(Fast) scheißegal
7 min readDie Löwen zeigen nur in der Anfangsphase eine gute Leistung und lassen sich am letzten Spieltag mit 5:0 in Kaiserslautern abschießen. Dabei fielen die letzten beiden Gegentreffer sogar in Überzahl. Das hat zur Folge, dass die Eintracht weniger Fernsehgeld bekommt und in der 1. Runde im DFB-Pokal im Amateurtopf ist. Am Sonntagnachmittag wechselte Trainer Daniel Scherning mehrfach, positive Schlüsse wird er eher nicht ziehen können, auch wenn die Niederlage deutlich zu hoch ausfiel. Die über 3.000 Eintracht-Fans von den 47.000 Zuschauern machten trotzdem das Beste daraus und feierten die Löwen im Anschluss für die tolle Aufholjagd und den Klassenerhalt. Und auch Niko Kijewski würde vernünftig verabschiedet.
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Jan-Hendrik Marx (59. Maurice Multhaup), Sebastian Griesbeck (Anthony Ujah), Hasan Kuruçay, Jannis Nikolaou (C), Anton Donkor (59. Anderson Lucoqui, 79. Niko Kijewski) – Hampus Finndell (79. Niklas Tauer), Johan Gómez – Sidi Sané, Rayan Philippe, Youssef Amyn
Wie für mich in Kaiserslautern mittlerweile üblich gab es vom Catering-Stand eine Feuerwurst. 4,50 € kostete die würzige Wurst, die wieder einmal köstlich schmeckte. Allerdings wurde der Ketchup durch das Personal portioniert, das es etwas zu gut meinte. Mein Brötchen war leider ziemlich schlecht, daher gibt es insgesamt eine 7/10 von mir.

Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, als die Löwen die erste dicke Chance hatten. Rayan Philippe steckte mit dem Außenrist herrlich auf Youssef Amyn durch, der aus spitzem Winkel frei vor FCK-Keeper Krahl zum Abschluss kam, doch an einer starken Parade des Torwarts scheiterte. Kurz darauf bediente Philippe Donkor, der in den Strafraum zog, den richtigen Zeitpunkt für das Abspiel zu den ziemlich frei stehenden Mitspielern aber verpasste und den Ball vertändelte. Es liefen immer noch die ersten fünf Minuten, als Nikolaou den Ball am eigenen Strafraum eroberte und mit einem Sahne-Pass Sidi Sané bediente, der völlig freie Bahn hatte, alleine auf Schlussmann Krahl zulief, mit seinem Flachschuss aber an einer Fußabwehr des Torwarts der Gastgeber scheiterte. Zwei Minuten später kam Sané wieder in aussichtsreicher Position an den Ball, wurde aber im letzten Moment entscheidend von Puchacz gestört.
Kurz vor Ablauf der Anfangsviertelstunde gab es dann die erste Torchance für Kaiserslautern, ausgehend von einem robusten Einsteigen gegen Hampus Finndell, für sowas gab es auch schonmal einen Freistoß. Danach ging es zu schnell für die Löwen, Raschl bekam den Ball von Kaloc und lupfte die Kugel über die Eintracht-Kette hinweg in den Strafraum, wo Ritter aus vollen Lauf mit der Schuhspitze an den Ball kam, das Leder aber knapp rechts am Tor vorbei spitzelte. Zehn Minuten später hatte Sidi Sané eigentlich genügend Platz, noch weiter Richtung Tor zu drängen, entschied sich aber für den Abschluss aus der zweiten Reihe. Sein ebenso wenig druckvoller wie platzierter Flachschuss war aber überhaupt kein Problem für Krahl im Kasten der Gastgeber. Kurz darauf zog Philippe wuchtig von der Strafraumkante ab, wurde aber geblockt.

