Was ist passiert?

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Ziemlich genau drei Jahre ist es her, seit der letzte reguläre Beitrag hier erscheinen ist. Was ist seitdem passiert. Nun, Eintracht-typisch ziemlich viel. Ich beziehe mich im Folgenden erstmal nur auf das was ich mit der ersten Herrenmannschaft unserer Braunschweiger Eintracht erlebt habe.

Rückrunde 2018/19

Ziemlich sensationell ging es nach dem Trainingslager in Belek weiter. Eine historische Aufholjagd mit einem mit einem nervenaufreibenden Abstiegs-Krimi-Finalspiel endete im einige Monate nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt in Liga 3. Tränen der Erleichterung flossen bei Fans wie Spielern. Im von Eintracht und Magentasport zusammengestellten Video zum entscheidenden Spiel gegen Cottbus stand ich sinnbildlich für die verschiedenen Emotionen während des Spiels.

Einerseits vollkommen entschlossen, andererseits vollkommen angespannt. Ich muss sicherlich niemandem der dabei war erklären, dass das eins der besten und zugleich schlimmsten Spiele überhaupt war. Niederlage bedeutete Abstieg, alles andere bedeutete Klassenerhalt, bei Remis gegen den direkten Konkurrenten sogar nur durch die um ein Tor („EIN TOR!“, höre ich seit Sommer 2019 immer in Tobis Stimme in meinem Kopf) bessere Tordifferenz. Es stand 1:1 und dann passierte es, der Ball fliegt aufs Eintracht-Tor, irgendwie sehe ich es plötzlich in Zeitlupe, ja wieso klärt den denn niemand!? Auch ein Löwenherz kann ganz schön tief rutschen, das wurde mir in diesem Moment wieder mal bewusst. Doch dann schädelte Teufelskerl Steffen Nkansah die Pille vom Tor weg, kollektives Aufatmen. Als der Schiedsrichter dann die etwa 300-Minütige Nachspielzeit abpfiff, brachen nicht nur bei mir alle Dämme. Es war geschafft, wieder einmal verhinderte Eintracht Braunschweig auf den letzten Drücker den Absturz in die Viertklassigkeit.

Schon lange vor Anpfiff war die Südkurve rappelvoll

Danach kurz mit ein paar neuen Bekannten von Twitter getroffen, dann ging es auf den Rasen zu einer vergleichsweise kleinen nicht Abstiegs Feier. Man feierte Yari „Uwe“ Otto und lauschte den Dankesreden einiger Spieler.

Auf dem Rasen vor der Haupttribüne

Nach dem Spiel wusste ich gar nicht so recht wo hin mit mir, also wartete ich kurzentschlossen auf die Helden der Rückrunde für einen kleinen Plausch. Steffen Nkasnah, der den Ball vorm Einschlag ins Blau-Gelbe Gehäuse bewahrte, kannte ich schon von einem Besuch bei der Weihnachtsfeier meines Fanclubs Concordia Brunsviga, die trotz der schwierigen sportlichen Lage sehr schön war. Ein absolut feiner Kerl. Allen Spielern war die Erleichterung anzusehen. Ein schöner Ausklang für eine Anstrengende Saison.

Kopfballheld Steffen Nkansah

Saison 2019/20

Vom erhofften Durchschnaufen in der Sommerpause blieb nicht viel, kurz vorm Trainingsauftakt verabschiedete sich Chefcoach Andre Schubert gen Kiel. Ich war da gerade auf dem Rückweg von einem Event in Bremen, als plötzlich mein Handy eine Benachrichtigung nach der anderen signalisierte. Auf dem nächsten Parkplatz angehalten, versuchte ich rauszufinden was zum Teufel los ist. Nachdem ich wusste, was los war ging es mit gemischten Gefühlen auf den Rückweg in die Heimatstadt.

Klar war, dass Andre Schubert einen großen Anteil am Klassenerhalt hatte. Ebenso klar war, dass er als schwierig galt, was auch nie jemand so richtig widerlegen wollte. Unklar war, wie der neue Trainer das alles Fortführen würde, denn Feuerwehrmann Schubert war gleichzeitig auch sowas wie der Sportdirektor, dessen Position nach dem Abgang von Marc Arnold im vorherigen Sommer immer noch unbesetzt war.

