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Löwenjagd: Neuzugänge fürs Mittelfeld

Ein Text von Jussi-Pekka und Luc


Moin Löwen!

Genau wie Weihnachten steht bald die Winterpause und die damit einhergehende Transferperiode vor der Tür. Grund genug für Eintracht-Fans in Foren und an Stammtischen, über mögliche Verstärkungen zu diskutieren, die Benjamin Kessel uns BTSV-Anhängern (verspätet) unter den Weihnachtsbaum legen könnte. Mit beschränkten finanziellen Mitteln geht es darum, auf den richtigen Positionen mit passenden Spielerprofilen an Qualität im Abstiegskampf zuzulegen. Werfen wir einen Blick auf mögliche Neuzugänge, die realistisch und sinnvoll erscheinen und der Eintracht in der zweiten Saisonhälfte gut tun könnten.

I. Was braucht der BTSV?

Um verbesserungswürdige Positionen und interessante Spielerprofile herauszuarbeiten, müssen wir uns zunächst anschauen, woran es in der Hinrunde haperte. Dazu möchten wir insbesondere auf Jussi’s Artikel von Ende November verweisen: Es fällt auf, dass die Eintracht sich insbesondere gegen vermeintlich „schwächere“ Teams mit wenig Anspruch auf Ballbesitz und Spielkontrolle schwertut. So konnte der BTSV gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte weniger Siege einfahren als gegen Mannschaften mit Aufstiegsambitionen.[1]

Das liegt nicht zuletzt am Offensivspiel der Blau-Gelben. Wie in dem Artikel erläutert, kreiert die Eintracht insgesamt weniger Torgefahr, wenn sie nicht hinter hochstehende Ketten spielen kann. Bezeichnend: Gegen die direkten Abstiegskandidaten aus Münster, Regensburg und Ulm konnte der BTSV durchschnittlich nur 0,67 xG pro Spiel erzeugen. Das sind auch gleichzeitig 3 der 5 Spiele, in denen die Eintracht am meisten Ballbesitz hatte.

Es scheint den Braunschweigern also an Spielern zu fehlen, die im Spiel mit dem Ball Torgefahr kreieren können. Es liegt nahe, den Stürmern vorzuwerfen, sie müssten besser spielen. Allerdings müssen diese eben auch in Szene gesetzt werden, um eine Gefahr für das gegnerische Tor darzustellen.

Deswegen haben wir uns dazu entschieden, gezielt einen neuen zentralen Mittelfeldspieler für unsere Eintracht zu suchen. Dieser soll die eigenen Stürmer besonders gut in Szene setzen können, sodass diese für das gegnerische Tor gefährlich werden können. Seine Aufgabe soll es sein, die Bälle per Passspiel erfolgreich in die gefährliche Zone vor dem gegnerischen Tor zu bringen.

Außerdem soll der ZM den Ball „carrien“ können, also den Ball mehrere Meter nach vorne tragen. Des Weiteren sollte er als Teil der Doppelsechs, soweit Daniel Scherning weiterhin in einem 3-4-3 aufstellen will, auch eine defensive Verantwortung nicht komplett vermissen lassen.

Die aktuelle Besetzung dieser zentralen Mittelfeldposition bei der Eintracht sieht folgendermaßen aus (da Niklas Tauer noch verletzt ist): Sven Köhler, Max Marie und Sidney Raebiger. Während Sven Köhler 1266 Spielminuten verbuchen konnte, mussten sich Max Marie und Sidney Raebiger auch aufgrund von Verletzungen mit lediglich 262 beziehungsweise 69 Minuten begnügen.

Köhler erscheint auf dem Papier zunächst einmal nicht unkreativ: Ein Expected Assists pro 90 Minuten (xA p90) Wert von 0,17 ist durchaus sehr ordentlich. Der expected Assist-Wert für einen Pass ist der Wert der expected Goals (xG) des Schusses, zu dem dieser Pass geführt hat.

Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass insbesondere der Umstand, dass Köhler viele ruhenden Bälle schlägt, für diesen hohen Wert verantwortlich ist. Aus dem Spiel heraus fällt er leider nicht durch Kreativität auf. Auch ist er kein „Ballcarrier“. Gegen einen spielstarken Gegner, gegen den es primär um das Verteidigen und die schnellen Konter geht oder vor einer Viererkette, kann er allerdings der richtige Partner eines defensiven Mittelfeldspielers sein. Sein Passspiel ist ordentlich, aber nicht gefährlich und kreativ genug, sodass es als Kreativzentrum im Spiel mit dem Ball aus unserer Sicht nicht reicht.

