Niederlage mit sechs Profis
6 min readDie U23 trat mit Sebastian Polter, Sidney Raebiger, Sidi Sané, Sanoussy Ba, Marko Rajkovacic und dem aussortierten Mohamed Dräger gleich mit sechs Spielern mit Profi-Vertrag in der Oberliga an. Das bewahrte die jungen Löwen aber nicht vor dem fünften Ligaspiel in Folge ohne Sieg. Stattdessen verlor die Adelmann-Elf nach einer schwachen Leistung gegen den VfV Borussia Hildesheim mit 1:3. Sebastian Polter hatte zwar früh vom Punkt zur Führung getroffen, anschließend verloren die Blau-Gelben den Faden und gerieten noch im ersten Durchgang in Rückstand. Nach dem Seitenwechsel sah Sidney Raebiger obendrein Gelb-Rot. Vor 270 Zuschauern gab es in der Schlussphase nur noch die Entscheidung nach einem Konter-Tor zu sehen.
U23-Coach Fabian Adelmann entschied sich für folgende Aufstellung: Marko Rajkovacic (TW) – Mohamed Dräger, Andrej Schlothauer (77. Basim El-Haj), Maxim Root (C), Raffael Ziegele, Sanoussy Ba (63. Enes-Ayberk Gündüz) – Hugo Luís Afonso (63. Leonard Laatsch), Sidney Raebiger (70. Gelb-Rot) – Jona Renner (70. Robin Placinta), Sebastian Polter, Sidi Sané (81. Kacper Szczerba)

Das Spiel startete klasse. Drei Minuten waren gespielt, als Sebastian Polter den Ball am Strafraumrand festmachte und ablegte. Rechts im Strafraum zog der mitgelaufene Sidney Raebiger sofort ab. Ein Hildesheimer Verteidiger grätschte dazwischen, kam aber nur mit der Hand an den Ball. Klare Sache: Strafstoß. Sebastian Polter nahm sich mit seinen 69 Toren in der 1. und 2. Bundesliga die Kugel und schoss aus elf Metern in die Mitte. Ex-Eintracht-Keeper Lennart Schulze Kökelsum hatte sich für die rechte Ecke entschieden. Das Ding war drin, die ganz frühe Führung für die U23, das 1:0!
Zwei Zeigerumdrehungen später hätte die zweite Profi-Leihgabe treffen müssen. Obwohl Lennart Schulze Kökelsum im Tor der Gäste durch seine langen Jahre in Blau-Gelb den Platz auf der Rheingoldarena kennen müsste, schlug er durch einen Platzfehler einen irren Querschläger genau in den Lauf von Sidi Sané, der im hohen Tempo aus vier Metern eigentlich nur noch ins leere Tor einschieben musste, sich den Ball aber nochmal auf den starken rechten Fuß legte, zu lange zögerte und Torwart Schulze Kökelsum auf die Brust schoss. Sebastian Polter wäre auch noch völlig frei gewesen für einen Querpass, das muss ein Tor sein.

Eine Minute später setzte Sidney Raebiger mit einem herrlichen Diagonalball Jona Renner in Szene, der im Strafraum eigentlich eine hervorragende Schussposition hatte, aber ins Straucheln kam und stürzte. Diese Drangphase war den jungen Löwen anscheinend genug, denn nun nahm das Tempo merklich ab und die Gäste fanden in die Partie. Nachdem ein Fernschuss noch deutlich neben das Tor gegangen war, sahen die Zuschauer wenig später etwas, dass an die Profis erinnerte. Na ja, mehr als die Hälfte auf dem Platz waren das ja auch. Mit simplen Pass-Stafetten kombinierten sich die Gäste an den linken Strafraumrand, von dort wurde der Ball flach auf in den Rückraum gespielt, wo die Nummer 8 sehr frei stand, obwohl die Blau-Gelben eigentlich sortiert waren. Die Direktabnahme aus 14 Metern schlug unten rechts ein. Der Ausgleich, das 1:1.
Das lähmte die jungen Löwen und feuerte die Gäste an. Zehn Minuten später war es erneut die Nummer 8, die viel zu viel Platz hatte, von der Mittellinie Richtung Eintracht-Strafraum marschierte und nicht mal ansatzweise am Schuss aus der zweiten Reihe gehindert wurde. Der Fernschuss aus etwa 26 Metern schlug im linken Winkel ein. Spiel gedreht, das 1:2 für Hildesheim.

Es dauerte zehn Minuten, bis die Blau-Gelben erstmals wieder zum Abschluss kamen. Sebastian Polter wäre beinahe gefährlich zum Schuss gekommen, wurde aber gefoult. Eigentlich dunkelgelb, gab aber nicht mal gelb. Der fällige Freistoß 17 Meter vor dem wurde von Sidney Raebiger direkt aufs Tor getreten, die Mauer fälschte ab, der Ball flog links vorbei. Ein paar Minuten danach spielte Raebiger einen Freistoß vom rechten Strafraumrand flach in den Rückraum, wo Sebastian Polter sofort abzog, aus 14 Metern aber geblockt wurde. Auf der anderen Seite wurde ebenfalls ein direkt getretener Freistoß abgefälscht, dieser wurde dadurch aber erst richtig gefährlich. Marko Rajkovacic tauchte ab und lenkte den Ball um den linken Pfosten.
Dann war Halbzeit. So richtig fiel hier nicht auf, dass sechs Spieler der U23 eigentlich oder ursprünglich zum Kader der Zweitliga-Profis angehörten. Keiner der Spieler mit vermeintlich höherem Anspruch stach heraus und konnte sich für Einsätze im Bundesliga-Unterhaus empfehlen. Dementsprechend enttäuscht waren die Gespräche unter den treuen „Zwote“-Fans. Selbst mit deutlicher Verstärkung konnte die U23 nur gerade so mithalten und lag auch noch zurück. Trainer Fabian Adelmann verzichtete auf Wechsel.

