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Auswärtssieg in letzter Sekunde

Die U23 holt sich wie schon in der vergangenen Woche mit der letzten Aktion den Sieg! Gegen die Zweitvertretung von der SV Drochtersen/Assel stand es nach einer fürchterlichen ersten Halbzeit 0:2. Doch nach dem Seitenwechsel drehten die jungen Löwen vor etwa 150 Zuschauern endlich auf und glichen durch zwei schnelle Treffer von Marvin Awuah und Max Belger aus. Es war ein Kampfspiel mit zwölf Gelben Karten und in der letzten Sekunde war Marvin Hounkpati da und donnerte das Leder im Anschluss an einen Standard in die Maschen! Das war der 3:2‑Sieg!

U23-Coach Uwe Möhrle entschied sich für folgende Aufstellung: Nick Bodon (TW) – Sanoussy Ba (46. Andrej Schlothauer), Raffael Ziegele, Jakob Benstead, Max Belger – Hugo Afonso (46. Mason Grumbach), Jona Renner (C) – Damjan Kovacevic (81. Arda Aksac), Robin Placinta, Marvin Awuah (47. Marvin Hounkpati) – Amer Buljubasic

Gespielt wurde auf dem B‑Platz. Aber nicht am Stadion des Regionalligisten, wo dessen Zweitvertretung in der Regel spielt, sondern auf einer weiteren Anlage, die als Teil einer Grundschule eher Niveau Kreisklasse hatte. Also quasi der B-Platz vom B‑Platz. Mathematisch gesehen ist das fast schon eine binomische Formel! Ein echter Acker, aber auch nicht wirklich anders als gerade im NLZ oder in der Rheingoldarena. Dafür war das Klo kurzerhand in einen Abstellraum gelegt worden. Kurios, aber funktionierte. Bratwurst gab es nicht, aber dafür Verpflegung wie bei einem E‑Jugend-Hallenturnier. Und Bier. Auch wichtig.

Von Beginn an war es ein sehr dürftiger Auftritt beider Teams. In der Anfangsviertelstunde passierte nichts, außer vielen Fehlern auf beiden Seiten. Die zweistellig mitgereisten Eintracht-Fans, die fast alle am Tag zuvor auch in Fürth waren, sehnten sich eigentlich nach positiver Abwechslung. Die sollte es aber vorerst nicht geben. Stattdessen kam das Schlusslicht zur ersten Torchance. Nach einer Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld prallte der Ball hin und her, der Drehschuss von der Strafraumkante flog aber über den Kasten.

Zwei Minuten später geriet ein Rückpass von Robin Placinta auf Nick Bodon zu kurz, der aber auch etwas spät reagierte und dem Ball zögerlich entgegen ging, wohl in dem Bewusstsein, dass er nicht die Hände zu Hilfe nehmen durfte. Der Stürmer nutzte dies und war zuerst am Ball. Mit der Fußspitze spitzelte er die Kugel in die untere rechte Ecke. Die Grätsche von Jakob Benstead kam zu spät, das Ding war drin. Der Schiedsrichter vermerkte das Ganze als Eigentor, doch der Stürmer war klar am Ball dran. Für uns aber egal, fest stand das Ergebnis, das 0:1.

Die extrem emotional aufgeladenen Gastgeber spornte das natürlich nur noch mehr an. Mitten im Abstiegskampf versuchten die Hausherren alles, um dem Spiel den Rhythmus zu nehmen. Es war extrem laut auf dem Feld, die Gastgeber spielten robust, zogen immer wieder bewusst das Foulspiel, waren sich nicht zu schade für den langen Befreiungsschlag und machten sich immer wieder gegenseitig heiß. Allen voran Innenverteidiger Liam Giwah, der nach langer Verletzung in der 2. Mannschaft aushalf. Ein Heimzuschauer teilte mir mit, dass der über 150-fache Regionalligaspieler sogar einer der Kapitäne des Tabellendritten der Regionalliga Nord ist. Und das merkte man vor allem in den Luftduellen.

