Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Pherai-Rückkehr oder ein neues Gesicht?

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Mit Beginn des neuen Jahres beginnt auch das Wintertransferfenster der Saison 2025/26. Nach inzwischen etablierter Tradition werden in diesem Artikel erneut einige Spieler vorgestellt, die sinnvolle Neuzugänge für die Eintracht sein könnten.

Dieses Jahr habe ich mich zunächst nach einem kreativen Halbraumspieler umgeschaut. Im System, das Backhaus mittlerweile spielen lässt, gibt es gleich 2 Halbraumspieler. Sie agieren zwar beide hinter der Spitze Yardimci und tauchen in den Aufstellungsgrafiken stets nebeneinander auf, übernehmen aber verschiedene Rollen: Der formstarke Conteh weicht viel auf Außen aus und steht grundsätzlich etwas offensiver als der immer besser werdende Heußer, der sich eher in der Zentrale aufhält. Letzterer scheint auch für die Kreativität im Offensivverbund zuständig zu sein.

Neben Heußer haben auf dieser Position bereits Johan Gómez und Lino Tempelmann gespielt. Gómez durfte zuletzt jedoch auf der rechten Schiene an und machte seine Sache nicht schlecht. Lino Tempelmann hingegen war lange verletzt und dürfte in der Rückrunde sein Comeback feiern. Aufgrund seiner Box-to-Box-Qualitäten dürfte er aber von einer tieferen Position profitieren, wie etwa auf der Doppelsechs. Auf dieser Position ist er unter Scherning in der Rückrunde der vergangenen Saison aufgrund seiner Leistungen zum Lieblingsspieler der Eintracht-Fans geworden. Backhaus könnte sich also dafür entscheiden, Tempelmann auf die Doppelsechs zu stellen. Um für mehr Qualität und Breite in der Offensive zu sorgen, habe ich nach Spielern gesucht, die mindestens eine Herausforderer-Rolle gegenüber Heußer einnehmen könnten. Einigen dürften ihn jedoch auch verdrängen können.

Emir Sahiti (27), Hamburger SV

Mein erster Vorschlag kommt vom Hamburger Sportverein: Emir Sahiti trat in der letzten Saison insgesamt 22 Mal in der zweiten Bundesliga für den HSV auf. Seit dem Bundesliga-Aufstieg ist er jedoch außen vor. Lediglich an den ersten beiden Spieltagen durfte er für die Rothosen ran, teilweise wurde er gänzlich aus dem Kader gestrichen.

Der 27-Jährige ist eigentlich Rechtsaußen. Allerdings handelt es sich bei der Halbraumposition von Heiner Backhaus – wie der Name bereits andeutet – um eine Mischposition. Aus diesem Grund kann auch ein gelernter Rechtsaußen auf dieser Position funktionieren. Regelmäßig fand sich Sahiti auch beim HSV im Zentrum wieder und zeigte auch dort eine gute Entscheidungsfindung.

Durch seine guten Dribblings schafft der Kosovare Räume für seine Mitspieler und kann auch mit Vorbereiter-Qualitäten überzeugen. Beides war noch zu seiner Zeit bei Hajduk Split besser als in Deutschland, aber auch die Werte beim Hamburger SV sind ordentlich: Bei den Hansestädter kreierte er 0,13 xA und hatte bei rund 58 % seiner knapp 4 Dribblings p90 Erfolg. In Kroatien waren es auf die Saison 22/23 und 23/24 gesehen noch 0,2 xA p90 und 6 Dribblings p90 mit 56 % Erfolgsquote. Knüpft er an die Werte aus Kroatien an, wäre er ein herausragender Kreativspieler für die blau-gelbe Offensive, doch auch mit den bereits in der zweiten Bundesliga gezeigten Leistungen kann er die Eintracht in diesem Bereich verstärken.

Sahiti hat ein gutes Auge für Steckpässe, sowohl hinter die Kette als auch in die Zwischenräume der gegnerischen Defensive. Mit seiner Schnelligkeit (auch mit Ball) eignet er sich zudem gut für Konter.