Bei der offiziellen Saisoneröffnung, einem gemeinsamen Grillen von Fans und Mannschaft, wurden dann die Zügel offiziell übergeben. Neuer Cheftrainer wird der vorherige Co-Trainer Christian Flüthmann (schaut euch hier ein Interview von ihm mit dem lieben Thomas vom Podcast Gegengerade an), Sportdirektor wird der altbekannte Peter Vollmann, 2002 bereits den Aufstieg mit der Eintracht schaffte (wie es zu uns passt, natürlich in allerletzter Sekunde).

Der neue Cheftrainer Christian Flüthmann

Bei vielen namhaften Zugängen war das Interesse groß und es konnten einige nette Gespräche geführt werden. Große Stücke wurden auf Martin Kobylanski gehalten, der Eintracht in der Saison zuvor ganze fünf Tore reinknallte. So ganz wusste man nicht, was man von der kommenden Saison erwarten sollte, doch vorsichtig optmistisch versprach man sich oben mitzuspielen.

Neuzugang Martin Kobylanski

Mit vorsichtig optimistisch hatte der Saisonstart allerdings wenig zu tun. In den ersten sieben Spielen gab es satte sechs Siege und man grüßte von der Tabellenspitze. Offizielles Ziel von Vereinsseite war irgendwas zwischen Platz 5 und „besser als in der letzten Saison“. Umso überraschender war es dann, als man nach ein paar erwartbaren schwächeren Spielen zwar immer noch auf Platz fünf stand, aber plötzlich den Trainer wechselte. Nach 15 Spielen war Schluss für den jungen Flüthmann und man wechselte zurück zur bereits bewährten Feuerwehrmann-Glatze. Neuer Coach wurde Marco Antwerpen, der mit Preußen Münster ordentliche Leistungen ablieferte und vor allem Martin Kobylanski gut kannte. Nach einem kuriosem ersten Sieg (2:1 gegen Chemnitz) in dem zwei völlig überraschende Tore einen Rückstand in einen Sieg verwandelten, gewann man dann relativ überzeugend mit 3:1 gegen Zwickau. Danach gab es allerdings nicht mehr so viel zu holen, in den sechs Spielen danach ergatterte man nur vier Punkte. Das letzte Spiel war allerdings ein starkes Spiel gegen den damaligen Spitzenreiter MSV Duisburg. Dieses Ergebnis gab noch einmal Schwung, aber nur für die Heimspiele. Zwischen den Heimsiegen gegen Kaiserslautern und Uerdingen gab es eine erschreckend schwache 3:1- Niederlage in Würzburg.

Diese wurde nur durch eins der schlechtesten Spiele, die ich von uns überhaupt gesehen habe getoppt. Beim letzten Spiel vor der Corona-Pause gab es richtig aufs Fressbrett und man konnte nur Fortuna, der Glücksgöttin und der mangelnden Chancenverwertung des Gegners, Hansa Rostock, danken, dass die Niederlage mit 3:0 schon aberwitzig knapp ausfiel. Wäre die Saison danach nicht erstmal unterbrochen gewesen, hätte es wohl einen Trainerwechsel gegeben. So blieb Antwerpen und konnte nach 2,5 Monaten Pause aus dem Vollen schöpfen. Sportdirektor Peter Vollmann war es in der Winterpause nicht gelungen, den Kader merklich zu verkleinern. Dies wurde jetzt unabsichtlich zum Vorteil, da man bei elf Spielen in etwas mehr als einem Monat deutlich öfter rotieren konnte als eigentlich jeder Gegner. Gut war zudem, dass Martin Kobylanski mit einer derart guten Form aus der Pause zurück kam, dass es fast schon beängstigend war. Mit 15 Torbeteiligungen in den zehn Spielen, die er nach dem Restart eingesetzt wurde, hatte er maßgeblichen Anteil, an dem was folgen sollte.

Eintracht hatte zwar nur geringen Rückstand auf die Aufstiegsplätze, doch durch die enge Liga lag man vor dem Restart nur auf Platz neun. Nach sechs Siegen und zwei Remis stand man drei Spieltage vor Saisonende auf einem direkten Aufstiegsplatz und hatte alles in der eigenen Hand. Viele unfassbar nervenaufreibende Spiele hatte man hinter sich gebracht, nach denen mal eigentlich immer völlig fertig war und Eintracht wieder zeigte, wie spannend Fußballspiele sein können. Pfosten, Latte, Mello Engelhardt und das Unvermögen der gegnerischen Abschlüsse verhinderten einige Tore, die man schon drin gesehen hatte.

