Klassenerhalt! Die Eintracht schafft es tatsächlich, eine Entscheidung nicht bis auf den letzten Spieltag hinauszuzögern, macht es aber dennoch nervenaufreibend wie gewohnt. Mit zehn Spielern, davon zwei angeschlagenen Kämpfern, schmissen sich die Löwen in alles, was der Gegner Richtung Eintracht-Strafraum auffuhr. Und wenn das nicht ausreichte, war ein löwenstarker Thorben Hoffmann da, der wieder einmal herausragend aufgelegt war. Über 21.000 Braunschweiger ließen den seit Wochen ausverkauften Heimbereich beben und ließen das Eintracht-Stadion in den Schlussminuten bei jeder Klärungsaktion explodieren. Nach toller Anfangsphase war die Mannschaft von Trainer Daniel Scherning durch Þórir Helgason in Führung gegangen. In der zweiten Halbzeit war es dann ein großer Kampf, wie schon seit Amtsantritt von Daniel Scherning, mit dem die Eintracht den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt meistern sollte. Denn nach gefühlt 400 Minuten war es geschafft, die Eintracht gewinnt gegen Wiesbaden und spielt auch nächste Saison zweitklassig!
Eintracht-Coach Daniel Scherning entschied sich für folgende Aufstellung: Thorben Hoffmann (TW) – Robert Ivanov (58. Jannis Nikolaou), Ermin Bičakčić, Hasan Kuruçay – Marvin Rittmüller (84. verletzt), Fabio Kaufmann (71. Hampus Finndell), Niklas Tauer (71. Sebastian Griesbeck), Þórir Helgason, Anderson Lucoqui (63. Anton Donkor) – Johan Gómez (71. Anthony Ujah), Rayan Philippe
Es ging um alles, dementsprechend war von Beginn an Feuer drin. Auf dem Platz und auf jeder Tribüne, denn heute gab jeder Spieler, jedes Team-Mitglied neben dem Platz und jeder Fan alles und noch mehr. Eine herrliche Choreo und von Beginn an überragende Stimmung zeigten der Mannschaft sofort: Wir stehen hinter euch! Und so rannten die Löwen sofort an und suchten den Weg in die Offensive. Sieben Minuten waren gespielt, als der erste Torschrei den Weg aus tausenden Kehlen suchte, aber doch nicht geschrien werden sollte. Fabio Kaufmann hatte sich über die rechte Seite durchgetankt und den Ball auf Verdacht einfach mal scharf und flach in den Strafraum gespielt. Rayan Philippe hatte seinen Gegenspieler mit einem schnellen Antritt einfach stehen gelassen und grätschte in die Hereingabe, verpasste die Kugel aber denkbar knapp. Kurz darauf zog Helgason aus der zweiten Reihe ab, drüber.
Dann wurde es auch auf der anderen Seite gefährlich. Ermin Bičakčić ließ sich auf der linken Grundlinie von Heußer abkochen, der in den Strafraum eindringen konnte und Prtajin bediente. Der zog aus leicht spitzem Winkel ab, traf aus wenigen Metern aber nur den Pfosten. Thorben Hoffmann wäre aber vermutlich da gewesen. Sofort ging es wieder in die andere Richtung. Lucoqui flankte von der linken Seite, Johan Gómez kam aus zehn Metern frei zum Kopfball, doch Keeper Stritzel riss den Arm hoch und lenkte den Ball noch über den Querbalken. Bei der anschließenden Ecke flog der Schlussmann der Gäste an der Hereingabe von Philippe vorbei, doch Ermin Bičakčić köpfte die Kugel aus spitzem Winkel am leeren Tor vorbei.