Nicht der einzige Spieler, der aus dem Regionalliga-Kader aushalf, aber auch bei der Eintracht gehörten mehrere Spieler eigentlich zum Zweitliga-Kader. Einer davon war Damjan Kovacevic, der tatsächlich den einzigen „Schuss“ aufs Tor im ersten Durchgang abgab. Der Flachschuss aus 20 Metern geriet aber zu zentral und hatte zu wenig Druck, das gehörte eher in die Kategorie „Kullerball“. Aber der Österreicher war nicht zum ersten Mal ein Lichtblick in einer Saison mit vielen unglücklichen Profi-Leihgaben. Vorerst aber ohne Ertrag. Dennoch gehörte ihm auch die nächste Szene. Seine Flanke von der rechten Seite wurde gefährlich abgefälscht und senkte sich Richtung Tor, landete aber nur auf dem Tordach. Die beiden anschließenden Ecken wurden halbwegs gefährlich. Zumindest nach dem bekannten Blau-Gelben Maßstab. Ein Abschluss sprang dabei aber nicht heraus.

Eine Viertelstunde danach köpften die Gastgeber eine Freistoßflanke von der rechten Seite deutlich über den Querbalken. Funfact am Rande: Bis zu diesem Spieltag war Ex-Löwe Haris Hyseni (ein Spiel 2014/15 gegen den VfR Aalen) mit zwei Treffern Toptorschütze der Gastgeber. Dabei hatte dieser nur zwei Spiele absolviert und, ehe er zum SSV Jeddeloh wechselte und gegen Hertha BSC im DFB-Pokal doppelt traf. „Bis zu diesem Spieltag“, da fünf Minuten vor der Pause völlig der Zugriff verloren ging. Zwar standen die jungen Löwen eigentlich geordnet, verloren bei einer schnellen Kombination aber gleich mehrere Zweikämpfe am Stück und mussten mitansehen, wie der Stürmer nach einem Querpass erneut in die untere rechte Ecke vollstreckte. Das ging viel zu einfach, 0:2.
Nun bäumten sich die jungen Löwen noch einmal etwas auf, mehr als geblockte Fernschüsse von Hugo Afonso und Max Belger kamen aber nicht dabei heraus.

Und dann war Halbzeit. Zeit, durchzuschnaufen und die richtigen Worte zu finden. Denn das war bitter nötig nach dem ersten Durchgang. Die U23 hatte die Chance, an die Tabellenspitze zu springen. Mit dieser Leistung gegen das Schlusslicht war das aber nicht möglich. Es klappte eigentlich gar nichts. Trainer Uwe Möhrle reagierte und brachte Mason Grumbach und Andrej Schlothauer für Hugo Afonso und die glücklose Profi-Leihgabe Sanoussy Ba.

Marvin Awuah blieb leicht angeschlagen noch auf dem Platz, Marvin Hounkpati hielt sich aber schon bereit. Doch für eine Aktion reichte es noch bei dem torgefährlichen Flügelspieler. Awuah dribbelte über links zum Strafraumrand und setzte Jona Renner in Szene, der suchte in der Mitte Amer Buljubasic. Die Gäste konnten zwar klären, das Leder landete aber beim gerade eingewechselten Mason Grumbach, der aus 18 Metern abzog. Sein abgefälschter Schuss landete rechts im Strafraum bei Robin Placinta, der die Kugel irgendwie mit dem ersten Kontakt auf den Elfmeterpunkt weiterleitete. Dort stand Marvin Awuah und vollstreckte eiskalt. Der Anschlusstreffer, wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff. Nur noch 1:2!

Torschütze Marvin Awuah verließ sofort den Platz, für ihn kam Marvin Hounkpati. Und der Joker stach sofort! Etwa sechs Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, da marschierte der linke Flügelspieler mit einem tollen Dribbling sehenswert an mehreren Gegenspielern vorbei, brach zentral vor den Strafraum und setzte am rechten Strafraumeck Andrej Schlothauer in Szene. Der zur Pause eingewechselte Rechtsverteidiger steckte auf Robin Placinta durch, der im Strafraum mit einer überragenden Bewegung gleich drei Gegenspieler aussteigen ließ und aus 14 Metern die linke Ecke anvisierte. Die Kugel klatschte neben dem linken Winkel an den Pfosten und sprang zurück in die Gefahrenzone. Linksverteidiger Max Belger stand goldrichtig und belohnte die jungen Löwen für die tolle Strafraumbesetzung, indem er das Leder im leeren Tor unterbrachte. Ausgleich, das 2:2!

