Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

Fluch und Segen

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Die Eintracht zeigt gegen die SV Elversberg eine fürchterlich schlechte Leistung und unterliegt klar mit 3:0. Über 90 Minuten war deutlich ein Klassenunterschied zu sehen, weite Teile des Blau-Gelben Auftritts war absolut nicht zweitligareif. Nach drei Gegentoren in zehn Minuten in der Anfangsphase ließen es die Hausherren etwas gemächlicher angehen, waren vor 9.100 Zuschauern aber stets näher am vierten Treffer als die Löwen dem ersten Tor. Denn der Scherning-Elf war im gesamten Spiel kein einziger Schuss aufs Tor der Gäste gelungen. Und so passierte das, was auf keinen Fall passieren sollte: Die Eintracht hat den direkten Klassenerhalt nicht mehr in der eigenen Hand und muss beim (vielleicht) letzten Heimspiel gegen Nürnberg nicht nur dringend punkten, sondern auch auf Patzer der Konkurrenz hoffen.

Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Paul Jaeckel, Sven Köhler (46. Ermin Bičakčić), Jannis Nikolaou (C) – Marvin Rittmüller (85. Fabio Kaufmann), Robin Krauße, Leon Bell Bell (55. Fabio di Michele Sánchez)- Julian Baas (31. Max Marie), Lino Tempelmann – Rayan Philippe, Richmond Tachie (46. Levente Szabó)

Für 4 Euro gab es vor dem Spiel eine weiße Rostwurst im Weck oder auch Bratwurst im Brötchen. Ketchup gab es aus der Tüte, aber sonst war das ganze durchaus in Ordnung, auch wenn man sich offensichtlich für die billigste Variante aller Brötchen entschieden hatte. Insgesamt eine 7/10.

Die knapp 1.500 mitgereisten Eintracht-Fans ließen den ausverkauften Gästeblock in Gelb erstrahlen, denn es war Motto-Fahrt. „Fluch und Segen“ prangte auf der Vorderseite und die Stimmung war gut. Doch das sollte sich schnell ändern. Von Beginn an wirkten die Löwen überfordert und deutlich unterlegen. Die Abschlüsse von Sahin uns Asllani wurden aber erstmal geblockt. Zehn Minuten waren gespielt, als Sven Köhler per Grätsche in höchster Not vor Asllani retten musste. Der Topscorer der Hausherren hätte nach dem Querpass von Petkov nur noch einschieben müssen.

Wenige Augenblicke danach brachten zwei Hackenpässe nach einem Einwurf von der linken Seite Zimmerschied im Löwen-Strafraum in Schussposition. Thorben Hoffmann parierte den Schuss aus sehr spitzem Winkel aber souverän. Die Blau-Gelben versuchten, das Spiel in Ruhe aufzubauen, ein Rückpass von Julian Baas misslang aber völlig und wurde zur perfekten Vorlage für Asllani, der versuchte Hoffmann zu umkurven, doch der Eintracht-Schussmann antizipierte überragend und schnappte sich das Spielgerät. Doch befreien konnten sich die Löwen nicht, der Ball kam nur wenige Sekunden später über den rechten Flügel Richtung Eintracht-Strafraum. Die flache Hereingabe von Petkov klärte Paul Jaeckel per Grätsche genau zu Asllani, der die unabsichtliche Vorarbeit nicht einmal annehmen musste, sondern zehn Meter vor dem Tor aus halbrechter per Direktabnahme in die linke Ecke zimmerte, Thorben Hoffmann war bei dem Geschoss absolut chancenlos. Das hatte sich angedeutet, die frühe Führung für den Tabellendritten, das 1:0.

Das war Gegentor Nummer 14 in der Anfangsviertelstunde, kein Team in der zweiten Liga kassierte in diesem Zeitraum mehr Tore, als die Braunschweiger Eintracht, der selber bisher nur fünf frühe Tore gelungen waren. Die Elversberger drückten sofort auf den nächsten Treffer und die heute zahnlosen Löwen ergaben sich ihrem Schicksal. Zimmerschied überrannte mit Ball Paul Jaeckel, zog nach innen und konnte fünf Meter vor dem Strafraum ungestört auf Petkov passen, der sehr frei stand und mit dem ersten Kontakt in den Lauf vom ebenfalls völlig freien Asllani spielte. Der nahm den Ball am linken Fünfer-Eck einmal an und chippte die Kugel dann auf den rechten Pfosten. Die Kugel rutschte zwischen Nikolaou und Köhler hindurch zu Damar, der das Leder aus der Luft in die kurze Ecke schob, wieder war Hoffmann chancenlos, das 2:0.

Doch damit nicht genug: Zimmerschied ging einem Pass energischer als Gegenspieler Jaeckel entgegen und leitete das Leder mit der Hacke zu Asllani, der sofort wieder in den Lauf von Zimmerschied legte. Jaeckel kam nicht mehr hinterher, Nikolaou wurde von Zimmerschieds Pass getunnelt. Der Ball kam zu Damar, der Jaeckel mit einer Finte aussteigen ließ und alleine vorm erneut chancenlosen Hoffmann eiskalt in die untere linke Ecke einschob. Der Doppelschlag, wobei man bei drei Gegentreffern in zehn Minuten auch von einem Dreifachschlag mitten ins Löwenherz sprechen kann: das 3:0 für Elversberg.