Als dann Yari Otto gegen den stark abstiegsgefährdeten FSV Zwickau in der 90. Minute das 1:2-Führungstor erzielte, war der Aufstieg kaum noch zu nehmen. Dachte man. Es folgte eine Nachspielzeit, die so unglaublich und erschütternd war, das ich noch heute ein komische Gefühl im Bauch habe, wenn ich daran denke. Eben noch lag man sich im heimischen Wohnzimmer in den Armen, ja sollte es denn tatsächlich klappen mit dem Aufstieg!? Doch dann schafften es die Blau-Gelben nicht nur die Führung zu verspielen, nachdem man in der 90. Minute(!) in Führung ging, man gab das Spiel komplett aus der Hand und verlor noch mit 3:2. Völlig am Boden zerstört schrieb ich damals in den sozialen Medien „Was ne Fickscheiße“.

Doch lange konnte man sich nicht ärgern, denn nur eine halbe Woche später ging es im Eintracht-Stadion weiter. Gegner war Waldhof Mannheim. Nachdem es 90 Minuten hin und her ging, stand zwar der Sieg fest, doch da Duisburg kurz vor Schluss gegen die U23 des FC Bayern führte, war der Aufstieg noch nicht klar. Allerdings war das Spiel in München noch nicht vorbei. So schaltete man rüber und bangte mit. Und dann erzielte Leon Dajaku tatsächlich in der zweiten Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Und kurz darauf war Schluss.

Abpfiff in München, Jubel im Wohnzimmer

Auf ging es zu einer kleinen Feierei am Stadion. Ich versuchte, mich etwas Abseits zu platzieren. Trotz aller Freude war mir damals eine größere Menschenmenge noch nicht ganz geheuer. Den allermeisten anderen Fans schien es ähnlich zu gehen, sodass der Großteil sich auf viele kleine Grüppchen aufteilte. Zu später Stunde machten viele Blau-Gelben auch noch die Stadt unsicher, allerdings ohne mich, denn ich musste am nächsten Tag wieder arbeiten, es war schließlich ein Mittwochabend. Durch die Freude über den unerwarteten und auch recht glücklichen Aufstieg wurde das letzte Saison-Spiel, eine 4:3-Niederlage in Meppen, allerdings auch mit einer Elf, die im Normalfall so kein Spiel bestritten hätte, ziemlich unbedeutend.

Aufstiegsfeier vor Haupttribüne, nicht auf dem Rasen

Saison 2020/21

Eine Saison zum Vergessen. Wieder einmal wurde vor Saisonstart der Trainer gewechselt. Neuer Chefcoach wurde Daniel Meyer. Obwohl immer wieder betont wurde, dass die Kasse knapp ist, wurden Spieler verpflichtet, die zumindest von der Gehaltsklasse her ein oder mehrere Level über dem waren, was man von sich selber sagte. So waren Neuzugänge wie Felix Kroos, Fabio Kaufmann und Yassin Ben Balla stark umworben und sicherlich nicht günstig. Ein Jahr später sind alle weg. Noch immer im Verein, aber dafür mit Ablöse geholt: Jannis Nikolaou. Wieder mal gab es unzählige Zu- und Abgänge vor der Saison. Selbst die besten Experten werden Schwierigkeiten haben, alle Spieler aufzuzählen, die seit 2018/19 irgendwann mal irgendwie Teil des Kaders waren. So waren es im kurzen Intermezzo mit der zweiten Liga 17 Zugänge und 16 Abgänge.

Die Saison startete ziemlich gut. Erstmals durften im DFB-Pokal wieder Zuschauer ins Stadion. 500 Zuschauer waren erlaubt und ich war mit meinem langjährigen Stadionkumpel dabei. Gegner war wieder einmal Hertha BSC.

Erstmals seit Ewigkeiten nicht in Block 6

Es sollte ein Spiel werden, dass man nicht so schnell vergessen wird. Bereits in der zweiten Minute verwandelte Martin „Torfabrik“ Kobylanski einen Freistoß zur Führung. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Immer wieder kam die Hertha zurück, immer wieder ging Eintracht in Führung. Nach 90 Minuten stand es 5:4 und Eintracht war eine Runde weiter. Eintracht in der zweiten Runde im DFB-Pokal, das gibt es auch nicht so oft.