Die neu eingewechselten Spieler waren also allesamt an den Wendepunkten des Spiels beteiligt. Da hatte Trainer Uwe Möhrle neben den richtigen Worten anscheinend auch die richtigen Maßnahmen getroffen. Und beinahe hätten die Blau-Gelben zehn Minuten nach Wiederanpfiff das Spiel komplett gedreht: Mason Grumbach eroberte an der Mittellinie den Ball und marschierte unaufhaltsam Richtung Strafraum. Sein wuchtiger Fernschuss aus 20 Metern knallte an den rechten Pfosten. Doch die Szene blieb heiß. Über Umwege landete das Leder bei Robin Placinta, der mit einem feinen Haken in den Strafraum zog, einen weiteren Gegenspieler austanzte und aus zwölf Metern abzog. Dieses Mal war der Schlussmann da und parierte stark. Da er das Leder allerdings nicht festhalten konnte, schnappte sich Jona Renner das Spielgerät. Der Kapitän zog aus kurzer Distanz ab, scheiterte aber an der nächsten Glanztat des Torwarts.

Anschließend rannten die jungen Löwen immer wieder an, kamen aber nicht mehr so richtig durch die tiefe Abwehr der Gastgeber, die jetzt jede Balleroberung mit einem langen Befreiungsschlag quittierten und in jedem Zweikampf die Blau-Gelben Trikots einer Zerreißprobe unterzogen. Sechs Gelbe Karten sammelten die Hausherren im zweiten Durchgang. Zusammen mit den beiden Gelben Karten aus dem ersten Durchgang schon kurios, dass es zu keiner Gelb-Roten Karte kam. Ein Foul an Amer Buljubasic war dabei aber sehr nahe an der Notbremse. Glück für die Gastgeber in der Szene. Offensiv kam das Schlusslicht aber gar nicht mehr zum Abschluss.

Es liefen bereits die letzten Spielminuten, als Jona Renner nochmal zum linken Strafraumrand marschierte. An seiner Flanke grätschte Amer Buljubasic denkbar knapp vorbei. Die Nachspielzeit war eigentlich bereits abgelaufen, als der zuvor angesprochene erfahrene Innenverteidiger der Gastgeber, Marvin Hounkpati auf dem linken Flügel umriss. Ein letzter Freistoß für die jungen Löwen. Jona Renner schlug diesen aus dem linken Halbfeld rechts in den Strafraum. Dort machte Mason Grumbach das Leder fest und spielte die Kugel aus der Drehung flach vor den Kasten. Marvin Hounkpati schaltete im richtigen Moment, reagierte am schnellsten und donnerte den Ball unter die Latte. Riesenjubel bei den mitgereisten Anhängern, Riesenjubel auf dem Platz. Der Torschütze riss sich das Trikot vom Leib, das Trikot, das nun zwei Nummern größer ist, weil Hounkpati ein halbes Dutzend Mal heftig gezogen wurde. Wenige Augenblicke danach war von dem Linksfuß nichts mehr zu sehen, denn er lag mitten unter einer großen Jubeltraube. Der Schiedsrichter pfiff erst gar nicht wieder an, Auswärtssieg! Das 3:2!

Damit war Schluss! Die U23 gewinnt zum zweiten Mal in Folge mit der letzten Aktion! Das macht dem Zuschauer und den Emotionen zwar Spaß, kann aber nicht ganz der Anspruch gegen eigentlich klar unterlegene Teams sein. Dennoch: Wer auch solche Spiele gewinnt, gehört nach ganz oben. Und da stehen die jungen Löwen vorerst auch. Durch den späten Sieg thronen die Blau-Gelben an der Tabellenspitze. Gleich drei Teams haben aber weniger Spiele absolviert und könnten entsprechend vorbeiziehen. Mehr Bilder zum heutigen Spiel findet ihr hier. Weiter geht es für die U23 am kommenden Freitag. Wo ist noch nicht ganz klar, Stand jetzt aber in der Rheingoldarena. Anstoß gegen den Tabellensechsten Hildesheim ist um 19.30 Uhr.

Bis dahin

Euer Kivi

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