Die anderen beiden internen Alternativen haben leider wenig auf Zweitliganiveau gespielt, um eine vollumfängliche Bewertung vorzunehmen. Allerdings war bereits bei der Verpflichtung von Marie aus der Regionalliga klar, dass er keine Sofortverstärkung wird, sondern ein Spieler für die Zukunft. Global Soccer Network (GSN) bewertete den damals 19-Jährigen mit Schnittstelle 3. Liga/2. Liga (GSN-Index: 50.15) und einem Potenzial eines guten Zweitligaspielers (GSN-Index: 58.22). Eine kreative Spielweise hat Marie aber. Ohne mehr Spielpraxis wird er sich allerdings weder weiterentwickeln, noch der Eintracht weiterhelfen können.

II. Wer könnte passen?

Wir haben uns auf die Suche nach Spielern gemacht, die dieses Profil mitbringen. Dabei sind wir auf drei verschiedene zentrale Mittelfeldspieler gestoßen, die unsere Vorgaben erfüllen, sich allerdings trotzdem voneinander unterscheiden. 

Als Methode oder Vorgehensweise haben wir die Daten von Wyscout anhand der Ligastärke gewichtet, um somit besser die Ligen und Spieler miteinander zu vergleichen. Dazu haben wir auch die verschiedenen Parameter pro Position unterschiedlich gewichtet. Bei unseren möglichen Keyspielern haben wir nochmal Global Soccer Network um eine Einschätzung gebeten und die Spieler per Video analysiert.  

1. Die kreative Lösung: Conan Noonan, Shamrock Rovers (21)

Mit seinen 21 Jahren hat der junge Ire schon einiges erlebt: Profidebüt mit 17, ein gesamter Saisonausfall aufgrund einer komplizierten Corona-Erkrankung und weiterer Verletzungen, 2 irische Meisterschaften und ein Europa-League-Quali-Einsatz.

In der vergangenen Saison (in Irland geht die Saison von Februar bis November) kam der 1,80m große Spielgestalter auf 855 Minuten in der Liga, in denen er 4 Tore vorbereitete. Dabei kam er meist zu Kurzeinsätzen im zentralen oder offensiven Mittelfeld sowie auf Linksaußen. In der Endphase der Saison wurde er schließlich in der Liga nicht mehr eingesetzt. In der Conference League kam er im Dezember noch einmal zu einem Kurzeinsatz und darf sich Hoffnungen machen, am heutigen Donnerstag weitere Spielerfahrung gegen Chelsea zu sammeln.

GSN schätzt sein aktuelles Spielniveau als solide für die 2. Bundesliga ein (GSN-Index: 55.78). In der Zukunft könnte Noonan jedoch sogar unterdurchschnittlicher Bundesligaspieler werden (GSN-Index: 62.68).

Wir finden, dass er vor allem als kreatives Bindeglied zwischen Defensive und Offensive überzeugt: Nicht nur kreiert er 0,33 xA p90 (in der zweiten Bundesliga kommt nur Marlon Ritter vom FCK auf einen solchen Wert), auch sein Passspiel und seine Fähigkeit, den Ball zu carrien, sind sehr gut. Die Shamrock Rovers spielen zudem mit einem ähnlichen System wie Daniel Scherning: Meist laufen die Zweitplatzierten der irischen Liga in einem 3-4-3 auf.

Eigene Torgefahr strahlt Conan Noonan nur selten aus: Er kommt auf 0,05 xG p90. Ab und zu schießt er Ecken und Freistöße.

Größtes Defizit ist bei ihm die Körperlichkeit, welche er allerdings durch ein hohes Laufpensum sowie eine gute defensive Positionierung ausgleichen kann. Er führt eine ordentliche Menge an Defensivzweikämpfen, gewinnt allerdings nur 51,52%, was für einen ZM kein guter Wert ist.

Noonan ist ein beidfüßiger und spielintelligenter Passgeber, der im offensiven 1-gegen-1 und im Torabschluss noch Verbesserungspotenzial hat und offensive Zweikämpfe eher meidet, diese aber mit einer überdurchschnittlichen Erfolgsquote von 52,73% gewinnt.

