Die Erlösung
6 min readEin brachialer Jubelschrei donnerte durch die Südkurve, als das Freitagabend-Flutlichtspiel unserer Braunschweiger Eintracht gegen den SC Paderborn abgepfiffen wurde. Trotz eines lange erneut schwachen Auftritts schafften es die Löwen, endlich mal einen Rückstand zu drehen. Nachdem Richmond Tachie kurz vor der Pause zum zwischenzeitlichen 1:1 ausgeglichen hatte, drehten Treffer von Rayan Philippe und Leon Bell Bell nach frühem Rückstand in der zweiten Halbzeit die Partie auf 3:2 und belohnten damit die eindrucksvolle Leistung des Blau-Gelben Fanlagers. Nicht unbedingt ein Sieg der total verdienten Sorte, der Tabelle ist das aber egal und dort sieht man auch, wie wichtig diese drei Punkte waren.
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Marvin Rittmüller (58. Fabio Kaufmann), Paul Jaeckel, Sven Köhler, Jannis Nikolaou (C, 81. Kevin Ehlers), Sanoussy Ba (58. Leon Bell Bell) – Lino Tempelmann, Robin Krauße (81. Julian Baas), Fabio Kaufmann – Richmond Tachie, Sebastian Polter (68. Sebastian Polter)

Vor Spielbeginn schaffte unser Südkurven-Vorsänger das, was die Mannschaft selbst lange nicht mehr geschafft hat. Nach einer emotionalen Rede war das ganze Stadion angezündet und die Stimmung von Beginn an prächtig. Genauso prächtig war allerdings auch die Überlegenheit der Gäste aus Paderborn und nach acht Minuten zitterte das Gebälk. Eine Flanke von der rechten Seite köpfte Grimaldi aus sieben Metern an den Querbalken. Kurz darauf wurde Castanedas Schuss von der Strafraumkante gerade noch geblockt. Zwei Zeigerumdrehungen danach ging Hoffmann bei einer Flanke zum Ball, Köhler hatte seinen Schlussmann übersehen und köpfte die Kugel zu einem Paderborner, über den der Ball zu Bilbija kam. Dessen Abschluss aus elf Metern konnte Jaeckel noch entschärfen, Hoffmann packte nun sicher zu.
Wenige Augenblicke später landete eine Freistoßflanke bei Grimaldi, der aus zehn Metern abschließen konnte. Doch der Stürmer traf die Kugel nicht perfekt, erneut war Hoffmann da und hatte den Ball sicher. Auf der anderen Seite tauchte Sebastian Polter nach einer Flanke von Paul Jaeckel plötzlich frei vor dem Tor auf, aber auch der Löwen-Stürmer traf den Ball nicht richtig und produzierte nur ein Schüsschen, das Riemann im Tor der Gäste locker aufnehmen konnte. Die erste und richtig dicke Chance für die Eintracht!
Im direkten Gegenzug hielten die Eintracht-Fans die Luft an, ein echtes Geschoss aus der zweiten Reihe rauschte knapp am Eintracht-Kasten vorbei und knallte gegen das hintere Torgestänge. Drei Minuten danach war es dann mal wieder so weit: Curda hatte auf der rechten Seite viel zu viel Platz, seine Flanke legte Grimaldi per Kopf quer, kurz vor dem Tor kamen alle Löwen zu spät und Bilbija drückte die Kugel ins Netz. Schrecklich schwach verteidigt, das 0:1 für die Gäste.

Die Stimmung blieb trotz der recht niederschmetternden Ereignisse auf dem Rasen hervorragend. Doch die Spieler selbst, zeigten vorerst nicht die erhoffte Reaktion, stattdessen war Paderborn weiterhin klar besser. Nach einer Ecke kam Curda aus der zweiten Reihe zum Schuss, verfehlte sein Ziel aber deutlich. Fünf Minuten vor der Pause musste Nikolaou zur Behandlung raus und die Paderborner nutzten die Überzahl. Die Flanke konnten die Löwen noch klären, der Nachschuss von Hoffmeier wurde dann am Tor vorbei abgefälscht. Die reguläre Spielzeit war fast abgelaufen, als eine Rittmüller-Flanke vor die Füße von Robin Krauße geklärt wurde. Der Mittelfeldspieler zog aus 18 Metern wuchtig ab, der Ball knallte an die Latte und zurück in den Strafraum, wo Richmond Tachie am schnellsten reagierte und Riemann im Tor der Gäste mit einem satten Volley-Schuss aus elf Metern keine Chance ließ. Und jetzt explodierte das Stadion, als wäre der Sieg schon sicher, der Ausgleich zum 1:1!
Dann war Halbzeit! Kurz vor dem Pausenpfiff hatten die Löwen ihre dürftige Leistung erstmal wieder wett gemacht. Dennoch war das Gezeigte alles andere als gut und zu wenig, um dauerhaft wie gegen ein Team der Klasse der heutigen Gäste bestehen zu können. Blieb für die unfassbar engagierten Fans nur zu hoffen, dass der glückliche Ausgleich beflügeln würde. Darauf hoffte auch Daniel Scherning, der keine Veränderungen vornahm.

