Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Ein Déjà-vu

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Die Eintracht-Fans fühlten sich am Samstagnachmittag an die Vergangenheit erinnert. Allerdings nicht auf die positive Art und Weise. Wieder mal ging die Eintracht unter. Wie so oft in der vergangenen Saison setzte es eine nicht hinnehmbare Anzahl an Gegentreffern und wieder mal sah man gegen den SV Elversberg ganz alt aus. Vor über 20.000 Zuschauern mussten die Blau-Gelben eine 1:4-Niederlage hinnehmen. Und die ging in Ordnung, auch wenn sie etwas zu hoch ausfiel. Das war offensiv wie defensiv einfach zu wenig, um in der 2. Bundesliga zu bestehen. Ausgerechnet Younes Ebnoutalib, der 2022 als Probespieler im Sommer-Trainingslager der Eintracht teilnahm, schoss die Löwen mit einem Doppelpack ab. Der vierte Platzverweis der noch sehr jungen Saison war am Ende wieder einmal spielentscheidend.

Eintracht-Coach Heiner Backhaus entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW, C) – Kevin Ehlers, Florian Flick, Louis Breunig (46. Patrick Nkoa) – Mehmet Can Aydin, Robin Heußer (63. Gelb-Rot), Fabio di Michele Sánchez – Max Marie (81. Sidi Sané), Leon Bell Bell (60. Johan Gómez) – Christian Conteh (67. Levente Szabó), Erencan Yardimci (67. Sebastian Polter)

Kurz nach Anpfiff erspielten sich die Saarländer eine Ecke. Diese wurde auch gefährlich, doch am Ende kam kein Abschluss dabei heraus und die Löwen konnten sich befreien. Daraus entstand ein brandgefährlicher Konter, doch Leon Bell Bell verpasste den richtigen Zeitpunkt für ein Abspiel, und als er dann den Steckpass suchte, geriet dieser auch noch zu ungenau. Die Anfangsviertelstunde war noch nicht vorbei, als die Eintracht den Zugriff verlor. Über Conde und Keidel kam der Ball zu Zimmerschied, der Poreba in Szene setzte. Dieser zog aus elf Metern ab. Dabei traf die HSV-Leihgabe den Ball nicht richtig, doch kurz vor dem Tor reagierte Ebnoutalib schneller als di Michele Sánchez und drückte die Kugel über die Linie. Der erste Schuss aufs Tor und gleich drin, das 0:1.

Zwei Zeigerumdrehungen danach spielte Florian Flick einen ungenauen Rückpass auf Thorben Hoffmann, der nicht mehr an den Ball kam. Doch die Kugel trudelte links vorbei. Auf der anderen Seite kam Christian Conteh nach einem Steckpass von Fabio di Michele Sánchez aus spitzem Winkel zum Abschluss, wurde aber geblockt. Die folgende Ecke brachte nichts ein. Die Eintracht war nun aber da und setzte nach. Conteh war im Laufduell gegen Pinckert auf dem linken Flügel klarer Sieger, seine flache Flanke mit dem Außenrist rutschte bis auf den rechten Strafraumrand durch. Dort schlug Mehmet Can Aydin die nächste Flanke, dieses Mal hoch. Am zweiten Pfosten setzte sich Erencan Yardimci im Luftduell durch und köpfte das Leder in die linke Ecke. Der schnelle Ausgleich, 1:1!