Selbst, wenn man bedenkt, dass die erste irische Liga qualitativ schlechter als die 2. Bundesliga einzuschätzen ist, sind wir der Meinung, dass Noonan eine sehr gute Ergänzung für das Spiel der Eintracht ist. Wie bereits oben bemerkt, hält auch GSN ihn für zweitligareif. Seine Art Fußball zu spielen, könnte das blau-gelbe Offensivspiel auf mehreren Positionen beleben und die Eintracht zu mehr Chancen führen. GSN sieht ihn auf der Dauer auf Linksaußen. 

Aufgrund des Mangels an Einsatzzeit wäre ein Abgang aus Irland vorstellbar. Noonans Preisschild dürfte nicht allzu hoch sein, sodass auch eine Festverpflichtung möglich sein könnte. Will die Eintracht kein hohes Risiko eingehen, könnte eine Leihe mit Kaufoption ein guter Mittelweg sein. 

2. Die ausgewogene Lösung: Edoardo Iannoni, Sassuolo (23)

Der italienische Mittelfeldspieler kam nach dem Abstieg in diesem Sommer für eine stolze Million aus Perugia, wo er während seiner Leihe als Stammspieler in der dritten italienischen Liga überzeugen konnte, sodass man die Kaufoption zog und ihn direkt weiterverkaufte.

In der zweiten Liga, die ungefähr das gleiche Leistungsniveau wie die zweite Bundesliga hat, wurde er beim aktuellen Tabellenführer aber nur 396 Minuten eingesetzt. Zudem durfte er 90 Minuten im Pokal ran.

GSN hält ihn dennoch für einen unterdurchschnittlichen Bundesligaspieler (GSN-Index: 62.68) mit Potenzial zum guten Bundesligaspieler (GSN-Index: 69.80).

Wir halten den 23-Jährigen für einen exzellenten Defensivzweikämpfer. Er kommt auf 10,92 erfolgreiche Defensivaktionen pro 90 Minuten und rangiert damit im Vergleich mit seinen Zweitliga-Kollegen aus Deutschland auf Platz 4.

Mit präzisen Pässen in die Tiefe lenkt er das Spiel und kreiert Chancen und würde beim Passspiel zu den besten Spielern der zweiten Bundesliga gehören.

Anzeichen guter Ansätze beim In-Szene-Setzen der Mitspieler sind also durchaus auch bei ihm vorhanden. Er bringt dabei allerdings deutlich mehr defensive Absicherung Noonan und überzeugt durch ein kompletteres Skillset.

Aufgrund der im Sommer für ihn gezahlten Ablöse von 1 Mio. € und der Vertragslaufzeit bis 2028 wirkt ein fixer Transfer in diesem Winter eher unrealistisch. Die geringe Spielzeit lässt aber eine Leihe für alle Parteien attraktiv erscheinen.

3. Die disruptive Lösung: Alan Silva, Guillermo Brown (22)

Ein Transfer eines 22-Jährigen aus der zweiten argentinischen Liga könnte man tatsächlich als Disruption der Transferpolitik unserer Eintracht bezeichnen. Doch auch seine Spielweise unterscheidet sich komplett von der bisherigen Herangehensweise der Blau-Gelben. Vielleicht ist es aber genau das, was für ihn spricht.

Silva kommt in dieser Saison auf 562 Minuten in der Saison 2024 (auch in Argentinien entsprechen die Saisons den Kalenderjahren). Dabei hat er für den Tabellenletzten 2 Assists verbuchen können, während er alle Offensivpositionen inkl. des ZMs bekleidete. Im Vergleich mit der zweiten Bundesliga, Serie B und auch der irischen ersten Liga fällt das Niveau der zweiten argentinischen Liga deutlich ab.

Trotz dessen hält GSN ihn für einen soliden Zweitligaspieler (GSN-Index: 56.78) mit dem Potenzial zum unterdurchschnittlichen Bundesligaspieler (GSN-Index: 64.21). Unabhängig von seiner Vielseitigkeit, sieht GSN ihn am besten im offensiven Mittelfeld. Er wäre also eine sehr offensive Lösung für das zentrale Mittelfeld.

Wie bereits erwähnt, halten wir seine Spielweise für sehr untypisch (zumindest für die Verhältnisse des deutschen Fußballunterhauses). Ist er zwar wie Messi in Rosario geboren, erinnert sein Spiel eher an Neymar. Mit einem primären Unterschied: Er ist im Spiel gegen den Ball extrem aggressiv, zäh und hartnäckig in den Zweikämpfen und scheut diese auch nicht. Sowohl bei der Anzahl der Defensiv- als auch bei der Anzahl der Offensivduelle hat der Rechtsfuß Top-Werte.