Doch es kam alles anders und eigentlich auch irgendwie nicht so überraschend, wenn man die gesamte Saison betrachtet. Etwas mehr als zwei Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, als klar wurde, dass die Eintracht-Defensive gedanklich wohl noch beim Pausengetränk war. Die Paderborner kombinierten sich seelenruhig und ziemlich wenig gestört in den Löwen-Strafraum, wo Bilbija etwas glücklich zu Grimaldi weiterleitete. Der Stürmer ließ Hoffmann aus kurzer Distanz keine Chance und vollstreckte in die rechte Ecke. Der erneute Rückstand, das 1:2.
Ein Aufbäumen erkannte man erstmal nicht, offensiv blieben die Blau-Gelben ideenlos und auch die nächste Chance gehörte den Gästen, dieses Mal wurden aber beide Versuche von Grimaldi geblockt. Wenige Augenblicke danach, keine drei Minuten nach dem 1:2, legte Grimaldi eine weite Flanke mit der Brust zu Zehnter ab, der aus zwölf Metern volley abzog. Thorben Hoffmann zeigte sich an seinem Geburtstag in überragender Form und lenkte das Geschoss mit einer Wahnsinnstat noch um den Pfosten. Nach der folgenden Ecke war der Löwen-Keeper dann aber erstmal machtlos, als Grimaldi aus kurzer Distanz zum Kopfball kam, doch auf der Linie rettete aber Robin Krauße per Kopf und verhinderte den Doppelschlag.

Anschließend passierte lange Zeit überhaupt nichts, bis die Eintracht SCP-Verteidiger Scheller scheinbar schläfrig gemacht, denn Richmond Tachie luchste ihm mit Leichtigkeit den Ball ab und steckte sofort auf den eingewechselten Rayan Philippe durch, der trotz versuchter Notbremse von Bilbija auf den Beinen blieb, in den Strafraum zog und vollstreckte alleine vor Riemann in die untere rechte Ecke. Aus dem absoluten Nichts, aber das Stadion explodierte dennoch erneut, hier war heute richtig Feuer auf den Rängen. Der erste Treffer für Rayan Philippe seit 14 Spielen und der super wichtige Ausgleich zum 2:2!
Und jetzt zeigten die Blau-Gelben endlich eine Reaktion und spielten merklich auf Sieg. Die Anhänger brüllten ihre Löwen nach vorne, hier gaben jetzt alle mit Blau-Gelben Herz alles. Kurz darauf wurde Tachie an der Strafraumkante geblockt, auf der anderen Seite schoss Bilbija weit am Löwen-Tor vorbei. Dann kam die 78. Spielminute. Der BTSV konterte, Fabio Kaufmann marschierte zur rechten Grundlinie und legte das Leder in den Rückraum. Dort verpassten Tachie und Philippe, aber Leon Bell Bell rauschte heran, ging volles Risiko und donnerte das Spielgerät per Direktabnahme Richtung Tor. Castaneda hielt den Fuß rein und fälschte entscheidend ab, der Ball war drin! Nun verabschiedeten sich einige Stimmen, dafür gab es viele Umarmungen mit Fremden, die dritte Jubel-Explosion im Eintracht-Stadion, Spiel gedreht, das 3:2!

Fünf Minuten später wäre aller Jubel beinahe umsonst gewesen, als die Gäste nach einem katastrophalen Ballverlust von Baas und Köhler ein Pass reichte, um Grimaldi alleine vor Hoffmann zu bringen. Grimaldi visierte aus 13 Metern die rechte Ecke an und schoss hauchzart rechts am Tor vorbei! Das erleichterte Seufzen aus tausenden Kehlen war deutlich zu hören. Zwei Minuten später schoss Klaas aus der zweiten Reihe klar über das Löwen-Tor. Anschließend konterten die Blau-Gelben: Rayan Philippe sah, dass Riemann weit vor seinem Tor stand und versuchte es aus 40 Metern einfach mal, doch sein kraftloser Flachschuss wäre wohl nicht einmal über die Linie gerollt, leichte Aufgabe für Riemann.
Im direkten Gegenzug köpfte Terho eine Flanke über den Querbalken. In der Nachspielzeit schnürten die Gäste die Löwen am Strafraum ein, der Puls aller Einträchtler schnellte in die Höhe. An der Seitenlinie peitschte Robin Krauße seine Mannschaft und die Fans lautstark an. Und auch der nächste Kopfball der Paderborner landete in den sicheren Armen von Thorben Hoffmann, der den Gegenstoß einleitete. Rayan Philippe setzte sich gegen halb Paderborn durch, zog von rechts nach innen und knallte die Kugel aufs Tor. Leider zu mittig, sonst wäre Riemann chancenlos gewesen, so boxte der Torwart den Ball weg. Die Nachspielzeit war bereits abgelaufen, als die Löwen einen letzten Angriff starteten. Tachie kam halbrechts im Strafraum zum Schuss, sein Versuch wurde aber abgefälscht und ging knapp vorbei.

Doch ärgern musste sich darüber niemand, denn direkt danach war Schluss! Der vierte große Jubel des Tages, bevor die Spieler lange wie lange nicht mehr gefeiert wurde. Das war zwar nicht unbedingt verdient heute, der Punktzahl ist das aber völlig egal. Das erste Mal in dieser Saison drehte die Scherning-Elf einen Rückstand in einen Sieg. Am kommenden Freitag geht es zum HSV, Eintracht ist alles!
Bis dahin
Euer Kivi

Nein, Eintracht ist nicht alles, Denkt an eure Familien! Glücklicher Sieg, nix weiter! Nächste Woche gibts wieder eine Klatsche!