Die Eintracht war in den folgenden Minuten am Drücker, kam aber nicht zum Abschluss und wurde dann von der Trinkpause ausgebremst. Dennoch gehörte der nächste Abschluss den Blau-Gelben. Conteh zog in den Strafraum und ging zu Boden, Robin Heußer zog von der Strafraumkante ab. SVE-Keeper Kristof konnte nur klatschen lassen. Doch bevor ein Löwe nachsetzen konnte, ertönte ein Pfiff. Der Schiedsrichter hatte den Sturz von Conteh als Schwalbe gewertet und das, obwohl dieser nicht reklamiert hatte. Eine sehr harte Entscheidung des nicht immer glücklichen Schiedsrichters. Wenig später wertete der Unparteiische eine ähnliche Szene völlig anders und gab Freistoß für die Gäste am linken Strafraumrand. Diesen konnten die Blau-Gelben zwar klären, einen Einwurf für den Teilnehmer der Bundesliga-Relegation gab es aber trotzdem. Dieser wurde weit in den Strafraum geschleudert, wo die Löwen die Kugel nicht geklärt bekamen. Gyamerah zog aus 15 Metern ab, Louis Breunig fälschte den Ball ebenso unglücklich wie unhaltbar ab, das Leder schlug unten rechts ein. Der erneute Rückstand, das 1:2.

Drei Minuten später landete eine Flanke von Keidel bei Petkov, der gegen mehrere Blau-Gelbe zum Abschluss kam. Thorben Hoffmann packte aber sicher zu. Kurz darauf hielt Flick bei einem echten Fernschusskracher von Zimmerschied den Kopf hin, konnte nach einer kurzen Behandlung aber weitermachen. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit holte Conteh eine Ecke raus, die aber erneut ungefährlich blieb. Auf der anderen Seite landete schon wieder ein Rückpass im eigenen Tor, dieses Mal war es Breunig, der die Kugel knapp neben das eigene Tor setzte.

Dann war Halbzeit. Die Gäste hatten deutlich mehr vom Spiel, während die Eintracht kaum Offensivaktionen aus dem Pressing generieren konnte und auch sonst nur einen Schuss aufs Tor brachte. Dieser war aber immerhin drin. Ähnlich effektiv zeigten sich die Elversberger, die drei Schüssen aufs Tor zwei Tore erzielten. Die Defensive wirkte etwas verunsichert. Trainer Heiner Backhaus reagierte und brachte Patrick Nkoa für Louis Breunig.

Und dieser hatte auch gleich den ersten Abschluss. Wieder war es Christian Conteh, der eine Ecke rausholte. Diese schlug Max Marie auf den Kopf von Patrick Nkoa, der das Leder aus zehn Metern aber nicht aufs Tor drücken konnte. Fünf Minuten später war es erneut Nkoa, der nach einer Freistoßflanke von Leon Bell Bell zum Kopfball kam. Dieses Mal touchierte die Kugel die Oberkante der Latte. Ein Treffer hätte aber ohnehin nicht gezählt, da die Löwen zuvor gefoult hatten. Eine Zeigerumdrehung danach setzte Fabio di Michele Sánchez links im Strafraum Christian Conteh in Szene, der mit einem schnellen Haken eine Lücke aufriss und sofort abzog. Der hätte wohl gepasst, doch ein Abwehrspieler warf sich noch dazwischen und konnte blocken.

Jetzt war die Eintracht da und tauchte immer wieder gefährlich am Strafraum der Gäste auf. Diese zogen immer wieder das taktische Foul und kamen dabei recht häufig sogar ohne Karte davon. Nicht so bei dem Foul von Pinckert, der Conteh kurz vor dem Strafraum zu Fall brachte. Mehmet Can Aydin knallte den fälligen Freistoß auf die linke untere Ecke, Torwart Kristof konnte die Kugel mit den Fingerspitzen gerade noch um den Pfosten lenken. Zwei Minuten danach wurde Yardimci im Strafraum rustikal umgecheckt. Das hätte wohl auch Strafstoß gegeben, allerdings stand der Stürmer im Abseits. Doch die stärkste Phase der Löwen wurde jäh unterbrochen. Robin Heußer leistete sich im Mittelfeld einen unnötigen Ballverlust, rannte seinem nur Augenblicke zuvor eingewechselten Gegenspieler hinterher und versuchte seinen Fehler mit einer riskanten Grätschte auszubügeln. Doch das misslang völlig und so sah der Mittelfeldspieler nach seinem klaren Foul folgerichtig Gelb-Rot. Das vierte Mal in Unterzahl am sechsten Spieltag.

