Baustelle Innenverteidigung: Wer hilft Eintracht weiter?
Beim BTSV steht – Stand jetzt – nur ein Innenverteidiger für die kommende Saison unter Vertrag. Zusätzlich ist in der vergangenen Spielzeit aufgefallen, dass es den Löwen an Spielstärke in der Abwehrzentrale fehlt. Es ist also höchste Zeit, nach einem solchen Spielerprofil zu suchen!
Spielstärke für die Innenverteidigung
Es ist vollbracht. Der BTSV hat – wenn auch mit dem obligatorischen Eintracht-Drama – die Klasse gehalten. Während die Spieler nun erleichtert in ihren wohlverdienten Urlaub fahren dürften, hat Geschäftsführer Sport Benjamin Kessel ordentlich zu tun: Nicht nur muss er einen neuen Trainer sowie neue Spieler verpflichten, sondern dabei auch einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsnachteil ausgleichen. Andere Vereine konnten bereits seit Wochen eingleisig planen und dementsprechend Neuverpflichtungen präsentieren.
Insbesondere auf der Innenverteidigerposition dürfte Bedarf bestehen. Von den 5 nominellen Innenverteidigern der abgelaufenen Saison hat nur Kevin Ehlers ein gültiges Arbeitspapier für die kommende Spielzeit. Zusätzlich hatte Sven Köhler die Abwehrzentrale ab dem 28. Spieltag verstärkt. Der damit einhergehende Erfolg brachte zum einen wichtige Punkte im Abstiegskampf, zum anderen zeigte er auch auf, dass zuvor eine spielerische Komponente aus der letzten Reihe im blau-gelben Spiel fehlte.
Ob Sven Köhler seine spielerischen Fähigkeiten weiterhin in Braunschweigs Innenverteidigung zur Schau stellen soll, muss der zukünftige Trainer der Löwen entscheiden. Hätte die Eintracht jedoch einen spielstarken Innenverteidiger in den eigenen Reihen, könnte der neue Trainer das Beste aus Sven Köhler auf seiner Idealposition im Mittelfeld herausholen, ohne Abstriche beim Aufbau aus der Abwehrreihe machen zu müssen.
Aus diesem Grund sollen in diesem Artikel drei solcher spielstarken Innenverteidiger vorgestellt werden, die für die Eintracht in Frage kommen könnten.
Dario van den Buijs (29), RKC Waalwijk
Dario van den Buijs ist ein 1,87 m großer Linksfuß, der beim niederländischen Erstligisten RKC Waalwijk unter Vertrag steht. Sein Arbeitspapier läuft in diesem Sommer aus. Bis zu einer Knieverletzung im Dezember war er dort als linker Innenverteidiger in einer Viererkette gesetzt. Im Mai stand er erstmals wieder im Kader, wodurch er voraussichtlich die komplette Sommervorbereitung absolvieren kann.
In der Defensivarbeit überzeugt van den Buijs durch robuste Zweikampfführung, gutes Stellungsspiel und Präsenz im Luftzweikampf. Gerade bei hohen Bällen, Standardsituationen und Flanken zeigt er Verantwortungsbewusstsein und klare Aktionen. Er rückt situativ aus der Kette heraus und verteidigt mit guter Antizipation, geht dabei allerdings auch ein gewisses Risiko ein.
Im Spielaufbau bringt er Ruhe, Übersicht und technische Sauberkeit mit. Er ist sicher im Kurzpassspiel, sucht aktiv Anschlussoptionen und bleibt auch unter Druck kontrolliert. Er spielt starke vertikale Pässe, bei langen Bällen ist seine Ausführung ordentlich.
Athletisch ist van den Buijs solide, aber nicht besonders schnell. Diese Schwäche kompensiert er über Timing und ein gutes Gefühl für Räume. Zudem gibt er viele Anweisungen und tritt als Organisator der Abwehrreihe auf.
Sollte er die Vorbereitung verletzungsfrei absolvieren, wäre er für die Eintracht eine sofortige Option auf der linken Seite der Innenverteidigung.
Gael Alonso (22), Celta Vigo B
Der aktuelle Kapitän von Celta Vigo B hat in der abgelaufenen Saison regelmäßig auf der rechten Halbposition einer Dreier- bzw. Fünferkette gespielt. Alonso ist ablösefrei zu haben, nachdem sein Vertrag im Sommer ausläuft.
Im Defensivverhalten bringt Alonso eine ordentliche Raumaufteilung und Antizipation. Allerdings offenbart sich dabei ein grundlegender Nachteil: Mit seinem schmalen Körperbau und einer unterdurchschnittlichen Größe für einen Innenverteidiger bringt er nicht die Physis mit, die in der 2. Bundesliga oft den Unterschied ausmacht. In der Luft verlässt er sich eher auf Stellungsspiel als auf Athletik, löst die entsprechenden Situation allerdings ordentlich.
