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Sorgenfalten

Die Eintracht verliert zum 300. Mal in der Geschichte der 2. Bundesliga. Gegen den VfL Bochum starteten die Löwen bemüht, aber harmlos. Stattdessen nahmen die Gastgeber die Einladungen der Blau-Gelben Defensive noch vor dem Seitenwechsel zweimal an und erhöhten im zweiten Durchgang dann fast überfällig auf 3:0. Die Eintracht kam zwar noch einmal durch Lino Tempelmann  ran, aber ein Strafstoß der Bochumer sorgte für den 4:1-Endstand. Ein Rückschlag, der im Abstiegskampf Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

„Biste richtig down, Brauchste wat zu kaun, ne Currywurst“ wie Geburtstagskind Herbert Grönemeyer singt. Passend dazu musste es im Bochumer Auswärtsblock eine Currywurst geben. Für 4,90 Euro wurde man dann ordentlich enttäuscht. Denn die Bratwurst war alles andere als gut und das in allen Belangen. Die Currysoße konnte da nicht viel verbessern und die Brötchenbeigabe war da schon das Beste. 5/10 von mir.

Eintracht-Coach Lars Kornetka entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW, C) – Mehmet Can Aydin, Kevin Ehlers, Andi Hoti, Fabio di Michele Sánchez (67. Leon Bell Bell) – Max Marie (67. Anas Bakhat), Florian Flick – Erencan Yardimci (46. Lino Tempelmann), Robin Heußer (74. Grant-Leon Ranos), Johan Gómez – Jovan Mijatovic

Die Löwen begannen forsch und mit großem Einsatz. Nicht einmal 30 Sekunden waren gespielt, als Mijatovic am linken Strafraumrand durchbrach, seine Hereingabe wurde vor die Füße von Aydin geklärt, der aus 16 Metern abzog, das Leder aber deutlich über den Kasten knallte. Drei Minuten später konnten die Gastgeber eine Flanke von Aydin nicht richtig klären, wieder war es ein Fernschuss, der von den Blau-Gelben folgte, dieses Mal war es Fabio di Michele Sánchez, der das Ziel klar verfehlte. Auch die erste Ecke des Spiels passte gut zur Anfangsphase: „Fast gefährlich“. Am Ende sprang Kevin Ehlers knapp am Ball vorbei. Es roch zwar nach dem Führungstreffer der Eintracht, so richtig gefährlich war es aber eben nicht geworden.

Der Boden im Ruhrstadion war irgendwie nicht der richtige für die Braunschweiger Schuhe. Oder andersrum? Jedenfalls war der Ausrutscher von Aydin ursächlich für die erste Torchance der Bochumer und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Stand­schwierigkeiten die Löwen in Probleme brachten. Durch Aydins ersten Stolperer hatte der VfL viel Platz und brachte Onyeka in eine Schussposition, der von halblinks im Strafraum aber links am Tor vorbeischoss. Zwei Zeigerumdrehungen später war es wieder Aydin, der einen langen Ball unglücklich genau in die Füße von Ex-Löwe Hofmann köpfte. Aydin eilte zurück, stand aber völlig falsch, hob das Abseits auf und machte den Weg zum Pass auf Ex-Löwe Holtmann frei, den Hofmann auch wählte. Halblinks aus 14 Metern kam Holtmann zum Abschluss. Und während die Grätsche von Aydin zu spät kam, schlug der Flachschuss im rechten Eck ein. Das 0:1 mit dem ersten Schuss aufs Löwen-Tor, wie bereits in der vergangenen Woche.

Kurz darauf versuchte es Max Marie aus der zweiten Reihe, zielte aber deutlich zu hoch. Eine Minute danach drückte sich Jovan Mijatovic an Gegenspieler Loosli vorbei, wurde von diesem klar gehalten, am Abschluss gehindert und ging zu Boden. Ein eigentlich ziemlich klarer Strafstoß. Doch der VAR schritt nicht ein und der Schiedsrichter schaute es sich nicht noch einmal an. Die 2.700 mitgereisten Eintracht-Fans rieben sich verwundert die Augen. Zehn Minuten später ein bekanntes Bild: Immer wieder kamen die Blau-Gelben über die Flügel in gute Flankenpositionen, die Hereingaben waren dann aber, kurz gesagt, schlecht. Dieses Mal wurde der flache Versuch von Fabio di Michele Sánchez immerhin fast ins Tor abgefälscht, zappelte am Ende aber nur im Außennetz. Die folgende Ecke blieb, wenig überraschend, ungefährlich.

