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Der Mann der Mitte

6 min read
Eine Datenanalyse über Robin Krauße.

Moin Löwen!

Robin Krauße verkörpert bei der Eintracht viele Dinge. Fußballerisch hat er vor allem Nehmerqualitäten. Unvergessen das Auswärtsspiel in Mannheim Anfang März, als die Partie für Krauße eigentlich vorbei schien, nachdem er von Marc Schnatterer mit den Stollen am Kopf getroffen wurde und einen stark blutenden Schnitt davontrug. Robin spielt mit Turban weiter und die Eintracht gewann auswärts 3:0.

Ob man mit einer solchen Kopfverletzung weiterspielen sollte? Aus meiner Sicht: eher nein. Doch die Hero­i­sie­rung von Verletzungen ist ein anderes Thema. Die Szene war sinnbildlich für Kraußes Einsatz bei der Eintracht: Immer weiter laufen, kämpfen, den Gegner stören und zu Fehlern zwingen. Er ist ein absoluter Dauerbrenner, der schon 2.800 Minuten in dieser Saison auf dem Buckel hat. Das sind die viertmeisten in der ganzen Mannschaft.

Ein echter Löwe. Bild: bs1895.de

Für die Sechser-Position hatte ich vor einiger Zeit bereits Jannis Nikolaou analysiert. Bei Jannis war ich mir ziemlich Sicher, was ich bei seinen Daten finden würde. Bei Robin war ich mir unsicher. Was würden mir seine Statistiken verraten? Auch dieses Mal, wie so oft, haben mich die Daten überrascht und nicht 1:1 das wiedergeben, was ich von dem 28-Jährigen als Bild im Kopf hatte.

Tauchen wir also in die Analyse ein!

Batman und Robin

Mein ursprünglicher Gedanke zu diesem Beitrag war: Ich schreibe eine geile Geschichte über den Kämpfer Krauße im zentralen defensiven Mittelfeld. Doch schon bei der ersten Betrachtung der Stats musste ich zugeben, dass daraus wohl nichts wird. So ist es eher sein Nebenmann auf der Sechs, Jannis Nikolaou, der in dieser Kategorie die Nase bei der Eintracht und auch im Ligaschnitt vorne hat. Für mich war es eine kleine Überraschung, dass Robin stattdessen bei den gefährlichen Aktionen mit Ball bessere Werte aufweist als Jannis. Doch der Unterschied ist letztlich so knapp, dass man daraus keine weitgehenden Schlüsse ziehen kann.

Der Kern des Schiele-Fußballs, den wir bisher erlebt haben, beinhaltet hohe Balleroberungen und schnelles Umschalten. Als am Samstag im Spiel gegen die Würzburger Kickers FWK-Torhüter Hendrik Bonmann das Spiel mit einem Kurzpass in der 53. Minute eröffnen wollte, war es unser fleißiger Gegenpresser Krauße, der den Ball gewann und direkt an seinen Mitspieler weiterleitete. Am Ende vergab Martin Kobylanski diese gute Chance. Es war nahezu eine identische Szene (der Torhüter wollte wieder einen flachen Kurzpass spielen, allerdings nicht aus einem Abstoß heraus), die eine Minute später zum Tor der Löwen führte. Nur dieses Mal war es nicht Robin, sondern Jannis, der den Ball eroberte.

Überhaupt scheint es so, als wäre eher Jannis der „Batman“ im Mittelfeld und Krauße… nun… eben der Robin an Batmans Seite. Was auf den ersten Blick vielleicht als Vergleich sehr harsch scheint, ergibt mehr Sinn, wenn wir noch tiefer in die Datenanalyse eintauchen. Denn was wäre Batman ohne seinen Robin?

Statistisches Mittelfeld

Wenn man Krauße mit seinen Ligakonkurrenten oder seinen Mitspielern im Zentrum vergleicht, fällt in seinen Statistiken eines auf: Es sind keine besonderen Stärken zu finden! Denn es gibt so gut wie keine statistische Kategorie, in der er triumphieren würde. Das Gegenpressing kommt da noch am nächsten, denn hier ist er mit 6,7 eroberten Bällen pro 90 Minuten ein Top20 -Sechser/Achter in Liga 3. Doch auch bei diesem Wert liegt sein Mitspieler Jannis mit 7,9 noch vor ihm. Tendenziell ist Robin in der Kategorie Offensive leicht besser. Doch das ist natürlich auch ein seiner offensiveren Ausrichtung geschuldet. In der Doppelsechs agiert er neben Nikolaou leicht nach vorne gerückt.

