Die Quittung
6 min readDie Eintracht zog offensichtlich die völlig falschen Schlüsse aus der erschreckend schwachen Niederlage in Elversberg und tritt im letzten regulären Ligaspiel der Saison auf wie ein Absteiger. Zum wiederholten Male zeigte sich die Mannschaft von Trainer Daniel Scherning nicht zweitligareif. Ein Auftreten, das weit von einer Ausnahme entfernt ist. Bereits nach 30 Minuten lagen die zahmen Löwen mit 0:3 zurück und halfen dabei auch noch kräftig mit. Nach dem 0:4-Pausenstand nahm der 1. FC Nürnberg gleich mehrere Gänge raus, war aber lange Zeit dennoch näher am fünften Tor als die Blau-Gelben am Ehrentreffer. Doch es sollte nicht das fünfte Saisonspiel mit fünf Gegentoren werden, stattdessen traf Sebastian Polter mit viel Glück zum 1:4-Endstand vor ausverkauftem Haus. Nun geht es in die Relegation, die Quittung für zu viele schwache Auftritte.
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung, Thorben Hoffmann fiel kurzfristig krankheitsbedingt aus: Marko Johansson (TW) – Paul Jaeckel, Ermin Bičakčić (C), Sven Köhler (67. Jannis Nikolaou) – Marvin Rittmüller, Robin Krauße (38. Julian Baas), Leon Bell Bell (58. Fabio di Michele Sánchez) – Max Marie (38. Fabio Kaufmann), Lino Tempelmann – Rayan Philippe, Richmond Tachie (38. Sebastian Polter)

Drei Minuten waren gespielt, als Richmond Tachie einen Pass von Sven Köhler zu Lino Tempelmann weiterleitete. Dieser zog aus 20 Metern einfach mal ab, sein Flachschuss ging knapp links am Tor vorbei. Fortan spielten nur noch die Gäste, für die es sportlich um nichts mehr ging. Zwei Minuten danach landete der Ball über Antiste und Jander bei Emreli, der mit einem Haken in den Strafraum zog und freie Bahn hatte, Marko Johansson konnte aber parieren. Kurz darauf kam Antiste bei einer Ecke von Justvan am ersten Pfosten zum Kopfball, Johansson war gerade noch rechtzeitig in der kurzen Ecke und konnte parieren. Aus der folgenden Ecke entstand eine dritte auf der anderen Seite. Diese schlug Justvan erneut auf den ersten Pfosten, wieder setzte sich Antiste gegen Robin Krauße im Luftduell durch und verlängerte die Hereingabe. Wenige Meter vor dem Tor hatte sich Emreli davongestohlen und drückte die Kugel ins Netz. Der erste Tiefschlag, das 0:1.
Statt aufzuwachen, brachen die Löwen völlig ein. Gruber setzte wenig später Yilmaz in Szene, der aus der zweiten Reihe klar am Tor vorbeischoss. Zehn Minuten nach dem ersten Gegentreffer wurde Robin Krauße im Mittelfeld eigentlich wenig unter Druck gesetzt, spielte aber dennoch einen katastrophalen Fehlpass in die Füße von Antiste, der somit mit zwei Mitspielern an seiner Seite nur noch drei Löwen vor sich hatte. Diese sortierten sich nicht rechtzeitig, sodass der Ball von Justvan zu Emreli durchgesteckt wurde, der alleine vor Marko Johansson eiskalt blieb und die Kugel im linken Eck versenkte. Das 0:2.

Von den Blau-Gelben kam keine Reaktion, es lief einfach weiter wie zuvor. Ein Aufbäumen erwarteten die Fans vergebens. Wieder dauerte es zehn Minuten, dann verursachte Sven Köhler völlig unnötig und ungeschickt einen Freistoß an der rechten Eckfahne. Diesen zog Justvan direkt aufs Tor. Damit hatte Marko Johansson nicht gerechnet, schätze die Flugbahn falsch ein und kam nicht mehr an den Ball. Die Kugel schlug im linken Eck ein. Das 0:3.
Batz, Batz, Batz und schon war das Spiel gelaufen. Immerhin mussten die Eintracht-Fans nun nicht mehr nervös sein, bereits nach 30 Minuten war klar, dass es in die Relegation gehen wird. Beinahe hätte Rayan Philippe mit einer Einzelaktion nochmal das Eintracht-Stadion anzünden können, als er von Tachie den Ball kam, ein paar Schritte ging und aus etwas spitzem Winkel aus der Drehung abzog. Der Schuss mit seinem schwächeren Rechten rutschte knapp links vorbei. Kurz darauf wechselte Daniel Scherning dreifach. Für Max Marie, Robin Krauße und Richmond Tachie kamen Fabio Kaufmann, Julian Baas und Sebastian Polter in die Partie.