Eine Zeigerumdrehung später landete eine Flanke von der rechten Seite bei Anderson Lucoqui, der aus zehn Metern sofort abzog, doch wieder war Stritzel da und konnte parieren. Im Gegenzug rettete Hoffmann aus spitzem Winkel gegen Goppel und parierte zur Ecke. Nach einer Ecke wurde es kurz darauf auch besonders laut, allerdings auf der anderen Seite, direkt vor der Südkurve. Der erste Versuch von Rayan Philippe war ungefährlich, doch die Gäste klärten die Kugel direkt zurück zu dem Franzosen, der von der rechten Seite erneut flankte. Wieder bekamen die Wiesbadener die Kugel nicht geklärt, Þórir Helgason spritzte dazwischen und stocherte die Kugel aus kurzer Distanz und sehr spitzem Winkel im Fallen irgendwie durch die Beine von Stritzel ins Tor! Riesenjubel im Eintracht-Stadion, die so wichtige Führung für die Braunschweiger Eintracht!
Anschließend schnauften beide Teams kurz durch, es dauerte zehn Minuten, bis es wieder halbwegs gefährlich wurde und wieder war Rayan Philippe beteilitgt. Der Top-Scorer der Löwen zog nach innen und ließ aus etwa 22 Metern ein echtes Geschoss ab. Leider zu zentral, sonst hätte Stritzel überhaupt keine Abwehrchance gehabt, so parierte der Gäste-Keeper mit beiden Fäusten. Fünf Minuten vor der Halbzeit konnte Hasan Kuruçay einen langen Ball nur unzureichend klären und so kam Prtajin aus spitzem Winkel zum Abschluss. Thorben Hoffmann musste aber nicht eingreifen, der Ball flog am Tor vorbei. Im Gegenzug tanzte Lucoqui seinen Gegenspieler aus und hatte viel Platz auf der linken Seite, seine flache Hereingabe landete aber in den Armen von Stritzel.
Dann war Halbzeit. Die Löwen führten verdient, aber auch nur mit 1:0. Alles andere als ein Sieg würde Zittern am letzten Spieltag bedeuten. Die Ausgangslage für die zweite Halbzeit war dennoch gut, Kampf, Leidenschaft und Leistung stimmten absolut und so schickte Daniel Scherning seine Mannschaft unverändert in die zweite Halbzeit.
Doch seine Löwen fanden keinen guten Start in den zweiten Durchgang. Bei einer eigentlich harmlosen Flanke aus dem rechten Halbfeld säbelte Robert Ivanov an der Kugel vorbei und so tauchte Prtajin völlig frei vor Thorben Hoffmann auf. Doch der BTSV-Schlussmann ließ das Eintracht-Stadion beben und parierte den Schuss aus acht Metern mit einer herausragenden Wahnsinnstat. Wieder einmal war auf Hoffmann verlass. Fünf Minuten später lenkte der Löwen-Keeper einen direkt getretenen Freistoß mit den Fingerspitzen über die Latte und fing die anschließende Ecke ab. Die Löwen konnten sich kaum noch befreien, Wiesbaden hatte gefühlt durchgängig den Ball in der Nähe des Löwen-Strafraums. Die Anspannung war überdeutlich zu spüren, doch die Stimmung blieb hervorragend, als wollten die Eintracht-Fans den Ball von ihrem Tor weg brüllen.
Dann kam mal wieder die Eintracht nach vorne: Erst wurde Kaufmann aus der zweiten Reihe geblockt, dann zog Helgason wuchtig aus etwa 21 Metern ab, platzierte seinen Schuss aber etwas zu zentral, Stritzel brauchte aber erneut beide Fäuste. Kurz darauf mussten die Löwen bereits zum zweiten Mal wechseln. Nach dem Wechsel Nikolaou-Ivanov humpelte Anderson Lucoqui vom Feld. Für ihn kam Anton Donkor in die Partie. Wenige Minuten danach verletzte sich auch noch Fabio Kaufmann und so musste Daniel Scherning 20 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit das letzte Wechselfenster ziehen und nutzte dieses gleich für einen Dreifachwechsel. Neben Kaufmann verließen Johan Gómez und Niklas Tauer den Rasen. Neu ins Spiel kamen Anthony Ujah, Hampus Finndell und Sebastian Griesbeck. Die Löwen stellten sich nun also noch defensiver auf.
