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GSN-Analyse: Warum ein Verbleib von Tempelmann wichtig wäre

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Der Einfluss von Lino Tempelmann auf Eintracht Braunschweig: Strukturgeber im 5-3-2: Die Rolle Tempelmanns in der Grundordnung.

Eine Analyse von Global Soccer Network. (Bilder von Kivi)

Eintracht Braunschweig hat in den Partien gegen die Topteams der 2. Bundesliga – Kaiserslautern, Hamburger SV und Paderborn – unter Trainer Daniel Scherning konsequent auf ein 5-3-2-System gesetzt. Lino Tempelmann spielte dabei eine Schlüsselrolle im zentralen Mittelfeld. Zwei Einsätze absolvierte er auf der linken Halbposition, einen auf der rechten. Dabei war er nicht einfach ein Teilnehmer der Mittelfeldzentrale, sondern vielmehr das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive.

Im 5-3-2 übernimmt das zentrale Mittelfeld eine enorm wichtige Funktion: Es muss sowohl Kompaktheit ohne Ball als auch Dynamik mit Ball gewährleisten. Tempelmann trug genau dieser Doppelrolle Rechnung. Defensiv zeigte er sich positionsdiszipliniert, schloss Passwege und schob im richtigen Moment auf den ballführenden Gegner, um gemeinsam mit den beiden Nebenmännern im Mittelfeld Dreiecke zur Balleroberung zu bilden. Offensiv war er ein Schlüsselfaktor für die vertikale Dynamik. Während die Außenverteidiger primär Breite gaben und situativ hochschoben, suchte Tempelmann aktiv die Tiefe, bot sich zwischen den Linien an und sorgte so für spielerische Entlastung.

Braunschweigs 5-3-2 war mit Tempelmann nicht nur eine defensive Maßnahme, sondern eine Plattform für kontrollierte, aber mutige Ballgewinne und schnelle Übergänge in die Offensive.

Positionsspiel und Entscheidungsfindung: Tempelmanns Einfluss im Ballbesitz

Im Ballbesitz fiel besonders auf, wie klug Tempelmann Räume besetzte. Während seine Nebenmänner häufig klassische Aufgaben im Spielaufbau oder in der defensiven Absicherung übernahmen, positionierte er sich bewusst höher und zwischen den Linien der gegnerischen Formation. Sein Gespür dafür, wann er den Raum vor der gegnerischen Abwehr anlaufen konnte, verschaffte Braunschweig wertvolle Anspielstationen, die Progression ermöglichten.

Die Ballzirkulation wurde mit ihm variabler: Tempelmann konnte durch kurze Ablagen den Ball in Bewegung halten oder durch vertikale Pässe Raumgewinne initiieren. Er schreckte auch nicht davor zurück, Risiko zu gehen und Pässe in die Tiefe zu suchen, wenn sich eine Lücke auftat. Dies führte zu mehr Angriffen mit Durchschlagskraft und einer höheren Anzahl an Angriffen, die tatsächlich zu Abschlüssen führten.

Auffällig war außerdem seine Fähigkeit, das Spieltempo situativ zu variieren: Wenn nötig, verlangsamte er den Rhythmus durch einfache Pässe, um Sicherheit ins Spiel zu bringen. Bei Umschaltmomenten jedoch beschleunigte er sofort und agierte zielstrebig in Richtung gegnerisches Tor.

Defensive Organisation: Stabilität und Zugriff mit Tempelmann

Auch ohne Ball war Tempelmann für Braunschweig enorm wertvoll. Das Mittelfeldpressing der Mannschaft war in den Partien mit ihm deutlich strukturierter. Tempelmann hatte eine wichtige Rolle darin, Passwege in die gefährliche Zone zu schließen. Durch seine intelligente Positionierung zwang er Gegner oft zu Querpässen oder unpräzisen langen Bällen, die leichter zu verteidigen waren.

Besonders beim Anlaufen der gegnerischen Aufbaureihe arbeitete er eng mit dem jeweils vordersten Angreifer zusammen, was eine koordinierte erste Pressinglinie erzeugte. Dies verhinderte, dass Braunschweig zu tief gedrückt wurde und sorgte dafür, dass Ballgewinne auch im mittleren Drittel stattfanden, wo ein schnelles Umschalten möglich war.

Seine Antizipation – also das Erkennen von Pass- und Laufwegen – half der Mannschaft, gegnerische Angriffe frühzeitig zu unterbinden. Zudem verfügte er über das nötige Timing im Zweikampf, um in direkten Duellen meist sauber zu klären und dadurch gefährliche Situationen zu vermeiden.

