Vier Formate für Eintracht – eine Adresse für Fans.

BTSV-Transfers: Banger oder Flop, Teil 3

8 min read

Moin Löwen!

Seit dem zweiten Teil unserer neuen Serie sind drei weitere Transfers hinzugekommen, und nicht nur ich, sondern auch die Eintracht-Community, hat darauf gewartet, dass noch einige mehr dazukommen. Das ist bisher nicht der Fall, wobei ich davon ausgehe, dass bis zum Ende der Transferperiode noch der eine oder andere Neuzugang dazustoßen wird.

Bild: Kivi

Schauen wir nun erstmal auf die drei weiteren Neuzugänge Lennart Grill, Sanoussy Ba und Christian Conteh. Wie immer analysieren wir mit Infos von Global Soccer Network (GSN), Wyscout und u.a. der Braunschweiger Zeitung ihre Stärken, Schwächen und ihr Potenzial für die kommende Saison und beantworten die Frage: Banger oder Flop?

Ein Tipp noch vorweg: Wer Infos in Echtzeit haben möchte, der sollte GSN auf X verfolgen. Sie helfen uns Fans immer sehr liebevoll und haben einen Follow von dir verdient!

Los geht’s!

Lennart Grill: Ein solider Rückhalt zwischen den Pfosten (Banger 4/5)

Mit Lennart Grill hat die Eintracht einen erfahrenen Torhüter verpflichtet, der in der Bundesliga bereits sein Können unter Beweis gestellt hat, aber mit 25 Jahren auch noch Luft nach oben hat. Seine starken Reflexe, seine Sicherheit bei hohen Bällen und seine Sprungkraft machen ihn zu einem zuverlässigen Rückhalt. Dazu ist seine Strafraumbeherrschung überdurchschnittlich. Die Fans können sich auch auf seine solide Fangtechnik freuen. Für seine Größe (192 cm) agiert Grill durchaus dynamisch. Dies sind alles Eigenschaften, die Eintracht helfen sollten, die Box zu verteidigen und gegnerische Hereingaben zu entschärfen.

Trotz seiner Qualitäten ist Grill kein Vergleich zum Ex-Keeper Ron-Thorben Hoffmann. Vom Spielertyp her ist der von Union Berlin ausgeliehene Torhüter eher einer, der sich nicht gerne ins Spiel mit dem Ball einbringt. Seine Ballverarbeitung und Technik sind ausbaufähig, und sein Passspiel ist nur durchschnittlich. Sein Timing beim Herauslaufen könnte ebenfalls verbessert werden. Eintrachts Spiel mit dem Ball und besonders das Konterspiel wird er trotzdem unterstützen können, denn Grill kann besonders gut Abstöße und Abwürfe ausführen.

Pässe in der Saison 2023/24, 2.Bundesliga. Daten: Wyscout (Graphik: Luc)


Bei den Performancedaten von Wyscout aus der letzten Saison zeigt sich, dass Grill in der letzten Saison viel mehr lange, auch progressive Pässe gespielt hat, wenn man ihn mit dem damaligen BTSV-Keeper Hoffmann vergleicht. Dagegen hat sich RTH mehr im Kurzpassspiel beteiligt und im Eintracht-Aufbau eine gute Anspielstation geboten. Die Daten deuten darauf hin, dass der neue Eintracht-Torwart vermutlich das Spiel zielstrebiger machen wird. Interessant ist auch, was dies für eine mögliche Rollen- und Aufgabenverteilung im Team bedeutet, sollten mehr Bälle lang und direkt gespielt werden. Ein Spielmacher in der Abwehr bzw. im defensiven Mittelfeld wird weniger gebraucht, dagegen braucht man im oberen Mittelfeld Spieler, die lange Bälle verarbeiten und an den Mann bringen bzw. Bälle gut festmachen können.

Eintrachts Plan? Eintracht verpflichtete Lennart Grill von Bundesligist 1. FC Union Berlin auf Leihbasis bis zum 30. Juni 2025. Zudem wurde eine leistungsabhängige Kaufpflicht für den Torhüter vereinbart. Für den Cheftrainer Daniel Scherning geht es laut BZ erstmal darum, dass Grill Präsenz in der Raumverteidigung zeigt, gewisse Größe und Power in der Luft hat, aber auch in der Lage ist, Pressingsituationen fußballerisch zu lösen. Entwicklungspotenzial sieht der Coach bei Grill beim Thema Kommunikation. Und Grill selbst? Er will endlich seine „sportliche Heimat“ finden.

Die Eintracht-Fans werden genau hinschauen, wenn es in dieser Saison zum ersten Pflichtspiel geht. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade Grill im Tor stehen wird, ist sehr groß, da sein direkter Konkurrent Tino Casali sich leider schwer verletzt hat. Sollte hier nicht unerwartet ein noch stärkerer Keeper verpflichtet werden, wird erstmal Grill das BTSV-Tor hüten.