Ein paar Minuten später nahm Puchacz einen Abpraller an der linken Strafraumecke direkt, schoss aber weit am Löwen-Tor vorbei. Im Gegenzug ließ Philippe Ritte einfach stehen und hatte plötzlich ganz viel Platz. Der Franzose drang über die Grundlinie in den Strafraum ein und hatte nur noch Krahl vor sich, der mit extrem viel Risiko schwungvoll in den Zweikampf rauschte und gerade noch den Ball erwischte. Sofort ging es wieder in die andere Richtung: Redondo behauptete gegen mehrere Blau-Gelbe den Ball und fand dann Hanslik, der aus 16 Metern klar verzog. Zehn Minuten vor der Pause brach großer Jubel im Fritz-Walter-Stadion aus. Ritter spielte aus der Zentrale einen klasse Flachpass auf den linken Flügel, Puchacz flankte den Ball flach und scharf in die Gefahrenzone, wo kein Löwe an die Kugel kam. Touré stand völlig frei und hatte das Auge für den ebenfalls völlig frei stehenden Ritter, der aus fünf Metern zur Führung traf. Nichts zu machen für Thorben Hoffmann beim ersten Schuss auf seinen Kasten, das 1:0 für die Gastgeber.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verpassten die Löwen die Chance auf den Ausgleich. Wieder war es Rayan Philippe, der Sidi Sané in Szene setzte. Dieser zögerte etwas zu lange und wurde dann noch entscheidend von Ronstadt gestört, der den Abschluss aus zehn Metern zur Ecke blockte. Den darf man ruhig mal in ein Tor umwandeln. Die anschließende Ecke brachte nichts ein.
Dann war Halbzeit. Die Blau-Gelben hatten ihre starke Anfangsphase nicht in Tore ummünzen können, anschließend wurde der Pokalfinalist stärker und wirbelte die neu formierte Hintermannschaft mit schnellen Kombinationen durcheinander. Da passte die Zuordnung ein ums andere Mal nicht und auch der etatmäßige Stammverteidiger Donkor erwischte in seinem letzten Spiel keinen guten Tag, während man einigen Löwen aus der zweiten Reihe die fehlende Spielpraxis deutlich anmerkte.

Der zweite Durchgang begann dann richtig bescheiden. Bei einem kurz ausgeführten Freistoß von der linken Seite schaltete Amyn viel zu spät und konnte so Marlon Ritter nicht mehr stören, der unbedrängt von der linken Strafraumecke abziehen konnte. Den traf er perfekt, sein Schuss zischte ins rechte obere Eck, auch beim zweiten Schuss auf sein Tor war Thorben Hoffmann machtlos, 2:0 für die Roten Teufel.
Doch damit nicht genug, kurz darauf vertändelte Anton Donkor den Ball in aussichtsreicher Position im gegnerischen Strafraum, lief dann immerhin zurück und bügelte seinen Fehler mit einem gewonnenen Zweikampf an der Mittellinie gegen Ronstadt wieder aus, nur um dann einen völlig fahrlässigen Rückpass mit dem linken Außenrist Richtung eigener Strafraum zu spielen. Dabei zirkelte der linke Schienenspieler das Leder um Hasan Kuruçay genau in den Lauf von Hanslik, der freie Bahn hatte. Eine Vorlage, wie schon Rayan Philippe an diesem Nachmittag geleistet hatte, bloß mit zwei Unterschieden: in die falsche Richtung und mit einem erfolgreichen Abschluss. Thorben Hoffmann hatte auch beim dritten Schuss auf seinen Kasten keine Chance und musste den Ball zum dritten Mal aus seinem Kasten holen. 3:0.
Der Stimmung im Gästeblock fügte das nur eine kurze Pause hinzu. Man feierte sich selbst und vor allem die tolle Aufholjagd und den damit verbundenen Klassenerhalt. Johan Gómez scheiterte aus spitzem Winkel an Torhüter Krahl, fünf Minuten später waren die Löwen plötzlich in Überzahl. Jannis Nikolaou hatte sich nach einer Ecke Touré in den Weg gestellt und einen Ellbogenschlag von seinem Gegenspieler kassiert. Ganz klare Sache: Rote Karte für den Übeltäter. Kapitän Nikolaou kam für seine Provokation glücklicherweise ohne Gelbe Karte davon, denn es wäre seine zweite gewesen. Der erste Abschluss in Überzahl kam von Johan Gómez, der etwas überhastet aus der zweiten Reihe weit über den Kasten ballerte.

