Die Eintracht trennt sich am Ostersonntag mit 1:1 vom 1. FC Nürnberg. Nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit und einem 0:1-Pausenrückstand drehten die Löwen nach dem Seitenwechsel auf und kamen durch Johan Mijatovic hochverdient zum Ausgleich. Zuvor hatte der VAR bereits den vermeintlichen Ausgleich aberkannt. Vor über 21.000 Zuschauern verpassten es beide Teams, den entscheidenden Siegtreffer zu erzielen. Somit ist am Ende unklar, ob die Blau-Gelben sich über den einen Punkt im Osterkorb freuen oder ärgern müssen.
Eintracht-Coach Lars Kornetka entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW, C) – Mehmet Can Aydin, Kevin Ehlers, Andi Hoti, Fabio di Michele Sánchez – Florian Flick, Max Marie (69. Lino Tempelmann) – Grant-Leon Ranos (46. Aaron Opoku), Robin Heußer (90.+4 Erencan Yardimci), Johan Gómez (90.+4 Fabio Kaufmann) – Sidi Sané (25. Jovan Mijatovic)
Es dauerte zehn Minuten bis zum ersten Abschluss, im Anschluss an eine etwas merkwürdige Freistoßvariante versuchte es Mehmet Can Aydin aus der zweiten Reihe, der Flachschuss rollte aber links am Tor vorbei. Zwei Zeigerumdrehungen danach ging es nach einem Ballgewinn schnell: Fabio di Michele Sánchez tauchte an der linken Strafraumecke auf, sein Versuch wurde abgefälscht und ging rechts vorbei. Im direkten Gegenzug kam Scobel nach einer Baack-Flanke zum Kopfball, bugsierte das Leder aber über den Kasten. Die Anfangsviertelstunde war gerade vorbei, als Ranos einen haarsträubenden Fehlpass in der eigenen Hälfte spielte. Der von uns im Sommer als Neuzugang vorgeschlagene Zoma trieb den Ball an den Strafraumrand und steckte auf Nzingoula durch, der frei vor Thorben Hoffmann auftauchte und dem Schlussmann mit einem strammen Schuss keine Chance ließ, das 0:1.
Der erste Schuss aufs Tor der Eintracht war also gleich drin, das kam einem irgendwie bekannt vor…
Im direkten Gegenzug wurde Sané in aussichtsreicher Position gefoult. Sané trat den Freistoß selbst, kam aber nicht an der Mauer vorbei. Kurz darauf wurde der Stürmer angeschlagen ersetzt. Für ihn kam Jovan Mijatovic in die Partie. Gute Besserung, Sidi! Anschließend tat sich die Eintracht schwer. Eigentlich passierte erstmal überhaupt nichts auf dem Spielfeld. Immerhin auf beiden Seiten, aber absolut schwere Kost. Erst vier Minuten vor der Pause kam Yilmaz nach einer Ecke der Gäste per Volley-Direktabnahme zum Abschluss, die Kugel landete aber nur auf dem Tordach. Auf der anderen Seite wurde Mijatovic aus 25 Metern geblockt.
Dann war Halbzeit. Offensiv ein schwacher Auftritt der Blau-Gelben, da lief wirklich nahezu nichts so, wie es sollte. Defensiv hatte man bis auf das Tor wenig zugelassen, aber nun mal einmal entscheidend nicht aufgepasst. Trainer Kornekta reagierte und brachte Aaron Opoku für Grant-Leon Ranos in die Partie. Für viele überraschend hatten Opoku und Mijatovic anstelle von Ranos und Sané auf der Bank Platz genommen, nun waren die beiden auf dem Feld.
Nachdem die Gästefans Pyro zündeten wie bei einem Derby, war die Partie für einige Augenblicke unterbrochen. Weiter ging es dann mit einem Eintracht-Freistoß vom linken Strafraumrand. Mehmet Can Aydin brachte diesen scharf vors Tor, in der Gefahrenzone verpasste Jovan Mijatovic entscheidend. Dadurch irritiert, konnte FCN-Keeper Reichert nicht verhindern, dass das Leder im langen Eck einschlug. Riesenjubel im Eintracht-Stadion, denn ein direktes Freistoßtor vor Fans war schließlich ein gefühltes Jahrzehnt her. Doch der VAR war wieder einmal Spielverderber. Mijatovic hatte im Abseits gestanden und durch das Irritieren des Gäste-Schlussmanns wurde er aktiv. Das Tor zählte also nicht. Weiter 0:1.
Nur wenige Augenblicke später tauchte Mijatovic gefährlich im Strafraum auf, wurde aus 13 Metern aber geblockt. Drei Minuten danach reichte ein Pass von Nzingoula und plötzlich stand Zoma alleine vor dem Tor, setzte die Kugel aus zehn Metern aber links am Tor vorbei. Allerdings hätte ein Tor nach einem harten Einsteigen gegen Ehlers vom VAR überprüft werden müssen. Unser „Glück“ mit dem so beliebten Hilfsmittel wurde aber nicht auf die Probe gestellt. Kurz darauf drangen die Franken erneut in den Löwen-Strafraum vor, Scobel wurde aus spitzem Winkel geblockt. Ein schnell ausgeführter Freistoß sorgte für die nächste Löwen-Torchance: Auf der linken Seite setzte Johan Gómez mit einem cleveren Pass Fabio di Michele Sánchez ein, der eine feine Flanke auf den Elfmeterpunkt schlug. Dort lief Jovan Mijatovic ein und drückte das Leder mit dem ersten Kontakt in die untere rechte Ecke! Nun zählte der Treffer, der Ausgleich zum 1:1!
