Nach einem schwachen Start und einem frühen Rückstand gelang der Eintracht trotz verbesserter Leistung offensiv viel zu wenig. Ein Abseitstor und wenige, kaum gefährliche Abschlüsse, waren im Endeffekt zu wenig für ein Auswärtsspiel in der 2. Bundesliga. Gastgeber Karlsruhe nutzte den Tiefschlaf der Löwen bei einer Standardsituation aus und machte mit dem 2:0-Endstand bereits früh nach dem Seitenwechsel alles klar. Vor knapp 28.000 Zuschauern wirkte es anschließend nicht so, als würden die Blau-Gelben noch an den Ausgleich glauben und gefährlich vor das Tor kam die Eintracht auch nicht mehr, sodass die Niederlage durchaus verdient war. Bitter: Lino Tempelmann mit einer möglicherweise schweren Verletzung und Louis Breunig mit einer Roten Karte fehlen dem BTSV erstmal.
Wie immer in der Region gab es eine Feuerwurst. 5 Euro kostete das gute Stück und ich sollte es mal wieder nicht bereuen. Scharf, gut gebraten, lecker und auch das Brötchen war wirklich gut. Eine starke 9/10 von mir!
Eintracht-Coach Heiner Backhaus entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Mehmet Can Aydin, Lukas Frenkert, Sven Köhler (C), Lous Breunig (90.+2 Rot), Fabio di Michele Sánchez (64. Levente Szabó) – Robin Heußer, Max Marie (80. Sidi Sané), Lino Tempelmann (64. Johan Gómez) – Erencan Yardimci (80. Sebastian Polter), Christian Conteh (88. Fabio Kaufmann)
Die Gastgeber begannen forsch, die Eintracht lief erstmal nur hinterher und wirkte verunsichert. Das angekündigte Selbstvertrauen und auch der geplante Vollgas-Fußball war nicht zu sehen. Etwas mehr als zwei Minuten waren gespielt, als Franke eine Wanitzek-Ecke über den Braunschweiger Kasten köpfte. Zwei Zeigerumdrehungen danach verloren die Blau-Gelben leichtfertig den Ball und wurden sofort überrannt. Ben Farhat hatte scheinbar freie Bahn und zog von der Strafraumkante ab, doch Louis Breunig war zurückgeeilt und kam durch eine Grätsche gerade noch an den Schuss. Der abgefälschte Ball hüpfte in die Arme von Thorben Hoffmann. Das hätte auch ganz anders ausgehen können.
Ein Weckruf ging dadurch allerdings nicht durch die Mannschaft, die weiterhin nicht ins Spiel fand. Stattdessen schaltete die gesamte Hintermannschaft ab, als ein Ball Richtung Toraus trudelte, doch Simic erlief die Kugel noch und hatte dadurch viel Zeit und Platz für einen Querpass, den die Löwen aber verteidigen konnten. Kurz darauf wurde Wanitzek im Strafraum geblockt. Die Anfangsviertelstunde lief gerade ab, als Ben Farhat am Seitenrand behandelt wurde. Den Gastgebern fehlte ein Offensivspieler, die Blau-Gelben waren in Überzahl. Und dennoch konnten Christian Conteh, Fabio di Michele Sánchez und Louis Breunig nur staunend hinterherschauen, als sie mit einem schnellen Doppelpass von Jung und Egloff ausgespielt wurden. Jung fand mit einem Querpass den völlig freien Simic, der aus sechs Metern nur noch einschieben musste. Ganz schwach verteidigt, das 1:0 für die Gastgeber.
Das hatte sich durchaus angedeutet. Doch nun schien die Eintracht aufzuwachen und spielte erstmals zielstrebig Richtung KSC-Tor. Und es folgte auch gleich die Belohnung! Zumindest fast. Erencan Yardimci setzte sich auf dem rechten Strafraumeck durch und spielte den Ball scharf und flach auf den zweiten Pfosten. Zwei Karlsruher verpassten und so drückte Christian Conteh die Kugel ins Netz. Riesenjubel im Gästeblock und auf dem Platz, doch als sich die Blau-Gelbe Jubeltraube auflöste, meldete sich der VAR, denn dieser hatte festgestellt, dass Conteh wenige Zentimeter im Abseits gestanden hatte. Bitter. Die Löwen reagierten wütend und ließen einen Angriff nach dem anderen auf die KSC-Abwehr laufen. Lino Tempelmann zog nur wenige Augenblicke von der Strafraumkante ab, wurde aber geblockt.
Eine Zeigerumdrehung nach dem VAR-Einsatz hatte Fabio di Michele Sánchez 24 Meter vor dem Tor etwas Platz und zog einfach mal ab. KSC-Schlussmann Bernat reagierte stark und parierte den gefährlichen Schuss, konnte die Kugel aber nicht festhalten. Erencan Yardimci hatte perfekt mitgedacht und musste eigentlich nur noch einschieben, kam aber ins Stolpern und somit nicht mehr zum Abschluss. Immerhin holte der Stürmer eine Ecke raus, doch die war, wie so einige Standards an diesem Nachmittag, so gar nicht gefährlich. Doch ein Freistoß war dann doch gefährlich. Nachdem Heußer am linken Strafraumreck umgetreten worden war, zog Mehmet Can Aydin den fälligen Freistoß scharf auf den linken Winkel. Und sein Versuch hätte auch gut gepasst, doch Bernat parierte überragend und verhinderte erneut den Ausgleich. Es sollte der letzte Löwen-Schuss aufs Tor der Gastgeber sein in diesem Spiel. Die folgende Ecke beförderte Max Marie aus spitzem Winkel per Flugkopfball klar vorbei.