Auf der anderen Seite konnte kein Löwe eine gefährliche Flanke klären, doch ein Bochumer kam ebenfalls nicht an die Kugel. Eine Viertelstunde war noch zu spielen, als die Einträchtler den Bochumern beim Fußballspielen zuschauten. Wittek konnte von der Grundlinie ungestört in den Rückraum spielen, wo sich Hofmann das Leder zurechtlegte und Hoffmann mit einem strammen Schuss ins linke Eck keine Chance ließ. Der nächste Ex-Löwe jubelte. Doch der VAR schaltete sich ein und es dauerte fast fünf Minuten. Vor Hofmanns Abschluss war Pannewig ausgerutscht und hatte Max Marie ziemlich heftig von den Beinen geholt. Dieser war zwar nah dran an Hofmann, hätte aber eher nicht mehr eingreifen können. Das Tor wurde zurückgenommen. Glück für die Eintracht?

Der Schwung der Löwen war erstmal vorbei. Stattdessen kam der VfL wieder. Wenige Augenblicke waren nach dem zurückgenommenen Tor gespielt, als Holtmann ziemlich simpel Miyoshi einsetzte, der aus 13 Metern über den Kasten schoss. Auf der anderen Seite stoppte der dritte Ex-Löwe Strompf regelwidrig Yardimci. Den Freistoß aus spitzem Winkel legte Robin Heußer für Jovan Mijatovic auf, der VfL-Keeper Horn mit einem Flachschuss auf die kurze Ecke überraschte. So schaute der Schlussmann verdutzt zu, wie die Kugel an den Pfosten klatschte. Im Nachgang wurde erst Fabio di Michele Sánchez geblockt, dann knallte Aydin das Leder aus der zweiten Reihe deutlich über das Tor. Im direkten Gegenzug stand Hofmann nach einer Olsen-Flanke alleine vor Hoffmann, köpfte das Leder aber über den Querbalken.

Nur wenige Augenblicke später brachen die Gastgeber über links in den Strafraum, wieder hebelten die Ex-Löwen Hofmann und Holtmann die Eintracht-Abwehr sehr simpel aus. Hofmann auf Holtmann, der aus 14 Metern in die Arme von Hoffmann schoss. Im direkten Gegenzug wurde Mijatovic bei einer Flanke von der linken Seite sehr klar am Trikot gezogen und ging zu Boden. Wird im Mittelfeld immer gepfiffen, im Strafraum zumindest für die Eintracht nicht. Die Nachspielzeit lief bereits, als die Kugel vor die Füße von Fabio di Michele Sánchez fiel, der aus der zweiten Reihe mehrere Meter über den Kasten schoss.

Kurz vor Ablauf der Nachspielzeit marschierte Johan Gómez über die linke Seite, wurde eigentlich klar gefoult, ehe die Gastgeber zur Ecke klärten. Statt Foul oder Eckball gab es allerdings Abstoß. Na ja. Aus diesem entwickelte sich ein Kopfballduell, in dem das Einsteigen gegen Gómez durchaus auch Argument für ein Foulspiel hatte. Der US-Amerikaner blieb liegen, das Spiel lief weiter. Eigentlich hatten die Löwen die Szene bereits geklärt, Gómez stand auch schon wieder, doch dann köpfte Fabio di Michele Sánchez das Leder zurück in die Gefahrenzone, nahm sich damit selbst aus dem Spiel und setzte Miyoshi in Szene, der vom rechten Strafraumrand zu Hofmann spielte. Der legte ab und da sich anschließend niemand in Blau und Gelb rührte, konnte Miyoshi durchlaufen und aus 15 Metern abziehen. Da sich auch niemand entscheidend in die Schussbahn warf, schlug das Leder im linken Eck ein. Dieses Mal griff der VAR nicht ein, das 2:0.

Dann war Halbzeit. Eigentlich eine ordentliche Leistung der Löwen über weite Strecken, doch wirklich aufs Tor hatte die Kornekta-Elf nichts gebracht und wirklich knapp war es nur beim Pfostentreffer von Jovan Mijatovic. Ansonsten war am Strafraumrand Schluss mit den Offensivbemühungen. Defensiv waren es die bekannten Patzer und Einladungen, die die Eintracht ins Hintertreffen brachten. Trainer Lars Kornetka brachte Lino Tempelmann für Erencan Yardimci, der erneut einen merkwürdigen Auftritt hingelegt hatte.

Die zweite Halbzeit begann dann wohl nicht ganz so wie gewünscht. Wieder war die Abwehr merkwürdig offen, dieses Mal blockte Aydin den Schuss von Wittek aus leicht spitzem Winkel in höchster Not. Kurz darauf sprang die Kugel nach einem langen Ball in der Löwen-Box hin und her, ehe Hofmann zum Fallrückzieher ansetzte, das Spielgerät aber über das Tor schoss. Wenig später trat Bero im Mittelfeld rustikal gegen Marie zu und war mit Gelb noch gut bedient. In dem ein oder anderen Spiel hätte die Eintracht dafür Rot bekommen. Weiter ging es nur in eine Richtung: Bei einem Gegenstoß rückte Aydin zu früh raus und machte den Passweg auf Holtmann frei, der nach dem Zuspiel von Oneyka freie Bahn hatte, alleine vor Hoffmann aber knapp rechts neben das Tor schoss.