Baas führte dann auch die fällige Ecke aus. Von der Faust von Mathenia flog der Ball zu Marvin Rittmüller, dessen Volley-Direktabnahme als Querschläger Richtung Eckfahne rollte. Doch dort stand Julian Baas und zog sofort ab. Mit einer herrlichen Flugkurve klatschte das Leder ans rechte Lattenkreuz. Doch statt den Mut der Verzweiflung zu entfachen, gaben sich die Löwen noch vor der Pause auf. Justvan steckte auf Antiste durch, der aus leicht spitzem Winkel nicht an Johansson vorbeikam. Kurz darauf köpfte Antiste eine Flanke von Karafiat knapp rechts vorbei. Es lief bereits die Nachspielzeit, als Jander mit einem Steilpass aus der eigenen Hälfte Emreli in Szene setzte. Dieser lief einfach an Ermin Bičakčić vorbei, der große Temponachteile hatte und überhaupt nicht in den Zweikampf kam. Emreli hatte so aus 16 Metern viel Platz zum Schießen und vollstreckte in die linke Ecke. Das 0:4.
Dann war Halbzeit. Das Spiel war gelaufen, selbst wenn unter Umständen ein Remis gereicht hätte. Doch zu unterlegen waren die Löwen im ersten Durchgang gewesen. Wieder einmal. Was macht man als Fan in so einer Halbzeitpause? Ratlos in tausende traurige Gesichter gucken, schonmal ein Hotel im Saarland buchen oder einfach mit leerem Blick auf den Boden des leeren Bechers starren. Ein Trauerspiel. Mal wieder. Habe ich schon geschrieben, stimmt aber immer noch.

Auch im zweiten Durchgang hatten die Blau-Gelben an diesem rabenschwarzen Tag den ersten Abschluss. Wieder war es Tempelmann, der eine Flanke von Fabio Kaufmann mit dem Kopf erwischte. Den wenig druckvollen Kopfball hatte Mathenia aber ohne größere Probleme. Zwei Minuten später brach Emreli nach einer Kombination über Jander und Antiste frei durch und entschied sich alleine vor dem Tor für einen Lupfer. Doch das hatte Marko Johansson geahnt, fischte sich das Spielgerät und verhinderte den vierten Treffer von Emreli. Auf der anderen Seite legte sich Köhler vor eine Ecke mit mehreren Gegenspielern an und sah Gelb, der Frust saß hier auf der Tribüne und auf dem Platz tief.
Die anschließende Ecke servierte Rayan Philippe auf den zweiten Pfosten, wo Paul Jaeckel zum Kopfball kam, das Leder aus etwas spitzem Winkel aber an den linken Pfosten beförderte. Vermutlich hätte der Ball eh nicht seinen Weg ins Tor gefunden, da Kaufmann auf der Linie neben dem Pfosten im Weg gestanden hätte. Kurz darauf ballerte Köhler aus der zweiten Reihe über den Kasten. Auf der anderen Seite hatte wieder einmal Emreli viel Platz, dieses Mal hatte der gebürtige Braunschweiger Knoche die Vorarbeit geleistet. Aus 13 Metern scheiterte der Nürnberger aber am gut reagierenden Johansson.

20 Minuten vor dem Ende machten Sebastian Polter den Ball im Strafraum der Gäste fest und legte auf den völlig freien Fabio Kaufmann ab, der sich aus elf Metern für einen Flachschuss entschied. So konnte Knoche per Grätsche noch zur Ecke abfälschen. Diese klärten die Gäste an den Strafraumrand, wo Fabio di Michele Sánchez eigentlich etwas Zeit hatte, den Ball aber volley nahm. 15 Meter zu weit links, zehn Meter zu hoch, passte dann auch zum Spiel. Viel besser machte es Valentini auf der anderen Seite nach einer unzureichenden Faustabwehr von Johansson allerdings auch nicht. Hier fehlten aber nur etwa vier Meter.
Zwei Minuten später steckte Valentini auf Osawe durch, der unfassbar viel Platz im Strafraum hatte, aber zu lange überlegte und einen ungenauen Querpass spielte. Jaeckel klärte zur Ecke. Diese landete bei Osawe, der aber am Tor vorbei köpfte. Kurz darauf tauchte Emreli nach einem Konter gefährlich im Strafraum auf, missachtete aber den besser postierten Antiste und blieb mit einem Haken an einem Braunschweiger Abwehrbein hängen. Mit Ablauf der regulären Spielzeit schlug Philippe von der linken Seite eine eigentlich völlig harmlose Flanke, doch in der Mitte behinderten sich Justvan und Torwart Mathenia gegenseitig. Der Ball prallte zu Sebastian Polter, der aus fünf Metern ins leere Tor traf. Der bedeutungslose Ehrentreffer zum 1:4. Sarkastischer Torjubel, gefolgt von „Europapokal“-Gesängen, war die Reaktion der abermals bitter enttäuschten Fans.

Direkt danach war Schluss. Auf Nachspielzeit verzichtete der Schiedsrichter, denn diese wäre ja auch wirklich überflüssig gewesen. Als Schmankerl für die schlechte Saison dürfen wir also noch einmal ins Saarland, Gegner in der Relegation wird Saarbrücken sein. Der Glaube an einen Erfolg ist heute im einstelligen Prozentbereich, zu oft musste man sich nicht zweitligareife Leistungen ansehen. Zu oft spielte die Eintracht wie ein Absteiger. Die Blau-Gelbe Fanseele liegt zertrümmert am Boden. Nach den Klatschen auf Schalke, in Köln, in Düsseldorf, zweimal gegen Elversberg, in Fürth, gegen Hertha und den enttäuschenden Remis gegen die Aufsteiger im Eintracht-Stadion, sowie die glimpflich ausgegangenen Nicht-Leistungen in Ulm und Kaiserslautern, gab es mit einem erneuten Katastrophen-Auftritt heute die Quittung: Relegation.
Bis dahin
Euer Kivi

Kein Kommentar…..
Sollten am besten gar nicht erst antreten gegen Saarbrücken und uns die Schmach ersparen.