Die Eintracht schießt ein Tor! Nach einer lange erneut wirklich schwachen Leistung brachte nach knapp neun Stunden ohne Tor ein Strafstoß die Erlösung. Neuzugang Lino Tempelmann traf gegen den neuen Spitzenreiter 1. FC Magdeburg zum 1:1-Ausgleich. Zuvor war Sebastian Polter gefoult worden. Anschließend kamen die Löwen besser in die Partie und versprühten endlich mal wieder Gefahr vor dem gegnerischen Tor. In den 67 Minuten zuvor war den Blau-Gelben nach einem frühen Rückstand kaum etwas gelungen. Doch am Ende ergatterte der BTSV vor über 27.000 Zuschauern den zweiten Punkt im zweiten Spiel in 2025 und bleibt in der Rückrunde ungeschlagen.
Für 4,50 Euro gab es vor dem Spiel eine Bratwurst. Das Brötchen war mal wieder eher mäßig, aber immerhin nicht unaufgebacken wie bei den letzten Besuchen in Magdeburg. Dennoch schafft das Grillgut gerade noch eine durchschnittliche Bewertung: 6/10.
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung, Sven Köhler hatte sich beim Aufwärmen verletzt und wurde von Johan Gómez ersetzt: Thorben Hoffmann (TW) – Paul Jaeckel, Ermin Bičakčić, Kevin Ehlers – Lino Tempelmann – Marvin Rittmüller (67. Sanoussy Ba), Fabio Kaufmann (46. Robin Krauße), Johan Gómez (90.+3 Max Marie), Fabio di Michele Sánchez – Rayan Philippe (67. Christian Conteh), Levente Szabó (46. Sebastian Polter)
In den ersten vier Minuten erspielten sich die Löwen gleich drei Ecken. Gegen Schalke hatte es davon ja nicht eine einzige gegeben. Doch gefährlich wurde es für die Gastgeber nicht. Mit der ersten Offensiv-Aktion ging die schlechteste Heimmannschaft, die zu Hause noch sieglos war, dann auch gleich in Führung: Einen langen Ball von Hugonet konnte der 1,69 Meter große Baris Atik wenige Meter vor dem Löwen-Strafraum unbedrängt aus der Luft pflücken. Die Nummer 23 der Gastgeber vernaschte anschließend noch Paul Jaeckel und Ermin Bičakčić und zog aus 18 Metern ab. Vom rechten Innenpfosten klatschte das Spielgerät ins untere rechte Eck. Nichts zu machen für Thorben Hoffmann, der gleich beim ersten Schuss auf seinen Kasten im neuen Trikot hinter sich greifen musste. Das 1:0 für den FCM.
Bis dahin war es still gewesen im Heinz-Krügel-Stadion, denn in Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt schwiegen sämtliche Zuschauer die ersten sechs Spielminuten.
Die Eintracht war nun völlig von der Rolle, es reihte sich Fehler an Fehler, kaum eine Pass-Stafette schaffte es auf mehr als drei Pässe. Die Defensivspieler verloren selbst simple Zweikämpfe, die Gastgeber waren im Sinne einer Spitzenmannschaft völlig überlegen. Nur eine Zeigerumdrehung nach dem Rückstand kam Kaars nach einer Hereingabe von Nollenberger aus kurzer Distanz zum Abschluss, Thorben Hoffmann reagierte stark und verhinderte den Doppelschlag. Zudem ging die Fahne hoch: Abseits.
Zehn Minuten später kam Gnaka nach einer Ecke aus 17 Metern zum Abschluss, doch Hoffmann tauchte ab und fischte den Flachschuss aus dem rechten Eck. Zwei Zeigerumdrehungen später kam Hugonet nach einer Freistoßflanke völlig frei zum Kopfball, setzte den Ball aber über den Kasten und stand zudem klar im Abseits. 20 Minuten waren noch zu spielen, als Tempelmann die Kugel von Gómez bekam und 18 Meter vor dem Tor etwas Platz hatte. Sein Schuss sauste aber meterweit am Tor der Gastgeber vorbei. Auf der anderen Seite klärten die Löwen eine Flanke vor die Füße von Atik dessen Volley-Direktabnahme aber auch klar über den Kasten flog. Dann gelang der Eintracht nach einer eigenen Ecke tatsächlich ein Torabschluss. Kapitän Ermin Bičakčić köpfte die Kugel aber in die Arme von Torwart Reimann.
Eine Viertelstunde vor der Pause brach Kaars nach einem Steilpass plötzlich frei durch, Thorben Hoffmann machte es im direkten Duell aber stark, blieb lange stehen und wehrte den Schuss aus leicht spitzem Winkel anschließend gekonnt ab. Kurz darauf erwischte der weiterhin nicht gerade großgewachsene Baris Atik eine Flanke von Burcu mit dem Kopf. Der Ball touchierte den linken Außenpfosten und sprang ins Toraus. Glück für die Eintracht. Fünf Minuten vor der Pause endete ein sehenswerter Löwen-Angriff bei Marvin Rittmüller, der relativ unbedrängt meterweit an Freund und Feind vorbei flankte. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit gab Hercher den Ball brandgefährlich vors Tor, doch keiner der Magdeburger kam zum Abschluss.