Torgefahr hatte er dagegen eher an der Elbe: In der vergangenen Zweitligasaison kam er auf 0,28 xG und verdoppelte damit seine Werte aus der kroatischen Liga. Diese Unterschiede sind unter anderem auf die verschiedenen Spielsysteme zurückzuführen. Auf der Halbraumposition wäre von ihm allerdings eher Kreativität gefragt, wobei auch eine gewisse Torgefahr weiterhelfen würde.

Dazu zeigt er herausragende Defensivstatistiken und zwar bei allen seiner kürzlichen Stationen. Seine durchschnittlich mehr als 6 Defensivduelle p90 mit einer Erfolgsquote von knapp mehr als 60 % passen wie die Faust aufs Auge zu Backhaus‘ Anforderungen. Auch mit knapp 6 Ballabfangaktionen p90 überzeugt Sahiti auf ganzer Linie.

Wegen seiner aktuellen Spielzeit wird der eifrige Kosovare sicherlich verfügbar sein. Benny Kessel hatte jedoch jüngst angekündigt, nur langfristige Verstärkungen verpflichten zu wollen. Ob Eintracht Braunschweig Sahiti über eine Halbjahresleihe hinaus für ein Engagement überzeugen kann, dürfte fraglich sein. Er wird beim HSV einen deutlich besser dotierten Vertrag besitzen, als die Eintracht ihm bieten könnte. Zudem ist er mit 27 im besten Fußballeralter und wird entsprechend Geld verdienen wollen. Ersteres könnte seine Verpflichtung für den BTSV allerdings auch deutlich attraktiver machen.

Koji Miyoshi (28), VfL Bochum

Ähnlich wie Backhaus hat Koji Miyoshi bereits viel von der Welt gesehen: Japan, Belgien, England und Deutschland sind bereits in seinem Reisepass markiert. In Deutschland kam der von Bochum im Sommer 2024 verpflichtete Japaner aber nie nachhaltig über die Jokerrolle hinaus. Miyoshi hat in seiner Karriere bereits auf beiden Außen und auf der 10 gespielt. Das könnte ihn auf den Plan der Eintracht rufen.

Wie auch Sahiti ist Koji Miyoshi ein guter und wendiger Dribbler. Er geht ebenso häufig ins Dribbling, ist aber im Ergebnis etwas weniger erfolgreicher. Nichtsdestotrotz kreiert er unter anderem wegen dieser Dribblings Chancen für seine Mitspieler: Seit 2022 kam er in den Saisons, in denen er mindestens 500 Spielminuten spielen durfte, auf durchschnittlich knapp 0,16 xA p90. Mit seinem guten Antritt eignet sich der 28-Jährige außerdem bestens für die blau-gelben Umschaltsituationen.

Mit 0,25 xG p90 bringt er auf dem Papier eine gute Torgefahr mit. Allerdings zeigt er Schwächen in Sachen Entscheidungsfindung und Abschluss, sodass er aus diesen durchaus guten Situationen bis hierhin wenig Ertrag hatte. Seine Torquote beträgt unter 10 %. Kann er sich in diesen Disziplinen aber verbessern und nähert sich seinem erwarteten Wert, könnte ihn das neben einem kreativen auch zu einem ebenso torgefährlichen Halbraumspieler machen.

Auch der 1,67m-Mann agiert defensiv diszipliniert und eifrig. Seine guten Defensivwerte sind nicht nur dem Bochumer Bundesligafußball geschuldet, denn auch bei seinen Stationen in Antwerpen und Birmingham zeichnet er sich durch eine sehr gute Defensive aus. Die hohe Anzahl an Defensivduellen und Ballabfangaktionen passen gut in das Pressingkonzept von Backhaus.

Bochum könnte aufgrund der geringen Einsatzzeit bereit sein, Miyoshi abzugeben. Eintracht dürfte für die Verantwortlichen an der Castroper Straße allerdings aufgrund des schlechten Saisonstarts des VfL direkte Konkurrenz darstellen, was eine Verpflichtung komplizierter machen könnte. Auch müsste man sich in Bochum sich damit abfinden, dass die Eintracht nicht die 400.000 € zahlen kann, die tief aus dem Westen nach England geflossen sind.