Eine Minute darauf wurde Helgason gefoult und blieb mit Krämpfen liegen. Wechseln konnten die Blau-Gelben nicht mehr, der Isländer musste also angeschlagen weiterspielen. Und auch anderen Löwen sah man die kräftezehrende Aufholjagd und den hohen Einsatz am Sonntagmittag an. Doch die Einträchtler steckten nicht zurück und kämpften weiterhin aufopferungsvoll. Es wurde hitzig und kam zu der ein oder anderen Rudelbildung, die Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt, es war kaum auszuhalten und das, obwohl man als Eintracht-Fan bekanntermaßen sehr viel gewohnt ist. Dementsprechend wurde ab der Schlussviertelstunde jeder Befreiungsschlag, jede Möglichkeit mal kurz durchzuschnaufen, frenetisch bejubelt. Sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit waren die Löwen dann auch noch in Unterzahl, Marvin Rittmüller verletzte sich am Oberschenkel und konnte nicht mehr weitermachen.
In Überzahl kamen die Gäste dann auch nochmal zum Abschluss, der Distanzschuss von Lee touchierte die Latte und sprang ins Aus. Nun war der Ball gefühlt durchgängig im Löwen-Strafraum. Immer wieder klärten die Blau-Gelben, wirklich befreien konnte sich die Eintracht aber nicht. Heußer zog aus der zweiten Reihe ab, Hoffmann parierte, die Eintracht jubelte. Eine Minute später fing Hoffmann eine Flanke ab, erneut großer Jubel. Anschließend humpelte Ermin Bičakčić vom Feld, die Löwen waren also kurze Zeit zu neunt, der Kapitän humpelte nach kurzer Behandlung aber wieder aufs Feld. Kurz darauf fing Hoffmann die nächste Flanke ab, nun schrie sich ganz Braunschweig vor Jubel die Seele aus dem Leib, es war aber noch nicht vorbei. Kurz darauf gab es eine Ecke, Torwart Stritzel war mit im Strafraum, doch erneut war Eintracht-Schlussmann Thorben Hoffmann da und pflückte die Kugel aus der Luft. Wieder Jubel wie bei einem späten Siegtreffer. Kurz darauf kam Anthony Ujah von der linken Strafraumkante nochmal zu Abschluss, Stritzel pflückte die Kugel aber locker aus der Luft.
Und dann war Schluss! Das Eintracht-Stadion explodierte erneut, fremde Menschen lagen sich in den Armen, die ein oder andere Freudenträne bahnte sich ihren Weg ins Freie und man hörte tausende Schreie. Eintracht Braunschweig bleibt in der 2. Bundesliga! Wer hätte das vor dem Amtsantritt von Daniel Scherning noch gedacht? Selbst die kühnsten Optimisten blickten der 3. Liga entgegen, doch Eintracht Braunschweig hat es mal wieder geschafft und gegen alle Widerstände gerungen, gekämpft und geackert. Mit Erfolg! Leider kam es im Anschluss zu einem Platzsturm, sodass die Feier vor der Südkurve ausfallen musste, denn nachdem sich einige Dutzend auf den Weg auf den Rasen gemacht hatten, öffneten die Platzstürmer auch andere Tore und holten so einige hundert Mitläufer mit sich. Sehr schade aus meiner Sicht, denn die Jungs hätten sich eine Ehrenrunde verdient. So war die Fanmasse schon deutlich kleiner geworden, als die Löwen auf der Haupttribüne versammelt die letzte Heimsieg-Feier dieser Saison starteten. Zu dem Zeitpunkt begab ich mich dann auch mal in den Innenraum, verschwand nach kurzer Zeit aber in die Rheingoldarena, doch dazu später mehr…
Wir sehen, hören oder lesen uns beim oder nach dem Spiel in Kaiserslautern, liebe Zweitligisten!
Bis dahin
Euer Kivi