Der Unterschied im Spiel ohne Tempelmann: Das Beispiel Jahn Regensburg

Die Partie gegen Jahn Regensburg (1:1) – ohne Tempelmann – zeigt, wie sehr Eintracht Braunschweig auf seine Präsenz angewiesen ist. Trainer Scherning wechselte in ein 3-4-2-1-System, in dem Robin Krauße und Julian Baas die Doppelsechs bildeten. Beide Spieler sind in ihrer Natur defensiver geprägt: Krauße als klassischer „Abräumer“, Baas als ballsicherer, aber wenig vertikaler Mittelfeldspieler.

Dadurch veränderte sich die Spielstruktur gravierend. Das zentrale Mittelfeld agierte deutlich tiefer und defensiver. Braunschweig hatte zwar insgesamt mehr Ballbesitz (55 Prozent), doch dieser Ballbesitz war statischer und ungefährlicher. Die Zahl der Angriffe, die tatsächlich bis in den Strafraum führten, war halbiert im Vergleich zu den Spielen mit Tempelmann. Statt progressiv und dynamisch zu agieren, wirkte das Spiel ideenlos und oft quer- statt vertikalorientiert.

Krauße und Baas fehlte die Fähigkeit, schnell zwischen Defensive und Offensive umzuschalten oder den Raum vor der gegnerischen Abwehr mutig zu attackieren. Tempelmanns Beweglichkeit zwischen den Linien, sein Raumgefühl und sein Entscheidungsvermögen waren schmerzlich vermisst.

Auch defensiv hatte das Auswirkungen: Zwar war das Spiel gegen Regensburg nicht fehlerhaft, doch das frühe Pressing im Mittelfeld war weniger aggressiv und effizient. Regensburg gelang es dadurch häufiger, den Ball aus der eigenen Hälfte zu lösen und eigene Offensivaktionen zu entwickeln.

Angriffsdynamik und Abschlüsse: Mit Tempelmann wesentlich gefährlicher

In den drei Partien mit Tempelmann war Braunschweig offensiv weitaus gefährlicher. Nicht nur, dass es mehr Abschlüsse gab (15 pro Spiel gegenüber 8 ohne ihn); auch die Qualität dieser Abschlüsse war höher. Braunschweig kam häufiger aus aussichtsreichen Positionen zum Schuss und verzeichnete mehr Abschlüsse aus dem Strafraum.

Das liegt nicht nur an seinen Pässen oder Dribblings, sondern auch an seiner Rolle im Raum. Tempelmann zog immer wieder Gegenspieler auf sich, öffnete Räume für Mitspieler und schuf Passoptionen, die das Offensivspiel variabler und unberechenbarer machten. Ohne ihn war das Spiel eindimensionaler, konzentrierte sich auf Flanken oder lange Bälle, die gegen einen tiefstehenden Gegner wie Regensburg wenig Erfolg versprachen.

Tempelmanns Einfluss zeigte sich insbesondere im Wechsel zwischen direktem Spiel in die Spitze und kontrollierter Ballzirkulation im Angriffsdrittel. Während Braunschweig mit ihm immer wieder gezielt in Zwischenräume eindringen konnte – durch Kombinationen oder das Ausnutzen von Dynamik nach Ballgewinnen – wurde das Spiel ohne ihn vorhersehbar. Die Zahl der Dribblings, die ins letzte Drittel führten, nahm ohne ihn stark ab, ebenso die Zahl der vertikalen Pässe in Richtung Strafraum.

Auch im Timing der Angriffsauslösung war Tempelmann entscheidend: Er erkannte nicht nur Situationen, in denen schnelles Umschalten sinnvoll war, sondern auch solche, in denen eine kurze Ballzirkulation nötig war, um die gegnerische Ordnung zu verschieben. Diese situative Intelligenz half, Überzahlsituationen in den Halbräumen herzustellen, die dann in Abschlüssen mündeten. Ohne ihn fehlten diese gezielten Beschleunigungen, und Braunschweig wirkte oft ideenlos, sobald sie sich dem letzten Drittel näherten.

Spielkontrolle und Rhythmus: Tempelmanns Bedeutung für die Spielbalance

Ein weiterer Aspekt ist die Fähigkeit, ein Spiel zu kontrollieren. Mit Tempelmann gelang es Braunschweig besser, Phasen der Spielkontrolle herzustellen, also Druckphasen des Gegners zu überstehen, Ballbesitzphasen gezielt einzustreuen und dann wieder selbst Tempo aufzunehmen. Diese Balance zwischen Aggressivität und Ruhe fehlte ohne ihn.

