran hatte unser Käpitän Jasmin Fejzic. Als Leader hatte er maximal vor Mäusen in der Kabine Angst. Auf dem Spielfeld war der 35-Jährige nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Laut Wyscout hat er sagenhafte 13 berechnete Gegentore in dieser Saison verhindert. Er war damit DER Rückhalt, damit Eintracht um den Aufstieg kämpfen konnte. Eine etwas durchschnittlichere Saison von Jasi – und wir könnten heute nicht über den Aufstieg schreiben.

100% Löwe (bs1895)

Interessanterweise war es 2019/20 noch sein Mitspieler Marcel Engelhardt, der in den letzten Spielen mit einer überragenden Performance den Aufstieg sicherte. Jasi spielte nur eine durchschnittliche Saison und verhinderte von berechneten 40 Gegentoren nur ein einziges. Im Vergleich zur dieser Saison ein sehr großer Unterschied. Die damalige Entscheidung von Trainer Marco Antwerpen: Jasi auf die Bank! Nach dem Spiel gegen Viktoria Köln (ihr merkt schon, hier schließt sich irgendwie der Kreis) übernahm Engelhardt die Position im Tor. In knapp 1.000 Minuten Spielzeit verhinderte Engelhardt sechs von 15 berechneten Gegentoren. Das sind 0,56 pro 90 Minuten. Zum Vergleich: dieser Wert liegt bei Jasi in dieser Saison bei 0,34 verhinderten Gegentoren. Damals wie heute gilt also, dass wir ohne die starken Torhüterleistungen nicht aufgestiegen wären.

Aufstiegsheld 2020. Bild: bs1895.de

In der Zweitligasaison 2020/21 spielte Jasi unter Trainer Daniel Meyer anfangs keine Rolle. Der Neuverplichtetete Felix Dornebusch erhielt den Vorzug. Damals scheitertete der Versuch, einen neuen Stammkeeper im Tor der Braunschweiger Eintracht zu etablieren, allerdings deutlich. In acht Zweitligaspielen hat Dornebusch ganze 15 Gegentore zugelassen, bei knapp 12 erwarteten. Ein klares Indiz dafür, dass einige Gegentore durch Torwartfehler entstanden sein dürften. Meyer stelle Jasi wieder als Nummer eins zwischen die Pfosten – und verzeichnete damit zumindest einen kleinen Erfolg: Bei 42,5 erwarteten Gegentoren ließ er 41 zu.

Es fängt hinten an

Das Torwartspiel wird in der kommenden Saison einer der entscheidenden Faktoren sein, wenn es um den Klassenerhalt geht. Es ist klar, dass Fejzic mit seinen 35 Jahren nicht mehr das größte Entwicklungspotenzial hat. Dennoch kann es natürlich gut sein, dass er durch seine Erfahrung und Leader-Skills eine gute Zweitligasaison absolvieren kann. Sein Vertrag geht noch bis 2023. Ich gehe davon aus, dass er im nächsten Sommer seine aktive Profikarriere als Keeper an den Nagel hängt.

Leider bezweifele ich ein wenig, dass er nochmal so eine Wahnsinnssaison wie diese spielen wird. Gerade die höhere Spielklasse wird ihn noch mehr fordern. Laut den Datenanalysten von Global Soccer Network (GSN) hat Jasi nur gerade so Zweitligaformat. GSN begründet das so: „Das Torwartspiel wird ja immer komplexer. Da geht es um Dinge wie Ballverarbeitung, um Genauigkeit im Passspiel, beim Abwurf, beim Abstoß, um Kontereinleitung etc. Dazu auch physische Dinge wie der Antritt und das Tempo.“ Sie ergänzen: „Nur anhand der xGOT-Daten (erwartete Gegentore) [ist Jasi] top, sein Kerngeschäft macht er gut. Dazu natürlich auch Leader. Die Ansprüche an einen Torhüter in Liga 2 sind aber andere. Und da wird es ehrlicherweise knapp.“

Mittendrin statt nur dabei. Bild: bs1895.de

Diese Analyse kann ich nachvollziehen. In einer anderen Mannschaft, als bei unserem BTSV, hätte Jasi es vermutlich schwer, Stammkeeper zu bleiben. Hier sollte man allerdings auch Michael Schieles Fähigkeiten vertrauen. Laut GSN macht er die Mannschaft besser als sie eigentlich ist, zumindest was die Punkteausbeute betrifft. Ich traue ihm absolut zu, dass er einen Weg finden wird, um Jasi in der 2. Liga optimal einzubinden. Diesen Punkt jetzt ausführlich zu analysieren, hebe ich mir aber für ein anderes Mal auf. Doch für mich bleibt klar, dass wir in der kommenden Saison dringend eine starke Nummer zwei hinter Jasi brauchen!

Werfen wir also einen Blick auf mögliche Optionen.

Option 1: eigener Nachwuchs

Hat die Eintracht im Kader jetzt schon eine starke „Numero Dos“ hinter Jasi? Wie steht es um Yannik Bangsow? Ich hoffe, dass der 24-Jährige am Samstag gegen Viktoria Köln seine Chance zwischen den Pfosten bekommt. Es könnte somit ein ganz wichtiges Spiel für seine Zukunft werden. Auch hier schließt sich wieder ein Kreis, denn zuletzt war Bangsow an die Kölner ausgeliehen, da er für unsere damalige Aufstiegsmannschaft 2020/21 keine Rolle spielte.