Eine Minute war regulär im ersten Durchgang noch zu spielen, als die Gastgeber die Löwen auskonterten. Simic hatte freie Bahn und marschierte auf Thorben Hoffmann zu. Doch Max Marie zündete noch einmal den Turbo, holt den Gegenspieler ein und eroberte mit einem herausragenden Tackling den Ball als letzter Mann fair zurück. Auf der anderen Seite leitete Tempelmann eine Flanke von Fabio di Michele Sanchez´in den Lauf von Erencan Yardimci weiter, der eigentlich freie Schussbahn hatte, den richtigen Moment für den Abschluss aber verpasste.
Dann war Halbzeit. Die Eintracht war ganz schwach in die Partie gestartet, hatte sich nach dem verdienten Rückstand aber gefangen und durch etwas Pech und Ungenauigkeiten den möglichen Ausgleich verpasst. Mit fast zwei Drittel Ballbesitz muss man sich allerdings unbedingt mehr Torchancen erspielen und deutlich öfter auch Gefahr aufs Tor bringen. Auch die indirekten Standards waren einfach zu beschreiben: schlecht. Trainer Heiner Backhaus traute seiner Startelf den Umschwung zu und verzichtete auf Wechsel.
Und es schien kurz nach Wiederanpfiff auch so, als hätte die Halbzeitansprache gefruchtet: Christian Conteh setzte nach einem tollen Dribbling Lino Tempelmann in Szene, der aus brandgefährlicher Position abzog, aber Franke warf sich dazwischen und konnte blocken. Eine Zeigerumdrehung später knallte Robin Heußer das Leder aus 17 Metern acht Meter am Tor vorbei. Zehn Minuten waren gespielt, als Wanitzek einen Freistoß gefährlich direkt aufs Tor zog, aber nur das Außennetz traf. Zwei Minuten danach verteilte Robin Heußer ein Abschiedsgeschenk an seinen Ex-Club. Nach einem unnötigen wie misslungenen Hackentrick foulte der Mittelfeldspieler fünf Meter vor dem linken Strafraumeck ebenso unnötig.
Was folgte, war eine Lehrstunde, die auch jedem Kreisliga-Coach die Zornesröte in das Gesicht treiben dürfte. Niemand stellte sich vor den Ball und wie man mit etwas Regelkunde weiß, sind Freistöße grundsätzlich zur Ausführung freigegeben, sofern der Schiedsrichter es nicht anders kennzeichnet. Das tat er in dem Fall nicht und Wanitzek bemerkte, dass die Blau-Gelben pennten. Zwar war seine schnelle Hereingabe gar nicht mal so gut, doch da Sven Köhler in die entgegengesetzte Richtung schaute, merkte der Kapitän, wie auch die meisten seiner Mitspieler, erst viel zu spät, was gerade passiert war. Und so sauste die Kugel knapp an Köhler vorbei zu Schleusener, dessen erster Versuch noch von Lukas Frenkert geblockt wurde. Doch beim Nachschuss waren Frenkert und Hoffmann machtlos, das Ding war drin. Das darf nicht passieren. Das 2:0 für den KSC.
Dann wurde es richtig unschön. An der rechten Eckfahne ging Rapp mit viel zu viel Risiko und Schwung in den Zweikampf. Dabei traf er mit seiner heftigen Grätsche zwar auch den Ball, trat Lino Tempelmann aber böse um. Dieser wurde lange behandelt und anschließend mit einer Trage aus dem Wildparkstadion gebracht. Es wird eine schwerere Verletzung befürchtet. Gute Besserung, Lino! Eine Karte für Rapp gab es tatsächlich nicht.
Kurz darauf versuchte es Conteh aus der zweiten Reihe, verfehlte das Ziel aber klar. Dann trat Rapp den nächsten Braunschweiger um, dieses Mal Johan Gómez. Dieses Mal gab es gelb. Immerhin. Vor dem nächste möglichen Foul wurde der Übeltäter dann aber ausgewechselt. Fünf Minuten waren noch zu spielen, als Thorben Hoffmann einen gefährlichen Freistoß von Wanitzek mit der Faust parieren konnte. Wenige Sekunden später versuchte es Jung aus großer Ferne und ließ einen unangenehmen Weitschuss ab, doch Hoffmann hielt die Kugel sogar fest. Die Nachspielzeit lief bereits, als sich Louis Breunig nach einem langen Ball als letzter Mann zu leicht überlaufen ließ und Gegenspieler Pedrosa mit einem kurzen Griff stoppte. Schiedsrichter Wagner wertete das Ganze als Notbremse, auch wenn Pedrosa nicht direkt Richtung Tor unterwegs war und Köhler zumindest stören hätte können. Da hätte es Gelb-Rot eigentlich auch getan. Passte aber zum Tag.
Dann war Schluss. Ein gebrauchter Tag und eine Leistung, die über weite Teile zu schwach war, um in der 2. Bundesliga zu punkten. Nach dem 2:0 wirkte es nicht mehr so, als wäre der Glauben vorhanden, hier noch zumindest den Ausgleich zu schaffen. Kein einziger Schuss aufs Tor in der zweiten Halbzeit. Das ist eigentlich nicht hinnehmbar, wenn man in Rückstand liegt. Ein erster Rückschlag, der verkraftbar sein wird, sofern man die richtigen Schlüsse zieht und weiter an den doch klar vorhandenen Schwachstellen arbeitet.
Bis dahin
Euer Kivi