Ein paar Minuten danach hatte Damar auf dem rechten Flügel viel Platz und flankte an den langen Pfosten. Dort kam Asllani aus wenigen Metern zum Kopfball, doch Thorben Hoffmann war da und packte sicher zu. Eine halbe Stunde war gespielt, als Daniel Scherning reagierte. Stellvertretend für eigentlich alle Feldspieler traf es Julian Baas, für den Max Marie in die Partie kam. Doch statt einer Besserung sahen die mitgereisten Eintracht-Fans direkt danach die nächste Riesenchance für die Saarländer. Köhler verschätzte sich bei einem Pass vom Elversberger Schlussmann völlig und wurde anschließend von seinem Gegenspieler getunnelt. So waren der ballführende Asllani und Zimmerschied plötzlich völlig alleine in der Mittelfeldzentrale. Asllani schickte Zimmerschied auf die Reise, der alleine auf Thorben Hoffmann zulief. Der einzige Löwe mit Normalform blieb lange stehen und entschied das direkte Duell mit einer überragenden Tat für sich. Doch der Ball blieb heiß und Baum zog aus 22 Metern ab, Hoffmann hielt den zentralen Fernschuss aber sicher fest.

Drei Minuten vor der Pause köpfte Petkov eine Freistoßflanke von Neubauer am Tor vorbei. Es lief bereits die Nachspielzeit, als die Gastgeber noch einmal das Tempo anzogen und die Löwen nur noch staunend hinterherschauten. Sahin und Zimmerschied überrumpelten Jaeckel mit einem schnellen Doppelpass und so hatte Sahin links im Strafraum viel Platz, wurde von Köhler nicht angegriffen und servierte die Kugel mit dem Außenrist auf den zweiten Pfosten. Dort hatten Nikolaou und Bell Bell Gegenspieler Petkov völlig aus den Augen verloren, der somit aus drei Metern zum Abschluss kam. Doch Thorben Hoffmann hatte sich hier nicht aufgegeben, hechtete in die Schussbahn, verhinderte mit einer Wahnsinnstat den Einschlag und sicherte sich die Kugel anschließend sogar noch.

Dann war Halbzeit. Die Löwen hatten eine unfassbar schlechte Leistung gezeigt, das war hier ein Klassenunterschied von mehr als einer Liga und bis auf den gut aufgelegten Thorben Hoffmann hatten alle Blau-Gelben einen wirklich schlechten Tag erwischt. Die Eintracht wirkte überfordert mit den schnellen Angriffen der starken Gastgeber. Kein Abschluss, deutlich unterlegen in den Zweikämpfen, jede Statistik ein Abbild des katastrophalen Auftritts der Löwen. Daniel Scherning wechselte doppelt. Für Richmond Tachie und Sven Köhler kamen Levente Szabó und Ermin Bičakčić in die Partie.

Doch kurz nach Wiederanpfiff wurde Bičakčić nach einem langen Pass bereits überlaufen, Thorben Hoffmann eilte allerdings erneut aus seinem Kasten, war vor Petkov am Ball und bereinigte die Situation. Kurz darauf rettete Ermin Bičakčić nach einer Flanke in höchster Not. Vier Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als Petkov nach einer Ecke von Neubauer zum Kopfball kam, das Ziel aber recht deutlich verfehlte. Drei Minuten später hatte Asllani am linken Strafraumeck etwas Platz und visierte mit einem Schlenzer das rechte Eck an, schoss aber am Tor vorbei. Eine Zeigerumdrehung danach konnte Baum über die rechte Seite marschieren und drang bis zur Grundlinie durch. Seine flache Hereingabe landete bei Asllani, der aus vier Metern unbedrängt zum Abschluss kam, die Kugel aber rechts am Tor vorbei drückte.

Und dann war es so weit: Es sollte tatsächlich den ersten Abschlussversuch der Löwen geben! Sahin spielte den Ball unabsichtlich in den Lauf von Rayan Philippe, der an der Strafraumkante zu lange zögerte und dann geblockt wurde. Auf der anderen Seite köpfte Rohr eine Flanke klar vorbei. Kurz darauf versuchte es Nikolaou aus der zweiten Reihe, sein Fernschuss wurde am Tor vorbei abgefälscht. Nach der Ecke wurden erst Tempelmann, di Michele Sánchez und Levente Szabó geblockt, dann kam der Ball über ein paar weitere Umwege zu Robin Krauße, der aus 19 Metern eigentlich Zeit und Platz hatte, das Leder aber einige Meter über den Kasten schoss.

Ebenso wenig später Max Marie, der von di Michele Sánchez in Szene gesetzt wurde, aus 17 Metern aber eher die Höhe des Fangnetzes prüfte, als wirklich Gefahr zu versprühen. Die Gastgeber ließen es anschließend ruhig angehen und der Eintracht gelang nichts mehr. Fünf Minuten vor dem Ende verloren die Löwen im Mittelfeld den Ball, Schnellbacher versuchte aus 45 Metern, Hoffmann zu überlisten, verfehlte das Tor aber deutlich. Zwei Zeigerumdrehungen danach bediente Petkov auf der linken Seite Neubauer, der vom linken Strafraumeck knapp über den Kasten schlenzte.

Dann war Schluss und damit stand fest, beide Teams würden auf den Relegationsplätzen in den letzten Spieltag gehen. Für die Gastgeber sicherlich ein erstrebenswerteres Ziel als für unsere Eintracht, die durch den Aufstiegs-Sieg vom HSV nicht mehr direkt absteigen kann. Selbst bei einem Sieg am kommenden Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg muss die Elf von Daniel Scherning auf Patzer der Konkurrenz hoffen, um die Relegation gegen den Tabellendritten der 3. Liga noch zu vermeiden. Noch ist aber nichts verloren, also kommt am Sonntag in Gelb ins Eintracht-Stadion, um den BTSV im hoffentlich letzten Spiel der Saison zu unterstützen.

Bis dahin

Euer Kivi

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