Die Schlagzeilen rund um das Spiel gegen den KSC wurden zuletzt von einer Personalie dominiert: Sven Köhler. Den Kapitän, eigentlich der emotionale Leader der Eintracht, zieht es weg aus Niedersachsen. Die Grasshoppers Zürich locken, und auch wenn Trainer Heiner Backhaus die Tür für eine sportliche Versöhnung zuletzt wieder einen Spalt weit öffnete, scheint das Tischtuch zerrissen.
Dass die Schweizer ihm einen besseren Vertrag anbieten können, als er bei der Eintracht hat, liegt wohl auch an den steuerlichen Gegebenheiten. Uns vom 2hundert10-Team können aber auch lukrative Angebote aus der Steueroase nicht von der Eintracht lösen. Dennoch haben wir mit dem Betrieb der Seite und dem Nutzen unserer Datenquellen hohe Kosten, die wir selbst tragen. Daher würden wir uns freuen, wenn ihr uns mit einer kleinen Spende unterstützen könnt. Hier kommt ihr zur Spendenseite. Nun aber wieder zurück zu Köhler und seinem möglichen Nachfolger.
Tatsächlich könnte Köhlers Abgang, so schmerzhaft der Verlust seiner Anführer-Qualitäten ist, eine taktische Chance sein. Köhler war ein Stabilisator, aber auch eine Bremse. Im vertikalen Umschaltspiel von Backhaus wirkte er oft wie ein Fremdkörper: zu lange Ballhaltezeiten, zu wenig Dynamik im Antritt. Für eine Mannschaft, die den schnellen Weg zum Tor sucht, hat Köhler das Spiel zu oft verlangsamt.
Durch die zu erwartende mittlere sechsstellige Ablöse und die Gehaltseinsparungen bei den Winter-Abgängen hat die Eintracht inzwischen Kapital. Wir suchen ein Profil, das möglicherweise sogar ein taktisches Upgrade zu Köhler wäre: einen spielstarken Sechser, der nicht nur defensiv aufräumt, sondern den Ball durch Passspiel oder durch dynamische Läufe nach vorn trägt. Zudem muss die Lufthoheit gewahrt bleiben, um das eigene Pressing bei gegnerischen Befreiungsschlägen zu belohnen. Wir haben uns drei Kandidaten angeschaut.
Skelly Alvero (23), Werder Bremen
Skelly Alvero ist eine Erscheinung, die man im Profifußball selten sieht. Mit seinen 2,02 Metern überragt der 23-jährige Franzose fast jeden Gegenspieler. Seit seinem permanenten Wechsel zum SV Werder Bremen im Sommer 2024 kommt er an der Weser jedoch nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Bremen strebt eine Leihe an und hier könnte die Eintracht ins Spiel kommen.
In der Defensive ist Alvero aufgrund seiner schieren Masse eine Macht. Er gewinnt knapp 63 % seiner Kopfballduelle, ein Wert, der ihn in der 2. Bundesliga sofort zu einem der dominantesten Spieler in der Luft machen würde. Auch am Boden nutzt er seine langen Beine für ein exzellentes Timing im Zweikampf, wobei er über 59 % seiner Defensivduelle für sich entscheidet.
Was ihn für das Backhaus-System so spannend macht, ist die Kombination aus Physis und Technik. Alvero erinnert in seinen Bewegungsabläufen fast schon an einen jungen Paul Pogba. Er spielt nicht nur gute progressive und linienbrechende Pässe, sondern ist durch seine starke Technik auch in der Lage, mehrere Gegenspieler aussteigen zu lassen und den Ball nach vorn zu schleppen.
Die Hanseaten blechten im Sommer 2024 stolze 4,75 Mio. für den jungen Franzosen. Ein fester Transfer liegt außerhalb jeglicher Vorstellungskraft, aber Clemens Fritz ist, wie bereits erwähnt, auf der Suche nach einem Leihabnehmer. Gerüchten zufolge könnte es Alvero in die Ligue 2 ziehen. Vielleicht bekommt Benny Kessel aber noch einen Fuß in die Tür. Alvero wäre ein absoluter Top-Spieler in Liga 2, sodass sich auch eine Leihe ohne Kaufoption lohnen könnte.
Wer nach guter fußballerischer Ausbildung sucht, landet oft in der Schule von Dinamo Zagreb. Jurica Pršir ist 25 Jahre alt, die Nummer 10 bei HNK Gorica und bringt genau diese taktische Finesse mit. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, was ihn trotz seines geschätzten Marktwertes von 1,5 Mio. Euro zu einer attraktiven Option für das vorhandene Budget macht.