Abpfiff und Sieg gegen den Bundesligisten

Zu den nächsten Spielen durften ebenfalls Zuschauer kommen, leider blieben über die gesamte Saison Auswärtsfans verboten, nach dem sechsten Spieltag kehrte man dann komplett zu Geisterspielen zurück, Bis dahin blieb Eintracht bei Heimspielen ungeschlagen und konnte aus den drei Heimspielen in der Liga immerhin sieben Punkte einsacken. Bis dahin hatte man aber auch alle Auswärtsspiele ziemlich deutlich verloren. Es sollte die Saison der frühen Gegentore werden. Immer wieder geriet die Eintracht in der Anfangsviertelstunde in Rückstand und konnte dies über die gesamte Saison nie wirklich abstellen. Immer wieder hatte man zudem lange Serien ohne Sieg und schaffte in 34 Spielen nur ganze sieben Siege.

Trotzdem hatte man es bis zum Schluss in der Hand, zumindest noch auf den Relegationsplatz zu hüpfen. Doch immer wieder leistete man sich unnötige Fehler, es war in zu vielen Spielen einfach zu wenig. Als man in den letzten beiden Heimspielen gegen Gegner spielte, für die Saison bereits gelaufen war, konnte man auch daraus kein Kapital schlagen. Selbst gegen den bereits abgestiegenen Tabellenletzten Würzburg sah es eigentlich zu keinem Zeitpunkt nach Zuwachs fürs Blau-Gelbe Punktekonto aus. Natürlich lag man auch hier nach wenigen Minuten zurück.

Im letzten Zweitligaspiel auf unbestimmte Zeit musste man zum großen HSV reisen, der wieder mal den Aufstieg verspielt hatte. Auch hier ging das lustige Kassieren früher Tore weiter und man stieg mit einer 4:0-Klatsche ab.

Bezeichnend für dieses Saison: Nur Zwölf Spieler blieben dem Kader erhalten, Benny Kessel beendete zudem seine Karriere.

Hinrunde 2021/22

Willkommen in der Gegenwart! Na ja, fast.

Wieder mal wurde viel ausgetauscht, bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Personalien seit Beginn dieses Berichts ausgetauscht. Ganze vier Spieler sind seitdem im Verein, Niko Kijewski, Jasmin Fejzic, Yannik Bangsow und Yari Otto.

Neuer Cheftrainer wurde Michael Schiele, der ein komplett neues Trainerteam aufstellte. Mit 19 Abgängen und 14 Zugängen wurde wieder einmal der Großteil der Mannschaft umsortiert. Doch schnell stellte sich heraus, das fortan eine andere Teamchemie herrscht.

Allerdings nicht beim ersten Heimspiel. Nach einem 0:0 in Kaiserslautern, das das Stimmungsbarometer in keine Richtung ausschlagen lies, verlor man beim ersten Heimspiel mit 0:4 gegen den Aufsteiger Viktoria Berlin. Nach Spielende ertönte nicht nur vom Schiedsrichter ein Pfiff, auch viele der anwesenden Fans äußerten Ihren Unmut, hatte man sich doch gefreut, endlich wieder ins Stadion zu dürfen, wenn auch zu ungewohnten Bedingungen.

Endlich wieder Zuhause in Block 6

Doch die Mannschaft fand sich. Es gab nur noch drei weitere Niederlagen, nach 20 gespielten Spielen steht die Eintracht wieder mal auf einem Platz, der zum Ligawechsel berechtigt. Dieses Mal zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Auch schwächere Auftritte wurden verziehen, da die Mannschaft so auftritt, wie es der Eintracht-Fan wünscht: Kampf, Leidenschaft und Wille. In dieser Saison besonders interessant, die Eintracht-DNA, die das Team der Blau-Gelben Datenwelt auf Twitter und im Podcast Gegengerade präsentiert.

Und so sind wir angekommen vor dem ersten Spiel im Jahr 2022 gegen den Halleschen FC. Die kommenden 18 Spiele werden entscheiden, wo die Reise in der Saison 2022/23 weitergeht. Offizielles Ziel ist es, spätestens in der kommenden Saison aufzusteigen. Wie es intern aussieht, wissen nur die Beteiligten. Ich hoffe, dass wir bald wieder zu einer angemessenen Anzahl ins Stadion gehen können und freue mich auf die Fortsetzung der Blau-Gelben Achterbahnfahrt.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kivi

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