Die Eintracht schenkt dem sieben Pflichtspiele sieglosen 1. FC Nürnberg einen Befreiungsschlag zu Weihnachten. Obwohl die Leistung im letzten Spiel des Jahres nicht ganz so katastrophal war wie die vergangenen Auftritte, hieß der hochverdiente Sieger am Ende mal wieder nicht Eintracht Braunschweig. Komplett ohne richtig gefährliche Torchance über 90 Minuten blieben die zahnlosen Löwen zum vierten Mal in Folge ohne eigenes Tor. Die 1.600 mitgereisten Fans warten somit seit über sechs Stunden Spielzeit auf einen Torjubel. Nachdem Eintracht-Schlussmann Marko Johansson in der ersten Halbzeit mit überragenden Paraden noch die Null gehalten hatte, pennten die Blau-Gelben bei einem schnell ausgeführten Freistoß kurz nach Wiederanpfiff komplett. Da kurz darauf Christian Conteh völlig unnötig Gelb-Rot sah, sollte es kurz vor Weihnachten das fünfte sieglose Spiel in Folge geben.
Regionaltypisch passend, gab es als Stärkung vor meinem sechsten Besuch im Max-Morlock-Stadion drei Nürnberger im „Weck“. Für vier Euro waren diese beim gestrigen Besuch sehr gut. Das Brötchen-Wurst-Verhältnis war nicht ganz so meins, daher gibt es 8,5/10 von mir.
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Marko Johansson (TW) – Robert Ivanov, Ermin Bičakčić (C, 88. Kevin Ehlers), Jannis Nikolaou – Sanoussy Ba (75. Leon Bell Bell), Sven Köhler, Max Marie (62. Johan Gómez), Fabio di Michele Sánchez (88. Linus Queißer)- Fabio Kaufmann, Rayan Philippe, Christian Conteh (59. Gelb-Rot)
Nach nicht ganz drei Minuten war Marko Johansson erstmals gefragt. Der Torwart fing eine flache Hereingabe vor gleich zwei lauernden Gegenspielern ab. Zehn Minuten später wurde es dann schon bedeutend gefährlicher. Jander kam viel zu einfach über den Flügel an den rechten Strafraumrand und spielte den Ball flach in die Gefahrenzone. Dort rutschte der völlig freie Castrop knapp am Ball vorbei. Fünf Minuten danach wurde Tzimas von Yilmaz bedient und zog aus spitzem Winkel ab, Ivanov stand im Weg und fälschte zur Ecke ab. Die Ausführung verzögerte sich, da der Nürnberger Keeper behandelt werden musste. Interessant dabei: Einige seiner Mitspieler rannten sofort zum Trainer für eine kurze taktische Besprechung.
Aus der Ecke entstand ein Gegenangriff, Fabio Kaufmann rannte an mehreren Verteidigern vorbei, verpasste aber den richtigen Moment für den Abschluss, am Ende klärten die Gastgeber auf Kosten einer Ecke. Die brachte Rayan Philippe scharf auf den ersten Pfosten, Fabio Kaufmann verlängerte zu Sven Köhler, der die Kugel aber nicht aufs Tor drücken konnte. Der Ball kam über Umwege zu Fabio di Michele Sánchez, der es aus der zweiten Reihe versuchte. Ein Nürnberger brachte noch ein Körperteil an den Ball und entschärfte den Schuss, somit war es leichte Beute für FCN-Keeper Reichert. Kurz darauf kamen auch die Gastgeber erstmals zum Abschluss: Justvan zirkelte einen direkt getretenen Freistoß einen Meter am Tor vorbei. Zehn Minuten vor der Pause spielten die Löwen den Ball im Aufbauspiel in die Füße von Castrop, der aus 20 Metern abziehen konnte, aber zur Ecke geblockt wurde. Diese wurde auf Kosten eines weiteren Eckstoßes geklärt. Nach dieser wurde es beinahe gefährlich, doch Jander kam erst knapp hinter der Grundlinie an den Ball.
Fünf Minuten waren noch zu spielen, als Philippe einen eigenen Einwurf in den Lauf von Gegenspieler Tzimas köpfte. Der Grieche marschierte trotz mehrerer Blau-Gelber Verteidiger bis in den Strafraum und zog aus 14 Metern ab. Der Schuss zischte hauchzart links am Tor vorbei. Zwei Zeigerumdrehungen danach machte Tzimas den Ball im Mittelfeld fest und überwand die Abwehrkette mit einem simplen Steckpass. Justvan kam aus zwölf Metern zum Abschluss, Marko Johansson reagierte aber hervorragend und entschied das direkte Duell mit einer tollen Parade für sich. Die Nachspielzeit hatte gerade begonnen, als der Ball am Strafraumrand vor die Füße von Max Marie prallte, der aus 18 Metern per Direktabnahme abzog. Leicht abgefälscht, landete der Ball in den Armen von Torwart Reichert. Im Gegenzug bekamen die Nürnberger einen Freistoß zugesprochen, den Jander in die Gefahrenzone schlug. Vier Meter vor dem Tor stand Karafiat völlig frei, schaffte es aber, den Ball neben das Tor zu befördern. Riesenglück für die Eintracht. Eine Minute später spielten die Gastgeber die Blau-Gelben über mehrere Stationen schwindelig. Janisch, Justvan, wieder Janisch und Jander hießen die Stationen. Jander setzte schlussendlich Tzimas in Szene, der völlig frei und ungestört vor Johansson auftauchte, aus elf Metern aber nicht am erneut stark reagierenden Löwen-Schlussmann scheiterte.