Pršir ist das Gegenteil eines Zerstörers. Er löst Drucksituationen spielerisch auf, oft mit dem Rücken zum Gegner, und sucht sofort die Tiefe. Seine Statistiken in der Progression sind gut: Knapp 6,5 progressive Pässe p90 mit einer 75 %-Quote zeigen, dass sein erster Blick oft nach vorn geht. Er ist mit dem Ball ein Spielmacher, der das Spiel im letzten Drittel mit Übersicht lenkt. Er schleppt den Ball auch gut nach vorn und kann an Gegenspielern per Dribbling vorbeigehen. Als Bonus bringt er eine gefährliche Schusstechnik aus der zweiten Reihe mit.
Allerdings gibt es ein „Aber“: die Physis. Mit 1,80 Metern ist er kein Kopfballungeheuer (nur 2,26 Duelle p90 mit einer Siegquote von nur 48 %) und gewinnt in der Luft deutlich seltener Bälle als Alvero. Dennoch arbeitet er defensiv solide mit: Knapp 9 Defensivduelle p90 mit 62 %-Quote in Kombination mit knapp 6 Ballabfangaktionen sind deutlich überdurchschnittliche Werte. Mit dem physisch stärkeren Florian Flick könnte er bei der Eintracht eine balancierte Mittelfeldzentrale bilden.
Nur sein kurzer Vertrag macht Pršir für die Eintracht realistisch. Dennoch dürfte er für die Eintracht eher am oberen Regalrand liegen. Mit 25 Jahren hat er noch Entwicklungspotenzial und somit auch die Möglichkeit, seinen Marktwert zu steigern. Eine teure Angelegenheit, die sich aber lohnen könnte.
Abdessamad Mahir (28), FUS Rabat
Abdessamad Mahir ist die exotischste Lösung in unserer Liste. Der 28-Jährige hat Marokko noch nie verlassen, spielt dort aber bei FUS Rabat eine Saison, die ihn eigentlich für höhere Aufgaben empfiehlt, auch wenn sein Verein derzeit im Tabellenkeller feststeckt. Mit einem geschätzten Marktwert von 650.000 Euro liegt er genau im Beuteschema der Eintracht.
Mahir ist ein herausragender Umschalter. Sein Spiel offenbart extrem schnelle Richtungswechsel und eine feine Ballbehandlung. Was ihn von Köhler unterscheidet, ist seine Dynamik mit dem Ball am Fuß. Er ist der Spieler, der Linien durch Dribblings bricht. Diese Qualität wird seit der Verletzung von Tempelmann bei der Eintracht schmerzlich vermisst. Er könnte der Eintracht eine ganze neue Art der Vertikalität geben, die für das Spiel von Backhaus wichtig ist. Wie Köhler schlägt er außerdem saubere Diagonalbälle, um das Spiel zu verlagern.
Defensiv ist er trotz seiner 1,76 Meter gut dabei: Knapp 9 Defensivduelle p90 zeugen von einer enormen Arbeitsrate mit einer guten Quote (64 %). Auch seine 3,5 Luftzweikämpfe mit einer Erfolgsquote von 55 % lassen sich sehen. Er fängt außerdem herausragende 8 Bälle pro Partie ab.
Zur Einschätzung ist wichtig, dass sich die marokkanische erste Liga zwischen der 2. Bundesliga und der 3. Liga einsortieren lassen dürfte. Zwar ist der Transfer aus Marokko nach Deutschland allein aufgrund der Sprache mit sehr viel Risiko verbunden, dieses könnte sich aber auch im Hinblick auf niedrigere Marktwerte auszahlen. Viele Vereine haben diesen Markt nicht im Blick, sodass Benny Kessel einen Spieler „unter dem Radar“ verpflichten könnte, wie Peter Vollmann sagen würde. Die Art und Weise von Mahirs Spiel passt wie die Faust aufs Auge zur Eintracht.
Fazit
Alle drei Kandidaten, wären für die aktuelle taktische Herangehensweise ein Upgrade zum Ex-Kapitän. Ob überhaupt ein Ersatz benötigt wird, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen herausstellen, da die Schweiz noch bis Mitte des Monats einkaufen darf. Die Eintracht hingegen müsste schon bis Montag einen potenziellen Neuzugang vorstellen.