Sein trickreiches 1 gegen 1 und eine sehr gute Technik führen zu sehr vielen erfolgreichen Offensivaktionen. Seine Art „Straßenfußballer“ ist nicht nur ansehnlich und erfrischend, sondern hilft ihm auch auf engem Raum. Zudem kann er durch ordentliches Tempo und guten Antrieb auch den Ball gut nach vorne tragen.

Mit seinem sehr starken rechten Fuß bringt er zudem technisch gute Freistöße. Im laufenden Spiel muss er noch an seinen Hereingaben in den Strafraum arbeiten. Außerdem ist er im Abschluss noch zu unpräzise und ineffizient. Sein Körperbau (1,70m, 73 kg) sorgt zudem dafür, dass er keine Lufthoheit ist.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Vorschlägen erzeugt er seine Gefahr nicht durch Passspiel, sondern durch sein 1 gegen 1. Man muss allerdings feststellen, dass er nicht in die Spielphilosophie von Scherning und die Transferpolitik der Eintracht passt. Er würde aber sehr viel Leben in die Eintracht-Offensive bringen, insbesondere im Rückstand könnte er die Gegner überfordern und dadurch den Blau-Gelben zurück ins Spiel helfen.

Silva ist in dieser Aufzählung eher ein Geheimtipp. Trotzdem könnte man von ihm, wenn man ihn gut integriert und auch langfristig weiterentwickelt, nicht nur sportlich, sondern auch finanziell von ihm profitieren.

Als „unentdecktes Talent“ dürfte er auch günstig zu haben sein. Möglicherweise hat sein Vertrag bis Dezember 2025 laufender Vertrag mit dem Abstieg von Guillermo Brown keine Wirksamkeit mehr, sodass keine Transfersumme fällig sein könnte. Die Eintracht müsste hier aber vermutlich eine Ausbildungsentschädigung zahlen. Seine Agentur hat zumindest vor kurzem einen Zusammenschnitt seiner besten Szenen auf Youtube hochgeladen. Das heißt zum einen, dass er vermutlich einen neuen Arbeitgeber sucht. Zum anderen aber auch, dass die Interessierten unter Euch sich das Video kostenlos angucken können. 

4. Der Vergleich

Zum Abschluss haben wir Euch hier noch einmal einen grafischen Vergleich der Spieler (inkl. Köhler) aufbereitet. Die erste Grafik berücksichtigt das Niveau der Liga, in der der Spieler spielt, nicht, während die zweite es tut.

III. Fazit

Die drei vorgeschlagenen Spieler sollen zwar alle das Spiel mit dem Ball der Eintracht bereichern, unterscheiden sich aber in der Art und Weise der Problemlösung.

Conan Noonan kann den Ball besonders gut carrien und sorgt für extrem viel Gefahr direkt vor dem Tor, während sein italienischer Kollege Edoardo Iannoni vor allem durch extrem starkes Passspiel und eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive auffällt. Der Dritte im Bunde, Alan Silva, macht durch seine klasse Technik und Intensität auf sich aufmerksam.

Letztendlich ist es eine Stil- und auch Taktikfrage. Bei der (hypothetischen) Entscheidung zwischen diesen drei Vorschlägen kommt es maßgeblich darauf an, wie die Eintracht das Spiel mit dem Ball in Zukunft gestalten will. Auch unterscheiden sich die 3 im Risiko des Transfers. Eine Verpflichtung von Iannoni wäre sowohl transferpolitisch als auch spielerisch die risikoärmste Option, wobei der junge Argentinier Silva das komplette Gegenteil wäre.

Eure Meinung?

Jetzt würde uns eure Meinung interessieren! Welche Spieler oder Spielertypen würdet ihr gerne bei der Eintracht sehen? Was braucht die Eintracht noch um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen?

Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare!

P.S. Liest auch Jussis drei Maßnahmen gegen den Abstieg.


[1] Gegen Fürth konnte man den einzigen Sieg gegen ein Team der unteren Tabellenhälfte verzeichnen. Trotz der Tabellenplatzierung hat Fürth allerdings grundsätzlich trotzdem den Anspruch, das Spiel zu machen.

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