Tempelmanns Spielintelligenz, sein Timing bei Ballannahmen und seine Entscheidungsqualität bei der Ballverteilung machten ihn zu einem zentralen Faktor, um Spiele nicht nur über Willen und Physis, sondern auch über Struktur und Strategie zu gestalten.

Er erkannte, wann die Mannschaft Entlastung benötigte und verlangsamte in solchen Momenten das Spieltempo, indem er sichere Pässe in die Breite oder kurze Anspiele in die Füße der Mitspieler wählte. Gleichzeitig verstand er es, nach gewonnenen Ballaktionen oder nach gegnerischen Fehlpässen das Tempo sofort wieder anzuziehen und Vertikalität herzustellen. Besonders auffällig war seine Fähigkeit, auch unter Gegnerdruck nicht hektisch zu agieren, sondern mit einer einzigen Ballaktion (z.B. durch einen klugen Pass in die Tiefe oder einen schnellen Doppelpass) Drucksituationen aufzulösen und den Spielfluss zu beschleunigen.

Gegen Regensburg fehlte diese Fähigkeit zur Rhythmussteuerung vollkommen. Braunschweig konnte zwar längere Ballbesitzphasen aufbauen, doch sie blieben oft harmlos und führten nicht zu einem echten strategischen Vorteil. Gerade in Phasen, in denen das Spiel zu kippen drohte oder in denen schnelles Spiel nach vorne gefragt gewesen wäre, fehlte eine Figur wie Tempelmann, die die Dynamik einer Partie mit Ballaktionen gezielt beeinflussen kann. Stattdessen blieb Braunschweigs Ballbesitz oft statisch, das Spiel verflachte, und es fehlte an Momenten, die das gegnerische Abwehrsystem ernsthaft unter Stress setzten.

Abschließendes Fazit

Lino Tempelmann ist für Eintracht Braunschweig nicht nur ein Mittelfeldspieler, sondern der zentrale Impulsgeber für Struktur, Dynamik und Spielbalance. Mit ihm auf dem Feld wird das Spiel vertikaler, dynamischer und schwerer auszurechnen. Er sorgt sowohl für defensive Kompaktheit als auch für offensive Zielstrebigkeit, verbindet die Mannschaftsteile effizient und steuert das Spieltempo intelligent.

Sein Fehlen wirkt sich auf nahezu alle Spielphasen negativ aus: Braunschweig verliert an Durchschlagskraft, an Variabilität in der Offensive und an Kontrolle im Mittelfeld. Die Mannschaft wird berechenbarer, ungefährlicher und phasenweise anfälliger.

Tempelmann ist somit ein Schlüsselspieler – nicht nur wegen seiner individuellen Qualität, sondern vor allem wegen seines taktischen Einflusses auf die gesamte Spielanlage von Eintracht Braunschweig.

Kommentar von Jussi / BGD: Kessel will Tempelmann halten – bitte keine zweite Helgason -Episode

Es ist kein Geheimnis, dass Eintracht und Benjamin Kessel Lino Tempelmann gerne für eine längere Zeit verpflichten möchte. Anders als sein Team-Kollege aus Schalke, RTH, besitzt Tempelmann aber keine Kaufoption (oder Kaufplicht). Voraussichtlich wird er also zurück nach Gelsenkirchen abwandern. Schalke brauch ihn vielleicht nicht, aber durch seine gute Leistung hat er auch bei der Konkurrenz für Aufmerksamkeit gesorgt. Vom Spielniveau her kann er Bundesliga spielen.

Sollte die Eintracht ähnlich spielen wollen in der nächsten Saison, braucht es einen Typ wie Tempelmann. In der Saison davor war es Helgason, damals nur ausgeliehen, den man unbedingt auch fest verpflichten wollte und sich damit verzockt hat. Kessel und die Eintracht würde gut beraten sein nach dem gleichen Spielertypen zu suchen, der ähnliche Qualitäten, die in dieser Analyse von Global Soccer Network gut beschrieben sind, mit sich bringt und den Namen Tempelmann nur danke zu sagen. Denn er ist zu gut für die untere 2. Liga und damit auch zu teuer und kein realistischer Transfer.

Gesucht wird also ein dynamischer und spielintelligenter Mittelfeldspieler, der defensiv stabilisiert und offensiv wichtige Impulse setzt. Er verbindet die Mannschaftsteile, variiert das Tempo und sorgt für Struktur und Balance im Spiel.

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