Mein Fazit lautet, dass Grill eine solide Lösung für den Kader ist. Nur das Spiel mit dem Ball macht mir Sorgen. Da steht ein Banger (4/5) im Tor.

Sanoussy Ba: Vielseitiger Außenbahnspieler mit Potenzial (Banger 4/5)

Fangen wir mit Sanoussy Ba ausnahmsweise beim Fazit an. Ob Ba ein Banger-Transfer sein wird, entscheidet sich in erster Linie daran, wie Eintracht ihn fördern kann und einsetzen will. Eintracht hat in den letzten Jahren nicht immer gewusst, welche Stärken die Spieler wirklich haben und auf welchen Positionen man diese Stärken am besten zur Entfaltung kommen lassen kann.

Eintrachts Plan? Eintracht Braunschweig verpflichtet Sanoussy Ba von RB Leipzig. Der 20-Jährige unterschreibt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2027. Laut BZ hatten die Eintracht-Verantwortlichen ihn schon länger auf dem Zettel. Ba kann, so Cheftrainer Scherning, auf beiden Außenverteidiger-Positionen spielen, ist aber vorwiegend für rechts eingeplant und sagt: „Sanou ist wendiger trotz seiner Größe und ein Spieler, der eine gewisse Beidfüßigkeit mitbringt und sich vom Profil deutlich von Marvin Rittmüller unterscheidet.“

Ba ist also als rechter Schienenspieler bzw. Außenverteidiger eingeplant. Das bringt ein wenig Risiko mit sich. So kann der 20-Jährige zwar dank seiner Beidfüßigkeit auch als Rechtsverteidiger spielen, doch ist eigentlich „extrem viel“ auf links als linker Verteidiger oder Schienenspieler gespielt. Gerade als rechter Schienenspieler im 3-1-4-2 könnte er auch wegen seiner Unerfahrenheit auf der Position Probleme bekommen.

Allgemein schätzt GSN Ba aber als einen soliden Zweitligaspieler ein, der einiges an Potenzial mit sich bringt, um auch irgendwann mal Bundesliga spielen zu können. Er ist taktisch gut geschult, hat für die Schiene eine hohe Arbeitsrate und durchaus guten Antritt mit Tempo (Topspeed 33,90 km/h). Er kann auch mit dem Ball kreativ spielen und hat mit seinen guten Standards eine besondere Waffe in der Hintertasche. Dazu noch stabil in Zweikämpfen. Schwächen hat der RB-Schüler im sauberen Passspiel und in der Technik. Sein erster Kontakt mit dem Ball muss besser werden. Auch an der Konzentration muss er arbeiten und besser antizipieren. Gegen den Ball muss er aggressiver werden, sich besser verhalten und auch an seinem Kopfballspiel arbeiten.

Obwohl Ba viel Potenzial hat, ist er derzeit noch kein fertiger Spieler. Es bleibt abzuwarten, ob er sich in der 2. Bundesliga durchsetzen kann. Besonders interessant wird sein, ob Scherning ihn erfolgreich zum Rechtsverteidiger umschulen kann, da er dort bisher kaum Erfahrung gesammelt hat. Ich gehe jetzt trotzdem mit einem Banger (4/5) in die Bücher ein.

Christian Conteh: Schneller Flügelstürmer mit Offensivdrang (Banger 3,5/5)

Sowie bei Ba, stellt sich auch bei Christian Conteh die Frage, was genau Eintracht mit dem 24-jährigen Rechtsaußen vorhat. Eintracht Braunschweig kann mit Christian Conteh einen weiteren Neuzugang präsentieren. Der 24-jährige Offensivspieler spielte zuletzt beim VfL Osnabrück und unterzeichnet bei den Löwen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2026. Der Ex-Osnabrücker kann auch Linksaußen bzw. linkes/rechtes Mittelfeld spielen und ist von seiner Spielerqualität her ein solider Zweitligaspieler, wobei er noch ein wenig Entwicklungspotenzial besitzt. Er selbst sagt in der BZ, er sei gekommen, um länger zu bei der Eintracht zu bleiben.

Conteh hat seine Stärken im Antritt und Tempo: er ist mit 36,23 km/h zweitschnellster Spieler der 2. Bundesliga, dazu ist er im offensiven Eins-gegen-Eins sehr gut. Seine Spielweise ist aggressiv, er spielt kreativ und ist beweglich. Dazu hat er eine ordentliche Technik und ist okay im Passspiel. Im eigenen Abschluss und Kopfballspiel muss er sich noch verbessern. Auch sein Defensivverhalten, taktisches Verständnis und Antizipation müssen noch besser werden. Er wirkt im Spiel oft fahrig, was auch an seiner ausbaufähigen Entscheidungsfindung liegt.