Eine Zeigerumdrehung später schauten 2.700 Eintracht-Fans und elf Braunschweiger Feldspieler zu, wie sich Hofmann die Kugel am Strafraumrand zurechtlegte und die linke Ecke anvisierte. Sein Schlenzer strich nur knapp am Tor vorbei. Im direkten Gegenzug gab es den ersten Löwen-Abschluss nach dem Seitenwechsel. Heußer zog nach Gómez-Vorlage aus 17 Metern ab, sein wenig druckvoller Abschluss strahlte allerdings wenig Gefahr aus und rollte ohnehin rechts vorbei. Sofort ging es in die andere Richtung. Nach einem langen Ball verschätzte sich Aydin und ließ dadurch Holtmann passieren, der allen davonlief, im direkten Duell aber nicht am stark reagierenden Hoffmann vorbeikam, der somit seine erste Parade zeigen konnte.

Die Eintracht holte sich anschließend etwas die Spielkontrolle zurück, blieb aber gefährlich wie ein zahnloser Hundesenior mit Maulkorb. Stattdessen tauchten die Hausherren im Löwen-Strafraum auf, wurden aber gleich zweimal geblockt. Kurz darauf wurde Hoffmann bei einer Ecke von Strompf zu Boden gerammt, konnte nach längerer Behandlung aber weiterspielen. Als Dank dafür gab es kurz darauf Gegentor Nummer drei. Gerade als die Eintracht-Fans ihre Schals zur Meisterminute erhoben, verloren die Blau-Gelben zwei Zweikämpfe und standen plötzlich ganz offen. Ein Pass in den Lauf von Alfa-Ruprecht reichte und der Bochumer war auf und davon. Dieses Mal nutzten die Gastgeber die Chance, alleine vor Hoffmann, der chancenlos blieb. Der Ball schlug unten rechts ein, das 3:0.

Fast 75 Minuten waren gespielt, als es dann doch passierte: ein Schuss aufs Tor von VfL-Keeper Timo Horn. Mehmet Can Aydin hatte es aus der zweiten Reihe probiert. Sein Fernschuss setzte einmal auf, war dann aber doch überhaupt kein Problem für den Bochumer Schlussmann, der sicher zupackte. Anschließend war die Luft raus, und das bereits entschiedene Spiel trudelte dem Ende entgegen. Doch nach einem Einwurf von der rechten Seite blieben die Löwen gut wach. Zweimal wurde Flick aus aussichtsreicher Position geblockt, dann Lino Tempelmann, der es ebenfalls ein zweites Mal versuchte. Wieder war ein Bochumer dazwischen, fälschte das Spielgerät aber dieses Mal ins eigene Tor ab, nur noch 3:1.

Ergebniskosmetik und wichtig für den lange verletzten Tempelmann, Hoffnung auf ein Comeback hatte aber kaum jemand im pickepackevollen Gästeblock. Doch die Geister der Eintracht waren geweckt und wenig später versuchte es Ranos aus der zweiten Reihe: acht Meter rechts vorbei. Die reguläre Spielzeit war gerade abgelaufen, als Aydin den Ball in den Lauf von Mijatovic chippte, dieser zog acht Meter vor dem Tor ab. Morgalla flog mit gestrecktem Bein und offener Sohle in den Zweikampf, berührte zwar auch den Ball, aber hielt die offene Sohle halt klar drüber. Im Mittelfeld ein glasklares Foulspiel, einen Strafstoß gab es heute nicht für die Eintracht. Den bekamen dann aber die Gastgeber. Nach einem Gegenstoß über die linke Seite spielte Alfa-Ruprecht eine eigentlich ungefährliche flache Flanke. Doch da Aydin und Hoti beide wegrutschten, kam Marshall an den Ball. Der rutschte auch weg, doch da Leon Bell Bell ebenfalls weg- und in den Bochumer hineinrutschte, gab es dann den Strafstoß. Diesen versenkte Ex-Löwe Hofmann rechts oben, 4:1.

Zur Freude aller mitgereisten Anhänger wurde die siebenminütige Nachspielzeit noch einmal um mehrere Minuten verlängert und dann war Schluss. 4:1 im Sechs-Punkte-Spiel. Wieder einmal verpassen die Löwen einen Sieg in einem solchen Spiel. Wieder einmal hauptsächlich durch bekannte Fehler. Damit bleibt die Eintracht auf dem Relegationsplatz und erwartet am kommenden Sonntag die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga: Hertha BSC.

Bis dahin

Euer Kivi

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