Immanuel Pherai (24), Hamburger SV

Pherai ist wohl der erste Spieler in dieser Serie, der keine weitere Vorstellung bei den Blau-Gelben benötigt. Auch wenn Rückholaktionen etwas witzlos sind, könnte diese hier für alle Parteien Sinn ergeben. Der Nationalspieler von Suriname darf seit dem Bundesliga-Aufstieg kaum noch für den HSV spielen. Auch in der Aufstiegssaison kam er nicht auf viel Einsatzzeit, was unter anderem an seinen altbekannten Verletzungsproblemen lag. Lediglich in seiner ersten Spielzeit in Hamburg konnte er sich über viele Minuten freuen.

Grundsätzlich kann man seit seinem Wechsel zum HSV von einer Stagnation bzw. einem Rückgang sprechen. In vielen Statistiken zeigt sich Pherai schlechter. Nicht aber in Sachen Kreativität. Insbesondere in seiner ersten Saison an der Elbe konnte sich Pherai sogar verbessern und seine xA p90 auf 0,21 steigern (Bei Eintracht 0,19). Auch der Wert in der Aufstiegssaison lässt sich sehen: 0,16 xA p90. Seine Kreativität hat der Braunschweiger Starspieler der 22/23-Saison jedenfalls nicht verloren.

Allerdings hat Pherai bei der Torgefahr Rückschritte gemacht. Von herausragenden 0,32 xG p90 bei der Eintracht kommt er nunmehr beim HSV durchschnittlich auf rund 0,1 xG p90. Das kann zumindest teilweise auch am taktischen System liegen.

Aus einer defensiven Perspektive hat sich Pherai beim HSV sogar verbessert, was sicherlich auch dem taktischen Konzept von Steffen Baumgart geschuldet ist. Durchschnittlich knapp 6 defensive Duelle p90 mit einer Erfolgsquote von knapp 50 % lassen sich durchaus sehen. Er dürfte keine Probleme haben, sich in das Backhaus-System einzugliedern.

Probleme bereiten tut ihm allerdings sein eigener Körper. Auch Eintracht-Fans kennen seine Verletzungssorgen bereits. Nachdem er in der Saison direkt nach seinem Wechsel zum HSV weitestgehend fit geblieben war, verpasste er in den vergangenen 1,5 Jahren satte 14 Pflichtspiele. Die Statistiken zeigen aber auch, dass er besonders dann gut spielt, wenn er viele Spielminuten sammelt.

Eine Pherai-Rückkehr wäre sicherlich risikobehaftet. Allerdings könnte das eines sein, das sich lohnt. Pherai würde die offensive Qualität der Eintracht sofort in neue Sphären heben – sofern er fit bleibt. Aufgrund des Endjahressprints hat sich die Lage bei der Eintracht wieder etwas beruhigt, sodass Benny Kessel möglicherweise bereit ist, dieses Risiko einzugehen. Der HSV dürfte ihm vermutlich keine Steine in den Weg legen, allerdings müsste Pherai für den BTSV auf Gehalt verzichten.

Bonus: Keano Vanrafelghem (22), KV Mechelen

Aktiven Leser dieser Serie dürfte dieser Name ein Begriff sein. Ihn hatte ich im Sommer bereits vorgeschlagen. Seit seinem Wechsel aus der zweiten belgischen Liga zu Lauberbach’s KV Mechelen konnte er sich nicht an viel Spielzeit erfreuen. In dieser Saison lag dies vor allem an einer Verletzung. Inzwischen ist der junge Belgier aber wieder fit und war insbesondere für die zweite Mannschaft von Mechelen in der 4. belgischen Liga aktiv (4 Spiele, 2 Tore & 1 Assist). Zuletzt durfte er auch für 1 Minute in der Jupiler Pro League ran. Ich halte ihn noch immer für ein sehr gutes Talent, das bei den blau-gelben den nächsten Schritt gehen könnte. Insofern empfehle ich noch einmal die Lektüre des Artikels aus dem Sommer.

Fazit

Das Wintertransferfenster ist immer deutlich träger und schwieriger als im Sommer. Allerdings wird es sicherlich auch im Januar einige Möglichkeiten für Benny Kessel geben, gute Einkäufe für die Eintracht zu machen. Die vorgeschlagenen Kandidaten könnten aufgrund der mangelnden Spielzeit alle einen Grund haben, den Arbeitgeber zu wechseln. Ob der BTSV zuschlägt, wissen wir wie immer erst nach Schluss des Fensters.

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