Dann war Halbzeit. Die Eintracht war völlig unterlegen und zeigte einen Auftritt, der so einfach nicht zweitligareif war. Gegen die Magdeburger, die im Heinz-Krügel-Stadion nicht nur sieglos waren, sondern auch die wenigsten Heim-Punkte aller Zweitligisten gesammelt hatten, war man völlig unterlegen. Dennoch waren die Gastgebern nun erstmal Spitzenreiter, was für eine kuriose Konstellation. Daniel Scherning reagierte und ersetzte die völlig abgemeldeten Levente Szabó und Fabio Kaufmann mit Sebastian Polter und Robin Krauße.
Die defensive Stabilität von Robin Krauße half den verunsicherten Löwen auch merklich weiter, doch der FCM war nach Wiederanpfiff sofort wieder die klar dominierende Mannschaft. Burcu zog aus der zweiten Reihe ab, Ermin Bičakčić warf sich dazwischen und das Netz zappelte. Doch der Bosnier hatte die Kugel nur ans Außennetz abgefälscht, einige Magdeburger Fans hatten den Ball im Tor gewähnt und sich bereits lautstark über das vermeintliche 2:0 gefreut. Drei Minuten später zog Burcu vom Strafraumrand ab, doch Thorben Hoffmann parierte souverän. Zehn Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als die Gastgeber einen Freistoß in brandgefährlicher Position zugesprochen bekamen. Mathisen schlenzte die Kugel aus 17 Metern knapp vorbei. Zwei Zeigerumdrehungen danach kam eine Ecke über Umwege zu Robin Krauße, der aus 18 Metern abzog, das Leder aber weit über den Kasten jagte. Im direkten Gegenzug kam Hercher aus kurzer Distanz zum Abschluss, setzte seinen Versuch aber ein Stück rechts neben das Tor.
Etwas mehr als eine Stunde war gespielt, als Rayan Philippe den Fuß in einen Rittmüller-Fernschuss hielt, das Spielgerät aber auch nicht mehr scharf machen konnte. Die Kugel flog einige Meter links am Tor vorbei. Während die zahlreich mitgereisten Eintracht-Fans die Deutsche Meisterschaft von 1967 besangen, bediente der Sekunden zuvor eingewechselte Sanoussy Ba im gegnerischen Strafraum Sebastian Polter. Der verarbeitete die Kugel gar nicht mal so gut, wurde aber von Heber am Bein getroffen und zu Fall gebracht: Strafstoß! Rayan Philippe hatte wenige Augenblicke zuvor den Platz verlassen, also legte sich Lino Tempelmann den Ball zurecht und versuchte es frech in die Mitte. Reimann hatte sich für die rechte Ecke entschieden, also war das Ding nach fast neun langen Stunden endlich wieder drin! Lino Tempelmann bejubelte seinen ersten Eintracht-Treffer mit einem Knierutschter vor dem Gästeblock: das 1:1!
Fünf Minuten später hätte Paul Jaeckel den Gästeblock beinahe in ein Tollhaus verwandelt. Nach einer Freistoßflanke landete der Ball irgendwie beim Innenverteidiger, der zwölf Meter vor dem Tor plötzlich ganz viel Platz hatte, aber knapp rechts am Tor vorbeischoss. Die Löwen waren jetzt deutlich mutiger und hatten etwas Selbstvertrauen getankt: Zwei Minuten danach landete eine Flanke von Sanoussy Ba am rechten Außenpfosten. Kurz darauf musste Teixeira bei einem Löwen-Konter in höchster Not retten und verhinderte so eine Riesenchance. Auf der anderen Seite schoss Ameachi einen Freistoß vom linken Strafraumeck weit am Tor vorbei.
Die Gastgeber wollten nun das 2:1 und bauten ordentlich Druck auf. Eine Minute später brach Conteh über die linke Seite in den Strafraum und hatte eigentlich etwas Zeit und Platz, um sich einen Mitspieler für den Querpass auszusuchen, verstolperte den Ball aber, die Kugel rollte ins Toraus. Im direkten Gegenzug zog Ameachi nach innen und suchte aus 17 Metern den Abschluss: vorbei. Die Nachspielzeit war bereits abgelaufen, als die Gastgeber noch einmal drei Ecken in Folge bekamen, gefährlich wurde davon aber keine.
Dann war Schluss. Die Magdeburger waren eigentlich nach allen Belangen überlegen gewesen, Tore erzielten beide Teams aber je eins und so gab es am Ende im Duell der Partnerstädte eine Punkteteilung. Ein Punkt gegen den neuen Spitzenreiter klingt definitiv besser als ein Punkt gegen die schwächste Heimmannschaft. Mühsam ernährt sich der Löwe. Das Team von Daniel Scherning wartet nun seit sieben Spielen auf einen Sieg. Immerhin: die Torflaute wurde beendet. Wird Zeit, dass das Gleiche mit der Siegesflaute passiert. Dafür muss im besten Fall aber eine zweitligareife Leistung über 90 Minuten her. In der Offensive und in der Defensive.
Bis dahin
Euer Kivi