Nach dem fälligen Freistoß brannte es lichterloh im Eintracht-Strafraum, doch alle Abschlüsse der Gäste konnten geblockt werden. Im Gegenzug konterten die Löwen und Keidel verhinderte mit einem Klammern, dass Johan Gómez völlig unbedrängt an den rechten Strafraumrand vordringen konnte. Eine Gelbe Karte für das klare taktische Foul gab es nicht, dafür für die reklamierende Bank der Löwen. Trainer Backhaus wollte anschließend frischen Wind in die Offensive bringen. Szabó und Polter ersetzten Conteh und Yardimci. Allerdings ebbte der Offensivdrang der Eintracht damit völlig ab. Symbolisch dafür der flach ausgeführte Freistoß von Fabio di Michele Sánchez, der aus dem Halbfeld am ersten Gegenspieler hängen blieb.

Stattdessen wurde es auf der anderen Seite gefährlich: Poreba steckte auf Ebnoutalib durch, der Nkoa davonrannte und freie Bahn hatte. Doch Thorben Hoffmann blieb lange stehen und behielt im direkten Duell die Oberhand. Fünf Minuten später kam Nkoa rechts im Strafraum zum Abschluss, wurde aber geblockt und auch der Nachschuss von Flick blieb hängen. Wenige Augenblicke danach ging Polter nach einer Flanke zu Boden, aber das war zu wenig für einen Strafstoß. Dennoch reklamierten einige Löwen und verloren dabei wohl die volle Konzentration. Denn im direkten Gegenzug ließ Stange rechts vor dem Strafraum viel zu einfach stehen und spielte die Kugel in die Gefahrenzone. Dort stand Nkoa nicht gut gegen Ebnoutalib, der aus dem Rücken des Innenverteidigers durchstartete und die Kugel ins Tor drückte. Die Vorentscheidung, das 1:3.

Ein paar Minuten danach gab es nach einem Foul an Gómez am rechten Strafraumeck erneut Freistoß aus gefährlicher Position, dieses Mal knallte Aydin die Kugel aber deutlich über den Querbalken. Eine Zeigerumdrehung später bediente Gómez auf der linken Seite Sidi Sané, dessen Schlenzer aus leicht spitzem Winkel über die Köpfe von Polter und Szabó flog und rechts neben dem Tor ins Aus ging. Vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit spazierte Stange über den linken Flügel. Kein Löwe schien die HSV-Leihgabe stören zu wollen und so spielte der Deutsch-Brasilianer den Ball vom Strafraumrand mit dem Außenrist vors Tor. Fabio di Michele Sánchez kam nicht an den Ball, Florian Flick verlor das Laufduell und so kam Schmahl mit einem langen Bein an den Ball und bugsierte die Kugel mit einer gehörigen Portion Glück irgendwie an Torwart Thorben Hoffmann vorbei. Das 1:4.

In der Nachspielzeit veranstalteten die Gäste ein echtes Scheibenschießen im Braunschweiger Strafraum. Doch sämtliche Schüsse von Schmahl, Poreba, Stange, Keidel und Ebnoutalib wurden geblockt. Kurz darauf packte Hoffmann bei einem Schuss von Sickinger aus 20 Metern sicher zu. In den letzten Zügen der Nachspielzeit versuchte es Stange noch einmal aus der zweiten Reihe: drüber.

Dann war Schluss. Die Eintracht hatte sich in ihrer stärksten Phase selbst bestraft, in der Zeit vor und nach dieser Phase aber in allen Belangen einfach zu wenig gezeigt. Wie in den meisten Spielen in dieser Saison wurden die Blau-Gelben viel zu selten zwingend gefährlich und brachten wieder einmal nur wenige Bälle auch mal Richtung Tor. Zudem kassierten die Löwen bereits im fünften Pflichtspiel ein Tor in den letzten fünf Minuten. Noch unglaublicher ist aber die Statistik der Platzverweise. Dreimal Rot, einmal Gelb-Rot in sechs Liga-Spielen, das klingt nicht wie Profi-Sport. Gegen Münster muss ein anderes Gesicht her.

Bis dahin

Euer Kivi

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