Weil er bisher wenig Spielzeit bekam, ist seine aktuelle Leistung nur sehr schwer einschätzbar. Ich habe Bangsow im Februar kurz analysiert. Die GSN-Daten sagten damals, dass Bangsow ein „Grenzspieler“ ist, den man in seinem Kader auch in der 2. Liga als Ergänzungsspieler gebrauchen kann. Nun ja… bereits damals beschrieb ich ihn also als Ergänzungsspieler. Er besitzt zwar noch Luft nach oben, doch das Potenzial ein moderner 2.Liga-Stammkeeper zu werden ist im Grunde nicht eindeutig genug. Doch wegen der fehlenden Spielpraxis in den letzten Jahren lässt sich der aktuelle Ist-Zustand nur schwer prüfen. Ich würde es aber begrüßen, wenn er mindestens als Nummer 3 bleiben würde.

Bei Jan Bauer und Lennart Schulze Kökelsum brauchen wir, von den Daten her, nicht ernsthaft über ihre Chance als Stammkeeper zu diskutieren. Sie besitzen GSN zufolge gerade so das Potenzial für die 3. Liga.

Option 2: externe Verstärkungen

Gerade weil außer Yannik Bangsow die Optionen auf der Torhüterposition etwas dünn sind, sollte Eintracht sich auf jedem Fall umschauen. Hier könnten Absteiger, oder im Fall von Dynamo Dresden ein möglicher Absteiger, aus der 2. Liga eine Lösung im Angebot haben. Ich bespreche hier ein paar interessante Namen, die aus Sicht der Daten gut genug sein könnten, Eintracht-Stammkeeper zu werden. Allerdings muss ich hier einschränken, dass ich wegen unvollständiger Datenlage diesmal nicht den Spielstil der Herren analysiert habe. Ich konzentriere mich hier ausschließlich auf die generelle Tauglichkeit für die 2. Liga.

Um die Zweitligatauglichkeit zu messen, habe ich das sogenannte SPR-Rating benutzt. „Soccerment Performance Rating“ (SPR) ist ein Rating-Index basierend auf den Algorithmen von Soccerment. Man kann dadurch die Leistung von Fußballspielern evaluieren. Um die Sache kurz zu machen: Hat ein Spieler ein Rating von mehr als 35, deutet das darauf hin, dass der Spieler in der 2. Liga gut performt. In der Abstiegssaison 2020/21 hatten die Eintrachtspieler ein Durchschnittsrating von 34. Mit einem Rating von 36 oder mehr ist noch keine Mannschaft abgestiegen, zumindest seit es das System gibt. Um es banal auszudrücken: Ein Spieler mit 36+ SPR-Rating kann als eine Verstärkung für das Team gelten.

Deswegen habe ich bei zwei Dresdner Spielern ein sehr gutes Gefühl: Kevin Broll und Anton Mitryushkin. Beide haben in der laufenden Saison bei Dresden gut performt. Broll hat einen SPR-Wert von 45, Mitryushkin immerhin noch einen von 39. Broll ist der eigentliche Stammkeeper in Dresden und kann eine starke Leistung vorweisen. In fast 2.700 Minuten hat er von 41 erwarteten Gegentoren nur 37 zugelassen. Der 26-Jährige hat allerdings einen Vertrag bis 2024 und wäre somit wohl nur eine Option, wenn Dresden absteigt und er eine Ausstiegsklausel besitzen sollte. Da Broll aber dem Index nach sogar der beste Torwart in Liga 2 ist, dürfte er sich nach einem möglichen Abstieg Dresdens eventuell sowieso nach einem neuen Verein umschauen, der mindestens in der 2. Liga aufläuft. Ob er dann allerdings ablösefrei zu haben ist und sich für unseren „kleinen Pissverein“ (Totte L.) entscheiden würde, bleibt mindestens fraglich.

Anton Mitryushkin und Kevin Broll im Soccerment -Vergleich. Screenshot: Soccerment

Anders ist die Sache bei Anton Mitryushkin, dessen Vertrag diesen Sommer endet. Er hat lange in der Schweiz beim FC Sion gespielt und in dieser Saison von 10 möglichen Gegentoren nur 8 zugelassen. Der 26-Jährige sucht, so liest man, einen Klub, in dem er Stammkeeper werden könnte. Ihn sollte man sich bei der Eintracht also aus meiner Sicht genauer ansehen. Eventuell könnte man ihn mit dem Versprechen, zukünftiger Stammkeeper zu werden, ohne Ablöse für sich gewinnen. Die weltpolitischen Ansichten des jungen Russen sollen laut Zeitungsberichten zudem in keinem großen Konflikt zur landläufigen Meinung stehen, also sollte auch das kein Thema sein.

Bei den feststehenden Absteigern könnte Robert Jendrusch aus Ingolstadt interessant sein. Mit einem SPR-Rating von 36 konnte er in 700 Minuten bei rechnerisch 16 Gegentoren ganze 7 davon verhindern. Der 25-Jährige bringt somit von den Daten her Zweitliganiveau mit und konnte sich im SPR-Rating auch von seiner Konkurrenz in Ingolstadt (Buntic, SPR 32 / Stojanovic, SPR 31) absetzen.

Gerne hätte ich mit Hilfe des SPR-Ratingssystems auch die 3. Liga analysiert, doch gibt es dazu leider keine Daten. Ich denke jedoch, dass andere Datenfirmen diese Lücke sehr passabel schließen können.

Fazit

Jasi ist durchaus in der Lage, noch eine gute Zweitligasaison im Tor zu meistern. Sicherheitshalber sollten sich die Verantwortlichen unserer Eintracht dennoch um einen möglichen Nachfolger bemühen, der spätestens nach dem hoffentlich erfolgreichen Klassenerhalt die Rolle des Stammkeepers übernehmen kann.

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