Auch im zweiten Durchgang hatten die jungen Löwen den ersten Abschluss. Sidney Raebiger zog von der linken Seite nach innen und suchte vom linken Strafraumeck den Abschluss, traf mit seinem Flachschuss aber nur das Außennetz. Wer wütende Angriffe oder eine echte Reaktion erwartete, wurde enttäuscht. Die Gäste verteidigten clever, aber auch ohne große Mühe. Der U23 gelang nichts. Da waren zwei Schüsse der Hildesheimer von der Mittellinie schon das gefährlichste auf beiden Seiten. Beide Male musste Rajkovacic sich durchaus anstrengen, um den Einschlag zu verhindern. Als sich die zweite(!) nennenswerte Aktion der Blau-Gelben nach dem Seitenwechsel ereignete, waren nur noch 20 Minuten zu spielen. Sidney Raebiger hatte das Bein im Zweikampf zu hoch und traf seinen Gegenspieler. Klare Sache: gelb. Leider war es seine zweite, hieß also Gelb-Rot. Unterzahl für die jungen Löwen.
Erst mit der Einwechslung von Robin Placinta kam die U23 wieder zu Abschlüssen. Denn der Flügelflitzer schlug den einen oder anderen gefährlichen Standard. Eine Viertelstunde war regulär noch zu spielen, als Sebastian Polter eine Placinta-Ecke mit dem Kopf erwischte, doch noch vor der Linie klärte ein Verteidiger. Fünf Minuten später rutschte auf der anderen Seite ein Steckpass durch, Marko Rajkovacic reagierte im direkten Duell mit dem Stürmer stark und verhinderte die Vorentscheidung. Kurz darauf hatte der Löwen-Schlussmann einen wuchtigen Fernschuss im Nachfassen sicher. Zwei Zeigerumdrehungen danach legte Sebastian Polter eine Freistoßflanke aus dem Halbfeld von Robin Placinta mit dem Kopf quer. Innenverteidiger Raffael Ziegele kam aus elf Metern recht frei zum Abschluss, schoss aber links am Tor vorbei.

Eine Minute später war es ein langer Abschlag von Marko Rajkovacic, der für Gefahr sorgte. Der eingewechselte Basim El-Haj kam im Laufduell im VfV-Keeper Lennart Schulze Kökelsum einen Schritt zu spät. Es war noch eine Minute zu spielen, als es wieder nach einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld gefährlich wurde. Wieder schlug Robin Placinta den Ball auf den zweiten Pfosten, wieder legte Sebastian Polter per Kopf quer, wieder kam Raffael Ziegele aus elf Metern zum Abschluss, wieder war das Ding nicht drin. Dieses Mal wurde Ziegele erst geblockt, dann parierte Lennart Schulze Kökelsum. Tief in der Nachspielzeit konterten die Gäste und brachen über links in den Strafraum, der Flachschuss aus spitzem Winkel rauschte aber rechts an der langen Ecke vorbei.
Wenige Augenblicke später schlug Marko Rajkovacic einen Freistoß von der Mittellinie in den gegnerischen Strafraum. Sebastian Polter kam mit dem Kopf vor Lennart Schulze Kökelsum an den Ball und köpfte die Kugel Richtung leeres Tor. Der späte Ausgleich? Nein, denn auf der Linie rettete noch ein Verteidiger. Eine Minute später wollten die Löwen den letzten Angriff starten, doch gleich zwei Blau-Gelbe rutschten weg und so hatte die Nummer 6 freie Bahn, blieb alleine vor Marko Rajkovacic cool und vollstreckte unten rechts zur Entscheidung. Das 1:3.

Direkt danach war Schluss. Eine verdiente, enttäuschende Niederlage. Mit etwas Glück wäre ein Unentschieden allerdings ebenfalls möglich gewesen. Doch wer mit sechs Profis Glück in der Oberliga braucht, hat dieses nun wirklich nicht verdient. Die U23 hat jetzt acht Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz und die Konkurrenten dort haben sogar ein Spiel weniger. Die Aufholjagd ruckt bedrohlich in die Nähe von der Beschreibung „aussichtslos“. Kein Team hat mehr Gegentore kassiert, nur drei Teams haben selbst seltener getroffen, kein Team hat weniger Punkte auf dem Konto. Sämtliche Statistiken und Beobachtungen sprechen die gleiche Sprache, es droht der Abstieg aus der Oberliga. Mehr Bilder zum Spiel gibt es hier.
Tore: 1:0 (3. Spielminute, Sebastian Polter), 1:1 (16. Spielminute, Mick Gruda), 1:2 (26. Spielminute, Mick Gruda), 1:3 (90.+5 Spielminute, Karsan Doski)
Bis dahin
Euer Kivi