Doch auch in Überzahl passte die defensive Leistung der Löwen heute nicht und so konterten die Gastgeber: Redondo schlug den Ball von der linken Seite weit rechts auf den Strafraumrand, wo Ritter viel Platz hatte. Lucoqui kam zu spät und so schlug auch der vierte Schuss aufs Tor der Eintracht ein. Im direkten Duell war Hoffmann wieder ohne Abwehrchance gewesen, Ritter schnürte mit einem Schuss ins untere rechte Eck den Dreierpack, 4:0. Kurz darauf zog Multhaup im Strafraum ab, doch Krahl parierte den Schuss aufs rechte Eck. Drei Minuten später gab es Freistoß für die Hausherren und heute klappte bei den Roten Teufeln einfach alles. Opoku schlenzte die Kugel aus 20 Metern über die Mauer hinweg, das Spielgerät schlug unhaltbar in der rechten Ecke ein. Unfassbar, auch der fünfte Schuss aufs Tor vom bemitleidenswerten Thorben Hoffmann war drin. 5:0!
Auf der anderen Seite bediente Youssef Amyn mit einem cleveren Zuspiel Anthony Ujah, der eigentlich viel Platz hatte, aber zu lange zögerte und noch am Abschluss gehindert wurde. Zwei Minuten später durfte Ritter erneut von der Strafraumkante abziehen, knapp drüber. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit durfte sich Hoffmann dann doch mal auszeichnen und parierte im direkten Duell mit Tachie stark. Die Saison endete somit, wie sie begonnen hatte: mit einer ernüchternden Niederlage. Das Ehrentor blieb den Löwen dann auch noch verwehrt, Anthony Ujah hatte einen Kopfball von Sidi Sané über die Linie gedrückt und stand dabei in der verbotenen Zone, nach längerer VAR-Überprüfung stand fest: Abseits.

Direkt danach war das Spiel vorbei. Die Löwen verlieren mit 5:0 auf dem Betzenberg. Das war zu hoch und spiegelte den Spielverlauf nicht wirklich wider, aber es gibt auch solche Tage, an denen bei der einen Mannschaft alles klappt und bei der anderen nichts. Gut, wenn man so einen Tag erwischt, wenn es nur noch um Boni geht. Diese hätten der Eintracht allerdings wirklich weitergeholfen, dass muss man auch klar so sagen. Das zusätzliche Fernsehgeld hätte dem Verein gutgetan und auch ein Auswärtsspiel in der ersten Pokalrunde hätten die Chancen auf zusätzliche Einnahmen erhöht. So geht es vermutlich wieder gegen die Hertha aus Berlin. Den mitreisenden Fans vermieste die Klatsche die Stimmung nicht. Die Mannschaft wurde für die tolle Aufholjagd ebenso lange gefeiert wie die Mannschaft der Hausherren für den Finaleinzug und den Kantersieg. Das ist halt Eintracht!

Auch Eintracht ist Niko Kijewski, der nach Abpfiff mit einem Banner und langen Gesängen für zehn Jahre Einsatz, Kampf und Leidenschaft gefeiert wurde. Danke Kiwi!
Nun ist Sommerpause, Trainingsauftakt in die neue Saison ist in etwa einem Monat und kurz danach geht es auch schon ins Trainingslager. Ich bin dann auch wieder dabei und werde über meine Eindrücke und natürlich die ersten Testspiele berichten. Ich bedanke mich bei meiner Blau-Gelben Leserschaft und wünsche euch eine erholsame Sommerpause, die wir wohl alle mal wieder dringend benötigen. Wir lesen uns aber weiterhin noch bei einigen Berichten zu den weiteren Eintracht-Teams, denn im Amateurbereich ist die Saison noch nicht vorbei.
Bis dahin
Euer Kivi