Dann war Halbzeit. Die Eintracht war mehr als gut damit bedient, ohne Gegentor in die Pause zu gehen und konnte sich bei der Ungenauigkeit der Nürnberger Abschlüsse und Marko Johansson bedanken. Einen wirklich gefährlichen Abschluss hatten die Löwen nicht, die Harmlosigkeit der letzten Wochen blieb bestehen. Trainer Daniel Scherning verzichtete auf Wechsel.
Seit 1979 konnte die Eintracht in Nürnberg nicht mehr gewinnen und auch der Start in den zweiten Durchgang machte nicht unbedingt Hoffnung auf mehr. Die Spielanteile waren sofort ähnlich einseitig verteilt wie in den letzten Minuten vor der Pause. Drei Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, als Max Marie einige Meter vor dem Strafraum ein Foulspiel begann und die Eintracht in den verfrühten Winterschlaf verfiel. Niemand verhinderte, dass Justvan den Ball in den Strafraum chippen konnte, wo nur Ivanov überhaupt reagierte und dadurch auch noch das Abseits aufhob. Tzimas hatte sich derweil schon einen Vorsprung erarbeitet und vollstreckte per Volley-Schuss aus kurzer Distanz. Das ging viel zu einfach und war dennoch verdient: das 1:0 für den so lange sieglosen Glubb.
Nur zwei Minuten später setzten die Löwen ein kleines Zeichen. Eine Flanke von di Michele Sánchez konnte Kaufmann aber nicht aufs Tor bringen. Zehn Minuten nach dem 1:0 folgte der nächste Rückschlag. Christian Conteh verlor an der Mittellinie den Ball und foulte anschließend taktisch. Eine echte Gefahr war da nicht, aber es war nun mal ein taktisches Foul und Conteh hatte bereits im ersten Durchgang gelb gesehen. Somit flog der Flügelspieler kurz vor seiner angedachten Auswechslung vom Platz. Eine unfassbar unnötige Aktion, vor allem in der Situation des Vereins, der Mannschaft und auch des Trainers. Drei Minuten später rettete Fabio di Michele Sánchez nach einem Konter in höchster Not gegen Tzimas.
20 Minuten waren noch zu spielen, als die Hausherren nach einer Ecke erneut flanken durften. Justvan stand am zweiten Pfosten ziemlich frei, köpfte das Leder aber per Aufsetzer in die Arme von Marko Johansson. Eine Zeigerumdrehung später kam Yilmaz im Strafraum zum Abschluss, ein Braunschweiger Bein konnte aber blocken. Wenige Augenblicke danach versuchte es Castrop aus der zweiten Reihe, knallte die Kugel aber klar vorbei. Zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit versuchte es Pick nach einem Konter aus der Ferne, ballerte aber weit über den Querbalken. Auf der anderen Seite bekam Gómez von Leon Bell Bell den Ball und zog halblinks im Strafraum ab. Ein Verteidiger blockte den Schuss zur Ecke. Ein paar Minuten danach konterte der Glubb. Castrop bediente Pick, der alleine aufs Löwen-Tor zulief, scheiterte aus 16 Metern aber im direkten Duell an Marko Johansson. Es lief bereits die Nachspielzeit, als Lubach aus 17 Metern abzog und den Ball nur hauchzart neben den linken Pfosten setzte.
Dann war Schluss und der alle, die es mit Blau und Gelb halten, waren mal wieder enttäuscht. Auch gegen die kriselnden Gastgeber war man von einem Punktgewinn trotz des knappen Ergebnis ein gutes Stück entfernt. Besonders besorgniserregend war erneut, dass kaum ein Spieler eine gute Leistung ablieferte, Marko Johansson ausgenommen. Die Zeichen stehen auf Abstieg. Es muss dringend etwas passieren.
Doch Fußball und die Eintracht sind trotz vieler Emotionen nicht alles. Und daher wünsche ich euch und euren Familien eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit. Wir sehen uns im nächsten Jahr!
Bis dahin
Euer Kivi