Sein klarer Mehrwert liegt im Spiel mit dem Ball. Alonso erkennt Passoptionen früh, agiert spielintelligent und bringt in verschiedenen Passformen. Er viel Ruhe und technische Qualität mit, sei es im engen Kurzpassspiel, vertikal durch das Zentrum oder diagonal auf außen. Selbst mit dem linken Fuß spielt er zuverlässig Pässe. In tieferen Zonen unter Druck bleibt er ruhig und löst sich gut aus dem Pressing. Dennoch schleichen sich bei längeren Bällen oder tiefen Pässen gelegentlich Ungenauigkeiten ein.
Auf dem Platz tritt Alonso präsent auf, gibt viele Anweisungen und übernimmt Verantwortung. Als Kapitän seiner Mannschaft wirkt er kommunikativ, gibt klare Signale und übernimmt Verantwortung. Fraglich ist allerdings, wie gut er diese Qualitäten in ein fremdsprachiges Abwehrzentrum übertragen kann.
Sollte es der Eintracht gelingen, ihn behutsam zu integrieren und in einem System mit Absicherung einzubetten, könnte er eine wertvolle Ergänzung im Kader darstellen – nicht zuletzt, weil Spieler seines Profils in Liga zwei rar sind.
Jakob Lewald (26), SV Sandhausen
Jakob Lewald war in der abgelaufenen Saison Kapitän des SV Sandhausen und absolvierte insgesamt 131 Drittligaeinsätze in seiner Karriere. Nach dem Abstieg des Klubs läuft sein Vertrag aus. In Sandhausen kam er meist als linker Innenverteidiger in einer Viererkette zum Einsatz.
Mit 1,94 m Körpergröße bringt Lewald physische Präsenz mit. Er geht nicht häufig in direkte Duelle, löst sie aber mit ordentlicher Quote: Knapp 64 Prozent seiner Bodenzweikämpfe gewinnt er, in der Luft liegt er bei stabilen 63 Prozent.
Lewald bringt vor allem im Spiel mit dem Ball Stärken mit. Er ist ruhig am Ball, besitzt Übersicht und trifft meist gute Entscheidungen. Besonders auffällig: Fast 70 Prozent seiner langen Zuspiele finden den Mitspieler. Das ist ein sehr guter Wert. Mit seinem starken rechten Fuß spielt er saubere Verlagerungen, auch mit dem linken agiert er zuverlässig. Bei Sandhausen wurde er in der linken Innenverteidigung eingesetzt, wobei er als Rechtsfuß noch besser von der rechten Seite aus aufbauen könnte. Trotzdem ist er in der Lage, das Spiel gezielt zu öffnen, auch wenn er gelegentlich etwas schneller entscheiden könnte.
Lewald kommt aus der Jugend von Werder Bremen, hat jedoch noch nie höher als in Liga drei gespielt. Entsprechend stellt sich die Frage, wie gut er sein Spiel auf das Tempo und die Intensität der 2. Bundesliga übertragen kann. Er wäre jedenfalls von Anfang an gut integriert: Er hätte nicht nur als Deutscher wenig Integrationsprobleme, sondern mit Kevin Ehlers auch einen Kollegen an seiner Seite, mit dem er bei Dynamo Dresden bereits 1.359 Minuten auf dem Platz stand.
Insgesamt bringt Lewald viel von dem mit, was der Eintracht zuletzt im Aufbau gefehlt hat: Ruhe, Präzision und ein gutes Gefühl für Räume. Ob er defensiv stabil genug für das höhere Niveau ist, bleibt offen. Als ablösefreier Spieler mit Führungsqualitäten und ausgeprägter Spieleröffnung könnte er dennoch eine sinnvolle Ergänzung für den blau-gelben Kader sein.
Fazit
Dario van den Buijs würde die meiste Erfahrung auf Top-Niveau mitbringen. Er ist spielstark, organisiert seine Abwehrreihe gut und könnte die Startelf der Löwen sofort stabilisieren. Fraglich bleibt nur, wie stark ihn die Knieverletzung der vergangenen Monate beeinträchtigt hat.
Auch Gael Alonso bringt Qualitäten mit, die dem Braunschweiger Spiel gut tun könnten. Der junge Spanier verfügt über ein feines Passspiel und viel Übersicht, gerade unter Druck. Allerdings wäre der Sprung aus der dritten Liga Spaniens in die 2. Bundesliga ein großer – körperlich und sprachlich.
Jakob Lewald ist der pragmatischste der drei. Er war in der 3. Liga über Jahre hinweg gesetzt, überzeugt mit Ruhe am Ball, sauberem Spielaufbau und einem verlässlichen langen Pass. Dazu kennt er als Einziger den deutschen Fußball und wäre sprachlich sofort eingebunden.
Eine Ideallösung dürfte für Eintracht Braunschweig in der aktuellen Lage schwer zu finden sein. Umso wichtiger ist es, die Profile genau zu prüfen und abzuwägen. Wer auch immer am Ende kommt, muss nicht perfekt sein, aber zur Idee passen, die künftig auf dem Platz stehen soll.