Eintrachts Plan? Auch der Trainer sieht Contehs Stärken ähnlich wie GSN. Im Interview in der BZ sagte er: „Christian bedroht immer die Tiefe, er hat zudem ein gutes Eins-gegen-Eins.“ Allerdings müssen wir hier die Systemfrage stellen. Im 4-3-3 kann Conteh zum Beispiel den linken offensiven Flügel beackern. Im bevorzugten System 3-1-4-2 könnte Conteh nur bedingt als Stürmer spielen. Laut GSN hat er dort in der abgelaufenen Saison nur 7 % der Minuten gespielt, in der Saison 2022/23 sogar nur 1 % der Minuten. Problematisch könnte es also werden, wenn Eintracht mitten im Spiel systemtaktisch umstellen möchte. Da könnte es den einen oder anderen Spieler geben, der eine andere Position oder taktische Aufgabe nicht meistern kann.

Conteh selbst spekuliert in der BZ darauf, dass er zusammen mit Rittmüller zusammen auf einem Eintracht-Flügel spielen könnte (fünfschnellster: Marvin Rittmüller 36,13 km/h): „Wenn wir im Konter mit mehr als 36 km/h laufen, dann kommen nur wenige Verteidiger hinterher.“ Ob das taktisch überhaupt Sinn machen würde, bezweifle ich allerdings. Rittmüller ist eher ein Schienenspieler und nicht besonders gut für die Viererkette geeignet. Die defensive Absicherung wäre hier die Frage. In einem 3-1-4-2 wäre dies kein Problem, doch wie gesagt, Conteh selbst spielt am besten auf der offensiven Außenbahn, nicht als Stürmer.

Der Kader hat aktuell auf den Schienen einige Fragezeichen. Leon Bell Bell und Rittmüller, beide laut BZ für die Außenbahnen links und rechts eingeplant, haben große Teile der Vorbereitung verpasst und sind Stand jetzt noch nicht 100 % fit. Alternativen sind laut BZ Lucoqui sowie Fabio Di Michele Sanchez (links) und Sanoussy Ba (rechts). Da sich Sidi Sané verletzt hat und länger ausfallen wird, ist die offensive Außenbahn aktuell eher dünn besetzt mit Amyn, Conteh, Gómez (aushilfsweise) und mit Abstrichen noch Philippe, der aber wohl im Zentrum gesetzt ist. Wobei es bei Youssef Amyn sein kann, dass er den Gerüchten nach in die Saudi Liga wechselt, da er in Braunschweig bisher nicht viel Spielzeit bekommen hat und dazu auch den Saisonstart wegen Olympiateilnahme verpassen wird.

Als Fazit ist Conteh knapp als Transferbanger mit 3,5 von 5 einzubuchen und wird hoffentlich in der kommenden Saison Eintracht-Fans viel Freude bereiten – je nachdem, wie er eingesetzt wird und eine mögliche Umschulung funktioniert.

Gesamteindruck bis dato

Im Braunschweiger Kreis wird aktuell wieder vom „Teamgeist“ geredet. Viele Neuzugänge scheinen sich wohlzufühlen (so die Medien). Die Eintracht-Verantwortlichen, Geschäftsführer Sport Benjamin Kessel, Kaderplaner/Sportkoordinator Dennis Kruppke und Chef-Scout Philipp Schmidt, haben es geschafft, in relativ kurzer Zeit ihre Ideen durchzusetzen und als Philosophie zu implementieren. Diese besteht u.a. aus einer neuen Polyvalenz der Spieler, Identifikation mit dem Verein und längeren Verträgen, um diese Identifikation zu stärken, Ablösen zu generieren und eine nachhaltige Kaderplanung zu haben. Dazu wurde der Kader verkleinert. Aktuell stehen 25 Spieler unter Vertrag.

Es sollen noch ein paar mehr werden, aber insgesamt soll der Kader kleiner bleiben als in den Jahren zuvor. Es bleibt zu hoffen, dass diese Strategie auch in der kommenden Saison standhalten wird. Eintracht hatte zuletzt zwei herbe Verluste zu vermelden (Tino Casali und Sidi Sané). Klar ist, dass der Trainer und die Fans hier sich noch Ersatzspieler wünschen. Zudem sucht, so die BZ, die BTSV-Sportliche Leitung nach einem Innenverteidiger für die linke Dreierkettenseite und einem zentralen Mittelfeldspieler wie Thor Helgason.

So schneiden die Neuzugänge bis dato ab:

  • Sidney Raebiger: Banger 5/5
  • Leon Herdes: Banger: 4/5
  • Sanoussy Ba: Banger 4/5
  • Sven Köhler: Banger 4/5
  • Lennart Grill: Banger 4/5
  • Leon Bell Bell: Banger 3,5/5
  • Christian Conteh: Banger 3,5/5
  • Kevin Ehlers: Neutral: 3/5
  • Max Marie: Neutral: 2,5/5
  • Fabio Di Michele Sánchez: Neutral 2,5/5
  • Levente Szabó: Flop 1/5

Bleibt dran für weitere Updates und Analysen in meiner Serie „Banger oder Flop“! Und wenn es euch sehr gefallen hat, lässt gerne einen Abo oder Spende da!

Kommentar verfassen

Entdecken Sie mehr von

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen