Die Eintracht ist mal wieder die Eintracht. In einem völlig bekloppten Spiel nutzen die Löwen mal wieder jeden Looping der Emotionen-Achterbahn und bringen die Eintracht-Fans beinahe um den Verstand und vermutlich einige Lebensjahre. Dabei stand die Defensive lange sicher, ehe ein unnötiger Handelfmeter einen wilden Ritt startete. Nach einem eigenen Konter wurden die Blau-Gelben ausgekontert und der 1. FC Saarbrücken traf wenige Minuten vor Ende der regulären Spielzeit zum 0:2, der Ausgleich nach dem Hinspiel. Nach einer Gelb-Roten Karte bestritten die Löwen die Verlängerung in Überzahl, konnten diese aber nicht nutzen, bis Fabio di Michele Sánchez in der Nachspielzeit der ersten Verlängerungshalbzeit mit einem echten Wurschtel-Tor das Eintracht-Stadion explodieren ließ. Anschließend rannten die Gäste an und der überragende Thorben Hoffmann wuchs mit mehreren Glanztaten mal wieder über sich hinaus. Doch es kam noch besser. Erneut in der Nachspielzeit bereitete der Löwen-Schlussmann mit einem weiten Abschlag das 2:2 von Rayan Philippe vor. Die Entscheidung, die Eintracht bleibt Zweitligist. Mit einem Blauen und einem Gelben Auge.
Eintracht-Coach Marc Pfitzner entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Paul Jaeckel, Ermin Bičakčić (C), Sven Köhler (91. Sidi Sané) – Marvin Rittmüller (76. Fabio Kaufmann), Lino Tempelmann, Robin Krauße, Christian Conteh (61. Fabio di Michele Sánchez) – Rayan Philippe, Sebastian Polter (46. Levente Szabó), Johan Gómez (76. Richmond Tachie)
Den ersten Abschluss hatten die Löwen, doch der Schuss von Lino Tempelmann 20 Meter vor dem wurde geblockt. Dann kamen die Gäste über Ex-Löwe Maurice Multhaup, dessen Hereingabe von der rechten Seite ein Stück zu steil für Florian Krüger, ebenfalls Ex-Löwe; geriet. Zehn Minuten waren gespielt, als Christian Conteh auf seiner linken Seite den Ball von Sven Köhler bekam und mit einem schnellen Antritt an seinem Gegenspieler vorbeizog. Seine Flanke landete am zweiten Pfosten beim völlig freien Sebastian Polter, der eigentlich nur noch einschieben musste, den Ball aber nicht richtig traf und somit nicht aufs Tor drücken konnte. Der muss eigentlich drin sein!
Nur zwei Minuten später setzte Tempelmann im linken Strafraumbereich Conteh ein, dessen Hereingaben gleich zweimal geblockt wurden. Die folgende Ecke brachte aber nichts ein. Eine Viertelstunde danach zog Conteh über links sehenswert in den Strafraum, sein Abschluss flog aber eher Richtung Eckfahne, als wirklich gefährlich zu werden. Fünf Minuten später kam das Leder nach einem Pressschlag von Polter etwas glücklich zu Rayan Philippe, der plötzlich freie Bahn hatte, 14 Meter vor dem Tor aber an Torwart Menzel scheiterte. Allerdings war der Franzose klar aus einer Abseitsposition gestartet, was der Assistent übersehen hatte.
Zwei Zeigerumdrehungen danach schlug Conteh den Ball von der linken Seite auf den Elfmeterpunkt, wo Johan Gómez das Leder klasse verarbeitete, an seinem Gegenspieler vorbeizog und aus der Drehung zum Abschluss kam. Sein Flachschuss aus leicht spitzem Winkel rutschte beinahe durch die Beine von Menzel, der die Kugel gerade noch irgendwie stoppen konnte. Auf der chippte Rizzuto den Ball in den Strafraum auf Vasiliadis, der mit einem langen Bein zum Abschluss kam, den Ball aber deutlich über den Kasten bugsierte. Der letzte Abschluss der ersten Halbzeit gehörte den Löwen, Sven Köhler knallte einen Freistoß aus knapp 40 Metern aber in die Ein-Mann-Mauer.
Dann war Halbzeit. Die Eintracht hatte ein klares Chancenplus und hielt die Saarbrücker vom bis dato beschäftigungslosen Hoffmann fern. Dennoch war kein Tor gelungen und die zwei-Tore Führung aus dem Hinspiel eine trügerische Sicherheit. Trainer Marc Pfitzner brachte Levente Szabó für Sebastian Polter.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff eroberte Johan Gómez an der Mittellinie stark den Ball und schaltete den Turbo ein. Im Strafraum angekommen, verpasste er den richtigen Zeitpunkt für das Abspiel auf Szabó und zog aus spitzem Winkel ab, doch ein Verteidiger blockte noch zur Ecke. Diese landete bei Ermin Bičakčić, der das Leder aber nicht aufs Tor drücken konnte. Zehn Minuten später konnten die Gäste Lino Tempelmann nur mit einem Foulspiel stoppen. Rayan Philippe donnerte das Leder aus 18 Metern Richtung Tor, die Kugel zischte einen Meter drüber.
Auf der anderen Seite wurde Krauße bei einer Freistoßflanke von Gegenspieler Sonnenberg zu einer Klärungsaktion gezwungen. Dabei stand der Saarbrücker im Abseits, doch das hatte der Assistent übersehen. Nicht übersehen hatte der VAR anschließend, dass Jaeckel bei der folgenden Ecke mit der Hand am Ball war und so gab es den bitteren Elfmeter gegen die Eintracht, denn eigentlich hätte es die Ecke ja nicht geben dürfen. Ausgerechnet Ex-Löwe Florian Krüger legte sich den Ball zurecht und verwandelte frech in die Mitte, Hoffmann hatte sich für die linke Ecke entschieden. Der erste Schuss aufs Tor von den Gästen und der war gleich drin, das 0:1.
Die Schlussviertelstunde brach an, als Philippe den Ball über ein tolles Dribbling zu Lino Tempelmann trug, der Levente Szabó einsetzte. Der Ungar schlenzte vom Strafraumrand etwas zu genau, der Ball hüpfte knapp rechts am Tor vorbei. Im Gegenzug zog Civeja aus 18 Meter ab, aber Hoffmann packte sicher zu. Etwas mehr als fünf Minuten waren regulär zu spielen, als Szabó bei einem Konter viel zu lange brauchte, um endlich den Pass auf den völlig freien Rayan Philippe zu spielen. Der brauchte dann ebenfalls zu lange zum Abschluss und wurde geblockt. Bei einem früheren Pass hätte der Franzose völlig freie Bahn gehabt, so konterten nun die Gäste: Auf der rechten Strafraumseite konnte Köhler die Flanke von Schmidt nicht blocken, in der Mitte tauchte Brünker völlig ungedeckt zwischen Ermin Bičakčić und Paul Jaeckel auf. Aus wenigen Metern ließ der Stürmer Hoffmann keine Chance und köpfte die Kugel ins Netz. Der absolute Tiefschlaf, die zweite gefährliche Chance der Gäste war ebenfalls drin, das 0:2.
Drei Minuten danach hatte Kaufmann auf dem rechten Flügel etwas Platz. Seine Hereingabe legte Philippe für Tachie ab, der auf dem Elfmeterpunkt nochmal einen Haken schlug und für Lino Tempelmann ablegte. Die Ablage war etwas zu ungenau, sodass Tempelmann nur wenig druckvoll abziehen konnte. Sein Schuss aus 13 Metern wäre wohl dennoch eingeschlagen, hätte Krahn den Ball nicht vor der Linie für seinen chancenlosen Keeper geklärt. Von der Klärungsaktion prallte die Kugel an die Hand eines Gäste-Akteurs, doch es war wohl kein strafbares Handspiel. Die Löwen blieben aber in Ballbesitz, Robin Krauße setzte auf der linken Seite Fabio di Michele Sánchez in Szene, der eine Flanke vors Tor schlug. Dort schraubte sich Rayan Philippe in die Höhe, seinen Kopfballaufsetzer hatte Gäste-Keeper Menzel aber sicher.
Die neunminütige Nachspielzeit hatte gerade begonnen, als Fabio di Michele Sánchez im Laufduell mit Gegenspieler Rizzuto nach einem leichten Kontakt zu Boden ging. Schiedsrichter Stieler meinte es gut mit der Eintracht und entschied auf Foulspiel und so kurz vor der Strafraumkante bedeute das Gelb für den bereits verwarnten Rizzuto, der kurz vor der Verlängerung somit mit Gelb-Rot vom Platz musste. Den folgenden Freistoß schlug Köhler auf den zweiten Pfosten, wo Robin Krauße aus kürzester Distanz, aber auch aus spitzem Winkel zum Kopfball kam. Das Netz zappelte, die Südkurve tobte, beruhigte sich aber schnell wieder, denn Krauße hatte nur ans Außennetz geköpft.
In der sechsten Minute der Nachspielzeit schoss Szabó im Strafraum den Ball an die Hand von Bichsel, doch da der Ball vom Bauch an die Hand geprallt war, gab es zu Recht keinen Strafstoß. Zwei Minuten später verschaffte sich Tachie mit einem Haken etwas Platz und flankte in die Mitte. Dort kam Tempelmann recht frei zum Kopfball, bugsierte die Kugel aber drüber. Die neunminütige Nachspielzeit war bereits abgelaufen, als Rayan Philippe im Strafraum noch einmal zum Abschluss kam, dabei aber wegrutschte. Menzel packte sicher zu. Eine Zeigerumdrehung später verlagerte Köhler das Spiel auf die rechte Seite. Von dort flankte Kaufmann auf den zweiten Pfosten, wo Lino Tempelmann das Leder über die Latte drückte.
Dann war die reguläre Spielzeit vorbei. Zweimal 15 Minuten extra, das Ganze in Überzahl. Die Eintracht hatte trotz klarem Chancenplus zwei Tore weniger erzielt als die Gäste aus dem Saarland und bis auf die Gegentore auch praktisch keine Torchancen zugelassen. Marc Pfitzner reagierte und stellte auf eine Viererkette um. Für Sven Köhler kam Sidi Sané in die Partie.
Mit Beginn der Verlängerung zogen sich die Saarländer tief in die eigene Hälfte zurück und machten nichts mehr für die Offensive. Die Eintracht war bemüht, aber ideenlos. Ein Fernschuss von Lino Tempelmann weit über den Querbalken in der 98. Minute markierte den ersten Abschluss. Zwei Minuten später zog Richmond Tachie vom linken Strafraumeck ab, sein Versuch wurde abgefälscht und landete auf dem Tordach. Die folgende Ecke kam über Umwege zu Fabio Kaufmann, der sofort abzog, aber klar am Tor vorbei schoss. Eine Zeigerumdrehung danach wischte Torwart Menzel eine Flanke von Fabio di Michele Sánchez in die Füße von Sidi Sané, der aus extrem spitzem Winkel abzog, aber nur das Außennetz traf.
Die letzten Minuten vor dem erneuten Seitenwechsel schnürten die Löwen Saarbrücken am eigenen Strafraum ein, allerdings ohne wirklich gefährlich zu werden. Die einminütige Nachspielzeit war bereits abgelaufen, Schiedsrichter Stieler meinte es aber erneut gut mit der Eintracht und genehmigte einen letzten Angriff. Eine abgefälschte Kaufmann-Flanke landete bei Sidi Sané, der das Leder klasse verarbeitete und aus zwölf Metern abzog. Im Fallen blockte ein Verteidiger mit der Hand. Doch die Eintracht brauchte sich nicht zu beschweren, denn da sich zwei Saarbrücker gegenseitig anschossen, kam der Ball zu Fabio di Michele Sánchez. Der Linksverteidiger traf die Kugel mit dem schwächeren Rechten zwar alles andere als optimal, aber eigentlich doch genau richtig, denn das Spielgerät rollte in die untere linke Ecke. Nun bebten hier alle Blöcke, nun ja, bis auf der Gästeblock. Damit wäre die Eintracht Zweitligist, das 1:2!
Direkt danach war „Halbzeit“! Die Eintracht hatte weiterhin das klare Chancenplus und dieses auch in der Verlängerung auch noch weiter ausgebaut. Der hochverdiente und so wichtige Anschlusstreffer, bzw. Führungstreffer kam zum denkbar perfekten Zeitpunkt. Der BTSV musste nur noch 15 Minuten überstehen, um weiterhin zweitklassig zu sein!
Nun drehten die Gäste gezwungenermaßen auf. Fünf Minuten waren gespielt, als Brünker nach einer Hereingabe von Multhaup für Schmidt ablegte, der freistehend aus acht Metern klar verzog. Im direkten Gegenzug tankte sich Tachie bis zur Grundlinie, sein Querpass auf Szabó geriet aber etwas ungenau. Statt den Ball anzunehmen, versuchte es dieser dann mit der Hacke. Ungefährlich und genau in die Arme von Menzel. Sofort ging es wieder zurück Richtung Eintracht-Strafraum. Eine Flanke von Bichsel köpfte Brünker zu Ex-Löwe Krüger, der aus leicht spitzem Winkel alleine vor Hoffmann zum Abschluss kam, doch der Löwen-Schlussmann fuhr die rechte Pranke aus und parierte überragend.
Kurz darauf klärte Ermin Bičakčić eine Hereingabe in die Füße von Civeja, der aus 16 Metern den linken Winkel anvisierte. Thorben Hoffmann war mit einem Hechtsprung und den Fingerspitzen da und parierte erneut herausragend. Nach der folgenden Ecke herrschte durcheinander im Strafraum der Eintracht. Bichsel kam aus wenigen Metern zum Kopfball, doch Jaeckel konnte blocken. Der Ball fiel vor die Füße von Krüger, der aus zehn Metern am erneut stark reagierenden Thorben Hoffmann scheiterte, der den Ball im Nachfassen sogar sicher hatte. Es lief bereits die Nachspielzeit, als sich ganz Saarbrücken am Strafraum der Löwen versammelte, auch Torwart Menzel. Die lange Flanke köpfte Brünker in die Arme von Hoffmann, der blitzschnell reagierte und den Ball bis an den gegnerischen Strafraum knallte. Rayan Philippe gewann das Laufduell gegen seinen Gegenspieler und schob die Kugel aus 16 Metern ins leere Tor. Jetzt lagen sich hier alle in den Armen, das war die Entscheidung, der BTSV bleibt zweitklassig, das 2:2!
Der überragende Thorben Hoffmann durfte sich bei einem abgefälschten Fernschuss von Schmidt noch einmal auszeichnen, lenkte das Leder mit einer tollen Tat über die Latte und dann war Schluss! Die Eintracht bleibt denkbar knapp zweitklassig. Ein verdienter Sieg im unfairen Konzept „Relegation“, ob der Klassenerhalt über alle 36 Spiele verdient war, ist allerdings fraglich. Dennoch unfassbar wichtig, dass der BTSV ein viertes Zweitligajahr in Folge eingetütet hat. Nun gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Bis nächste Saison, ihr Zweitligisten
Euer Kivi