Das bemerkenswerte an Robin ist, dass er im Vergleich zu vielen anderen auch keine besonderen Schwächen besitzt. Seine Spielerrolle ist laut Global Soccer Network ein Ballerobernder Mittelfeldspieler – und daran orientiert sich auch seine Spielweise. Den Ball jagen, erobern, das Spiel vorantreiben und dann den Ball an kreativere Spielern abgeben. Er ist ein „Allrounder“, den man im Mittelfeld jederzeit einsetzen kann.

Der Mann in der Mitte. Bild: Wyscout.

Ich habe Robin auf seiner Position in der 3. Liga in ca. 80 Statistiken mit seinen Gegenspielern verglichen und wirklich keine hervorstechenden Schwächen oder Stärken erkannt. Am stärksten wirkt er im offensiven Bereich: Mit 3 Assists ist er ligaweit in den Top 10. Am schwächsten war sein Wert bei Dribbelaktionen, da er nur 0,9-mal pro Spiel ins Dribbling geht. Doch auch hier liegt z. B. Jannis Nikolaou noch knapp hinter ihm. Überhaupt haben die beiden eine identische Erfolgsquote bei ihren Dribblings von 53 %, die sich im ligaweiten Vergleich sehen lassen kann.

Bei der Menge an Duellen liegt Robin überraschenderweise eher im unteren Mittelfeld. Doch hat er hier eine ordentliche Erfolgsquote: Von 19 Duellen pro 90 Minuten gewinnt er ganze 10, was ihn wieder ins Mittelfeld der Statistik bringt. Trotz seiner „nur“ 179 cm gewinnt er zudem rund die Hälfte seiner Luftduelle. Wo er damit in der Statistik steht könnt ihr vermutlich schon erraten (ganz genau: im Mittelfeld).

Zur Not auch mit Turban. Bild: bs1895.de

Ich könnte jetzt noch zahlreiche andere Statistiken heranziehen, die aber keine besondere Geschichte erzählen würden. Ihn jetzt jedoch als „Mittelmaß“ abzustempeln wäre zu einfach und auch absolut falsch. Hier gilt klar das Motto: „Mache deine Schwächen zur Stärke“. Denn was nicht hervorstechend ausgeprägt ist, kann auch nicht außerordentlich schlecht sein. Krauße ist immer durchschnittlich exzellent. Ein gleichmäßiger Performer, ein Duracell-Hase, ein Marathonläufer. Quasi ein Ruhepol im Zentrum – ein Mann der Mitte eben. Er weiß, dass Fußball ein Mannschaftssport ist und dass es auf das große Ganze ankommt. Und gerade deshalb passt Robin so wunderbar zur aktuellen Eintracht!

Zukunft bei der Eintracht?

Mit seinen 28 Jahren ist Krauße nicht mehr der Jüngste im Kader. Sein Entwicklungsstand ist schon ziemlich fortgeschritten. Aktuell können wir uns voraussichtlich noch auf 2-4 Jahre auf dem aktuellen Niveau freuen. Er bringt durchaus Zweitligaqualität mit, kann sich aber in dieser Kategorie im Vergleich zu seinen Teamkollegen nicht wirklich absetzen. Als „durchschnittlich-exzellenter“ Fußballer wird er so lange laufen, kämpfen und Einsatz zeigen, wie man ihn lässt. Doch das birgt auch eine Gefahr. Braucht die Eintracht im Mittelfeld etwas Spezielles, beispielsweise eine besondere Qualität, die zu einer bestimmten Taktik passt, droht Robin Krauße aus meiner Sicht schnell der Platz auf der Bank. Seine „Allrounder“-Qualitäten und seine Erfahrung machen ihn aber auch zum perfekten Ergänzungsspieler in seinen späteren Jahren.

Deswegen ist es durchaus denkbar, dass Robin seinen Vertrag nach 2024 bei der Eintracht verlängern könnte, sollte er noch motiviert sein und sollte die Eintracht noch eine für alle Seiten zufriedenstellende Verwendung für ihn haben. Als Führungsspieler in der Startelf sehe ich ihn dann zwar nicht mehr. Doch als wichtiger Bestandteil des gesamten Teams hat er das Potenzial, noch länger bei der Eintracht zu bleiben.

Gerade weil er der Mann der Mitte ist.

Fazit

Robin Krauße ist ein Mann für alle Fälle. Ihn kann man jederzeit einsetzen und er wird eine sehr konstante, aber eben auch durchschnittliche Leistung auf den Platz bringen. Aktuell ist er mit seiner Spielerrolle und als Arbeiter-Typ genau der richtige Mann für unser Mittelfeld. Er sollte aber nicht über die Maßen enttäuscht sein, wenn er sich in den kommenden Jahren früher oder später als Joker auf der Bank wiederfindet. Dennoch sollte er genau wegen seinen „Allrounder“-Qualitäten langfristig für die Eintracht ein wichtiges Rädchen im Mannschaftsgefüge sein.

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