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Stellschrauben für einen neuen Trainer

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Moin Löwen!

Für mich ist in der aktuellen Lage zu 100 % klar, dass ein neuer Trainer gebraucht wird. Ich habe in etlichen Beiträgen und Analysen die Gründe dafür genannt. Zeitweise sah es so aus, dass Daniel Scherning mit den Neuzugängen die Kurve noch kriegen könnte. Er hat es aber nicht geschafft die fundamentalen Probleme zu lösen, die gestern gegen Hertha BSC wieder offensichtlich wurden. Selbst wenn man mit Scherning noch bis zum Sommer weiterarbeiten würde, gibt es keine wirkliche Aussicht auf eine sportliche Weiterentwicklung.

Doch angenommen, es kommt zu einem schnellen Trainerwechsel. An welchen Stellschrauben könnte ein neuer Trainer in nur acht Spieltagen drehen, um noch die nötigen Punkte zu holen? Dazu habe ich die sportliche Leistung der Mannschaft analysiert und drei Stellschrauben entdeckt, mit denen man schnell Erfolge erzielen kann.

1. Taktische Neuausrichtung: Zurück zu den Stärken

Als Erstes muss Eintracht sein schnelles Umschaltspiel reaktivieren. Gegen Hertha waren es wieder 4,2 Pässe pro Ballbesitzphase. Die Angriffe sind einfach zu langsam und der Gegner muss Eintracht nur den Ball überlassen, um sicher zu sein.

Ein schnelles und direktes Spiel passt besser zum Kader. Ein neuer Trainer muss die Mannschaft dazu bringen, nach Ballgewinnen schnell und direkt in die Offensive umzuschalten und schnell in die Tiefe zu spielen, um so die Räume hinter der gegnerischen Abwehrkette effektiv zu nutzen. Dabei geht es auch um Zweikämpfe bei zweiten Bällen und beim Ballverlust um aggressives Gegenpressing, ohne dabei die zuletzt schlechte Restverteidigung zu vernachlässigen.

2. Kaderanpassung: Die richtigen Spielertypen aufstellen

Zuletzt war immer zu beobachten, dass trotz fehlender Qualität oder schlechter Leistung immer bestimmte Spieler wieder aufgestellt wurden und andere außer Acht gelassen wurden. Man muss ernüchtert feststellen, dass die aktuellen Spieler im Kader nicht zur Spielidee passen. Immer wieder hat man im Spielaufbau Probleme und Spieler werden nicht nach ihren Stärken eingesetzt. Etliche Spieler unterperformen, weil sie nicht nach ihren Stärken spielen können. So zuletzt die Abwehr, die ihre größte Schwäche hat, wenn sie große Räume verteidigen muss.

Auch auf einer individuellen Ebene kann man dies beobachten. Nehmen wir Ron-Thorben Hoffmann als Beispiel. Seine schnellen Spielzüge sind ein Markenzeichen von ihm. Schaut man sein Passspiel aber an, hat er viel mehr Spielanteile, aber weniger direkte, schnelle Pässe. Allein seine Passlänge ist kürzer und weniger direkt geworden. Waren es in der Saison 2022/23 noch im Schnitt 35 Meter, so sind es in dieser Saison nur 30 Meter.

Eine Szene aus dem Hertha-Spiel ist mir besonders aufgefallen. Hertha hat eine Ecke und Hoffmann bekommt den Ball. Er schaut sich um, ob seine Mitspieler schnell nach vorne laufen, um einen Konter zu starten. Doch nur zwei Spieler sprinten nach vorne, die anderen machen Alibiläufe. Hoffmann entscheidet sich für einen langen Ball, der dann direkt beim Gegner landet. Ja, man lag 0:3 hinten, aber man sieht, schnelles Umschalten ist aktuell nicht in der DNA dieser Spieler.

Eintracht hat diese Spieler im Kader. Sebastian Polter kann lange Bälle festmachen und zweite Bälle behaupten (und für Kopfballgefahr sorgen), Ron-Thorben kann schnell das Spiel eröffnen und Rayan Philippe ist am besten, wenn er auf eine unorganisierte Mannschaft mit dem Ball am Fuß und Tempo zulaufen kann (HSV-Hinspiel!). Dies sollten sie auch tun. Bei einigen Spielern wie bei Levi Szabo sollte man schnell feststellen, dass sie die Qualität für diese Liga nicht haben. Eines, wovor Global Soccer Network nach der Verpflichtung gewarnt hat.

3. Mentale Stärke: Die Mannschaft wieder aufrichten

Dreht man an den Stellschrauben eins und zwei, hat man auch die Möglichkeit, die Mannschaft mental aufzubauen. Bei der Eintracht geht vieles über die Mentalität. Dafür braucht es aber das Gefühl, man hat Kontrolle über seine Leistung. Klare spielerische Prinzipien haben zuletzt immer wieder gefehlt (Beispiele: Umschalten und Abwehrverhalten). Das hat der Trainer und sein Team zu verantworten.

Ein neuer Trainer kann mit klaren, ausgesprochenen Prinzipien dafür sorgen, dass die Aufgaben für jeden einzelnen Spieler auf dem Platz klar sind, was seine Aufgaben sind. Das heißt auch, dass man reagieren kann, wenn der Gegner anders spielt als erwartet. Gegen Hertha BSC hat man auf eine Spiegelung des Gegners auf eine Doppelsechs umgebaut, doch der Gegner hat nur mit einem Sechser und zwei Achtern gespielt. Immer wieder konnte Hertha mit schnellen Ballverschiebungen die Abwehr bewegen und Lücken aufreißen. Drei der fünf Gegentore kamen nach Verlagerungsbällen auf die Seite, wo man keinen Druck auf den ballführenden Spieler erzeugen konnte (Screenshot: Wyscout). Diese Art von Fehlern häufen sich.

Fazit

Ein neuer Trainer bei Eintracht Braunschweig hat eine große Aufgabe vor sich. Er muss die Mannschaft sowohl taktisch als auch mental wieder aufrichten. Mit einer klaren Strategie und gezielten Maßnahmen kann es gelingen, den Klassenerhalt zu sichern und eine positive Zukunftsperspektive zu schaffen.

1 thought on “Stellschrauben für einen neuen Trainer

  1. Eine sehr gute Analyse.Nur wie soll dieser veralteter Kader lauffreudiger werden.lch habe auch nicht das Gefühl das alle Spieler sich für meinen BTSV zerrissen.( Mitglied seit 1959 )

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