Und darüber hinaus der erste Treffer für den Serben im Trikot der Braunschweiger Eintracht. Darüber freute sich der Stürmer sichtlich. Die Gäste suchten nach der schnellen Antwort, Lochoshvili köpfte nach einer Yilmaz-Flanke aber deutlich am Tor vorbei. Anschließend drückte die Eintracht und fand richtig gut ins Spiel. Ein Kopfball von Ehlers nach einer Freistoßflanke von Fabio di Michele Sánchez wurde zur Ecke geblockt. Nach dieser kam Aydin aus der Ferne zum Abschluss, verzog aber deutlich. Zwei Zeigerumdrehungen danach war es eine Freistoßflanke aus dem Halbfeld von Mehmet Can Aydin, die für Gefahr sorgte. Am zweiten Pfosten setzte sich Kevin Ehlers im Kopfballduell durch und traf die Kugel klasse. Reichert kam allerdings noch mit den Fingerspitzen an den Ball und verhinderte den Einschlag. Die Kugel senkte sich im hohen Bogen ein Meter vor dem Tor zu Florian Flick, der aus spitzem Winkel nur den rechten Pfosten traf. Von dort prallte die Kugel gegen einen Nürnberger und von diesem über Umwege ins Toraus. Das hätte die Führung sein müssen!
Nach der folgenden Ecke köpfte Ehlers klar am Tor vorbei. Zwei Minuten danach rollte ein brandgefährlicher Konter Richtung Gäste-Tor: Aaron Opoku ging volles Risiko und suchte Jovan Mijatovic mit einem Steckpass. Der wäre frei durch gewesen, doch der Pass geriet minimal zu steil. Da wäre es wohl besser gewesen, den rechts mitgelaufenen Johan Gómez mitzunehmen. Eine Zeigerumdrehung danach drang Opoku stark bis zur Grundlinie vor, sein Querpass landete aber in den Armen von Reichert. Drei Minuten später überrumpelte ein langer Ball von Thorben Hoffmann die Gäste-Abwehr, doch Aydin bekam die Kugel erst nicht richtig kontrolliert und blieb dann mit einem Haken hängen.
Fünf Minuten waren regulär noch zu spielen, als Mehmet Can Aydin es bei einem Freistoß aus 22 Metern frech und flach auf die Torwartecke versuchte. Damit überraschte er zwar Reichert, überwinden konnte er den Schlussmann aber nicht, der das Leder gerade noch um den linken Pfosten lenkte. Die anschließende Ecke landete auf dem Kopf von Lino Tempelmann, der das Spielgerät über den Querbalken bugsierte. Zwei Minuten später war es wieder ein langer Ball von Thorben Hoffmann, der beinahe perfekt funktionierte. Johan Gómez war einen halben Schritt zu spät da und konnte das Leder alleine vor dem Kasten nicht mehr kontrollieren. Wenige Augenblicke danach marschierte Lino Tempelmann über links leichtfüßig in den Strafraum, traf aus spitzem Winkel aber nur das Außennetz.
Es gab acht Minuten Nachspielzeit. Allen war klar, ein Remis wäre für die Blau-Gelben eigentlich zu wenig. Die Löwen drückten, rannten an und spielten auf Sieg. Aber auch die Gäste kamen nochmal zum Abschluss: Erst patschte Hoffmann eine brandgefährliche flache Hereingabe weg, dann blockten die Einträchtler im Verbund den Schuss von Justin von der Hitz. Die Nachspielzeit war bereits beinahe abgelaufen, als noch ein letzter Angriff Richtung Südkurve rollte. Über Mijatovic, Opoku, Tempelmann, wieder Mijatovic und wieder Opoku kam die Kugel zu Lino Tempelmann, der vom Strafraumrand sofort abzog. Sein Schuss setzte noch einmal auf und wäre in der linken Ecke eingeschlagen, doch erneut verhinderte Reichert mit einer starken Parade den ganz späten Einschlag. Der Abpraller flog in Richtung Erencan Yardimci, der im letzten Moment am Abschluss aufs leere Tor gehindert wurde.
Dann war Schluss! Die Eintracht verpasst den zweiten Sieg unter dem neuen Trainer Lars Kornetka und das tat merklich weh, denn es wurde erstmal still im Eintracht-Stadion, ehe die Mannschaft lautstark aufgebaut wurde. Leistungsgerecht war das Remis zwar, dennoch war die schwache erste Halbzeit und der verpasste, aber so dringend benötigte Befreiungsschlag eine echte Enttäuschung. Und so ist es am Ende für mich nicht ganz klar, ob man sich über diesen Punktgewinn freuen kann oder ärgern muss. Die Zukunft wird es zeigen und diese geht mit dem Auswärtsspiel am kommenden Sonntag in Bochum weiter. Anstoß ist um 13.30 Uhr.
Bis dahin
Euer Kivi
